Kaiserfest in Füssen

Termin

Dieser Brauch fand zuletzt am 29. und 30. Juni 2019 statt.
Akteure beim Kaiserfest.

Einstiegsinformation

In regelmäßigen Abständen findet in der historischen Altstadt von Füssen das dreitägige Kaiserfest statt. Dieses wird in Erinnerung an Kaiser Maximilian I. veranstaltet, der das Römische Reich Deutscher Nation regierte und seinen Regierungssitz zeitweise in Füssen innehatte. Das Kaiserfest 2008 war zudem 500-jähriges Krönungsjubiläum Kaiser Maximilians I.

Ablauf

Umzug mit Rittern.
Kaiserfest 2008 - Füssen, eine Stadt im Mittelalter Vom 27. bis 29. Juni 2008 findet das nächste Kaiserfest statt. Doch diesmal werden die Feierlichkeiten etwas ganz Besonderes sein, da es sich gleichzeitig um das 500-jährige Krönungsjubiläum von Kaiser Maximilian I. handelt. Deshalb wird es in diesem Jahr neben dem Kaiserfest auch eine Jubiläumsfeier in Trient geben, da dort Maximilian 1508 den Kaisertitel annahm. Um dies zu besiegeln wurde am 20. Dezember 2007 im Füssener Rathaus ein Vertrag mit Trient unterzeichnet. Dies zeigt schon, dass das Kaiserfest nicht nur in Füssen und Umgebung bekannt ist, sondern mittlerweile auch Zuschauer aus ganz Europa anzieht. Da der Kaiserverein nun nicht mehr alles allein organisieren kann, ist geplant, dass er unterstützt wird vom Füssener Tourismus und Marketing sowie der Stadtverwaltung. Umzüge, Ritterturniere, Landsknechtelager Bei jedem Kaiserfest verwandelt sich Füssen, wie schon gesagt, in eine mittelalterliche Stadt. Der Baumgarten auf dem Hohen Schloss wird zum Turnierplatz auf dem die Ritter im Kampf mit dem "hölzernen Roland" oder bei der "Sauhatz" ihre Ehre beweisen. Überall in der Altstadt findet man Landsknechtelager, Feuerspucker, Magier, Gaukler usw. Zudem wird auch ein großes Kinderprogramm geboten, wozu unter anderem eine Knappenschule, Unterricht in Waffenkunde, Schaukämpfe, Puppenspieler, Märchenerzähler oder das Hexentheater gehören. Für alle drei Festtage gibt es einen bestimmten Programmverlauf, der bei jedem Kaiserfest variieren kann. Einen Überblick über den Ablauf gibt beispielsweise das Programm vom Kaiserfest 2005: Festprogramm
1. Tag: 11.00 Uhr Einzug des Kaisers mit Gefolge in die Stadt Füssen, Begrüßung und Huldigung des Kaiserpaars durch den ehemaligen Abt Benedikt von Furtenbach, den Füssener Bürgermeister sowie den damaligen Augsburger Bischof Friedrich II. Der Kaiser verkündet den Friedensausspruch aus dem Jahr 1505 und eröffnet das Kaiserfest. Zudem fordert sein Herold alle Festteilnehmer auf, beim Kaiserturnier auf dem Festplatz im Baumgarten des Hohen Schlosses zu erscheinen. Insgesamt nehmen 80 Gruppen mit ca. 800 Teilnehmern am Umzug teil. Danach Festlichkeiten zu Ehren des Kaisers mit mittelalterlicher Tafeley im Baumgarten des Hohen Schlosses, sowie Landsknechtelager, Kinderprogramm und mittelalterliches Marktleben mit vielen Ständen und lebendigem Handwerk 15.00 Uhr Ritterturnier und Kämpfe der Löwenritter. Flugschau mit Greifvögeln 18.00 Uhr Kleiner Festzug durch die Altstadt von Füssen 20.00 Uhr Konzert der mittelalterlichen Spielleute "Cornix Maledictum" 23.30 Uhr Feuerwerk 2. Tag: 10.30 Uhr Großer Festzug des Kaisers durch die Altstadt Danach Festlichkeiten im Baumgarten des Hohen Schlosses mit Kinderprogramm, Marktleben und Landsknechtelager 14.00 Uhr Ritterturnier und Kämpfe der Löwenritter sowie Greifvogelflugschau 16.00 Uhr Darbietungen der Landsknechte und Befreiung der Kaisertochter 20.00 Uhr Abendprogramm mit Konzert 21.30 Uhr Nachtturnier zu Ehren der Kaiserin 23.00 Uhr Musik und Gaukeley mit anschließendem Feuerwerk 3. Tag: 10.00 Uhr Heilige Messe in St. Mang mit Kaiserfamilie und Gefolge. Anschließend erfolgt wieder ein Festzug des Kaisers durch die Altstadt und Huldigung durch den Truchsess Georg von Waldburg-Zeil und seiner Gemahlin. Danach Festlichkeiten zu Ehren des Kaisers im Baumgarten des Hohen Schlosses mit Kinderprogramm, mittelalterlichem Marktleben und Landsknechtelager 14.00 Uhr Ritterturnier, abermals Kämpfe der Löwenritter und Flugschau mit Greifvögeln 16.30 Uhr Darbietungen der Landsknechte und Befreiung der Kaisertochter 18.00 Uhr Abschlussturnier zu Ehren der Kaiserin. Danach folgt Musik und Gaukeley. Festende ca. 21.00 Uhr
Mittelalterlicher Nachtwächter Während der Festtage zieht auch ein Nachtwächter seine Runden durch die Füssener Altstadt.
Dieser trägt beim kaiserlichen Festumzug folgenden Text vor: "Liebe Leute, lasst euch sagen, ein großes Fest ist hier in diesen Tagen. Der Kaiser selber ladet ein, er zieht in uns're Altstadt ein. Mir wollet iahm huldiga und freindlich begrüaßa In eiserer schiana Huamatstadt Füassa! Mit einem dreifach: Vivat hoch, vivat hoch, vivat hoch! Es lebe der Kaiser Maximilian!" Um 23.00 Uhr, wenn allmählich Ruhe in den Gassen herrscht, singt der Wächter folgendes Lied: "Hört, ihr Leute, lasst euch sagen, uns're Uhr hat elf geschlagen. Elf Apostel blieben treu, einer trieb Verräterei. Ja, Menschen sind so, kannst nix machen, Gott muss lenken, Gott muss wachen! Er hat durch seine Lieb und Macht die Welt für uns doch schön gemacht! Nun kostet aus das schöne Fest, ich dreh noch eine Runde jetzt." Schließlich beendet der Nachtwächter um 24.00 Uhr seine Runden durch die Stadt. "Hört, ihr Leute, lasst euch sagen, uns're Uhr hat zwölf geschlagen. Das ist das End der Tageszeit, wir danken Gott für alles heut. Menschenwachen wird nichts nützen, Gott wird wachen, Gott wird schützen! Für heute wird nun Schluss gemacht. Ich wünsch' euch eine gute Nacht! Nun löscht das Feuer und das Licht! Vergesst das Aufstehn morgen nicht!"

Hintergrund-Infos

Maximilian I.

Akteure als Edelleute.
Maximilian I., der auch als der "letzte Ritter" bezeichnet wird, wurde am 22. März 1459 in der Wiener Neustadt geboren. Er war Erzherzog von Österreich, ab 1486 römisch-deutscher König und ab 1493 schließlich römisch-deutscher Kaiser. Am 19. August 1477 heiratete Maximilian Maria, die Erbtochter Karls des Kühnen von Burgund, die aber schon früh, am 27. März 1482, an den Folgen eines Reitunfalls starb. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, Philipp der Schöne, Margarete und Franz. Am 16. März 1494 fand dann die Hochzeit mit Bianca Maria, Herzogin von Mailand, statt, die jedoch ebenfalls schon früh (1510) verstarb. Aus dieser Ehe gingen keine Kinder hervor, allerdings hatte Maximilan viele (12) uneheliche Kinder. Am 16. Februar 1486 wurde er nun in Frankfurt am Main zum Rex Romanorum (Römischer König) gewählt und am 9. April desselben Jahres folgte die Krönung in Aachen. Am 6. Februar 1508 nahm Maximilian schließlich den römisch-deutschen Kaisertitel im Dom zu Trient an. Allerdings wurde ihm von Venedig der Zugang zu Italien verwehrt, weshalb ihn Papst Julius II. nicht persönlich krönen konnte. Deshalb fand die Krönung nur mit Zustimmung des Papstes statt, und so nannte sich Maximilian selbst "Erwählter Römischer Kaiser". Der Kaiser zeigte Zeit seines Lebens ein großes Interesse an Kunst, Wissenschaft und Literatur und setzte sich deshalb auch für deren Förderung im Reich ein. Zudem trat er 1512 mit Albrecht Dürer in Verbindung. Bei diesem gab der Kaiser einige Werke in Auftrag und auch das große Grabmal des Kaisers in der Hofkirche in Innsbruck ist unter anderem mit Bronzefiguren von Dürer verziert. Die meiste Zeit als Kaiser verbrachte Maximilian in Innsbruck oder seiner Lieblingsstadt Augsburg. Dennoch verweilte er auch oft auf seinem Regierungssitz in der Stadt Füssen. Zu den Zeiten der Kaiserbesuche, unter anderem 1503/1504, erblühte die Wirtschaft in Füssen und die Stadt gelangte zu Wohlstand. Der Kaiser scharte viele adelige, weltliche und geistliche Gäste und Ritter um sich, wie beispielsweise Bischof Friedrich II. von Augsburg, den päpstlichen Gesandten Pompejus de Colonna aus Italien, Bischof Cordier aus Frankreich oder Herzog Wilhelm von Bayern. Außerdem fand an hohen Festtagen ein Gottesdienst mit anschließenden Feiern, Spiel und Tanz statt. Dies lässt nun schon erahnen, dass der Kaiser einen sehr prunkvollen Lebensstil pflegte und deshalb auch immer wieder Kredite bei seinem Augsburger Hausbankier Jakob Fugger aufnehmen musste. Während des Reichstages von Augsburg 1518 erkrankte Maximilian I. schwer und verstarb schließlich am 12. Januar 1519 auf der Reise von Innsbruck nach Wien in der Burg von Wels. Beigesetzt wurde der Kaiser in seiner Geburtsstadt in der Georgskapelle. Seine Herzurne befindet sich allerdings im Sarg seiner ersten Frau Maria von Burgund in der Liebfrauenkirche in Brügge.

Weinprivileg 1504

Das Weinprivileg.
Im Jahr 1504 beschloss Kaiser Maximilian I. die Zolleinnahmen zu erhöhen und sprach deshalb an alle Klöster in seinem Reich ein Verbot aus, Wein und Salz aus Tirol zollfrei in das Reich einzuführen. Ausnahmen gäbe es nur, wenn die Klöster alte Urkunden mit einer Bestätigung über die zollfreie Einfuhr vorlegen könnten. Einzig und allein Abt Benedikt des Klosters St. Mang in Füssen besaß eine alte schriftliche Erlaubnis für die zollfreie Einfuhr von 18 Fuder (18 Wagenladungen) Wein. Der Kaiser erteilte dem Abt schließlich ein Privileg und stellte ihm eine Urkunde aus, deren Wortlaut bis heute erhalten blieb.Wortlaut der Urkunde Kaiser Maximilians I., Bild: Kaiserverein Füssen e.V. Dieses Privileg war sehr wichtig für das Kloster, da die Mönche den Wein auch an die Gastwirte in Füssen weiterverkauften. Zudem waren 18 Fuder eine beträchtliche Menge. Auf einer Wagenladung befanden sich Fässer mit acht Yhren Wein. Das entsprach einer Menge von 600 Litern (1 Yhre = 75 Liter). Insgesamt wurden also 10.800 Liter Wein eingeführt.

Literatur und Gewährspersonen

  • Füssen Tourismus und Marketing
  • Kaiserverein Füssen e.V.
  • Katalog 2008 "Füssen im Allgäu - Die romantische Seele Bayerns" (Stadt Füssen)

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