Augsburger Plärrer

Termin

Der Plärrer bei Nacht.

Im Frühjahr vom 20.04. bis 05.05.2019 der Osterplärrer, im Spätsommer vom 28.08. bis 06.09.2019 der Herbstplärrer.

Einstiegsinformation

Der Augsburger Plärrer ist ein Volksfest, das zweimal im Jahr auf dem Kleinen Exerzierplatz (Plärrer) an der Langenmantelstraße gefeiert wird. Schwabens größtes Volksfest ist in ganz Augsburg bekannt und sehr beliebt. Etwa eine halbe Million Besucher erfreuen sich dort an der einzigartigen Mischung aus Hightech-Fahrgeschäften, nostalgischen Schaustellerbetrieben sowie gepflegter Gastronomie und Imbissgeschäften auf dem Plärrer-Gelände. Neben dem Familientag mit halben Fahr- und Eintrittspreisen sowie weiteren Vergünstigungen für Familien bei allen übrigen Betrieben zählen die großen Feuerwerke an den Freitagabenden zu den Höhepunkten des Festes.

Ablauf

Ort des Geschehens

Aufgebaut wird der Plärrer auf dem Kleinen Exerzierplatz nahe der städtischen Freibäder an der Langenmantelstraße. Das größtenteils umzäunte Gelände wird in der Region allgemein nur als Plärrer bezeichnet. Außerhalb der Volksfeste dient dser Platz meist als kostenloser Parkplatz oder als Bühne für andere Veranstaltungen, wie z.B. Zirkus-Gastspiele. Die beiden – mittlerweile stationären – großen Festzelte, das Binswanger und das Schaller, werden gelegentlich für politische Veranstaltungen genutzt, z.B. während des Wahlkampfes.

Eckdaten

Riesenrad am Plärrer.
  • Dauer: ca. 2 Wochen
  • Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 12:00 – 23:00 Uhr, Freitag von 12:00 – 23:30 Uhr, Samstag von 11:00 – 23:30 Uhr und Sonn- und Feiertags von 10:30 – 23:00 Uhr
  • Festgelände: 36.000 m²
  • Schausteller und Wirte: ca. 85 Betriebe
  • Frontmeter der Betriebe: 1.075,30 m² Vergnügen, gastronomische Highlights, rasante Fahrgeschäfte und Nostalgie
  • Wasserverbrauch: ca. 3.800 m³
  • Besucherzahlen: ca. 600.000 Besucher pro Plärrer
  • Bierpreise: 2007 zwischen 5,80 und 6,20 Euro; 2008 einheitlich 6,40 Euro

Schausteller

Die zum Plärrer zugelassen Schaustellergeschäfte kommen hauptsächlich aus Süddeutschland. Insgesamt sind ca. 86 Schaustellerbetriebe auf dem Augsburger Plärrer vertreten. Da es sich ausschließlich um Familienbetriebe handelt, sind ebenso viele Familien während des Plärrers dort aktiv. Die meisten Schausteller sind schon seit Generationen beim Augsburger Plärrer dabei.

  • Süßwaren: Eberhardt Josef und Sonja; Lutz Helga (Crepes), Krems Karlheinz und Andrea (Die kleine Backstube).
  • Imbissbetriebe: Adam Erika und Tochter, Steinker Heino (Europa – Grill).
  • Kindergeschäfte: Lutzenberger Michael und Petra (Flying Star und Märchenkarussell)
  • Spielgeschäfte: Bayrisches Rotes Kreuz, Wirth Dieter (Schwaben-Derby, Pferderennspiel)
  • Festzelte: Held Dieter GmbH (Schaller Festzelt), Binswanger Alois KG, Ebert – Miller OHG (Hühnerbraterei)

Hintergrund-Infos

Erstes Volksfest auf dem Plärrer 1878

Autoscooter beim Plärrer.

Der Augsburger Plärrer entwickelte sich in gewisser Weise aus den Dulten (=Märkte) der ehemaligen freien Reichsstadt heraus. Dulten gibt es auch heute noch in Augsburg, zum Beispiel die Jakoberdult, auch Augsburger Dult genannt. Solche Märkte werden bis heute gerne als Einkaufs-Alternative genutzt. Sie finden unter freiem Himmel statt. Früher boten die Dulten gleichzeitig auch Raum für Gaukler, Artisten, Zauberkünstler, Moritatensänger und Schießstandbetreiber. Weniger beliebt war der Lärm, den Dulten mit sich brachten. Er raubte den Anwohnern der heutigen Maxstrasse regelmäßig ihren Schlaf. Nach einigen Beschwerden wurde beschlossen, das Geplärre von den Marktständen zu trennen. Als neuer Platz dafür bot sich der Kleine Exerzierplatz vor den Toren Augsburgs an. Diese historisch belegte Verlagerung fand 1878 statt. Dieses Jahr gilt als Gründungsjahr des Volksfestes. Vom Geplärre der Besucher wird auch der spätere Name Plärrer abgeleitet. Seit dem Jahr 1976 ist dieser Begriff der amtlich bestätigte Name des Augsburger Volksfestes.

Trotz den überwiegend technischen Neuerungen gibt es auf dem Plärrer unter den Vergnügungsgeschäften auch heute noch richtige Klassiker. Schon Ende des 19. Jahrhunderts erfreuten sich so genannte Geschicklichkeitsspiele, wie Ringe- oder Ballwerfen, die auch heute noch auf dem Augsburger Plärrer existieren, großer Beliebtheit. Genauso sind damals wie heute Pferdekarussells, Krinoline und Schiffschaukeln auf Volksfesten ein Magnet für Groß und Klein.

Bierzelte ab 1927

Die heute so beliebten und vom Plärrer nicht mehr wegzudenkenden Bierzelte waren nicht von Anfang an fester Bestandteil des Augsburger Plärrers. Die ersten Bierzelte kamen erst 1927 auf den Plärrer. Bis 1926 galt nämlich noch das Alkoholverbot aus den Jahren des ersten Weltkrieges. Der erste Alkohol, der genehmigt ausgeschenkt wurde, war Heidelbeerwein. Danach ging alles ganz schnell: Zuerst gab es nur eine Bierbude von Hasenbräu, 1928 standen dann schon zwei Ausschank-Zelte zwischen den Buden der Schausteller. Inzwischen gehören die Bierzelte mit ihren vielfältigen, gastronomischen Angeboten sowie dem stimmungsvollen Musikprogramm unweigerlich zum Plärrer-Erlebnis und sind heute nicht mehr wegzudenken.

Geschichtliche Notizen

  • 1914: Nach Kriegsbeginn wird die Herbstdult abgesagt. Der Magistrat schließt im selben Jahr Nicht-Augsburger als Schausteller vom Fest aus. Trotzdem fürchten auch die verbleibenden Schausteller um Ihre Existenz, falls weitere Feste ausfallen. Das in den Jahren zuvor teilweise gelockerte Alkoholverbot wird wieder eingeführt.
  • 1917: Das General-Kommando sagt das Frühjahrsfest kriegsbedingt ab. Somit findet der Plärrer in diesem Jahr nur einmal im August statt. Im Herbst entsteht das „Plärrerlied“ des Dichters und Dramatikers Bert Brecht.
  • 1930: Trotz Protesten und Anti-Alkohol-Kampagnen (man spricht von Unmoral und Sittenverfall) seht das erste richtige Bierzelt auf dem Plärrer. Die Bierzelte mit Bänken lösen die früheren Ausschankzelte ab.
  • 1968: Um Verletzungen bei Raufereien zu vermeiden, wird das Bier aus Plastik-Bierkrügen ausgeschenkt. Davon nimmt man allerdings – zur Erleichterung aller – schon im nächsten Jahr wieder Abstand.
  • 1938/39 Rekordjahre in der Plärrerchronik: Mit 135 Festunternehmen ist Augsburgs Volksfest so groß wie nie zuvor. Im Spätsommer 1939 schlägt die gute Stimmung allerdings um.
  • 1939: Gegen Ende des Jahres beherrscht der Krieg die Schlagzeilen und die Menschen. Einige Schausteller sind von der Teilnahme am Plärrer ausgeschlossen.
  • 1942: Auf einem Teil des Kleinen Exerzierplatzes werden Barackenlager für Gefangene und Notunterkünfte errichtet.
  • 1945: Es kann aufgrund der Folgen des Krieges und wegen der großen Zerstörung der Stadt nur ein Notplärrer stattfinden. Lediglich zehn Schausteller sind in der Lage ihre Arbeit auf zu nehmen.
  • 1954: Die Schausteller gründen den Schwäbischen Schaustellerverband als ihr offizielles Sprchrohr. Dachverband ist der Deutsche Schaustellerverband (DSB), gegründet 1950.
  • 1956: Nachdem im Jahr zuvor die Barackenlager abgerissen wurden, steht nun endlich wieder das ganze Areal zur Verfügung. Bis zu 120 Schausteller können dort ihr Gewerbe betreiben.
  • 1963: Zum Programm des Plärrer kamen in den vorherigen Jahren Alten- und Familientage dazu. Nun gibt es auch die Feuerwerke. Bis heute gibt es diese Programmpunkte.

Plärrerlied (Bert Brecht)

Bertolt Brecht, geboren in Augsburg, hat das Volksfest im Jahr 1917 in dem Gedicht Das Plärrerlied gewürdigt.

Der Frühling sprang durch den Reife
Nachts ruhn die Karusselle

Des Himmels auf grünen Plan,
Wie Milchglasampeln still

Da kam mit Orgeln und Pfeifen
Jede Nacht wird sternenhelle

Der Plärrer bunt heran.
Nun geht es wie es will.

Dort hab ich ein Kind gesehen
Nun bin ich trunken, Mädel

Das hat ein goldenes Haar
Und trag zu aller Hohn

Und ihre Augen stehen
Statt meinem alten Schädel

Ihr einfach wunderbar.
Einen neuen Lampion.

Und in der Sonne drehen
Nun mag der Frühling gehen

Die Karusselle dort
Ich seh ihn immerdar

Und wenn sie stille stehen
Ich hab ein Kind gesehen

Dann dreht mein Kopf sich fort.
Die hat ein goldenes Haar.

Rekorde und besondere Attraktionen

Volkfeste waren schon immer ein geeigneter Ort, um Außergewöhnliches zur Schau zu stellen. So waren auch auf dem Augsburger Plärrer schon einige Kuriositäten dabei. Den kleinsten Mann der Welt, mit nur 78 cm Körpergröße, konnten Plärrerbesucher 1969 bestaunen. Im selben Jahr gastierte auch eine Delfinschau auf dem kleinen Exerzierplatz. 1985, im Jahr des 2000-jährigen Jubiläums von Augsburg, durfte natürlich eine Besonderheit auf dem Plärrer nicht fehlen. In diesem Jahr fand man dort das größte transportable Wasserbecken (50.000 Liter), um das herum auch noch ein Fahrgeschäft aufgebaut war.

Traditionellerweise wird der Plärrer mit einem Festumzug eröffnet. Der 15. Festumzug im Jahr 1988 fiel besonders prachtvoll aus. Mehr als 10.000 Besucher kamen an die Festzugsstrecke, um 30 Kutschen, 50 Musikkapellen und 350 Gruppen zu bejubeln. 1999 gab es dann einen besonderen Rekord: Es spielten mehr als 1.000 Kartenspieler 265.000 Mark bei einem Wohltätigkeits-Turnier ein. Das Finale fand im Binswanger-Zelt statt. Mit diesem Erlös unterstützte das Hilfswerk Kartei der Not bedürftige Menschen in der Region.

Weblinks

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