Maschkerer-Betteln in Schondorf am Ammersee

Termin

Dieser Brauch findet am 04. März 2025 statt.

Einstiegsinformation

In Schondorf am Ammersee findet jährlich am Faschingsdienstag das Maschkerer- Betteln statt. Hierbei ziehen verkleidete Kinder im Grundschulalter in Gruppen von Tür zu Tür, um gegen das Aufsagen eines Verses Süßigkeiten beziehungsweise kleine Geldbeträge zu sammeln.

Ablauf

Der Ablauf des Maschkerer- Bettelns kann in drei unterschiedliche Phasen gegliedert werden: Vorbereitungsphase: Bereits in der Früh (jedoch muss hier betont werden, dass es keinen festgeschriebenen Zeitpunkt gibt) treffen sich die Kinder einer Gruppe (im Elternhaus eines Teilnehmers / einer Teilnehmerin), um sich gemeinsam zu kostümieren und zu schminken. Betteln: Daraufhin ziehen die Kinder los, um gemeinsam durch den Ort zu laufen. An jeder Türe wird ein Bettelvers aufgesagt, welcher von den jeweiligen Bürgerinnen und Bürgern Schondorfs mit Süßigkeiten oder kleinen Geldschenkungen honoriert wird. Gemeinsamer Abschluss: Am Ende des Bettelweges durch den Ort kommen die Kinder wieder am Ausgangsort zusammen. Dort werden in der Regel die gesammelten Süßigkeiten und das Geld gerecht geteilt.

Akteure

Maschkerer beim Betteln in Schondorf.
Die Akteure dieses Brauches können in drei Gruppen unterteilt werden: Maschkerer: Die Kinder können als die Hauptakteure bezeichnet werden. Sie ziehen, wie oben beschrieben, verkleidet durch den Ort, um für das Aufsagen des Bettelverses eine Belohnung zu erhalten. Ihrer Kostümierung ist hierbei keine Grenze gesetzt, so dass häufig eine bunt gemischte Gruppe aus Cowboys, Indianern, Prinzessinnen, Tieren, Piraten, etc., bis hin zu frei erfundenen Phantasiefiguren in einer Gruppe anzutreffen ist. Den Maschkerern kommt in diesem Brauch von allen Akteuren die aktivste Rolle zu. Eltern: Insbesondere in der Vorbereitungsphase sind es die Eltern (und im Besonderen die Mütter der Kinder), welche am Maschkererbetteln indirekt beteiligt sind: sie kümmern sich um das Schminken beziehungsweise um die Kostümierung der Kinder. Bürger Schondorfs: Des Weiteren sind es die Schondorfer Bürger/innen, die an diesem Brauch mitwirken, indem sie die Verkleidung der Maschkerer und das Aufsagen des Bettelverses mit Süßigkeiten oder kleinen Geldschenkungen honorieren.

Beispiel für einen Bettelvers

Der wohl gebräuchlichste Vers, den die Maschkerer an der Tür aufsagen, lautet:
I bin a kloana Maschkerer und hob an großen Sack, und weil I no nix drinna hob, drum bitt´I um a Gab. (Ich bin ein kleiner Maskerer und habe einen großen Sack, und weil ich noch nichts drin habe, drum bitt´ ich um eine Gabe.)

Organisation des Brauches

Das Maschkerer- Betteln wird von den Kindern beziehungsweise von deren Eltern organisiert und ist demnach nicht einer offiziellen Trägerschaft zuzuordnen. Folglich wird dieser Brauch auch nicht im Besonderen beworben oder gesponsert.

Historische Genese, Verbreitung und Forschungsstand

Über die Dauer des Bestehens dieses Brauches in der Gemeinde kann nur spekuliert werden. Da das Maschkerer- Betteln nicht von einer Institution getragen wird, existieren keine schriftlichen Aufzeichnungen über vergangene Durchführungen des Brauches. Dementsprechend kann einzig festgehalten werden, dass der Maschkerer- Brauch bereits zu Zeiten des 2. Weltkrieges stattgefunden hat. Dies ergab ein Gespräch mit einem Schondorfer Bürger, Jahrgang 1932. Weitere Gespräche mit jüngeren Schondorfer Bürgern (Jahrgänge 1964 und 1960) ließen erkennen, welch hohen Stellenwert die Durchführung des Brauches um 1970 hatte: so erinnerte man sich daran, dass beinahe jedes Kind der eigenen Jahrgangsstufe im Ort als Maschkerer betteln war und viele verschieden starke Kindergruppen im Ort zu sehen waren. Selbst der oben angeführte Bettelvers war den Schondorfer Bürgern noch geläufig. Dieser hohe Stellenwert hielt sich über die folgenden Jahrzehnte, wie aus den Gesprächen hervorging: so erinnerte man sich, dass auch in den 90er- Jahren noch etliche Kindergruppen zum Betteln an die Schondorfer Türen klopften. Ab den 90er- Jahren jedoch ging die Anzahl der Kinder, die diesen Brauch ausübten, stark zurück. Diese Entwicklung hat sich in den letzten Jahren verschärft, weshalb man heutzutage am Faschingsdienstag kaum noch Kinder antrifft, die bettelnd durch den Ort ziehen. Einzig Kinder aus alteingesessenen Schondorfer Haushalten üben diesen Brauch noch aus. Verstärkt wurde diese Entwicklung dadurch, dass der Ort in den letzten Jahrzehnten einen hohen Anteil an Zugezogenen aufweist, denen dieser Brauch gänzlich unbekannt ist. So wird das Betteln- Gehen am Faschingsdienstag nach und nach durch das Halloween- Fest ersetzt, welches einen ähnlichen Ablauf aufweist. Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass die Verbreitung des Maschkerer- Bettelbrauches in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen ist.

Allgemeine Verbreitung des Brauches

Auffallend ist, dass bereits wenige Kilometer weiter der Maschkerer- Bettelbrauch unbekannt oder zumindest nicht üblich ist. So berichtete ein älterer Schondorfer Bürger davon, dass zu seiner Zeit (Jahrgang 1932) die Kinder aus dem Nachbardorf Hechenwang (heute Gemeinde Windach) nicht als Maschkerer verkleidet durch den Ort zogen. Der Brauch weist also starke regionale Unterschiede auf. Die Recherche ergab, dass heutzutage das Betteln im deutschen Sprachraum beispielsweise in Sachsen noch praktiziert wird. Zum Forschungsstand zum Brauch des Maschkerer- Bettelns in Schondorf bleibt festzuhalten, dass, wie oben bereits geschildert, keine genaue Datierung des Entstehens möglich ist. Einzig die Gespräche mit Zeitzeugen können ein grobes Bild zeichnen, wie der Brauch in deren Kinderjahren ausgeübt wurde. Des Weiteren muss angeführt werden, dass in den Gesprächen mit den Zeitzeugen nicht eindeutig geklärt werden konnte, aus welchen Gründen der Brauch durchgeführt wird. Es liegt nahe, dass der Brauch Heiterkeit hervorrufen soll, vor der im Anschluss beginnenden ernsten Fastenzeit. Inwiefern der Vorgang des Maskierens in Zusammenhang mit den Maschkerern in der Alpenregion steht, konnte nicht geklärt werden.

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