Rote Eier holen

Termin

Dieser Brauch findet am 20. und 21. April 2025 statt.
Rote Eier an Ostern.

Einstiegsinformation

In der Nacht vom Ostersonntag auf den Ostermontag ziehen die Burschen in Lengenfeld (im Landkreis Landsberg am Lech) und Umgebung (Hofstetten, Stoffen, Pürgen und Reichling) los, um bei den Madln rote Eier zu holen (Schnapstag, Goggern). Ziel sind die Wohnstuben junger Frauen, in denen Schnaps, rote Eier und Brotzeiten warten. Je nachdem, ob die Madln daheim waren oder nicht, eine Brotzeit hatten oder nicht, erhalten sie vom 30. April auf den 1. Mai von den Burschen ein schönes, grünes Bäumchen mit Schleifen oder einen dürren Baum auf den Giebel ihres Hausdachs. Der Brauch ist ein altes, bayerisches Anbandel- und Flirtspiel.

Ablauf

Am Ostermontag bzw. in der Nacht vom Ostersonntag auf den Ostermontag begeben sich junge Burschen -gekleidet meist mit Haferlschuhen und Tracht- auf den Weg zu gleichaltrigen Madln. An diesem Tag gilt es möglichst viele Frauen des Dorfes zu besuchen. Angereist wird mit einem Traktor und einer Leiter im Gepäck, um vor die Schlafzimmerfenster der Madln zu steigen. Dort machen sie sich dann entweder durch das Werfen von Steinen ans Fenster, durch Anklopfen oder durch Goggern (Nachahmung der Geräusche eines Hahns) bemerkbar, um ein rotes Ei vom auserwählten Madl zu bekommen. Diese lassen die Burschen dann in der Nacht durchs Schlafzimmerfenster herein, wo sie nicht nur rote Eier, sondern auch eine gute Brotzeit und Schnaps erhalten. Aber nicht jeder Bursche hat Glück mit seinem roten Ei, denn die Madln vergeben auch rohe oder faule Eier, deren Überraschung der Bursche erst nach dem Öffnen bemerkt. Dann allerdings weiß er, wie das Madl zu seiner Liebe steht. Nach dem ergiebigen Frühstück ziehen die Burschen weiter zum nächsten Madl, wo eine weitere Brotzeit wartet. Der Zug der Burschen durch das Dorf kann je nach Anzahl der zu besuchenden Madln bis in die frühen Morgenstunden dauern. In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai bekommen diejenigen Madln, die den Burschen in der Nacht vom Ostersonntag auf den Ostermontag Eintritt mit Schnaps, einer Brotzeit und roten Eiern gewährt haben, ein grünes, schönes Bäumchen mit Schleifen auf den Giebel ihres Hausdachs. Madln, die am Ostermontag nicht daheim waren, nicht das Schlafzimmerfenster geöffnet haben oder keine roten Eier hatten, erhalten von den Burschen ein dürres Bäumchen auf das Dach. Hierfür steigen die Burschen in der Nacht unbemerkt auf den Giebel des Wohnhauses des Madl und befestigen das jeweils gewählte Bäumchen. Am 1. Mai wird dann durch das Dorf gefahren und geschaut, welches Bäumchen die Mädchen erhalten haben. Das Bäumchen ist dabei ein Indikator für die Gastfreundlichkeit und Beliebtheit des Mädchens bei den Burschen. Auch die Madln selbst schauen bevor es morgens hell wird, welches Bäumchen sich auf ihrem Hausdach befindet, um es eventuell abmontieren zu können, falls es ein dürres Bäumchen ist. Die beiden Bräuche das rote Eier Holen am Ostermontag und das Bäumchen Stecken am 1. Mai gehören also unmittelbar zusammen.

Akteure

Teilnehmer des Brauchs sind meist junge, ledige und ortsansässige Burschen, die den Brauch praktizieren. Aber auch verheiratete Männer sind heutzutage aus Spaß mit dabei. Pflicht ist dabei immer die Tracht mit Haferlschuhen und Hut. Aufgrund der weiten Wegstrecke wird oft der Traktor samt Anhänger und Leiter bevorzugt, aber auch zu Fuß sind sie unterwegs. Am 1. Mai bzw. wenige Tage zuvor müssen die Bäumchen für die Madln ausgesucht, hergerichtet und geschmückt werden, um diese dann am 1. Mai mit einer Leiter montieren zu können. Die Madln haben beim rote Eier Holen die größeren Vorbereitungen. Sie richten Brotzeiten, Getränke und Schnaps her und färben Tage zuvor zahlreiche rote Eier. Dabei warten auf die Burschen sowohl rohe als auch gekochte Eier. Da ein Madl sich nie sicher sein kann, wie viele Burschen in der Nacht kommen, sollte sie immer genügend rote Eier auf Vorrat haben, um nicht am 1. Mai ein dürres Bäumchen auf dem Giebel zu erhalten.

Varianten

Der Brauch wird nicht nur im Landkreis Landsberg praktiziert, sondern wie regionale Zeitungsartikel zeigen auch im Landkreis Miesbach und im Landkreis Regensburg. In Miesbach beispielsweise wird das rote Eier holen auch als Schnapstag bezeichnet, da die Burschen von Haus zu Haus ziehen, Schnaps trinken und versuchen rote Eier zu ergattern. In dieser Region werden auch andere Eierfarben an die Burschen verschenkt. Das Rote ist dabei aber immer der Hauptgewinn und steht für Zuneigung und Liebe. Was genau die anderen Farben bedeuten, ist nirgends festgeschrieben. Doch allgemein wird grün als Hoffnung, blau mit Treue und gelb mit Neid oder Eifersucht assoziiert. (Aigner, Johannes 2011) In der Region Regensburg wird der Brauch auch mit Musik untermalt. Dabei singen die Burschen den Madln alte Volkslieder vor und begleiten sich mit Instrumenten. In Regensburg wird der Brauch wie auch bei uns als rote Eier holen bezeichnet.

Hintergrund-Infos

Entwicklungsgeschichte damals

Laut dem Dürnbacher Heimatforscher Beni Eisenburg gibt es den Brauch schon seit über 200 Jahren, verbreitet vom Inntal bis vor die Tore Münchens (Aigner, Johannes 2011). Der Brauch gilt als Gradmesser für die eigene Beliebtheit am anderen Geschlecht und spiegelt die bayerische Interaktion unter den jungen Geschlechtern wider. Früher war die Farbe der Eier bei heiratswilligen Männern ein Indikator für die Chancen beim anderen Geschlecht. Rot stand dabei für die Liebe und Eier für die Fruchtbarkeit. Vor vielen Jahrzehnten zogen nämlich die Männer -im Gegensatz zu heute- alleine zu ihrer Angebeteten, um sich beschenken zu lassen. Dabei war von großer Bedeutung ein rotes, gekochtes Ei zu erhalten, welches eventuell mit Liebessprüchen verziert war, um die eigene Liebe vom Madl bestätigt zu bekommen und um bei ihr anbandeln zu dürfen. Waren zwei schon in einer festen Beziehung, so schenkte das Madl ihrem Freund ein rotes Ei als Zeichen ihrer Liebe. Das Verzieren der Eier mit Liebesgrüßen und -sprüchen hatte den Zweck auf den ersten Blick die große Zuneigung erkennen zu lassen. Dabei verwendete man ein Zündholz oder eine Stricknadel, die in heißes Schmalz getaucht wurde. Die bestrichenen Stellen nahmen dann bei der nachträglichen Färbung die gewünschte Farbe an. Die Liebessprüche konnten sowohl positiv als auch negativ verfasst sein: Mein Herz, das brennt wie eine Glut - möcht wissen, was das deine tut oder Die Liebe hat die Katz gefressen, dich hab ich schon lang vergessen. Aber nicht nur die Farbe der Eier, sondern auch die Anzahl der gespendeten Eier war früher bei den Burschen von Bedeutung. Eine ungerade Zahl brachte Glück und eine gerade Zahl war in manchen Regionen Ausdruck einer Absage. Ein Bursche mit besonders vielen roten Eiern galt als besonders beliebt.

Entwicklungsgeschichte heute

Heutzutage sind die Zusammenkünfte zwischen den Burschen und den Madln weniger anonym. Die Burschen verabreden sich ein paar Tage zuvor und ziehen dann gemeinsam von Haus zu Haus durch das Dorf. Eine offene Kundgabe der Liebe durch rote Eier mit Liebessprüchen findet daher nicht mehr statt. Auch die Anzahl der gewonnenen roten Eier ist bedeutungslos geworden, da jeder Bursche, der ein Madl am Ostermontag besucht, ein rotes Ei erhält. Als Spaß werden heutzutage auch rohe Eier vergeben, die aber nicht unbedingt aussagen müssen, dass man den Burschen nicht mag. Auch hat sich die Bedeutung des Schnaps an diesem Tag stark gewandelt. Früher standen die Madln im Vordergrund und der Schnaps war eher zweitrangig. Heute geht es natürlich auch noch um die Madln, aber der Spaß und das Trinken dürfen beim rote Eier Holen nicht fehlen.

Gewährspersonen

Informationen zum Ablauf und zur Durchführung habe ich von meiner Cousine aus Lengenfeld, die seit ein paar Jahren an dem Brauch teilnimmt. Weitere Informationen habe ich von meiner Mama aus Hofstetten, die ebenfalls im Jugendalter den Brauch miterlebt und mitgestaltet hat.

Weblinks

Literatur

  • Aigner, Johannes: Das Werben um das rote Ei. Merkur 2011, Nr. 94, S. 10.
  • Huber, Gerald: Feste. Vom Aperschnalzen bis zum Schlappentag. München 2013.
  • Moser, Dietz-Rüdiger: Bräuche und Feste durch das ganze Jahr. Freiburg 2002.

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