Termin

Die Osingverlosung findet alle zehn Jahre, jeweils in Jahren, die auf „4“ enden, statt. Das nächste Mal also 2034.
Einstiegsinformation
Die Osingverlosung ist eine jahrhundertealte Tradition in Mittelfranken, bei der alle zehn Jahre landwirtschaftliche Ackerflächen, die insgesamt 274 Hektar groß sind, unter den Berechtigten neu verlost werden. 2016 wurde der Brauch ins Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Geschichte
Das Wort „Osing“ leitet sich vom mittelhochdeutschen „Asanc“ für „absengen“ oder „Abgesengtes“ ab. Der Name „Osing“ weist auf einen „Hütewald“ hin, der – vermutlich zur Landgewinnung – abgebrannt worden war. Die Freimarkung Osing, eine gemeindefreie Hochfläche zwischen den vier mittelfränkischen Gemeinden Herbolzheim, Humprechtsau, Krautostheim und Rüdisbronn, wurde 1424 in der Brandenburgischen Geleitwegordnung erstmals erwähnt. Der erste urkundliche Nachweis – ein Klagebrief der Stadt Windsheim – stammt aus dem Jahr 1465. Vermutlich ist der Osing im Rahmen des hochmittelalterlichen Landausbaus als gemeinsames Rodungsunternehmen der vier Ortschaften entstanden.
Um die Entstehung des Osings ranken sich allerdings auch einige Legenden. Eine davon lautet wie folgt:

„Die Kaiserin Kunigunde, die Gemahlin des Kaisers Heinrich II. besaß einst einen großen
Wald, der sich vom Schloß Hohenkottenheim bis zum Spielberg bei Rüdisbronn zog. Einmal
befand sich die Kaiserin dort auf der Jagd und verirrte sich in dem dichten Wald, daß sie keinen
Ausweg mehr fand. Und als es zu dunkeln begann, stieg ihre Angst aufs höchste, sie kniete
nieder und betete zu Gott um Errettung aus dieser Bedrängnis und die Hilfe kam. Sie hörte von
vier Orten das Abendläuten, sodaß sie sich dann leicht zurecht fand. Nachdem sie Gott
gedankt hatte, trat sie den Heimweg an. Die Errettung erfüllte sie mit so großer Freude und
Dankbarkeit, daß sie sich entschloß, diesen Wald an die vier Ortschaften zu verschenken, von
denen das Läuten kam und zwar sollten die vier Gemeinden immer nach Ablauf von 10 Jahren
mit ihrem Anteil wechseln, damit nicht die eine den guten Boden und Ertrag, die andere aber
den schlechten Boden und wenig Nutzen hätte. Und dieser Wechsel hat sich bis auf den
heutigen Tag erhalten.“ (Die Freimarkung Osing. www.osingverein.de https://www.osingverein.de/Freimarkung-Osing.pdf)
Heute ist die Freimarkung Osing die letzte große landwirtschaftliche Marktgenossenschaft innerhalb Deutschlands.
Ablauf
Heute findet die Osingverlosung alle zehn Jahre statt. Sie ist eingebettet in ein umfangreiches Rahmenprogramm. 2024 gab es etwa einen Mittelaltermarkt, Musikveranstaltungen, Kutschfahrten und eine Osing-Bierverkostung.
Für die Verlosung selbst ist einiges an Vorbereitung nötig. Mehrere Wochen im Voraus trifft sich die Osingverwaltung. Pro Ort sind das je zwei gewählte Ehrenamtler. Gemeinsam vermessen sie die einzelnen Lose der Ackerfläche im Rahmen eines komplexen Systems neu, was insgesamt etwa 14 Tage in Anspruch nimmt. Dabei wird das gesamte Gebiet in schmale Streifen, sogenannte Tagwerke, unterteilt, und so aufgeteilt, dass jeder Gemeinde am Ende eine bestimmte Anzahl an Tagwerken zusteht.
Die Osing-Verlosung selbst beginnt um 08:00 Uhr morgens. Nach der Begrüßung durch den Obmann und das Verlesen der Vorschriften ziehen Schulkinder aus den verschiedenen Ortschaften die Lose, die bestimmen, welcher Landwirt für die kommenden zehn Jahre welches Feldstück bekommt. Je nachdem, wie gut das gezogene Los ist, fällt die Höhe des Trinkgelds aus, das die Kinder anschließend bekommen.
Direkt nach der Verlosung beginnt das große Handeln und Tauschen unter den Landwirten. Jeder versucht, seine ausgelosten kleinen Parzellen mit denen der Nachbarn so zu tauschen, dass wieder größere, zusammenhängende und sinnvolle Felder für die Arbeit entstehen.
Der Sinn hinter der Osingverlosung ist es, zu vermeiden, dass jemand dauerhaft die besten oder schlechtesten Felder besitzt. Durch den Wechsel hat jeder mal Glück oder eben auch Pech.
Weblinks
- https://www.unesco.de/staette/osingverlosung/
- https://www.ike.bayern.de/verzeichnis/000240/index.html
- https://www.osingverein.de/home.html
- https://www.markt-nordheim.de/kultur-und-geschichte/osing
Bildlinks
- https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Osing_(Freimarkung)2.jpg (User: Mikmaq, 2014)
- https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Osing_(Freimarkung).jpg (User: Mikmaq, 2014)