Buttnmandllauf in Bechtesgaden

Termin

Dieser Brauch findet immer am 05. und 06. Dezember statt. Ausnahmen sind Maria Gern (24. Dezember) und in Winkel und Lopei (1. und 2. Adventssonntag).

Einstiegsinformation

Gruppe Buttnmandl.
Das Buttnmandl-Laufen (butteln = rütteln, scheppern) ist ein vorweihnachtlicher Brauch im Berchtesgadener Talkessel, der meist am 5. und 6. Dezember (Hl. Nikolaus) ausgeübt wird. Vereinzelt findet der Brauch auch am 1. und 2. Adventssonntag (im Loipl, Winkl Land) oder am 24. Dezember (in Maria Gern) statt. Es ist eine besondere Form des Einkehrbrauchs des Heiligen Nikolaus: Der Heilige erscheint mit unheiligen Begleitern, den Stroh- und Fellbuttnmandln, Krampein und den Ganggerln. Die unheimlichen Gefährten tragen Fell oder Stroh und Glocken und ziehen laut scheppernd von Haus zu Haus. Der Brauch findet traditionell zu privaten Zwecken statt, das heißt z.B. auf die Bestellung von Familien hin, aber die Zahl der Zuschauer steigt. Vom Perchtenlauf unterscheidet sich der Brauch nicht nur durch den Termin. Es handelt sich um eine Variante des Einkehrbrauchs des heiligen Nikolauses, der die Familien besucht, die Kinder tadelt, lobt und ihnen ein kleines Geschenk mitbringt. In Berchtesgaden wird der heilige Mo von verschiedenen guten oder bösen Gestalten begleitet, Die Engerl und das Nikoloweib stehen auf der guten Seite während die Buttnmandl, die Krampein und die Gankerl die böse Seite widerspiegeln. Die unheiligen Begleiter tragen Stroh oder Fell, sowie a Loavn (eine Maske) und Glocken, mit welchen sie scheppernd von Haus zu Haus laufen. Unter den Verkleidungen stecken ledige junge Männer ab 16 Jahren. Frauen dürfen traditionell bedingt nur als Zuschauer teilnehmen. Wichtig ist es, das Buttnmandllaufen von den österreichischen Perchtenläufen zu unterscheiden, da es sich hierbei nicht um einen Showlauf handelt.

Ablauf

Die Vorbereitung dieses Brauches beginnt für die jungen Männer schon mehrere Monate vor dem eigentlichen Termin. Genaueres ist nach zu lesen unter dem Punkt Organisation und Finanzierung. Das Buttnmandl-Laufen hat genau vorgegebene Regeln. 1934 beispielsweise wurde es den Berchtesgadenern verboten, einzeln als Buttnmandl umherzuziehen. Bis heute muss man in eine Basse aufgenommen sein, um mitlaufen zu dürfen. Eine Basse ist eine Gruppe, für welche es strenge Aufnahmebedingungen gibt.

Einbinden

Die Männer einer Basse treffen sich bereits vormittags an ihrem Treffpunkt – meistens ein geräumiger Stadl. Hier werden die Strohbuttnmandl von den Bindern – meist Ehemaligen – in gedroschenes Stroh eingebunden. Da das Einbinden jedes Buttnmandl eine Dreiviertel- bis eine ganze Stunde dauert, muss damit schon um 10 Uhr morgens angefangen werden. Das Stroh wird mit einem Strick so gebunden, dass es die typisch Sternform erhält. Außerdem werden die Glocken während des Bindens befestigt. Alte Regeln besagen, dass als erstes die Neuaufnahmen eingebunden werden, da sie somit die längste Wartezeit haben. Während dieser Prozedur dürfen nur Bassinterne und nur ausgesuchte Zuschauer -wie die Bäuerin – anwesend sein. Das Einbinden betrifft nur die Strohbuttnmandl. Zwar muss den Fellbuttnmandl, Krampein und Gankerln bei ihrer Verwandlung ebenfalls geholfen werden, jedoch dauert diese Prozedur nicht ganz so lange. Trotzdem wird die Zeremonie des Anlegens ebenso ernst genommen.Viele und große Glocken sind sehr angesehen, da sie besonders laut und dumpf klingen. Um sich vor dem schweren Gewicht der Glocken zu schützen, werden Polsterungen eingebaut. Die Fell-Buttnmandl können etwas später mit dem Verkleiden beginnen, da das Fell schnell angezogen ist und lediglich bei den Glocken die Hilfe der ehemaligen Mitläufer gefragt ist. Sind alle Buttnmandl mit Larve, Glocken und Ruten ausgestattet, wird der Nikolaus abgeholt. Bei der Weinfelder Bass im Markt Berchtesgaden von zwei Ganggerln. Hinter verschlossenen Türen formiert sich die Bass und man hört ein dumpfes Buttnmandl sagen: „Auf geht’s! durch das Stadl-Tor!“ Dann darf niemand anderes als der Nikolaus selbst als erster den Stadl verlassen. Der Zug läuft zu einem benachbarten Ort zum Beten. Die Weinfelder laufen auf das Weinfeld, einen Wiesen-Hügel, hinauf. Es wird ein Vaterunser, ein Gegrüßet seist Du Maria, wie auch ein Engel des Herrn gebetet. Als Abschluss – dieses Mal für die verstorbenen Buttnmandl – folgt noch einmal ein Vaterunser. Beim Gebet müssen die Buttnmandl ihre Loavn (=Larven) abnehmen. Danach besprengt die Bäuerin jeden mithilfe eines Tannenzweigs mit Weihwasser. In einigen der Bassen erklärt jetzt der Buttnmandl-Meister die Laufroute. In diesem Moment darf sich keiner der Zuschauer auf mehr als 300 Meter der Gruppe nähern. Lediglich ein unheimlicher schräger Klang – das Blasen des Buttnmandl-Meisters durch ein Kuh- oder Ochsenhorn – verkündet, dass sich der Zug auf seinen Weg durch die einsetzende Dämmerung macht. Und damit dürfen die Gefährten des Heiligen Nikolaus auch von ihren Ruten Gebrauch machen. Ab diesem Zeitpunkt ist man als Zuschauer nicht mehr sicher vor den rußig schwarzen Händen der Begleiter.

Loslaufen

Gruppe von Buttnmandl beim Loslaufen.
Jede Bass läuft von einem bestimmten Ort los, um dann von Haus zu Haus zu ziehen. In der Regel handelt es sich hierbei um einen Stadel, es kann aber auch eine
Gruppe von Buttnmandl.
Höhle (in Form eines alten Tunnels) sein. Sind alle Teilnehmer fertig verkleidet wird der Nikolaus abgeholt und die Stadeltore geschlossen. Man hört es laut scheppern und auch den eine oder andern Buttenmandlschroa bevor sich die Tore öffnen und der Nikolaus gefolgt von seiner Bass den Stadel verlässt. Meistens laufen sie auf einen Hügel (zum Beispiel die Weinfelder, Ganghofer oder die Unterauer) um dort ein Vater Unser, ein Gegrüßet seist Du Maria und ein Engel des Herrens zu beten. Anschließend stürmen sie den Hügel herunter und man ist nicht mehr sicher vor ihren Ruten (Fruchtbarkeitsschläge, Geister austreiben…) und rusigen Händen. Besonders beliebte Opfer sind hier die jungen Mädchen. Buttenmandel, Gankerl und der Nikolaus beten gemeinsam. Danach geht es los!

Einkehr

Einkehr beim Buttnmandllauf.
20 bis 30 Familien warten nun gespannt auf den Besuch des Nikolaus. Wenn das erste Glockengeräusch von draußen zu hören ist und das Geschrei der Buttnmandl immer lauter wird, klingt das nicht für nur die Kinder fürchterlich. In manchen Häusern wird der Nikolaus mit einem Schälchen Weihwasser und den Worten „Gelobt sei Jesus Christus empfangen“. Der Nikolaus antwortet darauf mit den Worten „In Ewigkeit Amen“. Zu dieser alten, nicht mehr geläufigen, aber ehemals sehr verbreiteten Grußformel heißt es heute, dass auf diese Weise der Teufel abgehalten werden soll, ins Haus zu gelangen.  Der Nikolaus und manchmal mehrere oder wenigere seiner unheilige Begleiter werden ins Haus gelassen. Danach liest der Nikolo aus seinem goldenen Buch, die guten und schlechten Taten die Kinder das Jahr über begangen haben, vor. Unterstützt wird er durch seinen Krampus, Gankerl oder sein Buttnmadl, die mit der Rute auf den Tisch hauen, wenn es sich um die Untaten der Kinder dreht. Gerne unterstützt von einem Furcht einflößenden Knurren und Scheppern der Buttnmandl. Klopft der Nikolaus aber dreimal mit seinem Stab auf den Boden, sind die Buttnmandl ruhig. Man sagt, dass dies das Zeichen dafür ist, dass der Nikolaus über die bösen Geister bestimmt. Traditionsgemäß spielen nun die Kinder Lieder auf ihren Instrumenten, singen ein Lied oder sagen ein Gedicht auf. Danach bekommen sie in einem Nikolaussackerl Süßigkeiten, Äpfel und Nüsse. Am Ende der Einkehr beten Nikolaus und Familie gemeinsam ein Vaterunser, bei dem die Buttnmandl niederknien. Manchmal wird auch die Stub´n ausgramt. Das bedeutet, dass die Stubeninsassen ins Freie befördert werden. Auf alte Leute und Kinder wird natürlich Rücksicht genommenen und mit Vorliebe werden die jungen Mädchen rausgezogen. Im Freien erwarten sie dann das Einreiben mit Schnee – falls es das Wetter erlaubt- und auch ein paar Schläge. Ist es jedoch ein schneearmer Winter, wird man mit Blättern und Moos auf der Wiese eingerieben oder kurzerhand unter den Strahl des Brunnens gehalten. Wichtig ist, dass keiner der Rausgerissenen mit weißem Gesicht davonkommt. Dafür sorgen die rußig-schwarzen Hände der Krampein. Jedoch gibt es einen Ausweg dem Schnee und den Schlägen zu entkommen. Höhepunkt für jeden Buttnmandl ist das Buttnmandl-Busserl, das er sich bei den jungen Frauen abholt. Zwischendurch werden die Waden mit der Rute gestrichen. Zimperlich darf man nicht sein, so ist nun mal der Brauch! Martin Hallinger formuliert, dass in seinem Buch, galant. Er schreibt: „Als Dankeschön für das nicht so grob sein, holt sich mancher der jungen Burschen sein Buttnmandl-Busserl ab“.

Das Ende der Einkehr

Nachdem alle Frauen und Männer ihre Strafe erhalten haben, steht man noch eine Weile versöhnlich vor dem Haus, trinkt gemeinsam Glühwein, Bier oder Wasser – je nachdem, wie fortgeschritten der Abend ist und wie mitgenommen die Buttnmandl sind. Man ratscht noch a bisserl, schließlich kennt man sich ja aus der Nachbarschaft. Um dem Spektakel ein Ende zu setzen, bläst der Buttnmandl-Meister erneut in sein Horn, um die Bass zu sammeln. Dann gibt es noch mal ein gscheids Gleit mit Gschroa und der Hausherr bedankt sich mit einem freiwilligen Beitrag. Am 6. Dezember trifft man sich am Ende des Abends zur Hoagascht, man isst und trinkt zusammen. Manche Bassen, wie beispielsweise die Weinfelder, treffen sich einmal unter dem Jahr zur Hoagascht. Es wird zusammen bei Musik gegessen und getrunken. Hier darf dann auch weibliche Begleitung mitgebracht werden.

Akteure

Gankerlfigur.
Die Hauptteilnehmer sind die verschiedenen Bassen.Sie bestehen aus dem Nikolaus und bassabhänig aus einem Nikoloweib, einem Engerl, den Stroh-Buttnmandl, den Fell-Buttnmandl, den Krampein und den Gankerln. Die ehemaligen Mitglieder gehören ebenfalls zu wichtigen Akteuren an diesen Tagen. Eine Bass ist die Gruppe an unheiligen Gestalten die den Nikolaus begleitet. Nikolaus Der Nikolaus trägt Bischofsgewand mit entsprechender Mütze und Stab. Er kommt alle Jahre wieder um die Kinder zu loben, aber auch um sie zu tadeln. Unterstützt wird er dabei durch seine unheiligen Begleiter. Stroh-Buttnmandl, Fell-Buttnmandl, Krampus
Stroh-Buttnmandl.
Diese drei Gestalten treten nur selten in ein und derselben Bass auf. In der Regel unterscheidet man Stroh- und Fellbassen. Sie dienen der Unterstützung des Nikolauses. Die Stroh- und Fellbuttnmandl tragen Loaven aus Holz oder Fell die Tiermasken darstellen sollen. Der Krampus hingegen trägt eine teuflische Loavn, was ihn auch vom Fellbuttnmandl unterscheidet. Krampal und Fellbuttnmandl verkleiden sich mit dickem Fell und großen Glocken. Gankerl Im Gegensatz zu den Krampein und Fellbuttnmandl kostümieren sich die Gankerl mit dünnem Fell und kleinen, leichten Glocken. Somit ist die Bewegunsfreiheit der Gankerl nicht eingeschränkt und sie können ihrer Aufgabe ohne Problem nachgehen. Sie müssen die Bass zusammenhalten, sowie ungebetene Zuschauer oder Menschenmassen zurückzuhalten. Des weitern sind sie für die Sicherheit auf den Straßen verantwortlich. Nikoloweib und Engerl Manche Bassen werden auch von einem sogenannten Nikoloweib (einem Jungen in Frauentracht) oder Engerln (Mädchen in weißen Kleidern und lockigem Haar) begleitet. Sie stellen den Gegenpart zu den teuflischen Begleitern des Nikolauses dar. Zuschauer und einheimische Familien Indirekte Akteure sind die Familien, die besucht werden und die Zuschauer. Das Publikum auf den Straßen besteht vorwiegend als Jugendlichen, wovon der größte Teil weiblich ist, da die Mädchen an diesem Brauch nur indirekt teilnehmen dürfen. Seit einigen Jahren kommen auch viele Touristen um den Brauch aus nächster Nähe zu verfolgen.

Veranstaltungsort

Der Performanzraum erstreckt sich über ganz Berchtesgaden, alle Gemeinden, die Einkehrstellen und die Stadel der Bassen. Requisiten sind zum einen die Verkleidungen, die Lebensrute der Krampein, der Ruß, das Goldene Buch des Nikolauses und die Geschenke an die Kinder. Besonders beeindruckend ist die Kulisse, wenn es schneit.

Brauch- und Rollenverständnis

Protagonisten des Brauches sind natürlich die verschiedenen Bassen. Bei den Kindern steht der Nikolaus, der die Geschenke bringt im Vordergrund. Die Jugend freut sich aber mehr auf seine teuflischen Begleiter. An diesen Tagen liegt Euphorie in der Luft, die zeigt wie wichtig der Brauch für die Berchtesgadener ist. Von Außenstehenden ist diese Vorfreude und der Spaß am Brauch oft schwer zu verstehen, trotzdem kommen jedes Jahr viele Touristen um das Spektakel zu beobachten. Jedoch werden die, die sich nicht an Regeln halten und die Eigenheiten dieses Brauchs nicht dulden, von den Bassen aber auch den Einheimischen, ungern gesehen.

Organisation und Finanzierung der Brauchveranstaltung

Einen offiziellen Veranstalter gibt es nicht. Die verschiedenen Bassen kümmern sich um die Organisation und die Finanzierung. Die Bass selbst ist verantwortlich für die Organisation dieser Tage. Sie treffen sich regelmäßig um die nötigen Vorkehrungen für das Spektakel zu treffen, wie das Beschaffen von Stroh, Nähen der Fellkostüme, Pflücken der Gascht´n (Weidenzweige für die Ruten), aber auch das Anfertigen des Stellenplans oder die diesjährigen Aufnahmevorkehrungen. Der Spaß kommt bei diesen Treffen -den Stammtischen- natürlich auch nicht zu kurz. Während dieser Zeit wird auch der Buttnmandlmeister gewählt, der in diesem Jahr die Hauptverantwortung trägt. Auch für die Finanzierung muss die Bass selbst sorgen. Diese gestaltet sich je nach Bass unterschiedlich. Die Ganghofer Bass beispielsweise trägt jedes Jahr einen Faschingsball aus. Desweitern spenden die Familien, die der Nikolaus besucht hat, einen freiwilligen Beitrag. Das Fell, die Glocken und die Loavn müssen die jungen Männer jedoch selbst besorgen. Diese Anschaffungen können eine beträchtliche Summe kosten.

Hintergrund-Infos

Zur Geschichte des Buttenmandl-Laufens

Gruppe Buttnmandl.
Ein Ursprungsjahr des Buttnmandl-Laufens ist nicht auszumachen. Zeitzeugenberichte zum Buttnmandl-Laufen sind erst aus dem 19. Jahrhundert überliefert. Einzelne Elemente, die zum heutigen Brauch gehören, sind freilich viel älter. Kontroversen gibt es darüber, ob die Maskierungen und ihr Treiben schon immer rein christlich geprägt sind oder ob sich dahinter nicht doch Überlieferung aus längst vergangenen Zeiten verbirgt. Bei Nachforschungen wird das Buttenmandl-Laufen wird auch mit dem Perchtenlauf in Zusammenhang gebracht sowie die Buttenmandl mit den Perchten. Die Vorgänger der Buttnmandl ist die Percht. Dieser Dämon trieb in den heiligen drei Raunächten sein Unwesen, sichert -dem Aberglauben nach- aber gute Ernte und Wohlstand, wenn man ihn mit Speisen – meist Krapfen- versorgte. Außerdem sollte die verkleideten, maskierten und scheppernden Perchtenläufer, indem sie von Haus zu Haus liefen, Schaden abwehren. Da der Brauch zum einen zweckentfremdet wurde, um sich Nahrung zu ergaunern, und zum andern heidnisch Aspekte aufweist wurde er mehrmals verboten. Genau eines dieser Verbote ist auch das älteste Dokument, welches sich zu diesem Brauch, finden lässt. 1601 sprach das Landgericht ein wiederholtes Verbot aus, was das Perchtenlaufen zu früherer Zeit bestätigt. Bis ins 18. Jahrhundert wurden viele weitere Verbote ausgesprochen. In der damals sehr christlich-religiösen Gesellschaft galten die heidnischen Merkmale des Perchtenlaufens, wie das Verkleiden als Tier und das Lärmen, als Sünde. Die Verbindung zur Zauberei machte dieses Vergehen noch schlimmer und wurde deshalb hart bestraft. Haft bei Wasser und Brot, Geldstrafen oder das Anbinden an die Schandsäule waren Folgen für die Perchtenläufer. Leider kann der Ursprung des heutigen Buttnmadllaufens als Einkehrbrauch zeitlich nicht genau festgelegt werden. In der Chronik der Schellenberger Buttnmandl jedoch, ist von einem Mann die Rede, der erzählt, dass sein Großvater auch schon Buttnmandllaufen war. Da dieser Mann 2004 sein 75. Lebensjahr erreicht hatte, lässt sich der Brauch bis 1880 zurückverfolgen. Die Percht wurde, ab dem 16.Jahrhundert, von der Obrigkeit, den teuflischen Begleitern des Nikolauses zugeschrieben. Möglicherweise hat diese Begriffsdetermination zur heutigen Form des Brauches beigetragen. In Martin Hallingers Buch Der Nikolaus und seine Buttnmandl wird geschrieben, dass das Perchtenlaufen durch die Bindung an den Einkehrbrauch in ordentliche Bahnen gelenkt wurde. Des weitern könnte diese Verbindung als Christianisierung des Perchtenlaufens gesehenen werden und zur heutigen Brauchdurchführung beigetragen haben.
Gruppe Buttnmandl.
Heute unterliegt das Buttnmandllaufen strengen Regeln. 1934 wurde endgültig verboten, dass Buttnmandl, Krampei oder Gankerl allein herumzulaufen dürfen. Zu diesem Zweck wurde festgelegt, dass dies nur noch in sogenannten Bassen erlaubt ist. Eine Bass beschreibt die Gruppe der unheiligen Begleiter des Nikolauses. Um in eine dieser Bassen aufgenommen zu werden müssen die Jungen Männer eine Aufnahmeprüfung bestehen, die nicht immer ganz leicht ist. Jedoch ist dieses Ritual ein bassinternes Geheimnis. Im Berchtesgadener Talkessel kann man heute fast 40 Bassen zählen, welche alle auch ihre eigene Brauchtumsentwicklung aufzeigen.

Einkehr des Heiligen Nikolaus

Nikolaus Buttnmandllauf.
Der Einkehrbrauch, den Heiligen Nikolaus zu Erziehungszwecken vor Kindern auftreten zu lassen ist schon alt. Bereits aus dem 12. Jahrhundert ist bekannt, dass der Heilige Nikolaus böse und faule Schüler mit der Zuchtrute bestrafte, während er gute belohnte. Der Nikolaus spielte bei der Glaubenserziehung und der christlichen Unterweisung der Kinder also eine große Rolle. Dass ausgerechnet dieser Heilige mit den Schülern in Verbindung gebracht wird, geht auf eine der zahlreichen Legenden um die Gestalt des Nikolaus zurück. Der Legende nach erweckte Nikolaus von Myra drei reisende Schüler zum Leben, nachdem sie von einem geizigen Wirt ermordet worden waren. Nikolaus von Myra wurde zum Patron der Schüler. Kehrt der Nikolaus heute beim Buttnmandl-Lauf ein, wird er von einer guten und einer bösen Gestalt begleitet. Das Gute ist durch das Nikolausweibi oder das Engerl verkörpert. Sie verteilen Süßigkeiten an die Kinder. Die bösen Begleiter sind die Fell- und Strohbuttnmandl, Krampein und Ganggerl, die statt der Leckereien gerne Schläge mit der Rute austeilen. Dietz-Rüdiger Moser sieht den Ursprung der Begleitgestalten des Nikolaus einzig im christlichen Glauben. Die heutigen Nikolausbräuche gehen sämtlich auf das Institut des examinierenden Bischofs zurück, das in seinen Vorformen bis in das Hochmittelalter zurückreicht. Die verschiedenen Erscheinungsformen des Brauchs mit den gespielten Rollen haben sich danach aus den Adventsspielen herausgebildet.

Verschmelzen der Bräuche verschiedener Kulturkreise?

Auch in der Forschung war immer wieder von einer vorchristlich-heidnischen oder germanischen Tradition die Rede, auf die die Maskierung der Begleiter des Nikolaus zurückgehen könne. Das ist aber nur eine Theorie und aus heutiger Sicht nicht haltbar. Trotzdem wird in Brauchbüchern für jedermann heute gerne geschrieben, die Verkleidungen (Tiermasken, Stroh) hätten etwas mit vorchristlichen, germanischen Fruchtbarkeitsbeschwörungen zu tun. Das gleiche gelte für den Fruchtbarkeitsschlag mit der Lebensrute. Die Germanen selbst haben aber nichts hinterlassen, was diese Vermutungen und Deutungen zu Tatsachen machen könnte. Der Volksmund als auch die Bassen selbst deuten ihr Tun so, als ob der Ursprung des Brauchs sowohl dem christlichen Glauben als auch dem heidnischen Kulturkreis entspringe. Paul Werner meint, er habe mit dem Buttnmandl-Laufen eine kultische Überhöhung des christlichen Brauchs der Einkehr des heiligen Nikolaus vor sich.

Der Brauch im Laufe der Zeit

Der Brauch des Buttnmandl-Laufens ist heute sehr beliebt. Die Begeisterung für das Maskieren und die damit verbundenen Bräuche geht bereits aus den Ratsprotokollen des 17. Jahrhundert hervor. Ihnen ist zu entnehmen, dass die Obrigkeit derartiges immer wieder verboten hat. Es ist faszinierend, dass die Begeisterung für diesen Brauch nie abgerissen ist und bis heute anhält, sagt Michael, langjähriger Krampei bei den Guin: Gerade die Jugend steht hinter dem Brauch – die Jungen können es kaum erwarten, bis sie endlich selber laufen können, fügt er hinzu. Obwohl man sich schon Wochen vorher regelmäßig zu den Buttnmandl-Versammlungen trifft, ist der Lauf selbst für viele der Höhepunkt. Im Vergleich zu früher sieht man heute mehr Ganggerl in den Bassen – eine Auswirkung der zunehmenden Zuschauerzahl. Mehrere Helfer sind heute erforderlich, um die Bass zusammenzuhalten. Das Aussehen der Buttnmandl hat sich vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten gewandelt. Noch in den 1970er Jahren waren die Männer nur mit Fell-Resten oder dürftig mit Stroh verkleidet. Betrachtet man die Krampein heute, sieht man flauschiges Fell, das aus den Männern unmenschliche Erscheinungen macht. Auch das Stroh ist dichter geworden. Bemerkenswert ist, dass viel mehr auf das prachtvolle Aussehen Wert gelegt wird. Vor allem sind heute die finanziellen Mittel dazu gegeben. Erst seit einigen Jahrzehnten ist es den Aktiven möglich, ca. 400 Euro oder mehr in die Ausrüstung zu investieren. Allerdings ist es üblich, dass Fell und Larven von den Ausgeschiedenen an die Jungen weitergegeben werden. Das Äußere wandelt sich, aber die Bedeutung, die der Brauch für die Ausübenden hat, die bei ihrer Tradition bleiben, bleibt gleich.

Allgemeine Verbreitung des Brauchs

Das Buttnmandllaufen findet auf die beschriebene Art und Weise nur in Berchtesgaden statt. Jedoch gibt es einige Parallelen zu den Perchtenläufen in Österreich. Hier steht aber das Schaulaufen im Vodergrund und nicht das Pflegen alter Traditionen. Außerdem tragen die österreichischen Perchten nur Fell und kein Stroh. Jedoch wird der Nikolaus im österreichischen Mitterndorf von der sogenannten Strohschab begleitet. Hierbei handelt es sich um Gestalten, welche komplett in Stroh gehüllt sind. Diese Wesen jedoch dürfen keine Häuser betreten, keinen Mucks von sich geben und meiden das Licht sowie die unmittelbare Nähe des heiligen Nikolaus. In Martin Hallingers Buch werden sie als unchristliche Wesen einer anderen Welt beschrieben.

Regeln

Das Buttnmandl-Laufen wird streng nach Tradition durchgeführt. Deshalb existieren viele Regeln rund um den Brauch, die mündlich weitergegeben werden. Meistens hat jede Bass zusätzlich ihre eigenen Gesetze, besonders was Aufnahmeprüfung und Einbinden anbelangt. Gerade weil die Zuschauerzahl in den letzten Jahren gestiegen ist, scheint das Regelwerk sehr wichtig, damit Ernsthaftigkeit und Tradition des Brauchs erhalten bleiben.

Buttnmandl-Versammlung und Aufnahmebedingungen

Für das Buttnmandl-Laufen gibt es einiges im Vorfeld zu organisieren. Auf den Versammlungen an einigen Wochenenden zuvor wird der Buttnmandl-Lauf besprochen und organisiert. Dabei sind die Stammtische sehr beliebt. Die Stammtische sind ausgesprochen lustig und in der Gruppe entsteht ein starker Zusammenhalt, sagt Michael von den Guin. An einem Treffen wird der Buttnmandl-Meister des jeweiligen Jahres gewählt. Er ist Ansprechpartner und Stellvertreter der Bass. Im Laufe der Versammlungen werden die Neuzugänge vorgestellt, die letztendlich bei einer Aufnahmeprüfung sich würdig erweisen müssen, um bei der Bass mitlaufen zu dürfen. Viele Bassen setzen die Gemeinde-Zugehörigkeit des jungen Burschen voraus. Das bedeutet aber nicht, dass er Berchtesgadener sein muss, er muss lediglich aus der unmittelbaren Nachbarschaft stammen. Die Aufnahmebedingungen werden von jeder Bass streng geheim gehalten. Doch soviel sei verraten: Die Trinkfestigkeit wurde in den letzten Jahren zurückgeschraubt. Heute wird der sportliche Aspekt verstärkt in den Vordergrund gestellt , sagt Christian, selber seit knapp zehn Jahren Buttnmandl bei den Winkler Krampein. Eine gewisse sportliche Kondition ist angesichts der zahlreichen großen Kuhglocken, dem Fell und Stroh und der langen Laufrouten auch nötig. Neben der körperlichen Fitness der Bewerber wird auch geprüft, was der junge Mann über den Brauch, die Bass und ihre Geschichte weiß. Mit großer Neugierde fiebern bereits kleine Jungen dem Tag entgegen, an dem sie endlich selbst mitlaufen dürfen. Sie alle müssen aber mindestens bis zu ihrem 16. Geburtstag warten – das ist ebenfalls Bedingung für die Aufnahme in eine der Bassen. Außerdem darf nur aktiv mitgelaufen werden, solange noch kein Ehering die Hand schmückt.

Unglückszahl

Es gibt eine Regel, die besagt, dass eine Bass niemals aus 13 Buttnmandl bestehen darf. Sollte es vorkommen, dass sich ein Läufer verletzt und die Zahl der Buttnmandl auf 13 Stück schrumpft, so muss ein Weiterer auf den Lauf verzichten, da die Zahl als Unglückszahl gilt. Woher diese Regel kommt, kann nicht genau belegt werden. Rudolf Kriss berichtet von einer alten Ueberlieferung, nach der sich beim Abzählen der Bass immer wieder eine 13. Person eingeschlichen haben soll – […] natürlich kein anderer als der leibhaftige Satan (Kriss 1998, S. 39). Daher gibt es auch Bassen, die nie mehr als 12 Buttnmandl mitlaufen lassen, wie etwa die Oimberger am Ettenberg. Ausgenommen sind bei der Zählung die Ganggerl.

Kirche und Weihwasser

Der christlich-religiöse Aspekt bei diesem Brauch tritt immer wieder zum Vorschein und wird von den Läufern sehr ernst genommen. So geht jeder der aktiven Mitglieder am Sonntag vor dem Buttnmandl-Lauf in die Kirche, um sich Gottes Beistand und Segen zu erbitten. Wer nicht in der Kirche war, läuft nicht, scheint ein weiteres ungeschriebenes Gesetz zu sein. Ich zum Beispiel, könnt das nicht mit meinem Gewissen vereinen – da hätte ich ein komisches Gefühl, meint ein aktiver Buttnmandl. Auch das Weihwasser, mit dem die Bäuerin den Zug nach ihrem Gebet und kurz vor dem Loslaufen besprengt, hat religiösen Hintergrund.

Material

Vor dem Lauf gibt es allerhand Material zu beschaffen. Damit muss frühzeitig begonnen werden. Der Brauch beschränkt sich also für die Aktiven keinesfalls nur auf die Adventszeit. Stroh Das Stroh für die Stroh-Buttnmandl wird heute im Voralpenland von den Buttnmandl selber geerntet, und das bereits einige Monate vor dem Lauf, im August und September. Die Strohverkleidung lässt darauf schließen, dass früher auch im Berchtesgadener Land einige anspruchslose Getreidesorten wuchsen (vgl. Werner und Werner 1999, S. 94). Der Getreideanbau lohnte sich aber im Laufe der Zeit für die Bergbauern nicht mehr – er wurde aufgegeben. Loavn – Larve
Krampei Larve.
Krampei Larve.
Je nach Larven-Art wird die Kopfvermummung selber gebastelt oder von einem Schnitzer angefertigt. Fell-Larven werden in der Regel selbst gemacht. Holz-Larven wie sie die Fell-Krampein tragen, werden meistens von einem in Berchtesgaden ansässigen Schnitzer angefertigt. Einige der Larven tragen echte Kuhhörner, die direkt vom Schlachthof kommen. Gascht’n (Weidenzweige für die Ruten) Die Weidenzweige für die Ruten werden vor dem ersten Frost gepflückt. Sie werden über Wochen eingelegt, damit sie zum Flechten elastisch bleiben . Meist werden die Gascht’n von den Neulingen gepflückt. Beim Ruten-Binden unterstützen die jungen Mitglieder der Bass die Neuzugänge – ein Zeichen für den hierarchisch angelegten Brauch: Je älter man wird, desto höher der Rang. Glocken
Glocken beim Buttnmandllauf
Die Glocken sind mit das wichtigste Utensil der Buttnmandl. Schließlich verdankt dieser Brauch seinen Namen dem (Glocken-) Rütteln. Werner gibt zweierlei Erklärungen für das Glocken-Scheppern: als Dämonenabwehr oder als Erweckungsbrauch, um das neue Jahr und das neue Leben bildhaft zu wecken – letztlich kann dafür aber keine verlässliche Quelle genannt werden, die das bestätigt. Die Glocken bestehen aus Bronze, Blech oder Kupfer, und werden teils auch bei Bauern geliehen. Im Vergleich zu früher werden heute viel größere Glocken aufgebunden. Auch bei der Zahl der Glocken gilt: Je mehr Glocken, desto besser, und desto angesehener der Krampei.

Buttnmandllaufen -Motivation

Blessuren an Schulter und Hüfte, Schürfwunden, vom Stroh zerstochene Arme und Hände, totale körperliche Verausgabung und nicht allzu selten Bänderrisse. Warum sollte man sich so etwas freiwillig antun? – Erklärungsversuch eines Buttnmandlfanatikers – Der wichtigste Aspekt bei dem Warum ist mit Sicherheit die Gemeinschaft in einer Bass, in der man sich so gut versteht, wie in der meinen. Das betrifft nicht einmal unbedingt die zwei Tage im Jahr, in denen man den Brauch selbst aktiv ausübt, sondern alle kleineren Veranstaltungen drumherum. Stammtische, kleinere Ausflüge oder die alljährliche Hogoascht. Dazu muss man sich ansonsten gar nicht oft sehen, aber an diesen Anlässen macht es einfach Spaß mit Menschen, die die gleiche Leidenschaft antreibt über das Buttenmandellaufen der letzten Jahre zu sprechen und sich gemeinsam auf das nächste zu freuen. Und an den zwei Tagen im Jahr, an denen man dann im Dienste der Tradition gemeinsam von Haus zu Haus läuft, erreicht dieser Zusammenhalt seinen Höhepunkt. Man pusht sich gegenseitig, motiviert diejenigen, die nicht so fit sind und hält zusammen, wenn es bei Aufeinandertreffen mit anderen Bassen zu kleinen Reibereien kommt Ein anderer recht einfacher Grund ist einfach der Spaß den man hat, wenn man gemeinsam etwas unternimmt, je verrückter desto besser und ein bisschen verrückt ist dieser Lauf zugegebenermaßen schon. Essen, trinken, lachen und einfach mal alles andere vergessen. Stress in der Arbeit oder Schule oder auch irgendwelche anderen Probleme, für zwei Tage hat man eine solch gute Ablenkung, dass man an nichts andere denkt. Als weiteren wichtigen Punkt, aus dem viele an diesen zwei Tagen irgendwo in Berchtesgaden und Umgebung aktiv sind, muss man an dieser Stelle sagen, dass man in dem Moment, in dem man mit der ganzen Bass in eine Menge von Menschen läuft und diese aus Respekt und vielleicht sogar ein bisschen Angst zurückweicht, ein leichtes Gefühl der Macht spürt. Das ist wohl der gefährlichste Aspekt, denn durch Leute die deswegen Buttenmandllaufen, verkommt der Lauf zu etwas, was er nicht sein soll. Man soll die Tradition nicht zur Selbstdarstellung verwenden, sondern sich selbst in den Dienst dieser stellen. Und damit komme ich zum letzten sehr wichtiger Grund. Hierbei geht es nämlich darum, dass man mit der Teilnahme am Buttnmandllauf eine besondere, alte Berchtesgadener Tradition aufrecht erhält, indem man sie den Jüngeren weitergibt, sie dafür begeistert. So bleibt ein besonderes Stück Heimat bestehen, eines der vielen kleinen Stücke, die unser Berchtesgaden so besonders machen.

Literatur

  • Hallinger, Martin: Der Nikolaus und seine Buttnmandl. Berchtesgaden 2004.
  • Kriss, Rudolf: Sitte und Brauch im Berchtesgadener Land. Berchtesgaden 1998.
  • Meisen, Karl: Nikolauskult und Nikolausbrauch im Abendland. 1931.
  • Moser, Dietz-Rüdiger: Bräuche und Feste durch das ganze Jahr. Freiburg 2002.
  • Schmeller, Johann Andreas: Bayerisches Wörterbuch, Reprint München 1996.
  • Werner, Paul/Werner, Richilde: Weihnachtsbräuche in Bayern. Kulturgeschichte des Brauchtums von Advent bis Heilig Dreikönig. Berchtesgaden 1999.

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