Chinesenfasching Dietfurt

Termin

Umzug beim Chinesenfasching.

Der Dietfurter Chinesenfasching findet jedes Jahr am letzten Donnerstag vor der Fastenzeit, dem „Unsinnigen Donnerstag“ statt.

Der nächste Dietfurter Chinesenfasching ist am 04.02.2027.

Einstiegsinformation

Der Dietfurter Chinesenfasching ist ein bekanntes Faschingstreiben, das jedes Jahr am Unsinnigen Donnerstag in Dietfurt an der Altmühl gefeiert wird. In den 1950ern entwickelte es sich zu einem festen, identitätsstiftenden Fest mit chinesisch anmutenden Kostümen und Mottos.

2025 wurde der Dietfurter Chinesenfasching ins Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Geschichte

Dietfurt wird landläufig auch als „Bayerisch China“ bezeichnet. Wie es dazu und damit auch zum Chinesenfasching kam, erklärt eine Legende:

„Der Fürstbischof von Eichstätt stellte einst fest, dass die Dietfurter zu wenig Lehen und Abgaben leisteten; er schickte seinen Kämmerer, um dort einmal nach dem Rechten sehen. Die Dietfurter, von der Mission des Kämmerers unterrichtet, verschlossen ihre Stadttore und gewährten ihm keinen Einlass. Verärgert berichtete der Kämmerer seinem Bischof, dass die Dietfurter ihm wie die „Chinesen“ vorkämen – sie verschanzten sich hinter ihrer Mauer und nähmen keine Notiz von einem bischöflichen Kämmerer.“ (Warum sind die Dietfurter Chinesen? www.dietfurt.de https://de.wikipedia.org/wiki/Dietfurter_Chinesenfasching).

Es ist nicht bekannt, wie lange sich die Dietfurter schon als „Chinesen“ bezeichnen, allerdings gibt es Dokumente aus den 1860er Jahren, in denen sie bereits als solche erwähnt werden.

Blaskapelle in Chinesenkostümen 1928.

Im Fasching 1928 trat erstmals eine Blaskapelle in Chinesenkostümen auf. In den Kriegsjahren und direkt danach rückte der Fasching in den Hintergrund, doch 1950, beim ersten Maskenzug nach dem Krieg, saßen Bürgermeister und städtischer Kämmerer in chinesischer Tracht auf einem Wagen. 1954 wurde der erste Kaiser gewählt, genannt Ma-Ler-Gie.

Im Laufe der Jahre entwickelte der Brauch sich immer mehr zu einem identitätsstiftenden Fest, das um immer neue Verweisen auf die chinesische Geschichte und Kultur angereichert wurde.

Seit 2021 regiert das Kaiserpaar DaKaRe und DiMukki.

Ablauf

Um zwei Uhr morgens wird die Stadtbevölkerung von den „Maschkaras“, traditionell verkleideten Männern mit Masken, mit viel Lärm und dem sogenannten Weckruf geweckt. Mittags stimmt man sich auf der Stufenbühne in der Dietfurter Altstadt mit viel Musik auf den Chinesenfasching ein, bevor es dann um 13:61 Uhr (oder 14:01 Uhr) losgeht. Der große Maskenzug mit 50 Wagen, Fußgruppen und mehreren Musikgruppen setzt sich in Bewegung. Hierbei ertönt immer wieder der Narrenruf „Kille wau“.

Nachmittags wird auf dem Stadtplatz zuerst feierlich der vom Volk gewählte Kaiser proklamiert. Anschließend wird in allen Gaststätten des Ortes bis in die frühen Morgenstunden des nächsten Tages gefeiert.

Am Faschingsdienstag neigt sich auch der Chinesenfasching seinem Ende zu. In den frühen Abendstunden zieht das „Klageweib“ durch die Straßen und kündigt den baldigen Beginn der Fastenzeit an. Ab 19 Uhr fährt der Trauerzug, bestehend aus Mitgliedern des Begräbnisvereins, den „Fasching“ in einem Holzsarg von Gasthaus zu Gasthaus. Gegen 23:30 Uhr treffen sich die Narren auf der Scheippl-Bruck, um dem Fasching die letzte Ehre zu erweisen. Schließlich wird die lebensgroße Faschingspuppe am Chinesenbrunnen verbrannt.

Um 24 Uhr wird der Fasching feierlich beerdigt. Der Abend wird bei einem Heringsessen in den Wirthäusern der Stadt beendet.

Chinesenhymne

Umzug beim Chinesenfasching.

Die „Dietfurter Chinesen“ haben eine eigene Hymne, die in der Faschingszeit gerne gesungen wird.

Musik: nach der Melodie „Es war einmal ein Jäger“ von Katja Ebstein (Komponiert von Christian Bruhn)

Text: Anton Bachhuber sen. und Hans Hess

Kille wau  Kille wau

Kille wau  Kille wau  Kille wau

STROPHE 1:

Nur einmal gibt´s in Deutschland

Kille wau, kille wau  in Deutschland

Ein Bayrisch-China-Reich

Man kennt es heut schon überall

Es liegt im schönen Altmühltal

Man blickt auf uns mit Neid

Refrain:
Chinesen aus Bayern

Wir wollen immer feiern

Und nicht nur der Kaiser

Auch and`re machen mit (2mal)

STROPHE 2:

Es lebe unser Kaiser

 Kille wau, kille wau der Kaiser

 Der Kaiser und sei Frau!*

 Bei Schnaps und Wein  bei Sekt und Bier

 Da tanzen und da singen wir

 Ein Lied das macht uns froh

Refrain:
Chinesen aus Bayern… (2mal)

STROPHE 3 (seit 2001):

Wir lieben unsern Kaiser

Kille wau, kille wau den Kaiser

den Kaiser und sei Frau*

wir alle steh`n in seinen Bann

d`rum stimmen wir noch einmal an

und enden soll es nie

Refrain:
Chinesen aus Bayern… (2mal)

Kritik

In den vergangenen Jahren wurde der Chinesenfasching und die damit verbundenen Bräuche immer öfter hinterfragt. Schon 2019 kritisierten Minh Thu Tran und Vanessa Vu in ihrem Podcast „Rice and Shine“ die Veranstaltung und ein dazu vom BR ausgestrahltes Video, in dem eine Reporterin sich als Geisha verkleidet, zu Beginn einen chinesischen Akzent nachahmt und anschließend Verkleidungs- und Schminktipps für den Chinesenfasching gibt. Ihre Kritik drehte sich in erster Linie um Themen wie kulturelle Aneignung und „Yellow-Facing“, also die Praxis, bei der sich nicht-asiatische Personen stereotyp als ostasiatische Menschen verkleiden oder sie in Medien darstellen, beispielsweise durch Make-Up, Kleidung und Verhaltensweisen. Zum Dietfurter Chinesenfasching meinten sie später in einem Interview, dieser „spitzt diese ganzen negativen Erfahrungen zu, er stellt sie gebündelt zur Schau. Wir finden das nicht lustig, sondern total verletzend. So lange es rassistische Gewalt und Diskriminierung gegenüber Asiatinnen und Asiaten gibt, finden wir es mindestens geschmacklos, Klischees über Asiaten zu verbreiten und sie damit letztlich alle in einen Topf zu werfen und zu demütigen.“ (Diese 2 Podcasterinnen erklären, warum bayerischer „Chinesenfasching“ verletzend ist. https//politik.watson.de https://politik.watson.de/interview/deutschland/852442030-karneval-diese-2-podcasterinnen-kritisieren-den-ditfurter-chinesenfasching). Im Interview führten sie aus, dass sie akzeptierten, dass der Dietfurter Chinesenfasching vielen Menschen wichtig sei und ihn auch Personen in China witzig fänden. Gleichzeitig erklärten sie, der Brauch sei in seiner jetzigen Form sehr einseitig – es machten sich eben die einen auf Kosten der anderen lustig.

Die Stadt hat auf die Kritik reagiert. Mittlerweile setzen sich die Beteiligten vor Ort sehr transparent mit dem Brauch selbst, seine Geschichte und den an sie gerichteten Vorwürfen auseinander. Aktuelle gesellschaftliche Themen werden von ihnen kritisch-selbstreflexiv aufgegriffen und mit dem Brauch eng zusammenhängende Themen wie Klischees, kulturelle Aneignung und rassistische Darstellungen werden diskutiert. Heute sind beispielsweise eine gelbe Gesichtsbemalung oder rassifiziertes Augen-Make-Up an am Umzug teilnehmenden Personen verboten. Diese kritische Auseinandersetzung mit den heute als problematisch betrachteten Elementen des Brauches wird von der UNECSO als beispielhaft bezeichnet.

 

Weblinks

  • https://www.dietfurt.de/faschingstradition/
  • https://www.dietfurt.de/chinesenhymne/
  • https://www.dietfurt.de/chinesenfasching/geschichte/
  • https://www.unesco.de/staette/chinesenfasching-dietfurt-regionale-fastnacht-mit-interkulturellem-austausch/
  • https://www.sonntagsblatt.de/artikel/bayern/umstrittener-chinesenfasching-dietfurt-so-hat-die-stadt-auf-die-kritik-reagiert
  • https://politik.watson.de/interview/deutschland/852442030-karneval-diese-2-podcasterinnen-kritisieren-den-ditfurter-chinesenfasching

Bildlinks

  • https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Photo_-_Dietfurt_-_Fasching_-_Kapelle_-_Chinesenkost%C3%BCme_-_1928.jpg