Narrensprung Ulm

Termin

Collage der Teilnehmer.
Dieser Brauch findet am 04. Februar 2020 statt.

Einstiegsinformation

Der Ulmer Narrensprung, der auch als U(l)mzug bezeichnet wird, findet jährlich seit 1992 statt und feierte 2014 sein 22-jähriges Bestehen. Nach Veranstaltungsangaben ist er der größte Narrensprung der Region. Nach dem Motto Allen zur Freud, niemandem zum Leid treffen sich über 7000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus dem gesamten süddeutschen Raum, Lichtenstein und der Schweiz und sorgen mit mehreren tausend Zuschauern für eine heitere und belustigte Stimmung. Der Narrensprung findet immer drei Wochen vor der eigentlichen Fasnacht statt. Dabei treffen in etwa 90 befreundete Zünfte mit knapp 5500 Hästrägern und Musikkapellen zusammen und ziehen gemeinsam durch die geschmückten Straßen und Gassen von Ulm. Der Ulmzug wird von mehreren Sprecherwägen begleitet, von denen aus die verschiedenen Narrenzünfte mit ihren Masken und Häsern den Zuschauern erläutert werden. An insgesamt sieben Plätzen erhalten die Zuschauer Hintergrundinformationen über die einzelnen Zünfte und Gruppen. Im Anschluss an den Narrensprung geht das Narrentreiben im Ulmer Kornhaus, im Narrenzelt am Münsterplatz, sowie in den Lokalitäten der Innenstadt von Ulm weiter. Mit Häs wird im Umfeld der schwäbisch-alemannische Fasnet das Narrenkostüm bezeichnet.

Ablauf

Skizze zum Umzug 2014.
Zu Beginn des närrischen Jubiläumswochenendes findet das Gugga Open-Air am Vortag des Narrensprungs statt. Insgesamt nehmen 21 Gugga-Musik-Gruppen aus Deutschland, Lichtenstein, Österreich und der Schweiz daran teil und spielen ihre Musik in einem 20- bis 30-minütigen Wechsel auf den Bühnen, die am Münsterplatz, am Rathausplatz und an der Ecke Hirschstraße/Glöcklerstraße und in der Dreikönigsgasse aufgebaut wurden. Gegen 17.30 Uhr machen sich die Narren der Narrenzunft Ulm bei einem Kurzumzug auf den Weg zum Marktlatz. Hier wird dann der Narrenbaum aufgestellt. Das Aufstellen des Narrenbaums findet normalerweise nicht statt. Er wurde dieses Jahr ausnahmsweise, aufgrund des Jubiläums, aufgestellt und dient als Symbol der Narrenschar. Bis Aschermittwoch bleibt der Narrenbaum auf dem Münsterplatz stehen und wird dann zu Gunsten einer Ulmer Einrichtung für behinderte Kinder und Jugendliche versteigert. Danach gibt es ein großes Konzert aller Gugga-Musiken auf dem Münsterplatz, bei dem sie sich sternenförmig aufstellen. In dem aufgebauten Narrenzelt auf dem Münsterplatz wird bis 23 Uhr gefeiert. Anschließend gehen die Feiernden in das Kornhaus, um den Tag ausklingen zu lassen. Am Tag des Narrensprungs, am 02. Februar, findet um 09.30 Uhr zunächst ein Narrengottesdienst im Ulmer Münster statt. Der Gottesdienst wird von zwei Gugga-Musiken musikalisch begleitet. Gegen 10.30 Uhr werden alle teilnehmenden Narrenzünfte sowie die Musikgruppen vom Oberbürgermeister Ivo Gönner und der Narrenzunft Ulm zum Zunftmeisterempfang in den Saal des Ulmer Kornhaus eingeladen.
Gruppenfoto von teilnehmenden Akteuren.
Danach geht dann der Höhepunkt der schwäbisch-alemannischen Fasnacht, der Ulmzug, los. Aber nicht nur das Aufstellen des Narrenbaums war 2014 etwas besonderes, es gab auch weitere Veränderungen gegenüber den Vorjahren. So gab es 2014 sowohl Veränderungen bei der Startzeit als auch für die Strecke. Der Narrensprung startete am 02. Februar um 13.13 Uhr am Münsterplatz und nicht mehr am Zeughaus/Bier-Akademie. Die neue Umzugstrecke begann dieses Jahr in der Schuhhausgasse und schlängelte sich weiter durch den Judenhof, die Karpengasse, Hafengasse, Breite Gasse bis hin zum Kornhaus. Danach ging es weiter über die Kornhausgasse, Bärengasse, Hafenbad, Herrenkellergasse, Platzgasse und endete schließlich wieder beim Münsterplatz, auf dem ein großes Narrenzelt aufgebaut wurde. Das Narrengeschehen wurde an sieben Stellen mit Musik begleitet und kommentiert. Hier werden auch die unterschiedlichen Narrenrufe, mit denen die jeweiligen Zünfte gegrüßt werden, den Zuschauern mitgeteilt und erläutert. Im Anschluss an den Ulmzug, der insgesamt drei Stunden dauerte, wurden alle Narren, aber auch die Zuschauer zum Narrentreiben ins Ulmer Kornhaus, ins Narrenzelt sowie in die Lokalitäten der Ulmer Innenstadt eingeladen, wo kräftig weitergefeiert wurde.

Akteure

Nummer Zunft - Verein Narrenruf
1. Trommlerkorps D Landsknecht Mittelbiberach e.V. Hau - Nei
2. Narrenzunft Ulm (Pflug, Schemen Deifel, Narrensamen, Zunftrat) Zong - raus
3. Guggenmusik Spots Otterswang Narrengilde Otterswang e.V. Trommlerzug (Otterswang) Entweder oder - schwanger Otterswanger - Groddafanger
4. Ravensburger Schwarze Veri Zunft e.V. Fanfarenzug St. Florian Ravensburg e.V. Schalmeien der Schwarz Veri Zunft e.V Kolba hoch - Verio
5. NZ Höllteufel e.V. 1977 Alttann Wo na - in d´Höll na
6. VzPdB Schelklingen e.V. Waldhutzla Wald - Hutzla
7. GM Gugguba Hechingen
8. NZ Dornstadt e.V. Doraweibla Dora - Weibla
9. Hüttagoischdr Syrgenstein
10. NZ Laudonia Lauingen e.V. Blunz Blauz - Hei Hei
11. NZ Waldschrat Raderach 1988 e.V. Tannezäpfle - Heidenei
12. Gugge ma mol Mussi Neuweier
13. NZ Bergatreute Berengar - Alles klar
14. Fanfarenzug Bad Wurzach e.V.
15. NZ Lottenweiler Fötzlesbrass Narri - Narro
16. NZ Chadaloh Haidgau e.V. Wieso - Awaa
17. Gupfe-Fläxer Bannholz
18. NZ Ailingen e.V. Schalmeien Ailingen Ali - Gero
19. NZ Berg e.V. Berg auf - Berg ab
20. Waldstadtfäger Waldshut
21. NZ Biberach e.V. Ratza Trepfles - Graba Nass
22. NZ Schemmerhofen Fanfarenzug Schemmerhofen Sche - ho
23. NZ Oberkochener Schlaggawäscher e.V Schlag - Hoi
24. Narrenvereinigung Gebratzhofen Gebrazhofer Dickköpf - Hano Hano
25. Reichenbacher Ruassgugga
26. NZ Brühlhund Schemmerberg Brühl - Hund
27. NZ Bürgermoos e.V. Wo nei - in Sumpf nei
28. Tuarbaguger Eschen (FL)
29. NZ Brotfresser Bodnegg Brot her - d´Burnegger sind do
30. NZ Burgrieden Etz guggat au - Ha laß me gau
31. NZ Hefigkofen e.V. Hefi - Aho
32. GM Cocorico Hünenberg (CH)
33. NV Bockstall Weingarten Von mir aus, lass d´r Bock naus
34. Fanfahrenzug Langenargen NZ dDammglonker e.V. 1955 Langenargen Schalmeien Langenargen sowieso - allweilno
35. NZ Burgnarren Waldburg Etz goht’s rund - dr Burgnarr kunnt
36. Affenfamilie Ankenreute e.V. D´Affa schteiget - ´s wird schee Wetter
37. Weißnarrenzunft Hergensweiler D´Libla - Na
38. NZ Donau-Ratzen Öpfingen e.V. Ratza samma - Jucka damma
39. GM Plunderhüüsler Schaan (FL) Holdri - Ho
40. NZ Michelwinnaden e.V. Bulla - Rätze
41. Häfler Bodenseenarren Jettenhausen e.V. D´Welle kommet - dugget euch
42. GM Pläfä Fleglä Bern (CH)
43. NZ Weißenau 1960 e.V. Narren - Au
44. NZ Bobohle Rot an der Rot e.V. Bobohle kei´s Hai ra - it z´viel ond it z´wenig
45. NZ Mochenwangen Drecketer Bläse e.V. 1995 Mochawanga - Gnochahanga
46. Sunshine Gugge Heudorf/Rohrdorf
47. NZ Ellwangen e.V. Bawald - Bohle
48. NZ Kluftern e.V. Lumpenkapelle Kluftern Göhrelöchner - Hopp Hopp
49. NZ Vogter Heufresser e.V. Heu - Her
50. GM Löli Tuuter Bottighofen (CH)
51. NZ Raspler Baindt 1986 e.V. Schalmeienkapelle Baindt Raspler - Ratsch Ratsch
52. NZ Schussenbole Kehlen e.V. Narri - Narro
53. Bläach Gugga Fetzzer Altenstadt
54. NZ Hugeloh Leimbach e.V. Hugeloh - Ho
55. NZ Nibelgau Leutkirch e.V. Hoorig, Hoorig - isch die Katz
56. Lumpenkapelle Meckenbeuren
57. NV Wolkenschieber Heiligenberg 1908 e.V. Narri - Narro
58. NV Sumpfgeister Daisendorf e.V. Narri - Narro
59. FZ Graf Anton Tettnang
60. NZ AHA Weil der Stadt Neckar-Bätscher Neckartailfingen AHA - AHA - AHA
61. NZ Bad Schussenried e.V. 1949 Schuri - Schura - Schurum
62. NZ Ulmer Haglhex e.V. Hagel - Hex
63. Schalmeien-Express Illertal Senden Schal - Mei Mei - Schal
64. NZ Ulmer Bettlhexa e.V. Bettl - Hexa
65. NZ Ulmer Donauhexen Donau - Hexa
66. Fanfahrencorps Ulm/Neu-Ulm e.V. Fanafara - Goischdr
67. FZ Ulmer Gloggabender 1986 e.V. Glogg mit Sprong - Rengle rom
68. NZ Wasaschomberler Einsingen e.V. Wasa - Schomberler
69. NZ Ettenkirch e.V. Kilchberg - Ahoi
70. Trommlerzug Argental Hört ihr die Trommeln - die Argentäler kommen
71. Neukircher Hexentröpfle Hexen - Tröpfle
72. Rosecker-Fasnetsclub-Tübingen e.V. Schloß - Ochsen, Neid - Köpf
73. NV Katzastrecker Blaustein e.V. Katza - Strecker
74. NV Bützigräbler Iznang Spielmannszug Iznang Narri - Narro
75. NZ Schussenhexe Mariabrunn-Eriskirch 1996 e.V. Schussenhex - Hexenschuß
76. Breithutgilde Gosbach e.V. Breit - Hut
77. Därles Bärbla Oberelchingen Därles - Bärbla
78. Fanfarenzug Tell Ravensburg e.V.
79. Berger Tobel Hexa e.V. Lumpenkapelle Berg e.V. Tobel Hexa - lasset´z Fetza´
80. NZ Feuerteufel Gerhausen e.V. Feuer - Teufel, Tauch - Entle
81. NZ DIllerstoi Senden e.V. Iller - Stoi
82. Nuilermer Schlierbachfetzer e.V. Schlierbach - Fetzer
83. NZ Herrlinger Kuhschwanzhexen e.V. Kuhschwanz - Hexa
84. Oberelchinger Bobbele Bobbele - Hupf
85. NZ Bellenberger Lacha-Dreggler e.V. 1x Bellenberger 3x Lacha - Dreggler
86. NV Bollohe Michl Buxheim e.V. Staubiger Bruader - Nimm a Bris
87. Fanfare Ulmer Spatzen 1985 e.V. Fanfare Ulmer - Spatzen
88. Narrenzunft Ulm e.V Zong - raus

Besondere Figuren der Zunftgruppen

Butzaraule
Butzaraule.
Butzabell.
Gegründet wurden die Ulmer Butzaraule im Jahre 1987. Butzaraule wird in der Oberamtsbeschreibung der Stadt Ulm als eine Schreckensfigur aus dem Donauried beschrieben, die versuchte Kinder und junge Mädchen in die Gumpen mit Hilfe seines Schellenstabs zu locken, um sie dann zu seinesgleichen zu verwandeln. Häs: Die Figur vom Bauzaraule ist gekennzeichnet durch eine Maske mit zwei unterschiedlichen Gesichtspartien. Einerseits erkennt man ein teils freundliches, und andererseits ein teils furchterregendes Gesicht mit einem Spitzbart. Zu den typischen Merkmalen dieser Figur gehört außerdem eine hellbraune Echthaarperücke, sowie ein rotes Hemd, welches unter einem moosgrünen Umhang mit Kapuze, welcher der Tarnung dient, getragen wird. Kennzeichnend sind zudem weitfallende, dunkelbraune Kniehosen mit Flecken und graue, mit einem roten Band umwickelten Gamaschen, sowie ein Schellengurt und Schellenstab. Zu dieser Zunftgruppe gehört außerdem die Butzabell, ein Kräuterweib aus dem Donauried. Diese wusste von den Gemeinheiten des Butzaraule und warnte die Kinder vor ihm. Die Butzabell trägt eine freundlich wirkende Maske mit einem grauen Fransenkopftuch und einem Haarzopf. Mit dabei hat sie immer einen Weidenkorb, in dem sie ihre Habseligkeiten aufbewahrt. Holl Hexa
Holl Hexa.
Die Zunftgruppe „Holl Hexa“ geht auf die Geschichte der Ulmer Bürgerin Maria Holl zurück. Geboren wurde sie 1549 in Altenstadt und war Tochter des Ulmer Amtmannes Jerg Löhlin. Mit 37 Jahren heiratete sie im Ulmer Münster Michael Holl und zog dann nach Nördlingen, wo sie die Wirtschaft „Zur goldenen Krone“ eröffnete. Der Erfolg, den sie mit der Wirtschaft erzielte, sorgte für viel Neid und Hass bei der Konkurrenz. Sie wurde auf Grund dessen als Hexe bezeichnet und vor die Richter gebracht. Nach der Anklage, sie sei mit dem Teufel im Bunde, überlebte sie 56 Folterungen, war sich aber keiner Schuld bewusst und gab kein Geständnis ab. Am 11. Oktober 1594 wurde freigesprochen und galt für viele Bürger als Nothelferin, da sie trotz zahlreichen Folterungen niemanden durch Falschaussagen belastete. Häs: Maria Holl trägt eine Holzmaske mit einem liebevollen Gesichtsausdruck. Als typisches Merkmal dieser Zeit dient die Stoffhaube. Kennzeichnen für die Figur ist eine weiße Rüschenbluse mit einem schwarzen Kittel darüber. Außerdem trägt sie einen weißen Unterrock, einen moosgrünen Überrock, eine grünblau gemusterte Schürze, sowie schwarze Lederstiefelchen und Handschuhe. Das Häs der Amtmannstochter wird vervollständigt durch den Weidenkorb, den sie auf dem Rücken trägt. Die Zunftfigur stellt Maria Holl als Hexe dar, wie sie damals von den Anklägern gerne gesehen worden wäre: • angedeutete Hörner auf der Maske, die unter dem roten Kopftuch versteckt werden • rotes Haar mit langem Zopf Außerdem stellt die Maske das typische Hexengesicht dar, jedoch mit herausgestreckter Zunge. Daher kommt auch der Narrenruf „Zong-raus“. Die Narrenfigur trägt eine blaue Bluse mit einem weißen Muster, einen schwarzen Oberrock und eine mit Flecken benähte Schürze. In der Hand hält sie, was typisch für eine Hexe ist, einen Besen. D´r Sevelinger Bauza
Sevelinger Bauza.
Diese Figur des Ulmzugs gibt es schon seit 1989. Der Beiname „Bauza“ kommt aus der Geschichte Söflingens: Man entdeckte am Kuhberg Grabstätte und stellte fest, dass Söflingen bereits 25 Jahre n.Chr. von den Alemannen gegründet wurde. Da man durch Kriege und die Pest entkräftet war, wurde 1635 ein Bündnis mit Ulm geschlossen, um unter dem Schutz der Reichsstadt zu stehen. 1768 löste von sich jedoch wieder von Ulm ab und erhielt die Eigenständigkeit. Aufgrund der ärmlichen Verhältnisse der Handwerker und Künstler aus Söflingen entstand dann das Armenbrot, der sogenannte Baunzen (aus Mehl und Salz im Schmalz gebacken). Seit 1905 ist Söflingen Stadtteil von Ulm, wobei die Bürger Söflingens immer noch ihre Unabhängigkeit erhalten möchten und sich auf Grund dessen, immer noch als „Söflinger“ und nicht als „Ulmer“ bezeichnen. Häs: Das Gesicht mit der langen, krummen Nase und dem hervorstehenden Kinn wird von einem Maskentuch umgeben. Dieses besteht aus grünen, gelben und braunen Filzblättern. Die drei Farben geben die Söflinger Landschaft wider. Der rote Kragen und die Holzglocken am Gürtel sollen auf die Söflinger Rettiche aufmerksam machen. Außerdem trägt die Narrenfigur D´r Sevelinger Bauza verschiedenfarbige Strümpfe, die die bunten Kräutergärten an der Blau repräsentieren sollen. Zudem besitzt die Figur eine Umhängetasche aus Rupfenstoff, der die Weberzunft, die in Söflingen eine lange Tradition prägte, charakterisiert. Ein langer Holzstecken dient als Hirtenstock und die braunen Handschuhe sollen die dreckverschmierten Hände der Tagelöhner darstellen. Schemen-Deifl
Schemen-Deifl.
1990 wurde in der Rosengasse in Ulm Teile einer Tonmaske gefunden. Untersuchungen zufolge stammen die drei Einzelteile aus der Zeit zwischen 1470 und 1500. Die auffälligen Kennzeichnungen an Stirn und Wangen weisen auf eine Teufelsmaske hin. Man weiß aber nicht, ob die Maske zu Fasnachtszwecken oder als Theatermaske diente. Durch diese historische Entdeckung wurde dann 1992 die Ulmer Zunftgruppe Schemen-Deifl (Maskenteufel) gegründet. Häs: Die Originalmaske diente dann als Vorlage für die Teufelsmaske der Schemen-Deifl. Als Zeichen für den Teufel und den Narren stehen die Schellenhaube, sowie der Hahnenkamm an der grünen Maske. Das Häs der Schemen-Deifl wurde in Anlehnung an das Weingartenspiel entworfen, welches 1539 in Nürnberg stattgefunden hat. Die Farben des Kostüms entsprechen den typischen Farben des Teufels, welche aber auch gleichzeitig die Farben der ehemaligen Ulmer Reichsstadt waren. An der roten Jacke sind kleine Maskenabbildungen zu erkennen und am Schritt und dem Gesäss der grauen Fellhose sind Teufelsfratzen angebracht. Charakteristisch für die Zunftbekleidung der Schemen-Deifl ist außerdem ein Schellenband, welches am rechten Knöchel befestigt ist und den Fuß des Teufels symbolisiert. GaugaMa Auf Grundlage einer Sage aus Söfllingen wurde die Figur des GaugaMa entwickelt. Laut dieser Sage gab es eine Gestalt, die in den Gauga lebte und vor der sich die Bewohner von Söflingen zurückschreckten, da sie Kinder und ihr unterlegene Personen durch Zaubermacht bei Mondschein in das Wasser lockte. Deshalb riet man den Menschen, sich vor allem in der Nacht vom Wasser und besonders dem Flussabfall fernzuhalten. Daher kam auch der Spruch:
„Gang net näh ans Wasser na, sonscht holt di dr´GaugaMa.“
Bei der GaugaMa Maske fällt einem sofort die große Mundpartie ins Auge. Das restliche Kostüm ist in einem wässrig hellen Blau gehalten und wird als „Blätzlehäs“ bezeichnet. Dieses besitzt auf Grund der Heimat des GaugaMa im oder am Wasser einen wellenförmigen Schnitt und besteht aus grau-blau-grünen Farbtönen. Neben den blauen Handschuhen gehört ebenso der zweiteilige Kreuzgurt, der je sieben Rollenschellen enthält, zum Häs dieser Zunftfigur.
GaugaMa.
Gauga = Niederungen des Flusses Blau, der durch Söflingen fließt Kostüm aus nicht mehr benötigten Lumpen- oder Stoffresten, welches auch als Flecklehäs bezeichnet wird. Ulmer Hansele
Ulmer Hansele.
Die ältesten Figuren des Ulmer Fischerstechens sind die Narren und wurden bereits 1717 verkörpert. Im Jahre 1790 wurde die Narrenfigur vom Chronisten Hausleutner so beschrieben: „Die Narren haben eine Harlekinstracht an, einen Fuchsschwanz an der Mütze und hinten an den Beinkleidern. Sie malen sich einen Bart und schwärzen sich die Wangen und andere Teile des Gesichts.“ Das Schwärzen des Gesichts ist ein Ulmer Fasnachtsbrauch des 16. Jahrhunderts. Das Fischerstechen ist eigentlich ein spätmittelalterlicher Brauch und mittlerweile der bekannteste Fasnachtsbrauch. Früher fand das Fischerstechen im Februar oder März statt, wurde aber in der „Neuzeit“ aufgrund der angenehmeren Temperaturen in den Sommer verlegt. Das Wort „Hansele“ stammt von dem Namen Hans ab und bezeichnet im Volksmund einen närrischen, einfachen Menschen. So passt diese Bezeichnung eher auf die „Bauernfigur“. Das „Ulmer Hansele“ ist eine Einzelfigur und verkörpert eine edle Weißnarrfigur, die mit den Zeichen der närrischen Schläue (Fuchsschwanz) und unterschiedlichen Fruchtbarskeitssymbolen, wie beispielsweise dem Herzen und dem Storch, gekennzeichnet ist. Häs: Das Häs der Narrengestalt des „Hansel vom Fischerstechen“ wird auch als Harlekinstracht bezeichnet. Getragen wird ein buntgeflecktes Narrenkostüm mit einem Storch auf dem Rücken, der auf dem Dach eines weißen Hauses sitzt. Auf der Brust ist ein rotes Herz aufgestickt und darunter sind zwei gekreuzte, silberne Fische zu sehen. Die Figur des „Ulmer Hansele“ trägt einen grünen Fischerhut, an dem ein Fuchsschwanz angebracht ist. Ebenso zu diesem Narrenhäs gehören flache Tanzschuhe, sowie ein Stecherspeer, als Zeichen seiner Würde. Vervollständigt wird das Kostüm von einer hautfarbenen Maske mit einem freundlichen Gesichtsausdruck. Am Kostüm befinden sich außerdem zwei Schellengurte mit jeweils vier bronzenen Narrenschellen.

Hintergrund-Infos

Geschichtliches

Nach der Reformation, die im Jahre 1531 erfolgte, wurde die Fasnacht und das damit verbundene Tanzen, Pfeifen und Hüpfen durch die Gassen der Ulmer Innenstadt verboten. Aber auch schon davor gab es Fasnachtsverbote, wie beispielsweise in der Zeit zwischen 1376 und 1445. Ab 1802 gehörte Ulm zunächst zu Bayern, und somit wurde die Fasnacht durch Zuwanderer aus Bayern wieder nach Ulm gebracht. Mittlerweile wird das fasnachtliche Treiben sowohl von der schwäbisch-alemannischen Fasnacht, als auch vom Rheinischen Karneval geprägt. Laut „Wolle“ Dieminger, der bei der Gründungsversammlung zum ersten Zunftmeister gewählt wurde, wurde die Narrenzunft Ulm am 05. Januar 1992 in der Kirche St. Georg von „90 verrückten Narren“ gegründet. Diese gehörten den ehemals eigenständigen Vereinen „Ulmer Butzaraule e.V.“ und „Ulmer Holl Hexa e.V.“ sowie der Abteilung „D´r Sevelinger Bauza“ der TSG Söflingen an. Es wurde dann ein Antrag zur Aufnahme in den Alemannischen Narrenring gestellt. Zunächst war die „Narrenzunft Ulm“ als Gastzunft zu sehen bis sie schließlich am 16. Oktober 1993 die Vollmitgliedschaft im Alemannischen Narrenring erlangte. Mittlerweile besteht die Narrenzunft aus diversen Figuren, welche von etwa 500 Mitgliedern verkörpert werden und feiert dieses Jahr ihr 22-jähriges Jubiläum. Die Mitglieder gehören unterschiedlichen Gruppen der Zunft an, wie beispielsweise den „Ulmer Hansele“, „Butzaraule“, „Holl Hexa“, „D´r Sevelinger Bauza“, „Schemen-Deifl“ und „GaugaMa“.

Organisation

Organigramm.
Offizieller Veranstalter des Narrensprungs ist die Narrenzunft Ulm. Zunftmeister ist Gerhard Wies. Er trägt die Gesamtverantwortung, koordiniert und kontrolliert alle Vorbereitungen der Veranstaltungen der Fasnacht. Zudem sind weitere 16 Personen an der Organisation, zu der unterschiedliche Bereiche angehören, beteiligt. Der Narrensprung wird in erster Linie durch den Verkauf der Umzugsplakette finanziert. Hierfür werden diverse Kosten gedeckt, wie beispielsweise Genehmigungen an die Stadt, Saalmieten, Absperrungen, GEMA, Gagen für Musiken, Musikanlagen für die Kommentatorenplätze, mobile Toiletten, Sanitäter, Straßenreinigung, Strom etc. Hauptsponsor ist die Brauerei Gold Ochsen, welche neben einem Werbekostenzuschuss auch LKWs für die Kommentatorenplätze zur Verfügung stellt. Beworben wird der Ulmzug über großflächige Plakatierung und Flyer in Ulm und Umgebung. Zudem werden diverse Portale (wie z.B. Facebook) und Veranstaltungskalender im Internet, sowie regionale Printmedien mit Veranstaltungskalendern wie beispielsweise wohin in Ulm und Neu-Ulm genutzt. Des weiteren wird versucht über Pressemappen und Bilder die Zeitungen, Funk und Fernsehen aufmerksam zu machen, um hier im Vorfeld Berichte und Ankündigungen zu bekommen.

Weblinks

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