Historische Wallensteinwoche in Memmingen

Termin

Dieser Brauch findet das nächste Mal im Jahr 2026 statt. Ein exaktes Datum steht noch nicht fest.

Einstiegsinformation

Alle vier Jahre findet in  Memmingen der Wallensteinsommer statt. Das Historienfestspiel wird zum Gedenken an den Aufenthalt des kaiserlichen Felderrn Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein (genannt Wallenstein) in dieser Stadt im Jahr 1630 veranstaltet.

Ablauf

Allgemeine Informationen

Ende Juli bis Anfang August 2008 stellten die Memminger den Aufenthalt Walltensteins in ihrer Stadt dar. Die Veranstaltung wird seit 1980 vom dortigen Fischertagsverein abgehalten, der auch für den Memminger_Fischertag verantwortlich ist.

Mitwirkende Gruppen

Adel, Hofstaat, Generäle & Kommissare Eine Gruppe internationalen Adels, dessen Aufgabe es war, Wallenstein bei seinen Reisen gesellschaftlich zu unterhalten. Die Zusammensetzung dieser Gruppe bildeten sowohl Personen der italienischen Adelsgeschlechter Colalto und Piccolomini, als auch spanischer und dänischer hochrangiger Adel. Es sind meistens Eltern, Frauen und Kinder der Heeresführer, aber auch politikinteressierte Männer, welche Wallenstein wohl gesonnen waren. Fehlen durften hier auch nicht der Mundschenk und die Pagen, das Hauspersonal Wallensteins. Bedienstete und Pagen Sie waren für das leibliche Wohl Wallensteins und seinen Gästen verantwortlich. Ihre Aufgabe war es, sowohl für das Wohlbefinden Wallensteins und seine Gäste zu sorgen, als auch für gepflegte Räumlichkeiten zu sorgen. Bettler Bettler waren zu dieser Zeit aus einer Stadt wie Memmingen nicht wegzudenken. Sie standen am Rande der Gesellschaft, aber viele Bürger waren gut auf sie zu sprechen, da eine Spende für beide Seiten ein Nutzen von sich zog. Der Bürger hoffte durch eine kleine Spende etwas für sein Seelenheil zu tun, denn je mehr er spendete desto mehr wurde er von den Bettlern in ihre Gebete eingebunden. Die Bettler in der Wallensteinwoche in Memmingen betteln nicht für ihren eigenen Lebensunterhalt, sondern das Geld spenden sie für einen gemeinnützigen Zweck. Bevölkerung Wallenstein ist es zu verdanken, dass die Bevölkerung Memmingens eine Atempause in den Wirren des 30 - jährigen Krieges (Pest, Seuchen, Hunger Vergewaltigungen, Plünderungen und Morde) erfahren durfte, wobei derweil auch nicht alles zum Guten gewesen sein dürfte. Die Gruppe Bevölkerung spielt die Memminger Bewohner im Jahre 1630 dar. Außerdem werden von dieser Gruppe Ausschnitte aus dem Leben der Stadtbevölkerung der damaligen Zeit dargestellt. Fahrendes Volk Das fahrende Volk besteht aus allerlei Gesindel, deren Aufgabe es war, die Soldaten zu unterhalten und sich seinen Lebensunterhalt auf unterschiedlichste Art und Weise zu verdienen: Märchenerzähler, Wahrsager, Theaterspieler, Stelzenläufer, Feuerfresser und vielfältige Artisten jeglicher Art. Gallas Dragoner Der Name Gallas Dragoner lässt sich von dem Feldherrn Matthias Gallas ableiten, der einer von vielen Heerführer Wallensteins war. Die Dragoner sind eine Kategorie zwischen Kavallerie und Infanterie. Sie kämpften in der Regel zu Fuß und waren nur beim Aufmarsch zur Schlacht beritten. Die Soldaten sind mit kurzen Piken und einem Luntenschlossgewehr ausgestattet. Aufgaben der Dragoner waren eine schnelle Eingreiftruppe zu bilden, die Sicherung von Geleitzügen, die Bewachung von Munition, Geld und Verpflegung und die Errichtung von Befestigungsanlagen. Für die Versorgung der Truppe war ein anhängender Tross verantwortlich. Gaukler Die Vorführungen der Gaukler dienten zur Unterhaltung des Trosses und der Bevölkerung. Gab es besondere Anlässe, so durften sie ihr Können auch vor den Augen der Edelleute und des Hoftaates darbringen. Die Kunst dieser Gruppe stellen sie bei den Lagerspielen dar. Handwerker Zur Zeit Wallensteins war das Handwerk mit seinem streng geregelten Zunftwesen unentbehrlich für die Wirtschaft in der ehemaligen freien Reichsstadt. Die Gruppe stellt über 40 Handwerksberufe dar und gibt einen Eindruck von der früheren Arbeitsweise. Die Gruppe der Handwerker ist eine der größeren Gruppen in der Wallensteinwoche. Ein weiteres Highlight ist, dass viele Gruppenmitglieder auch heute im wirklichen Leben in einem Handwerksbetrieb arbeiten. Jäger Holk Wallenstein besaß in seinem Gefolge auch eine Jagdgruppe, die der damaligen Tradition zufolge sowohl mit Falken, als auch mit Waffen auf das selten gewordene Wild Jagd machte. Damals hatten die Jäger meist kein Glück und umso stolzer präsentiert die Gruppe in der historischen Wallensteinwoche einen prächtigen Keiler, den sie auf dem Weg nach Memmingen zur Strecke gebracht hat. Kanoniere & Gäste der Kanoniere Eine wichtige Bedeutung im 30 - jährigen Krieg hatte die Artillerie, was in der historischen Wallensteinwoche der umfangreiche Fuhrpark der Gruppe zum Ausdruck bringt. Neben der Nachtigall, der größte Nachbau einer Kanone aus dem 30 - jährigen Krieg, beinhaltet der Fuhrpark einen Pulverwagen, einen Kugelwagen, einen Schanzkorbwagen sowie drei Falkonette, die bei den verschiedenen Veranstaltungen an Wallenstein zum Einsatz kommen. Gäste der Kanoniere sind die Colonel Thomas Ballards Regiment of Foot und seit 1996 nehmen die Kanoniere als selbstständige Kompanie Captain Francis Foukes 2nd Company in ihrem Gastregiment teil. Kaufleute Die Begründung der Kaufleute, sich damals dem Heer Wallensteins anzuschließen lag darin, dass sie Schutz vor den Räubern suchten, da die Gefahren solch einer großen Reise zu groß waren. Mit dabei waren natürlich auch immer Soldaten, Köchinnen und Bedienstete. Die Kaufleute hatten ihren Platz neben den Adligen, aber auch immer nahe bei den Heerestruppen, um mit ihren Waren Handel zu treiben. Kriegskasse Waldenfels Diese Gruppe war für den Schutz und die Bewachung der Kriegskasse verantwortlich. Der bei der historischen Wallensteinwoche zum Einsatz kommende Kassenwagen hat eine Länge von über fünf Metern und wird von einem Kaltblütergespann gezogen. Von den ca. 60 Mitgliedern sind davon 35 ausgesuchte Soldaten, die sich bereits im Kriege bewiesen haben. Um die Kriegskasse zu schützen, bedurfte es natürlich auch außerordentliche Kämpfer, die meist auch Offiziere waren. Ausgerüstet sind die Schützen mit einer kurzen Luntenschlossmuskete, die schneller gehandhabt werden konnte als eine lange Muskete. Die Fußsoldaten sind mit der Partisane und einem Rapier bewaffnet. Ein weißes auf den Hinterbeinen stehendes Einhorn schmückt das Waldenfelser Wappen. Kürisser Pappenheim Die Kürisser Pappenheimer repräsentieren bei der historischen Wallensteinwoche die Elitereiter während des 30- jährigen Krieges. Gegründet wurde dieses Regiment 1619 unter der Führung von Gottfried Heinrich von Pappenheim und war meist ausschlaggebend für den Aufstieg und die militärischen Erfolge Wallensteins. Der Ausspruch - Daran erkenn ich meine Pappenheimer - aus Schillers Wallenstein, stand damals wie heute für Mut, Treue und Zuverlässigkeit. Ausgerüstet sind die Reiter mit rauchschwarzer Rüstung mit armierten Handschuhen, Sturmhelm und Visier, Federbusch, Schärpe und Rapier. Auf dunkelrotem Grund eine Madonna mit Kind, umrahmt von goldenen Flammen schmückt das Pappenheimer Familienwappen. Bei den Reiterspielen in der historischen Wallensteinwoche kämpfen sie mit den Magyaren um den Sieg. Leibwache Prinz Ulrich von Dänemark Prinz Ulrich, der Sohn von Christian IV., König von Dänemark und Norwegen, Herzog von Holstein, kam zweimal für etwa einen knappen Monat als Gesandter seines Vaters in die Stadt Memmingen. Ihm zu Ehren wurden die Reiterspiele veranstaltet. Leibwache Wallenstein Damals war eine Leibwache für Wallenstein, wie für andere hohe Adlige oder wichtige militärische Persönlichkeiten selbstverständlich und galt auch als Standessymbol. Die Leibwache tritt nur in streng militärischen Formationen auf und wurde von einem eigenen Tross aus Kindern und Frauen jeglichen Alters begleitet. Die Führung übernehmen der Hauptmann und der Leutenampt, denen ein Fehndrich mit dem Wappen Wallensteins voranschreitet. Magyaren Die Magyaren sind ein aus dem Ural stammendes wildes Reitervolk. Während des 30- jährigen Krieges schlossen sich die Elitekämpfer dieses Volkes unter dem Graf Isolani dem Heereszug Wallensteins an. Mit dabei war eine Schar von Jugendlichen, die für die Versorgung der Pferde und den Reiternachwuchs bestimmt war. In der historischen Wallensteinwoche nehmen sie auch an den Reiterspielen teil und dabei zeigt die Voltigiergruppe aus Memmingen ihre Künste auf dem Rücken der Pferde. Marketenderei Diese Gruppe leitet sich aus dem lateinischen Begriff Mercantate ab und kann mit Händler oder Kaufmann übersetzt werden. Die Marketenderei ist ein Teil der Trosse, die die spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Heere begleiteten. Ihre primäre Aufgabe war das leibliche Wohlbefinden der Soldaten. Somit verkauften sie Brot, Wein, Fleisch und andere Gebrauchsgegenstände. In der historischen Wallensteinwoche ist die Marketenderei für das Wohl der Besucher zuständig und bewirtet diese im historischen Lager der Grimmelschanze. Marodeure Diese Gruppe repräsentiert kranke oder desertierte, kampfunfähige Soldaten, die dem Heer nicht mehr folgen konnten oder wollten. Sie plünderten, raubten, schändeten und brandschatzten durch die Lande. Wurden sie jedoch erwischt, so drohte ihnen die sofortige Verurteilung zum Tode. Auch die Marodeure begleitete ein Tross aus Weibern, Huren und deren Kindern, deren Aufgabe es war, die Marodeure zu Versorgen. Musketiere & Gäste der Musketiere Die Musketiere sind mit Musketen bewaffnet und ausgezeichnete Infanteristen. Die Kugel (Blei oder Stein) durchbrach auf kurze Distanz jede damalige bekannte Rüstung. Nachteilig war jedoch die lange Ladezeit der Muskete und somit lag die Schussgeschwindigkeit auf dem Schlachtfeld bei 6 - 8 Schuss in der Stunde. Gäste der Musketiere in der historischen Wallensteinwoche sind die Scots Brigade. Sie nehmen seit 1987 an den Wallenstein-Spielen teil. Pikeniere & Gäste der Pikeniere Sie bildeten mit ihren bis zu fünf Meter langen Piken zusammen mit den Musketieren die Infanterie des 30- jährigen Krieges. Die Pikeniere bildeten eine Art mobile Festung und boten Schutz für die zur Flanke stehenden Musketiere. Erst als die Handfeuerwaffen und Kanon im letzten Drittel des Krieges immer stärker wurden, verloren die Pikeniere an Bedeutung. Die Pikeniere sind die größte Gruppe der Wallensteinspiele und umfassen ca. 400 Mitglieder. Auch hier zog ein Tross hinterher, der für das leibliche Wohl der Soldaten zuständig war. Gäste der Pikeniere in der historischen Wallensteinwoche ist das Colonel Robert Hammonds Regiment of Foot, das seit 1987 bei den Wallenstein-Spielen zu Gast ist. Rontartschiere Aufgabe der Rontartschiere war es, die Musketiere und Pikeniere vor feindlichen Kugeln zu schützen. Außerdem versuchten sie während des Ladevorgangs der gegnerischen Musketiere einen blitzschnellen Vormarsch zu starten und somit die feindliche Formation zu durchbrechen. Ebenso wie die Pikeniere verloren die Rontartschiere mit der immer größer werdenden Feuerkraft an Bedeutung. Tross Aldringen Gegründet wurde der Tross 1980 unter dem Namen Soldatentross I. Den Beinamen Aldringen erhielt er 1987 in der historischen Wallensteinwoche von dem kaiserlichen General und Feldmarschall Johann von Aldringen. Der Tross besteht aus Trosssoldaten, Trossweibern, Kindern, Huren, Musikern und Lagerpaten. Tross Butler Der Tross Butler leitet ihren Gruppennamen von dem irischen Feldherrn Oberst Walter Butler (1600 - 1634) ab. Er schlug für seinen Kaiser erfolgreich viele Schlachten und durch Tapferkeit, strenger Glaube und Gerechtigkeitssinn machten ihn zu einer wichtigen Persönlichkeit während des 30-jährigen Krieges. Tross Piccolomini Der Tross Piccolomini leitet ihren Gruppennamen von einem in Florenz geborenen Adligen, Octavio Piccolomini ab. Er diente Wallenstein zunächst im Kürassierregiment Pappenheim und wurde dann in die Leibgarde Wallensteins einberufen. Später war Piccolomini unter anderem für die Isolation und die anschließende Ermordung Wallensteins verantwortlich. Weitere Verantwortliche waren Galles, Aldringen und Marradas. Tross Schaffgotsch Der Namenspate dieser Gruppe ist Freiherr Hans Ulrich von Schaffgotsch. Der Tross setzt sich aus Hauptleuten, Soldaten, Weibern, Kindern, Fuhrwerken, Ziegen und sonstigem Vieh zusammen. Der Wahlspruch des Hauses Schaffgotsch lautet Ratione, non cupidine! - Durch Vernunft, nicht durch Leidenschaft -

Festprogramm der Wallensteinwoche

Matinee Die Matinee gilt als erster Programmpunkt der Wallensteinspiele. Diese findet, am ersten Sonntag, vormittags statt. Hier wird von den Memmingern nachgespielt, wie diese erfahren haben, dass der Herzog Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein, sein Quartier in der Stadt aufschlagen wird. Diese Nachricht schockierte viel Memminger, dass der katholische Oberbefehlshaber sich die Ehre erwies, in eine protestantische Stadt zu kommt und hier für ungewisse Zeit sein Standquartier aufzuschlagen. Einzug Wallensteins Der Umzug soll den Einzug Wallensteins in die Stadt Memmingen darstellen. Da es sich um ein historisches Festspiel handelt, sind die Hauptplätze auch nicht mit Flaggen-und Fahnen geschmückt, sodass das Ereignis möglichst wirklichkeitsgetreu ist. Musikalisch wird der Umzug durch das Trommeln und Pfeifen der Soldatengruppen umrahmt. Im Jahr 2008 nahmen ca. 4500 Mitwirkende, aus 33 Gruppen des Fischertagsvereines Memmingen, sowie drei Gastgruppen aus Großbritannien und einer weiteren Gastgruppe aus Deutschland teil. Außerdem nahmen etwa 300 Pferde und 50 Wägen teil. Der Zug beginnt immer am „Ulmer Tor“, die Strecke des Umzuges variiert in den verschiedenen Jahren ein wenig. 2008 gab es folgenden Zugverlauf: Ulmer Tor – Ulmer Straße – Marktplatz – Kalchstraße – Salzstraße – Schmiedplatz – Waldhornstraße – Lindentorstraße – Gerberplatz – Schrannenplatz – Kempter Straße. Die Gaukler und Tänzer eröffnen den Einzug, danach folgen die verschiedenen Gruppen. Lagerspiele Die Lagerspiele sind inzwischen ein fester Programmpunkt, den man sich nicht mehr weg denken mag. Jeden Abend der Wallensteinwoche entführen Gaukler, Tänzer, Akrobaten, Zauberer und Feuerkünstler das Publikum in eine andere Welt. Bei gutem Wetter finden die Lagerspiele im Grimmelgarten und bei schlechtem Wetter in der Stadthalle statt. Die Lagerspiele dienten zu Zeiten Wallensteins 1630 der Ablenkung, so konnten Soldaten und Volk das Alltagsleben. Es herrschten Pest, Tod, Hunger und Gewalt, und somit waren die heiteren Spiele eine gesehene Abwechslung in schlimmer Zeit. Etwa 50 Mitwirkenden wirbeln an diesem Abend über die Bühne, darunter sind Tänzerinnen und Tänzer der Ballettschule Uschi Buhmann, die sich gekonnt zur Live-Musik „des Geyers schwarzer Haufen“ bewegen. Gefolgt von waghalsiger Akrobatik, Jonglage und Zauberei der Turner des TV Memmingen. Ein Schlangenmädchen verbiegt sich, dass die etwa 900 Zuschauer nicht mehr aus dem Staunen herauskommen. Nach dem zweieihalbstündigen Programm, wenn es nun dunkel ist folgen zum Abschluss noch die Feuerkünstler und Feuerspucker, bevor dann alle Mitwirkenden gemeinsam mit Fackeln auf der Bühne ein Abschiedslied singen und die Besucher mit dem Licht der Fackeln nach draußen begleiten. Reiterspiele Auch die Reiterspeile gehören inzwischen zum Standartprogramm der Wallensteinspiele. Die Veranstaltung findet jeden Abend im Reichshain Lager statt, wo sie Zuschauer mit Reiterakrobatik nach historischem Vorbild zum Staunen bringt. Voltigierer, eröffnen die Spiele mit ihren Turnvorführungen auf dem Pferd. Nach ihrem Auftritt folgt ein Wettstreit der Mayaren mit den Kürissern. In diesem Kampf, der viel Geschicklichkeit in den verschiedenen Disziplinen, wie Ringleinstechen, Kugelmann und schwingender Humpen, erfordert, werden die edlen Damen und auch Prinz Ulrich von Dänemark versucht zu beeindrucken. Die Kanoniere und Gallas Dragoner zeigen den Besuchern den militärischen Drill auf, welcher zu dieser Zeit herrschte.Bevor eine sehenswerte Reiterschau die Spiele beendet, kann man zuvor eine Hetzjagd durch eine Feuerwand bestaunen. In den vergangen Jahren bekamen die Memminger Unterstützung von Reitergruppen aus Ungarn und Deutschland. Theater Das Theater stellt einen zentralen und wichtigen Programmpunkt der Festspiele dar. Dieses findet an sechs Abenden auf dem Marktplatz statt. Hier spielen die Bürger, die Geschichte ihrer Stadt nach. Beim Theater wirken ca. 100 Schauspieler mit, welche zum Größten Teil der Theatergruppe angehören. Das Theater wurde 1980 zum ersten Mal für eine Aufführung im Stadttheater konzipiert, es wurde die Ankunft Wallensteins in Memmingen aufgeführt. Die Sorgen und Bedenken der Bürger, die mit der Besetzung durch Wallensteins Heer verbunden waren werden gezeigt. Die Bestrafung des Tafeldeckers nimmt einen wesentlichen Bestandteil ein. Im Jahre 1983 wurde das Theater „Memmingen 1630-Abesetzung im Haus der Fugger“ inszeniert. Hier bringen Boten des Kaisers dem Feldherr die Botschaft seiner Ablösung als Oberbefehlshaber, woraufhin der Herzog die Stadt verlässt. 1987 wurde das Stück mit dem Titel „Wallenstein-Sommer 1630 in Memmingen“ gezeigt. Thema war hier das Alltagsleben im Sommer 1630.Der Besuch des Hans de Witte, Bankier Wallensteins aus Prag, kommt hierbei eine historische Bedeutung zu. Das Schauspiel wird zeitlich zwischen den früher aufgeführten Stücken eingeordnet. Im Jahre 1992 wurde „Wallenstein in Memmingen- Ankunft“ den Zuschauern gezeigt. Wesentliche Vorkommnisse anlässlich des Wallenstein´schen Aufenthalts in Memmingen werden vorgespielt. Hierzu gehören die Begrüßung der Adeligen und die Bestrafung des Tafeldeckers. 1996 spielten die Theaterleute das Stück „Wallenstein-Sommer 1630 in Memmingen-Caretto“. Inhalte des Stücks sind wieder Ereignisse durch Wallensteins Aufenthalts in der Reichsstadt und die Unruhen durch den Marchese Caretto die Grana und seiner Spießgesellen. Im darauffolgenden Wallenstein-Sommer 2000 wurde das epische Theater „Der Herzog der Wallenstein´schen Truppen“ inszenier. Dieses Spiel zeigt die Zeit um 1619 in Olmütz bis zur Ermordung Wallensteins im Jahre1634. Der Kern des Stückes ist das Schicksal einiger Personen, welches dargestellt wird. Vier Jahre später wird 2004 „Intermezzo in Memmingen“ inszeniert. Dies ist eine Zusammenfassung der Trilogie über den Aufenthalt des Herzogs in der Stadt, wie sie bereits in den Jahren 1980-1996 gezeigt wurde. 2008 bekamen die Zuschauer das Schauspiel „Krieg und Frieden in Memmingen anno 1630“ zu sehen. Auch hier ist der Aufenthalt des Herzogs, sowie die Bestrafung des Tafeldeckers ein wesentlicher Kern des Theaters. Die historischen Stücke von Hermann Pfeifer basieren auf den Augenzeugenberichten des Chronisten Sebastian Dochtermann. Bis zum Jahre 2004 wurden die Theateraufführungen bei schlechtem Wetter in die Stadionhalle verlegt, seit 2008 wird ausschließlich bei gutem Wetter und im Freien auf dem Marktplatz gespielt.

Historischer Handwerkermarkt

Am letzenden Wallensteinwochenende (Freitag, Samstag, Sonntag) können die Besucher zusätzlich den historischen Handwerkermarkt besuchen. Hier werden die verschiedenen Handwerke und Zünfte vorgestellt und bietet einen Einblick in die Arbeitsweise der damaligen Zeit. Über 40 Berufe werden gezeigt, darunter vertreten sind z.B.: Apotheker, Bäcker, Bildmaler, Buchbinder, Drucker, Flachser, Siegelmacher, Schneider, Steinmetz, Uhrmacher, Weber, Sattler, Gerber, Glaser, Goldschmied, Hutmacher, Korbmacher, Küfer, Scherenschleifer, Schreiner, Sticker, Vergolder, Zimmerer, Kupferschmied, Maurer, Metbauer, Metzger, Polsterer, Seiler, Schlosser, Schuhmacher, Töpfer, Wachszieher und Zinngießer. Besonders stolz ist die Gruppe darauf, dass die mitwirkenden der Handwerker fast alle aus Memmingen und Umgebung kommen und auch im wirklichen Leben in Handwerksbetrieben arbeiten. Gefechtsvorführung 2008 fand zum ersten Mal die Gefechtsvorführung in der hohen Wacht statt. In den Jahren zuvor zeigten Musketiere und Pikeniere mit ihren Gästen auf dem Marktplatz das Exerzieren und bekannte Formationen des Igels auf. Um aber eine eindrucksvoller Vorführung mit allen Soldatengruppen (Musketiere, Pikeniere, Kanoniere, Gallas Dragonern, Kriegskasse Waldenfels, Tross Aldringen, Rontartschiere, Magyaren und Kürisser) zu zeigen, verlegte man das Spektakel in die Hohe Wacht. Die Gäste aus Großbritannien und Deutschland bilden die Gegenseite der Memminger Soldaten. Nach der Einführung Wallensteins, zeigen alle Truppen eindrucksvoll auf, wie langwierig und anstrengend ein Gefecht im 17. Jahrhundert gewesen ist. Ein Musketier muss für seine Ausführung 143 Handgriffe tätigen, um dann in einer Stunde, mit seiner Waffe, ca. sechs bis acht Schüsse abzufeuern. Lagerleben Wenn einmal kein „extra“ Programm geboten ist können die Besucher das Lagerleben miterleben. Hier zeigen die Gruppen, wie damals die Truppen Wallensteins, die ihre Lager vor der Stadt aufgeschlagen hatten, lebten. Die Handwerker wie, Schneider, Schuster, Gerber, Schmied, Stellmacher, Sattler, Becker und Metzger, haben sicherlich rund um die Uhr gearbeitet um alles für die Armee bereitzustellen. Die Wirtshäuser und Schenken werden weit geöffnet gewesen sein und ihre Besitzer haben ein großes Geschäft durch die Soldaten gemacht. In den Lagern ging es lustig zu, dies können die Besucher zum einen im Lager der Grimmelschanze und im Lager des Reichshain erleben. Essensdüfte, Trinklieder, Rufe und Lachen, aber auch laute Befehle und das Knallen von Musketen erfüllen das Lager. Das Fahrende Volk bietet den Zuschauern ein Puppentheater und bei den Jägern können seltene Greifvögel bewundert werden. Abends leuchten die Lagerfeuer um welches die Mitwirkenden sich legen und den Tag ausklingen lassen. Dieses bunte Treiben können die Bescher jeden Tag bewundern, nur dürfen die Zivilisten nicht hinter die Absperrungen, denn sonst droht ihnen ein Bad im Wasserzuber.  Soldatenwerber Die Soldatenwerber wurden 2000 zum ersten Mal aufgeführt. Sie zeigen wie Wallenstein versuchte in Memmingen und Umgebung neue Soldaten zu gewinnen. Der 30-Jähirge Krieg forderte viele Opfer, Tote und Verletzte. Diese mussten durch neue Burschen aus Memmingen und den Dörfern in der Umgebung ersetzt werden. Mit Versprechungen lockte man sie in die Armee. Kirchgang Ein normaler Gottesdienst, der kein Spiel ist und lediglich am zweiten Sonntag der Woche in historischem Gewand abgehalten wird. Ein evangelischer Gottesdienst in St. Martin, in einer katholisch Besetzten Stadt. Dies zeigt die große Toleranz Wallensteins in Sachen Glaubensausübung. Er ließ die Memminger Bürger ihren Glauben leben, inmitten eines Gebietes in dem jegliche evangelische Aktivität verboten war. Beschau der Weberwar Die Zunftmeister der Weber, Gerber, Seiler und Schmiede stellten ihre Ware vor. Der Herzog von Friedland lies sich die Arbeit und die Erzeugnisse vorführen und begutachtete diese. Die Beschau war 2004 Teil des Wallensteinprogrammes und im Anschluss zeigten die Handwerksbetriebe Beispielhaftes aus der Geschichte des Handwerkes, welches auch auf dem historischen Handwerkermarkt zu sehen ist. Tanz auf dem Kopfstein mit Fackelzug Der Tanz auf dem Kopfstein wurde 2004 zum ersten Mal aufgeführt und fand großen Zuspruch, weshalb man ihn in den folge Jahren erneut ins Programm aufnahm. Der Tanz auf dem Kopfstein mit anschließendem Fackelzug gilt als einer der Höhepunkte der Festspiele. Die Aufführung findet nur an einem Abend auf dem Marktplatz statt. An diesem Abend pausiert dann das Theater. Zu Beginn des Abends tanzt die vornehme Gesellschaft Memmingens und der Adel anmutig zu ruhigen Klängen, denn der Tanz und die Musik begeisterten schon immer die Menschen. Sobald die Musikgruppe „Geyers“ aufspielen bewegt sich das Volk. Zigeuner wirbeln mit Geschrei und Gelächter über den Marktplatz, die Tänzerinnen des Hexentanzes, welche zu Zeiten Wallensteins, für die Unterhaltung der Soldaten und Feldherren zuständig waren, erfüllen die Bühne mit leben. Mit orientalischen Klängen und den vielen Glöckchen kündigen sich die Morisken an und faszinieren die Zuschauer mit ihrem Tanz und den rot-goldenen Kostümen. Im Tanz werben die Morisken um die Gunst einer Jungfrau und versuchen diese durch ihre Tanzkünste zu beeindrucken. Die ausgelassene Stimmung wird dann jedoch plötzlich von Trommeln und Pfeifen unterbrochen, welche die Truppen des Herzogs ankündigen. In einem Sternmarsch bevölkern Soldatengruppen, Pikeniere und Musketiere in ihrem Fackelzug den Marktplatz um den Tagesbefehl für den nächsten Tag zu empfangen. Nachdem sich der Marktplatz wieder geleert hat, machen sich auch die Zuschauer auf den nach Hause weg. Auszug Wallensteins Der zweite Umzug am zweiten Sonntag, zeigt symbolisch den Auszug Wallensteins aus der Stadt. Der Ablauf ist mit dem Einzug Wallensteins gleichzusetzen, lediglich die Richtung hat sich geändert. Der Zug beginnt nun am Kempter Tor und endet am Ulmer Tor.

Hintergrund-Infos

Wallenstein-Feste

Das Leben Wallensteins ist nicht nur in Memmingen ein Thema. In Altdorf bei Nürnberg finden bereits seit 1894 alle drei Jahre Wallensteinfestspiele statt und in Stralsund gelten die Wallensteintage jedes Jahr sogar als größtes Volksfest von Norddeutschland.

Zu Wallensteins Leben

Darstellung Wallensteins.
Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein (kurz: Wallenstein) wurde am 24. September 1538 in Nordböhmen als Sohn von Wilhelm von Waldstein und der Baronesse Margareta von Smirícký geboren. Er entstammte somit dem alten böhmischen Adelsgeschlecht der Grafen von Waldstein und Herren von Wartenberg. Der junge Albrecht besuchte zunächst eine Schule in Goldberg und Altdorf, trat dann aber bereits 1604 in den Dienst der Habsburger Monarchie. Im Jahr 1609 heiratete er die Witwe Lukretia Nikessin von Landek, eine der reichsten Frauen Mährens. Als Lukretia vier Jahre später starb, erbte Wallenstein allein jegliche Besitztümer seiner Frau. Sein erstes eigenes Kommando übernahm er 1621. Aufgrund des militärischen Erfolges bekam er vom Habsburger  Kaiser Ferdinand II. mehrere Ländereien. Zeitweilen gehörte Wallenstein sogar mehr als ein Viertel von ganz Böhmen. Den Höhepunkt seiner Macht erlebte der Feldherr 1627, als er mit seinen Truppen den dänischen König Christian IV. vertrieb. Aufgrund seiner Erfolge hatte Wallenstein viele Konkurrenten und Neider. Dies ging soweit, dass 1630 die Jesuiten zusammen mit  Maximilian von Bayern und den deutschen Fürsten bei Kaiser Ferdinand II. die Absetzung Wallensteins erzwangen. Jedoch nur zwei Jahre später rief der Kaiser Wallenstein zurück, um gegen die Schweden zu kämpfen. Aus der Schlacht ging der Feldherr erfolgreich hervor, er schlug den Schwedenkönig  Gustav II. Adolf. Die Neider Wallensteins ließen allerdings keine Ruhe, und so hetzten sie wieder vor dem Kaiser gegen Albrecht. Sie erreichten schließlich eine kaiserliche Verkündigung am 23. Februar 1634, in der Ferdinand II. Wallenstein Verschwörung mit den Schweden vorwarf und deshalb befahl, ihn lebend oder tot zu fangen. Am Abend des 25. Februar 1634 wurden die engsten Vertrauten Wallensteins vom Stadtkommandanten, der in das Mordkomplott eingeweiht war, zu einer Festtafel eingeladen. Wallenstein blieb währenddessen zurück im Haus des Stadtkommandanten. Dort wurde er schließlich vom irischen Hauptmann Devereux erstochen. Seit 1782 befinden sich die sterblichen Überreste Wallensteins in der St.-Anna- Kapelle in Münchengrätz. Der Feldherr gilt heute noch als einer der wichtigsten Männer im Europa des 17. Jahrhunderts und Heerführer während des  30-jährigen Krieges.

Wallenstein als historische Figur

Die Figur des Wallenstein spielte während der letzten Jahrhunderte immer wieder ein Rolle in Literatur und Poesie. Bereits kurz nach der Ermordung Wallensteins verfassten Zeitgenossen Gedichte, Flugschriften und sogar Theaterstücke über den Feldherrn. Viele davon sind verloren gegangen. Am bekannteste Bühnenstück dürfte wohl die Dramen-Trilogie von Friedrich Schiller sein, die er 1799 vollendet hat. Dort beschreibt er in Wallensteins Lager, Die Piccolomini (die beiden ersten Teile fasste er zu Wallenstein I zusammen) und Wallensteins Tod (Wallenstein II) das Leben des Generalissimus, wobei er sich sehr nah an den realen historischen Begebenheiten orientierte. Die bekannte Namensform Wallenstein hat ebenfalls Friedrich Schiller geprägt. Der Feldherr hieß ja eigentlich Waldstein, obwohl auch dieser schon gelegentlich mit Wallenstein unterschrieb haben soll und von seinen Zeitgenossen als Wallensteiner bezeichnet wurde. Auch von Alfred Döblin erschien 1920 ein expressionistischer Roman mit dem Titel Wallenstein. Jedoch steht darin nicht Wallensteins Person im Mittelpunkt des Geschehens. Er wird nur am Rande erwähnt. Es geht im Buch vielmehr um Kaiser Fedinand II.

Weblinks

Literatur

  • Becker-Huberti, Manfred: Lexikon der Bräuche und Feste. Freiburg 2000.
  • Fischertagsverein Memmingen e.V.: 30 Jahre Wallenstein. Die Bürger der Stadt Memmingen spielen ihre Geschichte . Memmingen 2010.

DVD

  • Wallenstein- Historische Woche Memmingen Querschnitt 25.7-1.8.2004.

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