Landshuter Hochzeit

Termin

Darsteller beim Umzug.
Dieser Brauch findet erst wieder im Jahr 2023 statt.

Einstiegsinformation

Die Landshuter Hochzeit ist ein großes historisches Fest, verbunden mit Umzug, verschiedenen Fest-, Ritter- und Tanzspielen, Konzerten und anderem, zu dem jährliche sehr viele Besucher anreisen. Alle vier Jahre wird das Fest begangen und hierbei der Fürstenhochzeit aus dem Jahre 1475 gedacht, bei der Herzog Georg der Reiche von Landshut sich mit der polnischen Königstochter Hedwig vermählte.

Ablauf

Festlicher Rahmen

Die Landshuter Hochzeit findet alle vier Jahre statt: 2009 im Rahmen von drei Festwochen, mit Programm an vier Wochenenden. Sie gilt als das größte historische Fest in ganz Deutschland. Zum Hochzeitszug wartet die Stadt jeweils mit Stehplätzen für rund 100.000 Zuschauer auf. Neben diesem spektakulären Einzug der Braut finden Turnierspiele, ein Festspiel und Konzerte statt. Landshut verwandelt sich für eine Woche in eine spätmittelalterliche Stadt, passend zum gotischen Erscheinungsbild der Stadt. Es werden Lager mit Zelten aufgeschlagen. Spätmittelalterliche Kostüme sind in diesen Tagen die angesagte Kleidung und mittelalterliche Musik erklingt von überall her. Außer zum Hochzeitszug benötigen die Zuschauer zur Teilnahme an den genannten Höhepunkten des Festprogramms Eintrittskarten. Beim Altstadt- und dem neu eingeführten Burg-Treff können sie verschiedenen Gruppen von Mitwirkenden ungezwungen und bei freiem Eintritt begegnen.

Höhepunkte des Festprogramms

Einzug der Braut.
Einzug der Braut - Hochzeitszug Der Einzug der Braut findet für gewöhnlich am Sonntag Nachmittag eines jeden Festwochenendes statt. 2009 wird das also viermal der Fall sein. Tausende Zuschauer versammeln sich, um den festlichen Umzug um die Braut zu begutachten. Über 2.000 Mitwirkende schlüpfen an diesem Tag in mittelalterliche Kostüme, um am Brautzug teilzunehmen. Der Hochzeitszug marschiert über den Dreifaltigkeitsplatz, zieht weiter in die Altstadt, wo er an der Hl. Geist Kirche vorbeikommt und endet am Turnierplatz. Hier werden dem Brautpaar Gratulationen und Huldigungen von ihren Gästen zugesprochen, und sie bekommen Hochzeitsgeschenke überreicht. Anschließend kann man das Lagerleben besuchen. Außerdem finden Reiter- und Ritterspiele statt. Turnierspiele - Reiter- und Ritterspiele Bei den Turnierspielen treten Edelmänner gegeneinander an. Als Gewinn erhalten sie eine Helmzier von der Braut. Die Spiele finden auf der Wiesmahd statt, auf der zur Veranstaltung eigens Tore und Tribünen errichtet wurden. Bevor die Spiele allerdings beginnen, zeigen Fahnenschwinger ihr Geschick im Werfen und Schwingen von Fahnen. Dann betreten zwei Gruppen von Reisigen die
Fahnenschwinger bei den Turnierspielen.
Fläche. Sie stehen sich mit ihren langen Holzstangen konkurrierend gegenüber. Ein paar der Männer beginnen einen Einzelkampf. Nach dem Auftritt der Reisigen folgt das Ringelstechen. Hoch zu Ross versuchen die Kandidaten mit einem langen Turnierstab, soviele Ringe wie möglich zu stechen. Dann finden schließlich die Turniere statt. Die Turnierreiter treten in Rüstungen gegeneinander an. Ziel ist es, den Konkurrenten mit dem Spieß zu treffen und bestenfalls vom Pferd zu stoßen. Die Spieße - auch Turnierstangen genannt - haben eine Länge von fast fünf Metern. Eine besondere Schwierigkeit bei den Turnieren ist, dass die Sichtweite der Reiter - bedingt durch die Helme ihrer Rüstung - sehr stark beeinträchtigt ist. Festspiel Vor dem Hochzeitszug werden die Zuschauer an jedem Wochenende mit dem Festspiel auf die Hochzeit eingestimmt. 1905 wurde dieses zum ersten Mal aufgeführt. Noch heute wird es in einer ab und an veränderten Version aufgeführt. In dem Theaterspiel werden die Gespräche der Ratsherren über den Empfang der Braut publikumswirksam inszeniert, die beschwerliche Reise der Braut von Krakau bis Landshut, die Vermählung des Herzogs von Landshut mit Hedwig und der feierliche Einzug der Königstochter in Landshut. Tanzspiel
Ritterturnier.
Wie am Hochzeitsabend von 1475 findet auch heute noch zur LaHo - wie die Landshuter Hochzeit von ihren Bürgern liebevoll genannt wird - ein Tanzspiel statt. Hierbei treffen neben den frisch vermählten Eheleuten alle ehrenhaften Gäste zusammen und tanzen gemeinsam Reigen- und Schreittränze. Daneben werden den Zuschauern weitere Attraktionen gezeigt, 2009 z.B. ein Moriskentanz und die sagenhafte Gestalt des Lajkonik. Tribünenfest Die Einwohner Landshuts genießen die drei Wochen, in denen die Festlichkeiten zur Landshuter Hochzeit stattfinden, noch auf eine ganz besondere Weise: Da für den sonntäglichen Umzug in der historischen Altstadt Tribünen als Sitzplätze aufgestellt sind, nutzen die Bürger diese Tribünen unter der Woche als Treffpunkt zum geselligen Abendessen. Ab fünf Uhr nachmittags, wenn man von der Arbeit kommt, füllen sich die Tribünen mit Leuten mit Picknickkörben. Sie setzen sich mit Freunden zusammen, essen und trinken gemeinsam die mitgebrachte Brotzeit und genießen die Atmosphäre bis zum Einbruch der Dunkelheit. Kneipen und Biergärten haben in dieser Zeit kaum Gäste. In der Altstadt ansässige Wirte nutzen das Tribünenfest, indem sie einen Straßenverkauf vor allem für Getränke anbieten.

Hintergrund-Infos

Darsteller beim Festspiel.

Die Fürstenhochzeit von 1475

Darsteller beim Festspiel.
1475 fand in der Landshuter Pfarrkirche St. Martin die Vermählung zwischen Herzog Georg dem Reichen von Bayern-Landshut und der Tochter des polnische Königs statt. Die Hochzeit wurde prunkvoll und reichlich gefeiert. Die Hochzeitsfeier zwischen dem Wittelsbacher und der polnischen Königstochter dauerte acht Tage lang. Wie damals üblich, war die Vermählung keine Liebeshochzeit, sondern basierte auf machtpolitischen Entscheidungen. Da die Bedrohung durch die Türken im Deutschen Reich zur Zeit der Hochzeit relativ groß war, erhofften sich die Wittelsbacher durch das Bündnis mit den Polen eine Sicherung ihrer Macht. Die Polen waren mit der Hochzeit einverstanden, da sie dadurch ihr Großreich in Osteuropa stabilisieren konnten. Die Hochzeitsgäste kamen sowohl von polnischer als auch von bayerischer Seite, unter ihnen viele Adelige. Auch Kaiser Friedrich III. besuchte die Hochzeit. Anlässlich der Hochzeit fanden Turniere statt. Sagenhafte Speisen wurden aufgetischt. Es wurde getanzt, gespielt und musiziert. Somit ging das Fest als eines der prachtvollsten des späten Mittelalters in die Geschichte ein.
Darstellerin der Braut.
Daten zum historischen Ereignis: Im Herbst des Jahres 1475 begann, nach erfolgreichen Verhandlungen über die Vermählung, der Einzug der Braut von Krakau nach Landshut. Dieser dauerte ganze zwei Monate, da die junge Braut Hedwig von Polen aus über Berlin, Nürnberg und Ingolstadt in die bayerische Stadt Landshut einzog. Sie wurde von etlichen Hochzeitsgästen begleitet, darunter auch Kurfürsten. In Landshut wurde der Braut, als sie im November 1475 eintraf, ein pompöser Empfang geboten. Auf der Wiesmahd wurde sie vom Kaiser, dem Kurfürsten und ihrem zukünftigen Gatten empfangen, ehe sie schließlich am 14. November mit ihrem Gemahl in der Pfarrkirche St. Martin vom Erzbischof von Salzburg getraut wurde. Nach der Trauung führte Kaiser Friedrich III. Hedwig zum Brautreigen. Anschließend wurde mit bis zu 10.000 Besuchern der Hochzeitsgesellschaft über acht Tage hinweg gefeiert, getanzt, gespeist, getrunken und den Turnierspielen zugesehen. Während der Hochzeitswoche durften in ganz Landshut keine Speisen verkauft werden, sondern, jeder, der etwas zu essen oder trinken benötigte, wurde von der herzoglichen Küche verköstigt. So wurden während der Festwoche beinahe 150 Köche vom Herzog beschäftigt. Während den Feierlichkeiten in Landshut wurden angeblich 333 Ochsen, 1.130 ungarische Schafe, 285 Schweine, 625 halbjährige Schafe, 75 Wildsäue, 162 Hirsche, 1.537 Lämmer, 490 Kälber, 12.000 Gänse, 62.000 Hühner, 194.045 Eier, 220 Zentner Schmalz, 5 Zentner Weinbeer, 140 Zentner Rosinen, 286 Pfund Pfeffer, 205 Pfund Zimmet, Käse, Fische und Krebse verspeist. Anhand dieser Zahlen wird deutlich, wie groß die Hochzeitswoche tatsächlich gewesen sein muss und wie viele Besucher anwesend waren.

Landshuter Hochzeit im 20. Jahrhundert

Braut und Bräutigam.
1902 wurde der Verein Die Förderer gegründet, der die Landshuter Hochzeit seitdem immer wieder als historisches Schaustück aufleben lässt. Die Mitglieder stellten schon für 1903 einen Festzug zusammen, der an die Landshuter Hochzeit erinnern sollte. 2009 hat der Förderverein knapp 7.000 Mitglieder. Zum 500-jährigen Jubiläum des Hochzeitstages 1975 wurde die Landshuter Hochzeit sehr groß gefeiert. Mehr als 500.000 Besucher erlebten das historische Schauspiel mit. Mit dieser Jubiläumsfeier erlangte die Landshuter Hochzeit den Titel des größten historischen Festes in Deutschland. Das ist auch international bekannt.

Weblinks

Literatur

  • Aiblinger, Simon: Vom echten bayerischen Leben. Bräuche, Feste, Zeitvertreib. München 1990.
  • Moser, Winfried: Die Landshuter Hochzeit 1475 - Impressionen vom größten historischen Fest Deutschlands. München 1988.
  • Stahleder, Erich / Weber, Kuno: Die bayerisch-polnische Hochzeit zu Landshut 1475. Ein Kulturbild des Mittelalters und Dokumentarspiel. Weißenhorn.
  • Weber-Kellermann, Ingeborg: HB Bildatlas Spezial. Volksfeste in Deutschland. Hamburg 1981.

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