Gansabhauet in Sursee

Termin

Dieser Brauch findet jedes Jahr am 11. November statt.

Einstiegsinformation

Einzug mit der Gans.
Der Gansabhauet von Sursee findet am Martinstag, dem 11. November, statt. Ein Schläger versucht hierbei mit verbundenen Augen eine an einem Drahtseil aufgehängte Gans mit einem Säbelhieb herunterzuschlagen. Sursee liegt im Schweizer Kanton Luzern.

Ablauf

Der Brauch wird am Martinstag vor dem Rathaus vollzogen. Frauen und Männer jeden Alters können als „Schläger“ versuchen mit verbundenen Augen sowie mit einer Sonnenmaske und einem roten Mantel bekleidet, eine aufgehängte tote Gans mit einem einzigen Säbelhieb herunterzuschlagen. Umrahmt wird dieser Brauch von Spielen wie dem „Stangechlädere“, „Sackgompe“ und „Chäszänne“. Der traditionelle Brauch beginnt um 15.00 Uhr mit dem Einzug der Organisatoren, des Stadtrates und seiner Gäste sowie der Mitglieder der „Zunft vom Diebenturm“. Der Zug bewegt sich durch die Altstadtgasse zum Platz vor dem Rathaus.
Das Herunterhauen der Gans.
Die „Schläger“ müssen sich freiwillig bei der Stadtverwaltung anmelden. Meistens sind es zwischen 30 und 50 Personen, vor allem junge Burschen. Das Alter der Teilnehmer liegt in der Regel zwischen 20 und 30 Jahre. Die Auslosung der Reihenfolge der Schläger erfolgt um 14.30 Uhr beim Diebenturm. In der Regel kommen die ersten Zwanzig auch zum Zuge. Um 15.15 Uhr darf dann der erste Schläger sein Glück versuchen. Die als Schläger ausgelosten Mädchen und Jungen warten in der Ankenwaage des Rathauses. Dort werden ihnen die Augen verbunden, nachdem sie das obligatorische Glas Rotwein getrunken haben. Anschließend wird ihnen eine schwarze Zipfelmütze über den Kopf gestülpt, der rote Mantel umgehängt und die Sonnenmaske angelegt. Der Schläger wird von einem Trommler und einem Paukisten begleitet. Sobald der Schläger die am Hals aufgehängte [[Martinsgans|Gans]] gefunden hat, steht ihm ein Schlag zur Verfügung, um den Kopf mit einem stupfen Dragonersäbel vom Rumpf abzutrennen. Dem ersten Schläger gelingt dies selten. Meistens dauert es um die fünf Versuche lang. Insgesamt stehen zwei Gänse zur Verfügung. Der Schläger, dem es gelingt, die Gans abzuhauen, darf sie behalten. Er wird auch öffentlich demaskiert. Die Gans wird dann auf eine spezielle Weise zubereitet. Es wird bewusst darauf verzichtet, den „Gansabhauet“ durch eine Ausweitung des Brauch-Geschehens zugunsten touristisch-kommerzieller Zwecke zu verändern. So werden zum Beispiel nur wenige Verkaufsstände mit typischen Surseer Spezialitäten zugelassen, die größtenteils auch mit der Gansabhauet zu tun haben. Zum Angebot gehören etwa die Honiggans, das Martinsbrot sowie verschiedene Spezialitäten aus Schokolade.
Trommler beim Gansabhauet.
Seit 1988 gibt es am Abend ein offizielles Gansessen in der Tuchlaube des Rathauses. Dort treffen sich die Komiteemitglieder mit den Angehörigen der Behörden und Zünfte zu einem festlichen Abend. An diesem Abend wird aber auch in fast allen anderen Gasthäusern der Altstadt der traditionelle Gänseschmaus angeboten. Zuvor findet ein Lichterumzug durch die autofreie Altstadt statt.

Hintergrund-Infos

Geschichte

Wie alt der „Gansabhauet“ von Sursee ist, ist schriftlich nicht belegt. Laut einer Turmschrift aus dem Jahre 1858 verschwand er um 1820, wurde aber 1863 neu belebt. Bis Anfang der 1870er Jahre wurde der Brauch sehr einfach und ohne Bühne direkt auf dem Platz vor dem Rathaus durchgeführt. Den Schlägern wurden lediglich die Augen verbunden und eine Zipfelmütze aufgesetzt. Die goldene Sonnenmaske und der rote Mantel wurden um 1880 eingeführt.

Verbreitung

Der Gansabhauet war früher ein auch andernorts in Europa verbreiteter bäuerlicher Brauch, der immer am Martinstag durchgeführt wurde. Ob das Ganze etwas mit der Zinszahlung im bäuerlichen Jahresverlauf zu tun hatte ist zwar ebenfalls nicht belegt, kann aber vermutet werden.

Weblinks

Literatur

  • Becker-Huberti, Manfred: Der Heilige Martin. Leben, Legenden und Bräuche. Köln 2003.
  • Becker-Huberti, Manfred: Feiern, Feste, Jahreszeiten. Lebendige Bräuche im ganzen Jahr. Geschichte und Geschichten, Bilder und Legenden. Freiburg 2001.
  • Becker-Huberti, Manfred: Lexikon der Bräuche und Feste. Freiburg 2000.
  • Groß, Werner: Martin von Tours – Ein Heiliger Europas. Ostfildern 1997.
  • Kirchhoff, Hermann: Von Christi Himmelfahrt bis Sankt Martin im christlichen Brauchtum. München 1986.
  • Nigg, Walter/Sulpicius, Severus/Loose, Helmut Nils: Martin von Tours. Leben und Bedeutung des großen Heiligen, des Ritters Christi, wundertätigen Bischofs und mutigen Bekenners. Freiburg 1977.

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