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Osterbrunnen

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Das Schmücken von Brunnen in der Osterzeit hat in der Fränkischen Schweiz eine lange Tradition. Die Osterbrunnen werden in Gemeinden gemeinschaftlich mit verschiedenem Zierrat versehen.

Termin

Dieser Brauch ist am 02.04.2018.

Ablauf

Das Herrichten von Oster-Brunnen ist in Franken heute beliebter denn je und das weit über die Grenzen der Fränkischen Schweiz hinaus. Im Folgenden sind die typischen Schmuckelemente aufgezählt.

Frisches Grün: Die Brunnenschmücker (Landjugendgruppen, Vertreter- und Vertreterinnen örtlicher Vereine oder vereinzelt auch Privatpersonen) winden Girlanden aus Fichten-, Buchsbaum- oder Tannenzweigen, die dann kunstvoll zu Kronen oder Bögen aufgebunden werden. In manchen Orten werden auch kleine Fichten- oder Tannenbäumchen oder junge Birken aufgestellt.

Osterbrunnen1.jpg

Blumen als Ausdruck der Freude und als Symbol für den Frühling gehören zu jedem Osterbrunnen. Allerdings spielen Forsythienzweige, Tulpen und Narzissen nur eine untergeordnete Rolle. Den Blickfang bilden die Ostereier, auf denen sehr oft Blumenmotive dargestellt sind.

Bunte Bänder/Pensala: Bunte Bänder aus Papier werden zu Büscheln gebündelt, die dann aussehen wie große Pinsel. Daraus leitet sich der Name Pensala (= kleine Pinselchen) ab. Den Pensala wird gelegentlich ein symbolischer Gehalt unterstellt. So erfährt man, dass früher geglaubt wurde, bunte, wehende Bänder würden böse Geister vertreiben. Was statt dessen auf jeden Fall stimmt: die Schmückenden handeln nach ästhetischen Gesichtspunkten und wollen mit den Bändern die Brunnen noch dekorativer machen.

Osterbrunnen2.jpg

Eier: Das dominante Schmuckelement an allen Osterbrunnen sind die Eier. Ungezählte Arbeitsstunden über die Wintermonate hinweg, stecken hinter den kunstvoll bemalten und verzierten Kunstwerken. Zweihundert bis viertausend Eier wurden an diversen Brunnen schon gezählt. Inzwischen haben fast alle Ortschaften davon Abstand genommen, Plastikeier für den Brunnenschmuck zu verwenden. Obwohl wasser- und witterungsbeständig und pflegeleicht hat man sich entschlossen, sich die Mühe zu machen, echte Hühnereier auszublasen, zu waschen und dann in den verschiedensten Techniken zu verzieren. Dabei haben sich lokale Eigenheiten herauskristallisiert, die den eigentlichen Charme des Brunnenschauens ausmachen: So findet man in Kaltenegloffsheim die schönsten Fenstereier, marmorierte Eier in Streitberg und Eier mit Einzelmotiven auf weißem Grund in Heiligenstadt.

Osterbrunnen3.jpg

Figuren: Als dekorative Beigabe zu den Oster-Brunnen sind seit einiger Zeit wetterfeste Osterhasen-Figuren beliebt (siehe mittleres Foto). Der Leib der Hasen ist mit Rupfen verkleidet. Außerdem tragen sie Kleider. Mancherorts sitzen ganze Hasenfamilien in der Nähe des Osterbrunnens.

Hintergrund-Infos

Brauchgeschichte

Die genaue Herkunft des Osterbrunnen-Brauchs ist ungeklärt: Wissenschaftliche Theorien sind widersprüchlich und die historische Quellenlage dürftig. Zur Geschichte der Brunnen und der Wasserversorgung in der Fränkischen Schweiz lässt sich folgendes anführen: Auf den felsigen Hochflächen der Fränkischen Schweiz lebten die Bewohner lange Zeit vom Niederschlagswasser, das sie in Zisternen sowie in künstlich gedichteten Weihern und flachen Gruben auffingen. Die Ernte hing wesentlich davon ab, dass die Niederschläge zur rechten Zeit und in ausreichender Menge fielen. Quellwasser war auf Grund der geologischen Gegebenheiten knapp und musste mühsam und beschwerlich mit Wasserbutten oder Ochsengespannen transportiert werden. Einen flächendeckenden Ausbau der kommunalen Wasserleitungen gab es erst gegen Ende der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts.
In dieser Zeit hatte die Bereitschaft der Bewohner der Fränkischen Schweiz, die Brunnen österlich zu schmücken, ihren Tiefpunkt erreicht. Es waren nur 28 Brunnen in 16 Gemeinden österlich geschmückt. Adolf Seyfried aus Ebermannstadt hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Osterbrunnen-Schmücken wieder aufleben zu lassen und ermunterte auf seinen vielen Fahrten über die Dörfer die Bewohner, an der Tradition festzuhalten. Seine Botschaft war: Wasser ist Leben und seine Bemühungen wurden sowohl von den Kommunen als auch von den Schulen intensiv unterstützt.

Attraktivität

Inzwischen hat sich das Brunnenschmücken zu einer festen Größe entwickelt und ist ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor. Überregionale Reiseveranstalter bieten Osterbrunnenfahrten an und die örtlichen Tourismus- und Fremdenverkehrsverbände nehmen sich der Vermarktung an. Diese Entwicklung wird ambivalent diskutiert. So sprechen die einen von Sinnentleerung und Konsumverhalten und würden den Export der Tradition in andere Regionen am liebsten verbieten, die anderen von Innovation und Wirtschaftsförderung und einem positiven Effekt für die Fränkische Schweiz. Fest steht jedenfalls, dass der Brunnenschmuck immer aufwändiger wird und die einzelnen Orte um den schönsten Brunnen konkurrieren.

Weblinks

Osterbrunnen.de

Historisches Franken

Literatur

  • Moser, Dietz-Rüdiger: Bräuche und Feste durch das ganze Jahr. Freiburg 2002.
  • Becker-Huberti, Manfred: Lexikon der Bräuche und Feste. Freiburg 2000.
  • Schillinger, Claudia: Fränkische Osterbrunnen. Bamberg 1997.

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Diese Seite wurde zuletzt am 4. Mai 2017 um 11:12 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 14.121-mal abgerufen (to Cache).
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