Termin
Die Schweinfurter Schlachtschüssel findet jedes Jahr an verschiedenen Terminen von September bis April statt.
Einstiegsinformationen
Die Schweinfurter Schlachtschüssel ist ein traditionelles, geselliges Genuss- und Brauchtumsereignis aus Schweinfurt. Dabei wird von September bis April tischweise gekochtes Schweinefleisch (Kesselfleisch) in mehreren Gangen direkt von blank gescheuerten Holzbrettern gegessen. Das Essen für größere Gruppen folgt einem festen Ritual und gilt seit 2024 als Immaterielles bayerisches Kulturerbe.
Geschichte
Die Schweinfurter Schlachtschüssel wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts angeboten, zu Beginn des 20. Jahrhunderts oft noch als „öffentliche Schlachtschüssel“, heute vor allem in der Gastronomie, in Vereinen und bei Privatveranstaltungen. Über die Jahrzehnte hinweg hat sie sich in ihrem Ablauf kaum verändert. Früher stellte der Metzger allerdings noch während des Essens aus den übriggebliebenen Fleischresten frische „Laber- und Griefewörscht“ her, die die Gäste zum Schluss mit Nachhause nehmen durften. Heute werden aus hygienischen Gründen die Inhalte dieses „Fresspakets“ meist schon am Tag zuvor produziert.
Die bisher größte Schlachtschüssel fand 1991 zur 1200-Jahr-Feier Schweinfurts mit mehr als 1200 Gästen statt.
Ablauf

Die Schweinfurter Schlachtschüssel wird immer in Gruppen von etwa 30 bis 150 Personen gegessen. Verspeist werden gewissermaßen, von der Gruppengröße abhängig, ein bis mehrere ganze Schweine.
Vor Beginn des Essens wird meist ein Schlachtschüssellied gesungen.
Das Essen selbst findet in mehreren Gängen statt, wobei die Reihenfolge rituelle festgelegt ist: Zuerst kommt der Bauch, anschließend der Stich und dann der Bug. Danach folgt der Kamm, darauf das Kopffleisch mit Zunge, Backe, Ohr und Rüssel, und zuletzt die Innereien Nieren, Herz und andere. Als Beilagen werden Bauernbrot in kleinen Würfeln, Salz, Pfeffer, Kren (Meerrettich) und Sauerkraut angeboten. Getrunken wird Most oder Wein und zwischendurch ein Schnaps. Bier dagegen ist verpönt.
Die einzelnen Gänge werden nicht auf Tellern serviert, sondern auf großen Holzbrettern. Geschirr gibt es nicht, die Holzbretter mit dem Fleisch werden auf dem Tisch platziert und die Gäste essen direkt davon. Das ist eigentlich aus hygienischen Gründen seit der EU-Hygieneverordnung 2007 verboten, die Schweinfurter Schlachtschüssel darf allerdings trotzdem noch auf diese Art verzehrt werden, weil sie seit über 150 Jahren so angeboten wird, deshalb das Gewohnheitsrecht gilt und als Form der Brauchtumspflege weiter so durchgeführt werden darf.
Nach dem Fleisch wird zuerst das Schweineschwänzchen gesucht, das während des Essens bei einem der Gäste versteckt wurde. Anschließend gibt es Kaffee sowie Blechkuchen.
Zum Schluss bekommt meist noch jeder Gast ein „Fresspaket“ mit Würsten mit Nachhause.
Schweinfurter-Schlachtschüssel-Lieder
Während des Essens werden immer wieder Schlachtschüssellieder gesungen und Reime aufgesagt, wobei die Gäste zum Mitdichten aufgefordert werden. Einige der Texte lauten wie folgt:
Melodie: Berliner Luft
Singt das schöne Lied vom Schwein, Schwein, Schwein!
O wie klingt das heut so fein, fein, fein
hier in uns´rem lieben Schwein-, Schwein-, Schwein-
furt am Main, Main, Main, und beim Wein, Wein, Wein!
Singt das schöne Lied vom Schwein, Schwein, Schwein!
O wie klingt das heut so fein, fein, fein
hier in uns´rem lieben Schwein-, Schwein-, Schwein-
Melodie: Wenn auch die Jahre enteilen

Wenn auch die Jahre enteilen,
bleibt so ein Schwein nur ein Schwein,
kommen die Menschen mit Beilen,
schlagen den Schädel ihm ein.
Schwindet dann trüg´risch im Schlachthaus
grunzendes Schweinsideal,
´ s hilft nix, da ist alle Pracht aus
und ´s heißt: Es war einmal!
Melodie: Nimm mich mit
Nimm mich mit, nimm mich mit, grunzt ein fettes Schwein
in dein Kämmerlein! Einmal muß es sein!
Nimm mich mit, nimm mich mit, grunzt ein fettes Schwein
in dein Kämmerlein! Einmal muß es schließlich sein!
Melodie: Lose muntre Lieder
Wer will was vom Bauchfleisch, wer was von der Brust?
Kamm und Blatt, ´s ist auch gleich, fragt man voller Lust.
Gute würz´ge Keule, sanft durchwachs´ner Bug,
Schinken zart vom Säule kriegt man nie genug.
Melodie: Laß den Kopf nicht hängen
Laßt den Kopf nicht hängen, Kinder seid nicht dumm,
tut´s hinein nur zwängen, nehmt euch noch ein Trumm!
Sich des Lebens freuen, das ist klug und weis´!
Keiner soll´s bereuen. Iß, so lang es heiß!
Melodie: Schenk mir doch ein kleines bißchen Liebe
Bring mir doch ein kleines bißchen Nierle, Nierle!
Sei doch nicht so schlecht zu mir!
´ s dörf a was vom Kopf sei von dem Tierle, Tierle,
was soll ich mich heut genier´!
Bring mir doch eine kleines bißchen Nierle, Nierle!
Oder hast du noch ´nen Stich?
Zunge, Rüssel, Anken von dem Tierle, Tierle?
Wer hat noch ein Herz für mich?
Weblinks
- https://hafengaststaette.de/schlachtschuessel/
- https://www.slowfood.de/netzwerk/vor-ort/mainfranken_hohenlohe/veranstaltungen/sw_schlachtschuessel
- https://www.ike.bayern.de/verzeichnis/000832/index.html
- schweinfurt-hat-schwein.de/schlachtschuessel_szenario.php
Bilderlinks
- https://commons.wikimedia.org/wiki/File:SchweinfurterSchlachtsch%C3%BCssel1.JPG (User: Schlurcher, 2009)
- https://commons.wikimedia.org/wiki/File:SchweinfurterSchlachtsch%C3%BCssel2.jpg (User: Schlurcher, 2009)