Kräuterfest in den Stauden

Termin

Dieser Brauch findet am 15. August 2020 statt. Dieser Brauchtermin wird möglicherweise von der Coronavirus-Pandemie beeinflusst, was zu einer Absage oder Verschiebung führen kann.

Einstiegsinformation

Predigt beim Kräuterfest.
In Scherstetten in der Region Stauden, westlich von Augsburg, fand 2007 an Maria Himmelfahrt (15. August) erstmalig ein Kräuterfest statt, das jährlich wiederholt werden soll.

Ablauf

Seit einigen Jahren haben Wiesenkräuter und ihre heilende Wirkung Konjunktur. In den Stauden hat man sich auf ihre Bedeutung für diese Region besonnen. Eine zweijährige Planung der regionalen Vereine in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Humangeographie an der Universität Augsburg führte zur Belebung der Kräutertradition in den Stauden. 2007 fand zum ersten Mal ein Kräuterfest anMaria Himmelfahrt statt, das nach dem großen Erfolg auch 2008 wieder gefeiert wurde. Dazu gehören ein Feldgottesdienst mit Kräuterbuschenweihe aus der Tradition der katholischen Kirche, anschließend eine Bewirtung und ein Kräuter-Markt.

Feldgottesdienst

Die sehr gut besuchte Feldmesse wurde 2007 von der Scherstetter Blaskapelle musikalisch untermalt. Pfarrer Dogonyaro Yakubu aus Nigeria predigte passend zur traditionellen Kräuterweihe an Mariä Himmelfahrt:
Die Heilkräuter sind wiederentdeckt worden als Heilmittel, und das Erhalten ist Aufgabe der Menschen. Der Schöpfer hat die Kräuter und Blumen als Gaben des Heils, des Trostes, der Freude und als Heilmittel gegen Krankheiten den Menschen gegeben. Maria hat uns als besonderes Zeichen des Heils Jesus Christus geboren. Die Heilkräuter und die Medizin haben nur aufschiebende Wirkung. Aber es gibt ein Kraut aller Kräuter, das Kraut der Hoffnung, ein Kraut gegen den Tod, das in Maria gewachsen ist. Mit der Aufnahme Marias in den Himmel feiern wir auch das Fest der Hoffnung und Freude auf das ewige Heil der Seele und die Freude bei der Aufnahme in den Himmel.
Viele Besucher, alt und jung, trugen Kräuterbuschen oder Kränze. Jeder Buschen sah ein bisschen anders aus. Bei manchen dominierten Blumen oder Kräuter. Nach der Kommunion wurden die Kräuterbuschen geweiht. Der Pfarrer spritzte dabei Weihwasser in die Menge. Nach dem Gottesdienst wurden die Gäste vor dem Schützenheim bewirtet. Auf der nahe gelegenen Wiese konnte man einen Kräutermarkt besuchen.

Kräutermarkt

Der Kräutermarkt entstand wie das Kräuterfest auf Initiative des Kräutervereins. Die Mitglieder luden dazu ortansässige bzw. in der Nähe lebende Kunst- und Hobbyhandwerker ein, die auch an anderen Märkten teilnehmen. Auf einer Wiese gegenüber dem Schützenheim wurden verschiedene Verkaufsstände unter dem Motto "Kräuter und ihre Verwendung" aufgebaut. Nach der Messe war der Kräutermarkt sehr gut besucht. Alle Kunst- und Hobbyhandwerker boten selbst angefertitge Waren an. Einige der Aussteller betreiben nach anfänglichem Experimentieren mit Kräutern inzwischen eine gut gehende Manufaktur für Kräuterprodukte aller Art. Es gab rustikale Brotzeitteller und Kräuterbrettchen aus Baumscheiben, Töpferware für Kräuter, Weine und Liköre aus Kräutern, einen Kräuter- und Gemüsestand, Badesalze und Fette mit Kräuterzusätzen, Honig und Senf mit Kräutern usw.

Hintergrund-Infos

Kräuterverein

Ein Kräuterbuschen.
Die Region Stauden liegt im Naturpark Westliche Wälder nahe Augsburg. Auf den saftig grünen Wiesen und Hügeln der Stauden wuchsen schon immer Wildkräuter, die früher für die Heilung der Menschen und Tiere genutzt wurden. Zur Förderung der Regionalentwicklung hat sich ein Zusammenschluss verschiedener Vereine gebildet, zu dem auch der Verein "Kräuterregion Stauden" gehört. Dieser Verein, der das Kräuterfest maßgeblich organisiert, wurde von sieben Frauen gegründet, die sich schon sehr lange mit den heimischen Kräutern beschäftigen. Einige von ihnen sind ausgebildete Kräuterpädagoginnen, die sich mit Kräutern und Speisen befassen. Eine Heilpraktikerin versteht sich auf die medizinische Wirkung der Kräuter.

Kräuterbuschen und -tradition in der Region Stauden

Die Buschen bestehen vor allem aus neun verschiedenen (Wild-)Kräutern nach Wahl. Für die Auswahl gibt es keine strengen Regeln. Die Königskerze sollte jedoch in der Mitte herausragen, ebenso sollten Getreide und Rosen dabei sein. Jeder Buschen ist ein Unikat. Wichtig ist, dass jedes Haus bzw. jeder Hof seinen eignen Buschen hat. Nach der Weihe wurden die Kräuter im Herrgottswinkel oder an einem Balken im Haus oder Stall aufgehängt. Damit sollte das Haus und der Hof vor bösen Einflüssen, Gewitter (Blitzgefahr) und schlimmen Krankheiten geschützt werden. Diese Tradition wird auch in den Stauden meist unter den Frauen von Generation zu Generation weitergegeben. Ebenso verhält es sich mit den Kenntnissen über Kräuter als Heilpflanzen und gesunde Nahrungsbeilagen. Besonders Maria, aber auch andere Heilige sind mit Kräuterbräuchen verbunden. Im Afraturm in Augsburg wurden Kräuter zum Trocknen ausgelegt, die vor Ungeziefer schützen sollten. Der Turm wurde um 1900 abgerissen. Die Heilige Afra starb als Märtyrerin für den christlichen Glauben im Lechfeld und ist neben dem Hl. Bischof Ullrich eine in Augsburg besonders verehrte Heilige. Der Tag der Hl. Afra ist der 7. August. Nicht zufällig gehören zum Sortiment der Hofapotheke St. Afra auch Afra-Kräuterbonbons und Afra-Ringelblumensalbe.

Literatur

  • Hilpert, Markus: Kräuterrad- und Wanderwegführer in den Stauden. Augsburg 2007.

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