Historisches Festspiel „Der Meistertrunk“

Termin

Das Festspiel „Der Meistertrunk“ findet vom 26.05. bis zum 29.05.2023 statt.

Einstiegsinformationen

Die Hauptakteure beim Darbringen des großen Humpens.

„Der Meistertrunk“ zu Rothenburg ob der Tauber wurde im Jahre 1881 erstmals aufgeführt und erinnert alljährlich in der Pfingstzeit an die Rettung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg. Im Jahre 1631 soll das kaiserlich-katholische Heer abgezogen sein, nachdem der Bürgermeister vor den Augen des kaiserlichen Feldherren Tilly 3 ½ Liter Wein in einem Zug ausgetrunken habe. In den mehr als 130 Jahren der Aufführung wurde das Bühnenstück nach und nach ergänzt durch den „Heereszug“, ein historisierendes Feldlager und einen Mittelaltermarkt. Getragen wird das historische Festspiel unter reger Anteilnahme der Stadtbevölkerung von über 100 vereinsmäßig organisierten Laiendarstellerinnen und -darstellern in historisierenden Gewändern.

Ablauf

Jedes Jahr organisiert der Verein „Der Meistertrunk 1631“ das Festspiel in Rothenburg ob der Tauber.

Das Festspiel dauert etwa zweieinhalb Stunden und wird von über 200 Laienschauspielern aufgeführt. Es beinhaltet auch Pferde, Kutschen und historische Kostüme. Das Festspiel der Meistertrunk findet jedes Jahr von Ende Mai bis Anfang September an Wochenenden statt und zieht viele Besucher aus der ganzen Welt an.

Das Festspiel der Meistertrunk ist ein wichtiges kulturelles Ereignis in der Region und ein Symbol für den Widerstand und die Tapferkeit der Bürger in schwierigen Zeiten. Es ist eine Hommage an die Geschichte und Traditionen der Region und zeigt die Bedeutung der Gemeinschaft und des Zusammenhalts.

Die verschiedenen Gruppen

Die Artillerie

Die Darsteller der Artillerie.

Sie fahren schwere Geschütze auf: Unsere erste vorgestellte Gruppe des Vereins Meistertrunk ist die Artillerie, kurz auch „Ari“ genannt. Sie sind für die Instandhaltung und Beförderung aller Geschütze verantwortlich: Kanonen, Pulverwagen und sonstiges Kriegsgerät sind schließlich für eine ordentliche Stadtbelagerung unerlässlich. Derzeit besteht die Artilleriegruppe aus „17 Männern im besten Alter“, wie sie selbst sagen.

Wer die Gruppe am Pfingstwochenende besuchen will, findet sie am Samstag tagsüber am Röderbrunnen. Auf der Festwiese haben die Aris ihr Lager am Sonntag direkt an der Stadtmauer nahe des Weiberturms.

Die Schmiede

Die Darsteller der Schmiede.

Die Feldschmiedegruppe im Meistertrunk-Verein hat rund ein Dutzend Mitglieder. Mit Hammer, Amboss, Zange und sonstigem Werkzeug sorgen sie stimmungsvoll für die nötige Ausrüstung der Truppe. Zu besichtigen sind die Schmiede am Pfingstsamstag im unteren Teil des Marktplatzes, Sonntag und Montag dann ganz oben im historischen Feldlager auf der Pfingstwiese.

Was macht für sie das Wochenende so besonders? „Trommeln und Fanfaren verbunden mit dem Geruch vom Lagerfeuer, die vielen schönen Begegnungen mit Gästen und Festspielern. Es ist einfach alle Jahre wieder ein besonderes Flair!“, meinen die Schmiede.

Die Hauptwache

Die Darsteller der Hauptwache.

„Hauptsach‘ Hauptwach“ lautet das knackige Motto unserer heutigen Gruppe. 33 Mitglieder zählt die „Hauptwache“ und ist wie alle anderen Gruppen natürlich historisch verbürgt. Als Hauptwache wurden früher nämlich das städtische Wachlokal und auch die Soldaten bezeichnet. Es befand sich in Rathausnähe und beinhaltete ein Gefängnis.

Jeden Abend spielte die Hauptwache dort den Zapfenstreich, der den Soldaten das Ende ihrer Ausgangszeit signalisierte. Danach schritt ein Soldat der Hauptwache zur Torsperre. Auch heute noch marschiert die Gruppe mit Gesang, Trommeln und Flöten am Pfingstwochenende durch die Stadt. „Das machen wir aber nicht mehr zum Zapfenstreich, sondern lieber tagsüber in den Straßen und Gassen der Stadt“, heißt es von den Männern.

Die Panduren

Die Darsteller der Panduren.

Panduren gehörten zu den Truppen des Generals Johann Graf von Tserclaes Tilly und waren raue Gesellen. Sie werden beschrieben als grausame, beutegierige Kerle, die kaum Regeln kannten, raubten und plünderten. Dabei waren sie nicht an Kampfhandlungen beteiligt, sondern klärten als Auge und Ohr des Feldherrn die Bewegungen des Feindes auf, störten Verbindungslinien im feindlichen Hinterland und verbreiteten Angst und Schrecken. Heute werden die Panduren von 22 Herren verkörpert, die auch durch farbenfrohe Kleidung auffallen. Begegnen kann man ihnen auf der Festwiese und durch die Stadt ziehend.

 

 

Die Marketenderinnen

Farbenfroh und mit anspruchsvollem Gesang. Wir stellen die nächste Gruppe von Das Historische Festspiel „Der Meistertrunk“ e.V. vor. Vom 26.5. bis 29.5. sind auch die Marketenderinnen wieder in den Gassen von Rothenburg ob der Tauber an den Pfingstfestspielen unterwegs. 36 Mitglieder hat die Gruppe, neben 32 Frauen fühlen sich auch die vier männlichen Mitglieder wohl.

Die Darstellerinnen der Marketenderinnen.


Historische gesehen waren die Marketenderinnen und Marketender mit der Truppe mitreisende Händlerinnen, die die Soldaten mit Waren des täglichen, persönlichen Bedarfs versorgten. Allerdings verdingten sich die Marketenderinnen auch im Bereich der käuflichen Liebe.
Wer die Marketenderinnen zu Pfingsten in Rothenburg besuchen will, findet sie am Samstag ab 12 Uhr in der Herrngasse am Brunnen. Auf der Festwiese kampieren sie an der Ecke Rödertor. Ansonsten ziehen die Marketenderinnen musizierend durch die Stadt – gern auch mit einer Pause an gastfreundlichen Wirtschaften.

Hintergrund-Infos

Die Geschichte von Tilly in Rothenburg ob der Tauber ist eng mit dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) verbunden. Rothenburg war während des Krieges eine wichtige Handelsstadt und eine Festung, die von den Schweden und anderen kriegführenden Parteien umkämpft wurde.

Im Jahr 1631 belagerte der kaiserliche Feldherr Johann Tserclaes, Graf von Tilly, die Stadt Rothenburg. Die Stadt war unterlegen und ihre Verteidiger hatten nur noch wenige Vorräte. Der Bürgermeister Georg Nusch bot Tilly einen Deal an: Wenn Tilly der Stadt eine bestimmte Menge an Wein gibt, würde Nusch ihm die Schlüssel zur Stadt übergeben.

Tilly willigte ein und Nusch erfüllte seinen Teil des Deals, indem er ihm einen großen Becher Wein gab. Der Becher war so groß, dass Tilly glaubte, dass er vergiftet sein könnte, und ließ Nusch den Wein zuerst trinken, um zu beweisen, dass er sicher war. Nachdem Nusch den Wein getrunken hatte, trank auch Tilly und übergab dann die Schlüssel zur Stadt. Die Stadt Rothenburg war gerettet.

Die Geschichte des Meistertrunks ist eine Legende und es gibt keine gesicherten historischen Quellen, die sie bestätigen. Dennoch ist sie ein wichtiger Teil der regionalen Kulturgeschichte und hat zur Entstehung des Festspiels der Meistertrunk geführt, das die Geschichte jedes Jahr auf der Bühne zum Leben erweckt.