Fasnet in Schramberg

Termin

Dieser Brauch findet vom 22. Februar bis zum 26. Februar 2020 statt.

Einstiegsinformation

Der Umzug Hanselsprung.

Hoorig isch dia Katz

Festumzug.
Mit dem Motto Hoorig isch dia Katz findet jedes Jahr die Fasnet in Schramberg, einer Stadt im Schwarzwald mit knapp 21.000 Einwohnern (Stand Dezember 2013), statt. Die Wurzeln dieser Fasnet-Tradition liegen bereits im 16. Jahrhundert; die erste urkundliche Aufzeichnung mit der Schreibweise Horig ist die Katz stammt allerdings vom 7. Februar 1856. Während der Zeit vom Fasnetssamstag bis zum Aschermittwoch liegt die Verantwortung für die Stadt Schramberg beim sogenannten Elferrat, dessen Zunftmeister sich den Rathausschlüssel vom Oberbürgermeister (Thomas Herzog seit 2011) aushändigen lässt. Dieser wird damit samt Gemeinderat für den genannten Zeitraum des Amtes unfreiwillig enthoben.

Empirische Dokumentation

Ablauf

Die Schramberger Fasnetszeit Einstimmung
Gitzige Katz beim Umzug.
Die Hoorig Katz.
Die ersten Vorbereitungen für die fünfte Jahreszeit beginnen bereits am Montag vor der eigentlichen Fasnet, also genau eine Woche vor dem Rosenmontag. In der Braustube findet dann die Begutachtung der Narrenkostüme von Neulingen durch den Zeremonienmeister, sowie nach deren Bewilligung die Aufnahme in die Gilde der Kleidleträger, auch Hanselgilde genannt, statt. Dabei wird das sogenannte Häs eines jeden neuen Mitgliedes genaustens unter die Lupe genommen. Gibt es keine Beanstandungen, wird das neue Mitglied mit ein paar Worten und dem Hanselschlag mit einem Brezenstecken in die Gemeinschaft aufgenommen und bekommt die Hanselurkunde. Anschließend folgt noch ein Stempel ins Kostüm und das Symbol einer Breze in die Maske und dem Auftritt in der Öffentlichkeit steht nichts mehr im Wege. Am nächsten Nachmittag folgt der Seniorenball, der zumeist die Ballsaison im Schramberger Bärensaal eröffnet. Am selbigen Dienstag findet auch der traditionelle Besuch der Kleidleträger in der Stitung St. Franziskus Heiligenbronn statt. Die Zusammenkunft von Narren und überwiegend sinnesbehinderten Menschen ist ein Highlight der Vorfasnetswoche, denn die im ehemaligen Kloster lebenden Menschen haben die Möglichkeit, beim Brezelsegen ein paar Brezen, Würste oder Schokolade zu ersingen. Auch das gemeinsame Musizieren macht diese Begegnung jährlich zu einem ganz besonderen Ereignis. Mittwoch und Donnerstag (auch schmotziger Donnerstag genannt) sind von Proben und Vorbereitungen für die Beteiligten des am Faschingssamstags anstehenden Zunftballs, sowie an weiteren lokalen Veranstaltungen gefüllt. Der unter Kennern sehr beliebte Hausball der Da-Bach-na-Fahrer-Gilde und der Burg- und Brestenberg-Vereinigung findet dann am Freitag statt. Fasnetssamstag Ab 11.00 Uhr findet die symbolische Übergabe des Rathausschlüssels statt, wobei erst vom Schramberger Oberbürgermeister eine Rede gegen die neue Führung und anschließend vom Zunftmeister die Antrittsrede verlesen werden. In der Zeit, in der die Narren das Regiment bis Aschermittwoch führen sind Oberbürgermeister und Gemeinderat bis auf weiteres entlassen - eine sehr verbreitete und gängige Tradition zur fünften Jahreszeit auch in Schramberg. Anschließend findet noch die Ordensverleihung für besondere Mitglieder im Bruckbeck beim traditionellen Wurstsalatessen statt bevor es zum Herrichten für die Auftritte des Zunftballes in den Bärensaal geht und es abends heißt: Bühne frei für Brezelsegen sowie einer unverwechselbaren Motto-Show. Hanselsprung und Brezelsege Um 14.30 Uhr beginnt der Hanselsprung, eine Art Umzug aller Kleidleträger angeführt vom Oberbürgermeister samt Elferrat, dem Kehraus und dem Endivienbutz durch die Stadt bis ins Rathaus, um sich dort mit Brezen, Würsten und Schokolade einzudecken, die sie anschließend beim Brezelsegen an die tausenden, in der Zwischenzeit zu Kapellenmusik wartenden, ebenfalls verkleideten Besucher vor dem Rathaus verteilen. Allerdings geben die Narren ihre Köstlichkeiten nicht einfach so her: Erst muss kräftig gesungen und gesprungen werden, dann gibt es die Belohnung. Hierfür existieren verschiedene Fasnetsprüche; manchmal reicht schon einer aus, um die Verkleideten zu erleichtern, manchmal muss aber auch auf ein breiteres Repertoire zurückgegriffen werden (siehe Narrenmarsch). Nach dem Motto: Ohne Fleiß, kein Preis. Im Durchschnitt werden hierbei innerhalb einer Stunde etwa 25.000 Brezel verschenkt. Rosenmontag - Da-Bach-na-Fahrt
Teilnehmer bei Da-Bach-na-Fahrt.
Am Faschingsmontag findet um 13.00 Uhr die Da-Bach-na-Fahrt statt. Bis zu 30.000 Menschen verfolgen gespannt die traditionelle Fahrt der vielen Zuber die Schiltach hinunter. Je nach Wasserhöhe gehen einige der Fahrtteilnehmer baden und müssen teilweise samt gekenterter Fracht von den helfenden Feuerwehrleuten aus dem Wasser gefischt werden. Begleitet werden die Fahrten mit lauten Rufen der Zuschauer: Auf „Furz“ folgt „Trocken“, auf „Patsch“ folgt „Nass“, auf „Kanal“ „voll“ und auf „Narri“ folgt „Narro“. Umzug
Die Figur "Schinderhexe".
Der Umzug, der im Anschluss an die Da-Bach-na-Fahrt stattfindet, übertrifft sich jedes Jahr wieder an Kreativität, Wagengrößen, Ideen und Teilnehmern (P. E., langjährige aktive Teilnehmerin). Vor allem die Umsetzung von lokaler aber auch bundesweiter Politik kann sich sehen lassen. Teilweise haben die Aufbauten der Wagen Größenschwierigkeiten, denn bei zunehmender Anzahl an Schaulustigen ist es oft problematisch, durch die enge Straßenführung zu manövrieren. Zu den seit Jahrzenten mitwirkenden Narren zählen vor allem die verschiedenen Hexengruppen: Finsterbach-, Schinder-,Schoren-, Falken-, Burgstall-, Wurzel, Rosswaldhexen und Kräuter-Huzeln. Gerade die Hexenraufereien sind wirklich filmreif (P.E.), wer die alten Weiber allerdings mit Zick Zack
Eine "Falkenhexe".
Hexapack ärgert, wird mit Stroh, Konfetti oder Papierschnipseln eingeseift. Oder die Hexen klettern an den Hauswänden zu denen hoch, die den Umzug aus sicherer Perspektive verfolgen. Aber auch Figuren wie der „hoorige Hund“, die „gitzig Katz“, die „Schnupfelfinger Schoogadatscher“, die „Erzknappen“ und die „Pfrieme Stumpe“ oder die Narren der „Hof-AG“ und der „Scheenen Bronnerle“ sind heute nicht mehr wegzudenken.

Akteure

Der Elferrat In Schramberg besteht der Elferrat aus 15 Würdenträgern; als Zunftmeister wird der Vorstand der Narrenzunft bezeichnet, im Gegensatz zum herkömmlichen Präsidenten. Der Rat ist unter anderem für die Organisation vieler Veranstaltungen im Zeitraum der Fasnet verantwortlich. Figuren In der Schramberger Fasnet gibt es sechs zentrale Figuren, demnach auch sechs verschiedene Narrenkleidle. Allen voran die beiden Einzelfiguren Kehraus und Endivienbutz, gefolgt vom Hansel´, dem Da-Bach-na-Fahrer, dem Narro und dem Brüele.

Der Kehraus

Hexenrauferei.
Bedeutung und Funktion
Kehraus.
Der Kehraus ist die Figur, die seit 1948 offiziell beim Hanselsprung mit einem Reisigbesen voraus geht und dem Gefolge somit den Weg frei kehrt. Die genaue Bedeutung dieses Narren ist nicht bekannt, allerdings stellte sich kürzlich heraus, dass er nicht wie angenommen, eine Symbolfigur für das jährliche Winteraustreiben darstellt. Beim anschließenden Brezelsegen mischt sich auch der Kehraus unter die Menschenmenge und fungiert als Verteiler von Eiskonfekt, Bonbons und Schokolade. Aussehen Zum Häs des Kehraus gehören der bereits angesprochene Reisigbesen, ein verformter Zylinder mit Frühlingsblume, eine bizzare Maske, eine orangene Halskrause sowie zwei Tücher und ein weißer Sackleinenanzug.

Der Endivienbutz

Bedeutung und Funktion Der Endivienbutz wurde erst 1995 als Figur vorgestellt, wobei die Maske bereits 1992 erstmals entworfen wurde. Sie stellt den letzten Büttel der Stadt Schramberg dar, der nach seiner täglichen Arbeit noch Gemüse an die Bewohner verkaufte und deshalb den Spitznamen Endivienbutz erhielt. Darüber hinaus ist er als Fasnetfigur für Bekanntmachungen verantwortlich.
Die Figur "Endivienbutz".
Aussehen Zum Häs des Endivienbutz gehören eine blaue Uniform mit schwarzer Hose, eine typische Dienstmütze, ein weißer Schulterriemen mit Säbel sowie ein weißes Koppel und eine Schelle (Handglocke).

Der Hans

Hansel und Lächler.
Bedeutung und Funktion Der Hansel ist die älteste Schramberger Narrenfigur. Sie ist für die Verteilung der Laugenbrezeln während des Brezelsegens verantwortlich und wurde 1925 erstmals vorgestellt. Die Maske des Hansel wurde seither mehrmals hinsichtlich der Bemalung überarbeitet - heute gibt es die ursprüngliche Maske nur noch selten. Dafür entstand 1947 eine Abwandlung, der sogenannte Lächler. Aussehen Das Häs ist mit Fuchs, Hase, Greif, Löwe, Bär, Hans und Gretel, Tulpen, Schmetterlingen, Rettich, Lauch und Salatkopf sowie einer Sonnenuhr bemalt. Eine gelbe Halskrause mit karierten Seidentüchern und ein Schellengürtel sind ebensfalls charakteristisch. Die Lindenholzmaske ist geschmückt mit einem Fuchsschwanz und einem Kinnbart. In der Hand hält der Hansel einen Brezelstab, der bis zu 30 Laugenbrezel fassen kann. Der Lächler trägt keinen Kinnbart und ein wie sein Name vorwegnimmt ein lächelnderes Gesicht.

Der Da-Bach-na-Fahrer

Da-Bach-na-Fahrer.
Bedeutung und Funktion Seit 1955 ist die Narrenfigur des Da-Bach-na-Fahrers ein fester Bestandteil der Fasnet. Sie verkörpern die im 19. Jahrhundert in Schramberg ansässigen Flößer und wurden zu Beginn noch als Bachhansel bezeichnet. Beim Brezelsegen verteilt der Da-Bach-na-Fahrer traditionell Würstchen und Schokolade, die er in seinem Zuber bereit hält. Aussehen Blaues Hemd, schwarze Hose, ein lockiges Haar bedeckt von einer schwarzen Zipfelmütze und ein Holzzuber um die Hüfte sind charakteristisch für den Da-Bach-na-Fahrer. Seine Maske ist aus Lindenholz geschnitzt und zeigt ein lächelndes Gesicht.

Der Narro

Die Figur "Narro".
Bedeutung und Funktion Die Figur des Narro entstand 1950 und ist die einzige, die nicht aus der Schwäbisch-Alemannischen Fasnacht kommt. Er ist als Narr das Symbol dafür, dass er in der Fasnetszeit die Leute auf die Hörner nimmt. Beim Brezelsegen verteilt der Narro Schokolade und Bonbons, die er in seinem Korb bei sich trägt. Aussehen Das Leinenhäs ist mit Schmetterlingen, Stechpalmen, Spinnennetze, einem ehemaligen einheimischen Trachtenpaar und der traditionellen „Hoorig Katz“. Fehlen darf auch nicht die gelben Halskrause und der Schellengürtel. Der große Unterschied zum Hansel sind die beiden Hörner mit anhängenden Fuchsschwänzen und Glöckchen und dem fehlenden Seidentuch. Außerdem trägt er einen Korb bei sich.

Der Brüele

Die Figur "Brüele".
Bedeutung und Funktion Der Brüele ist die Verkörperung der Leidenszeit der Nachkriegsjahre: Er ist der „Weinende“ und trat erstmals 1949 auf. Beim Brezelsegen verteilt er aus seinem Korb kleinen Süßigkeiten. Aussehen Die Figur ist zwar ohne Schellen, dafür aber mit einem selbst bei schönem Wetter aufgespannten Regenschirm ausgestattet. Außerdem hat er einige Seidentücher dabei, um seine „Tränen abzuwischen“. Er trägt eine gelbe Halskrause und ein mit schwarz-gelben Stofffetzen am Bauch verziertes graues Sackleinenhäs, das seine Armut verdeutlicht und vom anfangs getragenen schwarzen Frack abgelöst wurde. Seine Maske ist mit zwei dicken Tränen und vielen Falten überzogen und ein Strohhut dient als Kopfbedeckung.

Symbolik

Hoorig Katz Die Katze wird einerseits als Frühlingssymbol aufgefasst, die von den Dächern herab das neue Leben ankündigt, andererseits ist sie auch als treue Begleiterin der Hexen bekannt. Daraus entstand der nicht nur in der Schramberger Umgebung bekannte Ausspruch: „Hoorig, hoorig isch dia Katz“. Das entstandene Bild der haarigen Katze, die als „Hoorig Katz“ bezeichnet wird, ist heute das Schramberger Wappentier. Schramberger Narrenmarsch
Text im schwäbischen Dialekt Bedeutung auf hochdeutsch. Bei diesen Figuren werden die Sprüche tradtitionell gesungen
Hoorig, hoorig, hoorig isch dia Katz. Un wenn dia Katz nit hoorig isch no g’fällt se dene Meidle nit. Hoorig, hoorig, hoorig isch dia Katz. Haarig, haarig, haarig ist die Katze. Und wenn die Katze nicht haarig ist dann gefällt sie den Mädchen nicht. Haarig, haarig, haarig ist die Katze. Hansel, Narro, Brüele, Kehraus
Da Bach na, da Bach na, mit Kummer und mit Sorga, bis am Asch-, bis am Asch-, Aschermittwochmorga! Den Bach hinunter, den Bach hinunter, mit Kummer und mit Sorgen, bis am Asch-, bis am Asch-, Aschermittwochmorgen! Da-Bach-na-Fahrer
‘S isch a Meidele hier sie hot a Gulde vier sie hot a spitzigs Müüle a Nasa wie a Süüle Auga wie an Stier, Auga wie an Stier! Es ist ein Mädchen hier die hat vier Gulden sie hat einen spitzen Mund eine Saunase Augen wie ein Stier, Augen wie ein Stier! Zusatzstrophe, die eigenltich zu keiner bestimten Fasnetsfigur gehört.
D’Schramberger Meidle hen Stiefele a älles isch vergebe’s keine kriagt kein Ma, keine kriagt kein Ma. Die Schramberger Mädchen haben Stiefel an alles ist vergebens keine kriegt einen Mann, keine kriegt einen Mann. Zusatzstrophe, die eigenltich zu keiner bestimten Fasnetsfigur gehört.

Literatur

  • Narrenzunft Schramberg e.V.; Link Helmut, Link Stefan, Horndasch Gerrith B.; Narri, Narro und so...; 1. Auflage - Schramberg, 2010.
  • Informationen aus einem Interview mit P.E., einer langjährigen aktiven Teilnehmerin.

Weblinks

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