Eggaspiel in Sonthofen

Einstiegsinformation

Das Egga-Spiel in Sonthofen ist ein Fastnachtsbrauch, der alle drei Jahre am Sonntag vor Faschingsdienstag auf dem Rathausplatz im Allgäuer Sonthofen stattfindet. Es handelt sich dabei um ein Pantomimespiel, das den Kampf der Menschen mit den Naturgewalten darstellt. Am Funkensonntag 2009 war es in Sonthofen wieder zu sehen.

Ablauf

Rollen und Masken des Egga-Spieles

Egga Masken.

Der Allgäuer Brauch wird ausschließlich von 17 Buben und jungen Männern gestaltet, die unter anderem verkleidet als Bauer, Bäuerin, Bue (Junge), Föhl (Mädchen), Knecht, Magd, Pferd, Kuh, Molle (Ochs), Katze, Hund, Sau, Gockeler (Hahn) und Geißbock auftreten. Dabei tragen sie als Teil der Verkleidung die handgeschnitzten Masken aus Holz, die während des Jahres im Heimathaus Sonthofen ausgestellt sind.

Umzug durch Sonthofen

Vor dem eigentlichen Spiel erfolgt ein musikalisch begleiteter Umzug der Teilnehmer durch die Stadt, wobei währenddessen ein Herold auf dem Sonthofener Marktanger folgenden Prolog vorträgt:

 

Der Heimatdienst zeigt heut ein Spiel, mit dem er euch ergötzen will.

Es zeugt von unserer Ahnen Sitte, drum hört mir zu und lauschet bitte!

Vor tausend Jahren und noch mehr, war unser Allgäu öd und leer,

naß war und karg der gute Boden, viel gab es da zu bebaun, zu roden.

(...)

Heut seht ihr nun des Bauern Plag ums täglich Brot, an jedem Tag

mit Pflug und Egge, Hack und Spaten und wie ihm manches wird mißraten.

Hart ging das Leben mit ihm um, er aber tat sein Tagwerk stumm,

zäh kämpft er gegen die Dämonen, die rings um seine Hofstatt wohnen.

Wer mag wohl solch ein Dämon sein, der ihm verursacht solche Pein?

Es ist die böse Hex, die

schlimme, die stets ihm trotzt im wilden Grimme.

(...)

Ach wenn doch nur die Hex` nicht wär! Wie macht sie ihm sein Tagwerk schwer.

Es eckt, und eckt ihn fast zuschanden. Habt ihr des Wortes Sinn verstanden? (...)

Pantomime

Eggaspiel mit Teilnehmern.

Bauernarbeit auf dem Marktplatz

Egga Masken.

Im Anschluss wird schließlich die Bauernarbeit in ihrer alltäglichen Ordnung, vor allem aber die Arbeit mit dem Ackergerät, der Egge, auf dem Rathausplatz dargestellt . Doch plötzlich erscheint die Hexe und bringt die herrschende Ordnung durcheinander, sie „eggt“ sozusagen überall an (Es eckt, und eckt ihn fast zuschanden). Daher auch der Name Egga-Spiel, der aber auch in Bezug zum Ackergerät, der Egge, steht.

Hexenjagd 

Es beginnt daraufhin eine Jagd nach der Hexe, die damit endet, dass diese in die Sautruche (Sautränke/Holzkiste) gesteckt wird und der Herold die Verbrennung derselben im Funkenfeuer verkündet. Das gesamte Schauspiel mit Umzug dauert ca. eine Stunde.

Hintergrund-Infos

Geschichte

Egga-Spiel Figuren am Rathaus Sonthofen.

Im 18./19. Jahrhundert war das Egga-Spiel nicht nur in Sonthofen, sondern auch in Burgberg und Hindelang bekannt. Das einzige schriftliche Dokument aus dieser Zeit stammt vom Volkskundler Felix Dahn und ist in seinem Werk "Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreiches Bayern" zu finden, das 1863 erschienen ist. Darin schreibt er Folgendes: "Bis vor einigen Jahrzehnten ergötzte sich das junge Volk um Sonthofen und Burgberg zur Fastnacht an einem höchst eigentümlichen, an uralte Anschauungen und Bräuche erinnernden Spiel, das Egga heißt".

Danach geriet das Schauspiel zunehmend in Vergessenheit, bis es 1935 in Burgberg die Nationalsozialisten wieder entdeckt, für ihre Zwecke ideologisiert und als Redespiel vermarktet haben, obwohl es sich beim Egga-Spiel um eine Pantomime handelt.

1955 führte schließlich der Heimatdienst Sonthofen unter Alfred Weitnauer das Spiel wieder in seiner ursprünglichen Form - wie bei Felix Dahn beschrieben - als Pantomime ein. Dies belegt ein Eintrag vom 20. Februar 1955 in der Chronik des Heimatdienstes: Der erste Huigarte (gemütliche Gesprächsrunde) unseres Heimatdienstes im neuen Jahr im Gasthof Engel, und zwar am 10. Jan. 1955,..., stand ganz im Zeichen des Eggaspiels, das nach langen Jahren erstmals am Fastnachtssonntag, 20. Febr. 1955, wieder aufgeführt werden soll.

Die beim Schauspiel getragenen Holzmasken wurden nach einem Entwurf des Sonthofener Kunstmalers Robert Schraudolph von der Marktoberdorfer Schnitzschule angefertigt und haben ein Gewicht von ca. 10 bis 12 Kilogramm.

Egga-Spiel-Denkmal

Brunnendenkmal zum Egge-Spiel.

1987 wurde der Balkon des Rathauses in Sonthofen mit großen Egga-Spiel-Figuren aus Bronze verziert, die der Bildhauer Joseph Michael Neustifter aus Eggenfelden kreiert hat.

Deutung

Das Egga-Spiel gilt Vielen als eine der ältesten kulturellen Überlieferungen des Allgäus und geht nach ihrer Ansicht auf vorchristlich-allemannisches Brauchtum zurück, was jedoch angezweifelt werden darf. Die Hexe wird als Symbolfigur für das Böse und die Naturgewalten interpretiert. Der Schluss des Spiels mit der Ankündigung, dass die Hexe im Funkenfeuer verbrannt werde, soll bedeuten, dass das Böse und die Naturgewalten besiegt sind, und dass das Erwachen des Frühlings eingeläutet ist.

Das Egga-Spiel kann in Ablauf und Gestalten mit einem Brauch aus dem Südtiroler Etschland verglichen werden. Dort wurde bis in 20. Jahrhundert hinein am Fastnachtssonntag oder -dienstag der sog. Egetmann aufgeführt.

Weblinks

Literatur

  • Aschenbrenner, Lydia: Zulassungsarbeit zur I. Prüfung für das Lehramt an Volksschulen II./1977- Herbst- und Winterbrauchtum. Untersucht im Oberallgäu. Sonthofen 1977.
  • Bischoff, Dieter: Das Egga-Spiel in Sonthofen. Sonthofen 1996.
  • Bröll, Leonhard: Festschrift- 50 Jahre Heimathaus/ 30 Jahre Heimatdienst.
  • Kapfhammer, Günther: Brauchtum in den Alpenländern. Egga-Spiel in Sonthofen.
  • Petz, Wolfgang (Hg.)/ Bröll, Leonhard: Funkenhex` und Wilde Männle. Das Eggaspiel in Sonthofen. Kempten 1991.
  • Schenk, Günter: Bayerische Staatszeitung. Die närrische Zeit in Bayern - Von Jacklschutzen aus Mittenwald und dem pantomimischen Egga-Spiel im Allgäuer Sonthofen. Heft 7, 17.02.1995.

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