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Altweibersommer

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Bräuche > Deutschland
Bräuche > Jahreslauf > Herbst
Geprüfte Artikel > Gelber Artikel


Altweibersommer heißen landläufig warme, sonnige Herbsttage.

Termin

Dieser Brauch ist vom 01.11.2017 bis zum 13.11.2017.
Er findet jedes Jahr zu diesem Datum statt.

Ablauf

Der Altweibersommer wird auch Flug- oder Frauensommer genannt (STIEGLER). Er liegt in der Übergangszeit von der sommerlichen zur winterlichen Witterung. Ob man heute von Altweibersommer im September, Oktober oder November spricht, liegt schlichtweg am Wetter und am eigenen Empfinden. Historisch ist Altweibersommer eine umgangssprachliche Bezeichung für einen sonnigen Nachsommer und der liegt in der Zeit vom 1. bis zum 13. November.

So wie es im Herbst den Alten Weibersommer gibt, ist im Frühling dazu als Gegenstück der Junge Weibersommer bekannt (STIEGLER).

Begriff, Bedeutung und Termin

Das älteste Grammatikalisch-Kritische Wörterbuch der hochdeutschen Mundart, das über den Sprachgebrauch vor mehr als zweihundert Jahren informiert, kennt die Bezeichungen alter Weiber Sommer und den astronomisch begründeten, sachlichen Begriff Nachsommer als gleich bedeutend. Beides kommt im Artikel zum Sommer vor. Dort heißt es: die wärmere Zeit des Jahrs. 1. Eigentlich, wo überhaupt die wärmere Zeit des Jahrs, da die Gewächse und Bäume zum Wachsthume kommen, der Sommer genannt wird; im Gegensatze des Winters. Die ältesten Deutschen kannten nur diese zwey Jahreszeiten, und im gemeinen Leben gebraucht man beyde Wörter noch oft in diesem Verstande. Es wird oder ist Sommer, sagt man, wenn die Witterung angenehm und anhaltend warm ist. In den spätern Zeiten, da man aus den Gränzen beyder Jahreszeiten zwey neue machte, ist der Sommer, im engern Verstande diejenige Jahreszeit, da die Sonne den Krebs, Löwen und die Jungfrau durchläuft. Und weiter: Der Nachsommer, die angenehmen warmen Tage im Herbste von 1sten bis 13ten November, welche man im gemeinen Leben auchden alten Weiber Sommer zu nennen pflegt. (nach: ADELUNG, erstmals gedruckt 1774-1786).

Im Ostallgäu war um 1900 z.B. die Bauernregel geläufig: Ist Allerheiligen rein, tritt Altweibersommer ein (WILLI 1999). Man rechnete bei gutem Wetter an Allerheiligen (1. November) also in den ersten November-Wochen mit weiteren sonnigen Tagen.

Weib oder noch schlimmer altes Weib klingt in der heutigen Zeit alles andere als schmeichelhaft. Immer wieder wird auch unter Forschern darüber spekuliert, ob in Altweibersommer nicht sowohl das Weib (Frau) als auch das Weben der Spinne mitklinge und ob die Bezeichung nicht ursprünglich ausschließlich mit dem Weben der Spinne zu tun habe und nicht mit dem Weib. Der Beleg dafür, dass das Weben einmal irgendwo umgangssprachlich Weiben geheißen hätte, ist bisher jedoch ausgeblieben.

Das natürliches Phänomen

Typisch für den Altweibersommer sind indess wirklich die vielen dünnen Spinnfäden, die in dieser Zeit in der Luft schweben. Die Spinnfäden erscheinen die meiste Zeit im Jahr von Nebel und Tau benetzt, wie Perlschnüre. Die Kühle am Morgen zaubert diese Tauperlenschnüre ins Gras. In manchen Jahreszeiten trägt der Wind aber auch junge Spinnen mit ihren kurzen Fäden durch die Luft. Im Volksglauben wurden die Spinnweben auch für Gespinste von Elfen und Zwergen gehalten. In den schwebenden Fäden sahen Christen früher ein göttliches Zeichen, das insbesondere von der heiligen Gottesmutter Maria kommen sollte. Legenden wissen zu berichten, dass die Silberfäden des Altweibersommers aus dem Mantel Marias stammen, den sie bei ihrer Himmelfahrt trug. In Süddeutschland wurden diese Fäden auch als Marienfaden, Marienhaar, Marienseide oder Mariengarn bezeichnet.

Charakteristisch für den Altweibersommer sind, neben dem schönen Wetter, eine relativ plötzliche und starke Laubverfärbung. Diese wird durch die großen Temperaturschwankungen von Tag und Nacht ausgelöst. Im englischen und amerikanischen gibt es für dieses Phänomen und die Zeit den Begriff Indian Summer.

Quellen

  • Ingrid Stigler, Brauchtumswartin des Isargau im Bayerischen Trachenverband
  • Willi, Gerhard: Alltag und Bruch in Bayrisch-Schwaben. Augsburg 1999.
  • Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg, Basel, Wien 2009.
  • Zu Adelung, siehe

http://lexika.digitale-sammlungen.de/adelung/lemma/bsb00009134_2_0_990

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