Kinderbrotspeisung mit dem Trommler-Albert in Burgau

Termin

Dieser Brauch findet am 03. März 2025 statt. Er wird immer am Rosenmontag begangen.

Einstiegsinformation

Kinderbrotspeisung.
Die Kinderbrotspeisung mit dem Trommler-Albert findet jedes Jahr am Rosenmontag in Burgaus (Schwaben, Landkreis Günzburg) kleiner Innenstadt statt. Der Trommler-Albert zieht mit einer Schar von Kindern durch Burgaus Straßen, vorbei an Bäckereien, Metzgereien und anderen Lebensmittelgeschäften. Auf das Rufen von Faschingssprüchen werden Essen und Süßigkeiten an die Kinder verteilt.

Ablauf

Jedes Jahr am Rosenmontag wartet der Trommler-Albert mit seiner Trommel um 09.00 Uhr an der Burgauer Grundschule auf Burgaus Kinder. Mit seinen lauten Trommelschlägen läuft er den Kindern voran durch die Stadt, hinter ihm die Burgauer Stadtsoldaten und Burgaus Musikkapelle „Die Handschuhmacher“. Von der Grundschule aus beginnend, zieht die bunte Faschingsschar weiter in Richtung Kapuzinerstraße, wo auch schon die erste Bäckerei, die Rathausbäckerei, ihren Standort hat. Mit dem bekannten Burgauer Faschingsspruch: „Brezga raus, Brezga raus, Hio“ erbitten die Kinder dort Brezen, frische Faschingskrapfen, aber auch Süßigkeiten. Die nächste Station ist die ehemalige Metzgerei Fischer am Schmiedberg, die jetzt von der Familie Schwarz aus Offingen betrieben wird. Trotz der Übernahme von Familie Schwarz wird hier immer noch gerne der Faschingsspruch „D Fischer-Bäs, d Fischer-Bäs, hat d beschta Leaberkäs, Hio“ mit lauter Stimme gerufen. Der Metzger hält für die Kinder Wienerle oder ein Stück Gelbwurst bereit, das meist gleich verzehrt wird. Weiter geht es die Mühlstraße entlang, den Spitalberg hoch, in die Stadtstraße.Dort wird nochmals vor einer Bäckerei Halt gemacht, die seit vielen Jahrzehnten in Burgau ansässig ist, die Bäckerei Zinner. Auch hier wird wieder der Burgauer Faschingsspruch „Brezga raus, Brezga raus, Hio!“ lauthals geschrien. Für die Kinder gibt’s dort leckere Brezen und andere Backwaren, wie auf dem nebenstehenden Bild zu sehen ist. Der Zug zieht durch die Stadtstraße an vielen kleinen Läden vorbei. Auch diese haben für die Kinder Süßigkeiten hergerichtet. Da es nicht für jedes Burggeschäft einen eigenen Faschingsspruch gibt, wird dort mit den Burgauer Sprüchen: „Burga zua, Burga zua, ohne Strempf und ohne Schuah, Hio!“, „D Leimer ond sei Frau, dia leabet ganz genau ond wenn se nix mea habat, dann fressat se Kohlraba. Kohlrabaschnitz, Kohlrabaschnitz, bis d Dreack beim Loch naus spritzt, Hio!“ oder „I ond Du, ond no a paar, sind mas rechte Lompa, und wenn ma sGeld versoffa hand, dann mias ma Wassr gompa. Hio!“ um Gaben gebettelt.Durch das Stadttor hindurch wird der Zug die Käppelestraße nach oben bis zum Rathaus fortgeführt. Kurz vor Ende des Faschingstreibens wird noch vor dem ehemaligen Käppelewirt Stopp gemacht. Auch für den Käppelewirt gibt es einen eigenen Spruch: „Beim Käppelewirt, beim Käppelewirt, dau kehrat d Maschker ei. Sie saufat Bier und Branntawei und schiabat d Gläsla ei! Hio!“Damit die Kinder sich anstrengen und nicht nur lustlos einen Spruch nach dem anderen aufsagen, trommelt der Trommler-Albert natürlich ständig auf seiner Trommel passende Schläge zu den Sprüchen mit. Damit die Geschäftsinhaber nicht nur einen kurzen Faschingsspruch hören, wird meistens nach jedem Spruch noch ein „Nomal so, nomal so, Hio!“ und ein „So isch recht, so isch recht, Hio!“ gerufen. Nach circa zwei Stunden endet der Burgauer Faschingsvormittag für die Kinder mit vollen Mägen und einer großen Tüte voller Süßigkeiten am Rathausplatz, bevor das Burgauer Faschingstreiben dann kurze Zeit später mit dem alljährlichen Rosenmontagsumzug fortgesetzt wird.

Akteure

An diesem Burgauer Faschingsbrauch sind der Trommler-Albert, die Burgauer Stadtsoldaten und die Handschuhmacherkapelle beteiligt. Die Burgauer Stadtsoldaten sind eine Gruppe aus Männern und Frauen, die sich für mittelalterliche Bräuche interessieren, die sie auch noch in heutiger Zeit umsetzen. Zurückzuführen ist diese Vereinigung auf die Kinderbrotspeisung im Fasching. So laufen sie auch heute noch als Wächter in ihrer rot-weißen Uniform bei der Kinderbrotspeisung mit. Damit das Faschingstreiben auch von feierlicher Musik begleitet wird, zieht hinter den Stadtsoldaten die Burgauer Musikkapelle „Handschuhmacher“ mit. Hauptakteur dieses bunten Treibens ist der Trommler-Albert, der von dem Burgauer Albert Vogele jun. seit 1976 verkörpert wird. Sein Vater Albert Vogele sen. hatte diesen Brauch im Jahr 1948 wieder aufleben lassen. Markenzeichen des Trommler-Alberts ist seine große Trommel, mit der er dem Faschingszug voranschreitet. Immer wieder stimmt er als Stadtpolizist mit Pickelhaube während des Zuges durch die Stadt Lieder und Faschingssprüche an und trägt somit zu einem bunten Faschingstreiben am Vormittag des Rosenmontags bei. Neben seiner Pickelhaube, trägt er eine Uniform, bestehend aus einem dunkelblauen Jackett und einer roten Hose. Eine Uniform dieser Art wurde schon vor vielen, vielen Jahren von den damaligen Stadtpolizisten getragen. Neben diesen Personen sind natürlich auch viele Burgauer Geschäfte, die ihren Sitz in der Innenstadt haben, am Brauch beteiligt, denn sie versorgen die Kinder mit ihren Speisen und Süßigkeiten. Zum Publikum dieses Brauchs zählen vor allem Kinder im Grundschulalter, aber auch kleinere Kinder nehmen mit ihren Eltern an diesem Faschingstreiben teil.

Veranstaltungsort

Als Ort fungiert die Burgauer Innenstadt für diesen Brauch. Am Rosenmontag sieht man in der Stadt an einigen Stellen große Faschingsfahnen, so zum Beispiel an der Grundschule oder hinter dem Stadttor. Außerdem ist die gesamte Stadtstraße bunt geschmückt. Über der Stadtstraße werden Schnüre von Haus zu Haus gespannt, an die Lumpenstückchen in den verschiedensten Farben gehängt werden. Sie sollen das bunte Faschingstreiben unterstützen. Auch die Schaufenster der Geschäfte sind mit bunten Masken, Luftschlangen und Konfettis geschmückt. Ebenso sind Cafés und Bars dem bunten Faschingstreiben entsprechend dekoriert. Die ganze Stadt ist an diesem Tag auf die 5. Jahreszeit eingestimmt.

Brauch- und Rollenverständnis

Dieser Brauch ist vor allem für die Burgauer Kinder ein wichtiges und langersehntes Ereignis. Sie dürfen durch Burgaus Straßen ziehen, ihre Sprüche aufsagen und sich natürlich mit bunten Kostümen verkleiden. Außerdem sammeln sie große Mengen an Süßigkeiten und anderen Leckereien. Der Trommler-Albert ist jedoch nicht nur für die Kinder eine bekannte Person, sondern er ist in ganz Burgau und Umgebung populär. Wenn er mit den Kindern am Vormittag des Rosenmontags durch die Straßen zieht oder auch nachmittags den Burgauer Faschingsumzug leitet, hört man sein lautes Trommeln schon von weitem. Voller Begeisterung wird er durch laute „Hio!“-Rufe von seinen Burgauern empfangen. Auch für die Burgauer Geschäfte ist dieser Tag fester Bestandteil. Sie freuen sich, den Kindern mit ihren Geschenken eine Freude zu bereiten und sind jedes Jahr wieder aufs Neue begeistert, mit wie viel Eifer die Kinder an dieser Aktion teilnehmen.

Organisation der Brauchveranstaltung

Offizieller Veranstalter dieses Brauches ist die Stadt Burgau. Die Speisen und Süßigkeiten werden von den jeweiligen Geschäften für die Kinder bereitgestellt.

Hintergrund-Infos

Die Anfänge der Burgauer Kinderbrotspeisung reichen fast 400 Jahre zurück, als von dem Magistrat, dem damaligen Stadtrat, Brot an die Kinder verschenkt wurde. Auch in Zeiten der Not blieb der Brauch erhalten. So wurde im Jahr 1614, während der Hungersnot und der Pest, auch weiterhin Brot an die Kinder verteilt, obwohl das Geld zu dieser Zeit knapp war. Auch während der Kriegszeiten konnte der Brauch erhalten bleiben. Von 1920-1935 führte ein älterer Burgauer Bürger, der Leimer, die Kinder durch die Stadt. Er holte sie am Rosenmontag in der Schule ab und zog mit ihnen los, um Lebensmittel zu erbetteln. Im Jahr 1948 erweckte der Burgauer Albert Vogele den Brauch wieder zum Leben. Auch er stürmte am Rosenmontag die Schule mit lauten Trommelschlägen und sammelte alle Kinder ein. Die Kinder warteten damals schon sehnsüchtig, bis der Trommler-Albert kam und sie endlich durch die Stadt ziehen konnten, um ihre Sprüche zu schreien und Süßigkeiten und andere Leckereien zu sammeln. Im Jahr 1970 übernahm sein Sohn, Albert Vogele jun., die Rolle des Trommler-Alberts. Am Verlauf des Umzugs änderte sich nichts. Seit Einführung der Faschingsferien ist es dem Trommler-Albert leider nicht mehr möglich, die Kinder in der Schule abzuholen, da am Rosenmontag seither schulfrei ist. Der Brauch wird aber dennoch weitergeführt. Start des Trommler-Alberts ist weiterhin die Grundschule, jedoch ist es den Kindern nun selbst überlassen, ob sie am Faschingszug teilnehmen, weswegen die Zahl der teilnehmenden Kindern in den letzten Jahren zurückging.

Allgemeine Verbreitung des Brauchs

In umliegenden Dörfern von Burgau werden ähnliche Bräuche veranstaltet. So wird in dem kleinen Dorf Haldenwang am Faschingsdienstag mit Trommeln und Trompeten durch die Straßen gezogen, um Brezeln, Wurst und Süßigkeiten zu erbetteln. Neben den Musikanten läuft hier allerdings ein Brautpaar dem Zug voran, als dessen Braut traditionell ein Mann verkleidet wird. Gefolgt werden diese von einer großen Schar bunt maskierter Kinder. Auch in Ziemetshausen gibt es einen derartigen Brauch, die sogenannte Brezenhurre. Am Gumpigen Donnerstag werden in Ziemetshausen vor dem Rathaus Brezeln und Würstchen an die Kinder verteilt.

Forschungsstand allgemein

Die Kinderbrotspeisung in Burgau wird in der Burgauer Literatur häufig erwähnt. Da fast jeder Burgauer schon selbst einmal an dem Brauch teilgenommen hat, stellen auch die Burgauer Einwohner eine wichtige Forschungsquelle dar. Über Kinderbrotspeisungen im Allgemeinen ist in der Literatur leider nicht viel zu finden.

Gewährspersonen

Auskunft zu diesem Brauch habe ich von gebürtigen Burgauern erhalten, die bereits als Kinder mit dem Trommler-Albert durch die Stadt gezogen sind, aber auch als Elternteil. Da auch ich in Burgau aufgewachsen bin, habe ich bis vor einigen Jahren noch selbst an diesem Brauch teilgenommen.

Weblinks

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