1. Mai in Poing

Termin

Der Brauch findet immer um den 1. Mai statt. Der nächste Brauchtermin ist um den 1.Mai 2020.

Einstiegsinformationen

In den meisten Regionen in Bayern wird am 1. Mai ein Maibaum aufgestellt. So wird dieser Brauch auch in Poing alle fünf Jahre gefeiert. 2015 war es endlich wieder soweit und der Burschenverein Poing-Angelbrechting hat acht Monate lang Vorbereitungen getroffen, um der Gemeinde wieder einen stolzen Maibaum zu präsentieren.

Empirische Dokumentation

Akteure

Der Organisator des Poinger Maibaums war der Burschenverein „Immergrün“ Poing – Angelbrechting e.V.. Dabei übernahm die Vorstandschaft alle organisatorischen Aufgaben, die den Maibaum betreffen.

Vorbereitungen

Der Poinger Maibaum bei der finalen Verankerung.

Bevor der Maibaum am 1. Mai aufgestellt werden konnte, bedurfte es einiger Vorbereitungen. Diese betrafen die Suche nach dem richtigen Baum in einem Wald, das Einholen desselben und der Baugenehmigung für das Maibaumstüberl, die Planung des Stüberlprogramms sowie schließlich das Fest am 1. Mai selbst. Der Poinger Maibaum kommt aus dem Ebersberger Forst, dessen Eigentümer die Bayrischen Staatsforsten sind. Mitte November wurde eine passende Fichte ausgesucht, die am 27. Dezember 2014 umgeschnitten wurde, damit sie entrindet werden konnte, um so schneller austrocknen zu können. Am 21. März 2015 wurde das 42,22 Meter lange „Brauchtumsstangerl“ eingeholt und nach Poing gebracht. Dies geschah mit Hilfe eines Traktors sowie Maibaumnachläufern. Zur Absicherung wurde der Baum von der Poinger Feuerwehr bis zum Maibaumstüberl begleitet, wo dieser bis zum 1. Mai gelagert wurde. Dort wurde er zuerst gehobelt und dann geschliffen. Nachdem er weiß grundiert wurde, konnten in blauer Farbe Rauten und Spirale darauf gemalt werden. Am Ende wurden noch Schildhalterungen angebracht, um später die traditionellen Zunfttaferl zu befestigen.

Maibaumstüberl

Da es Tradition ist Maibäume zu stehlen, musste auch dieser aus Poing nicht nur gelagert, sondern gut bewacht werden. Dies geschah durch das Wachpersonal im Maibaumstüberl. Wache war von 18:00 Uhr abends bis 6:00 Uhr morgens. Das Stüberlprogramm ließ keine Wünsche offen und reichte vom gemütlichem Spareribs-Essen über Stüberl-Partys am Wochenende, an dem nicht nur Poinger zusammen kamen, sondern auch Burschen und Mädls aus den Nachbarortschaften. Einen Maibaum klauen darf jeder. Egal ob Burschen- oder Madlvereine oder Privatpersonen. Gestohlen werden darf er ab dem Zeitpunkt, an dem er am Maibaumstüberl ankommt, bis zu dem Zeitpunkt, an dem er aufgestellt wird. Dem Poinger Burschenverein wurde sein „Traditionsstangerl“ zweimal gestohlen. Das erste Mal vom Burschenverein Oberpframmern und Moosach zusammen und beim zweiten Mal vom Burschenverein Harthausen und Putzbrunn. Zweimal geklaut heißt, dass der Maibaum auch zweimal wieder „ausgelöst“ werden muss. Im Vordergrund steht hierbei, neue Freundschaften zwischen den Burschenvereinen zu schaffen, denn der „Baumverlust“ wird mit Brotzeit und Bier bei einem gemütlichen Beisammensein beglichen. Außerdem halfen die Diebe dem Poinger Burschenverein am 1. Mai beim Aufstellen des „Stangerls“.

Ablauf des 1. Mai

Das Maibaumaufstellen fand ab 13:00 Uhr statt. Das „Prachtstück“ wurde traditionell mit „Schwaiberln“ (das sind lange Stangenpaare) und viel Muskelkraft aufgestellt. Zur Sicherung wurde mit einem Kran nachgeholfen. Das Aufstellen dauerte ca. zwei bis drei Stunden und wurde von einer großen Besucherschar mitverfolgt. Als der Maibaum schließlich stand und in der Sicherung fest verankert war, begann die anschließende Feier. Die Bewirtung der Gäste übernahm der Burschenverein selbst. Für musikalische Unterhaltung sorgte die Poinger Musikkapelle und traditionelle Höhepunkte lieferten der Trachtenverein Poing und die „Goaßlschnalzer“ aus Angelbrechting.

Das Aufstellen des Maibaums mit den „Schwaiberln“.

Historische Genese und Verbreitung

Entwicklungsgeschichte

Der erste Tag im Monat Mai wird verbunden mit der Freude über den Einzug des Frühlings. In Dörfern und mittlerweile auch in Städten wird aus diesem Grund der Maibaum aufgestellt. Dieser ist ein Zeichen für die Einigkeit des ganzen Ortes. Wo der Ursprung dieses Brauchs liegt, ist bis heute nicht klar. Man vermutet, dass er auf die Waldverehrung in germanischer Zeit zurück geht, die ein Sinnbild für Fruchtbarkeit und Segen war. Wann der heutige Maibaumbrauch bei uns heimisch geworden ist, lässt sich ebenfalls nicht feststellen. Jedoch gibt es aus dem 13. Jahrhundert erste Hinweise, dass auch hier schon der Maianfang mit grünen Zweigen gefeiert wurde. Erst im 18. Jahrhundert wurde der Maibaum zu einem Symbol des neuen bayerischen Staats- und Selbstbewusstseins und somit ein Zeichen der bürgerlichen Selbstständigkeit. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Maibaum vor allem im Süden Bayerns zum festen Brauch. Beim Aussehen des Maibaums gibt es regionale Unterschiede. Diese betreffen die Länge des Baumes, das Aufstellen mit Rinde oder „geschepst“ und weißblau gestrichen (geringelt, spiralig, diagonal ansteigend oder als Rauten) oder auch die Verzierung desselben mit geschnitzten Figuren, Handwerkszeichen und „Taferl“ der örtlichen Vereine. Meistens tragen zudem viele Maibäume Kränze aus frischen Fichtenzweigen. Viel männliche Unterstützung ist nötig, um den Baum nach dem Fällen ins Dorf zu transportieren. Die Hauptarbeit ist natürlich das Aufstellen. Dafür wird jede Hilfe benötigt, denn nach alter Tradition wird der Maibaum mit sogenannten „Schwaiberln“ aufgestellt. Neben dem Maibaumaufstellen ist auch das Maibaumstehlen ein Brauch, der mittlerweile fester Bestandteil während der Vorbereitungszeit ist. Diebe sind meist die umliegenden Burschenvereine, aber auch Vereine mit weiteren Anfahrtswegen scheuen keinen Versuch. Gelingt ein Diebstahl, beginnen die Rückgabeverhandlungen. Auslöse ist meistens eine große Menge Bier und für jedes Burschenmitglied ein Essen.

Allgemeine Verbreitung

Wilhelm Mannhardt weist schon 1875 auf die Verbreitung des Maibaumbrauchs in deutschen, westslawischen, englischen, französischen und anderen keltischen und romanischen Landschaften hin. Auch neuere Forschungen bestätigen diese These. In fast allen europäischen Ländern gab oder gibt es das Maibaumaufstellen. Der Brauch unterscheidet sich in vielen Punkten, geht jedoch meist auf einen gefällten und in Dorf oder Stadt wieder aufgestellten Baum zurück.

Literatur

  • Bichler, Albert (2003): Wie`s in Bayern der Brauch ist. Feste und Bräuche durchs Jahr und durch das Leben in Altbayern, Franken und Schwaben, München.
  • Kumpfmüller, Judith. Steinbacher, Dorothea (2005): Das bayerische Brauchtumsjahr. Lebendige Folkore zwischen Frankenwald und Watzmann, München.
  • Schuberth. Ottmar (1995): Maibäume. Tradition und Brauchtum, Peißenberg.

Gewährspersonen

  • M. Pfürmann, 1. Vorstand des Burschenverein Poing-Angelbrechting
  • C. Dönhuber, eigene Teilnahme

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