Das alte Rathaus in Bamberg.
Dieser Brauch findet vom 19. bis zum 23. August 2027 statt.
Einstiegsinformation
Einmal im Jahr findet am letzten vollen Augustwochenende von Donnerstag bis Montag die Bamberger Sandkerwa statt. Die Sandkerwa ist ein traditionelles Bamberger Volksfest, bei dem es sich eigentlich um die Kirchweih der im Sandgebiet gelegenen St. Elisabeth-Kirche handelt. Die Kirchweihfeier einer der kleinsten Kirchen Bambergs ist in den letzten Jahren zum größten Volksfest der Stadt geworden. Erstmals fand die Sandkerwa 1951 statt. 2010 zum 60. Jubiläum wurde die Kirchweih einmalig auf sieben Tage verlängert.
Ablauf
In den letzten Jahrzehnten entwickelte sich ein standhaftes Festprogramm, das neben kleineren Veranstaltungen die folgenden Hauptprogrammpunkte enthält. Höhepunkt der Sandkerwa ist am Sonntag das Fischerstechen auf der Regnitz.
Mittwoch
EröffnungsgottesdienstAussicht von der Markusbrücke.Aussicht von der Markusbrücke bei Nacht.
Den Eröffnungsgottesdienst als Auftakt zur Kirchweih gibt es erst seit 1983, da man in diesem Jahr am Mittwochabend der Weihe der Kirche am 24.08.1354 gedachte. Traditionell findet der Eröffnungsgottesdienst in der Kirche St. Elisabeth statt.
Donnerstag
Kindernachmittag
Der Kindernachmittag findet immer im Festzelt am Regnitzufer statt. Seit 1957 wird die Sandkerwa damit inoffiziell eröffnet. Beim Kindernachmittag handelt es sich um die Aufführung eines Puppentheaters, das die Abenteuer des Bamberger Kasperls zeigt.
Offizielle Eröffnung
Offiziell eröffnet wird die Sandkerwa durch den Oberbürgermeister am Donnerstagabend im Festzelt. Dabei wird das erste Fass angestochen und das erste Bier ausgeschenkt.
Freitag
Abholen und Aufstellen des Kirchweihbaumes
Was früher nur das Abholen des Kirchweihbaumes war, ist inzwischen zu einem richtigen Festumzug geworden, dessen Teilnehmerzahlen jährlich steigen. Seit 1954 ist das Abholen des Kirchweihbaums selbstständiger Programmpunkt der Kirchweih. Abgeholt wird der Kirchweihbaum in der Schweinfurter Straße/Frutolfstraße und wird dann mit einem Pferdegespann, begleitet von Blasmusik, zur St. Elisabeth-Kirche transportiert. Dort wird er auf dem Platz vor der Kirche aufgestellt.
Samstag
Das Jugendfischerstechen.Schüler- und Jugendfischerstechen
Am Vortag zum großen Fischerstechen findet das Schüler- und Jugendfischerstechen statt, bei dem Schüler und Jugendliche bis 18 Jahren mitstechen dürfen. Die Tradition des Schüler- und Jugendfischerstechens geht nicht so weit zurück wie die des Erwachsenen-Fischerstechens. Seit 1971 ist das Fischerstechen für Schüler und Jugendliche fester Programmpunkt der Sandkerwa. Vom Vorgang her ist es der gleiche Wettkampf wie das große Fischerstechen am Sonntag.
Wasserfest
Das Wasserfest, auch bekannt als Italienische Nacht, zieht am Samstagabend viele Besucher der Kirchweih ans Ufer der Regnitz. Ab Einbruch der Dunkelheit fahren zu Gesängen aus italienischen Opern mit bunten Lampions geschmückte Boote über die Regnitz vorbei an Klein-Venedig.
Sonntag
FestgottesdienstDie Regnitz mit Festbeleuchtung.
Neben dem Eröffnungsgottesdienst gibt es jedes Jahr einen Festgottesdienst, der immer am Sonntagmorgen stattfindet. Gehalten wurde der Gottesdienst über die Jahrzehnte hinweg von verschiedenen Zelebranten. Anfangs fand der Gottesdienst in der Elisabethenkirche statt. 1964 wurde er erstmals auf dem Platz vor der Kirche gefeiert und 1982 auf dem Wasser. Seitdem wechseln die Örtlichkeiten des Festgottesdienstes regelmäßig.
FischerstechenDas große Fischerstechen.
Zur zweiten Sandkerwa 1952 wurde als fester Programmpunkt das Fischerstechen aufgenommen, eine uralte Tradition, die man in Bamberg erst zur Sandkerwa hatte wieder aufleben lassen. Organisiert wird das Fischerstechen zusammen mit der Schiffer- und Fischerzunft Bamberg. Es treten mehrere Mannschaften an, aus denen immer zwei Teilnehmer gegeneinander stechen. Ziel des Fischerstechens ist es, den Gegner von seinem Boot ins Wasser zu stoßen. Das Boot wird von unparteiischen Helfern am Anfang in Position gebracht, die dann mit einem Paddel versuchen, es auf Flusshöhe zu halten. Die Teilnehmer stehen dabei auf kleinen Brettern am Bug des Schelches (=Boot). Nach einem Startsignal, der Freigabe der Schelche, versuchen die Gegner, sich gegenseitig mit Hilfe einer langen Lanze, deren Ende gepolstert ist, vom Brett zu stoßen. Es darf nur auf Höhe des Oberkörpers gezielt werden. Angefeuert werden die Wettkämpfer vom Publikum, das sich auf der unteren und oberen Brücke, auf der Markusbrücke sowie am Leinritt um die Regnitz versammelt hat. Ist ein Teilnehmer einmal ins Wasser gefallen, scheidet er aus. So bleibt nach Vorrunde, Viertelfinale, Halbfinale und Finale der Sieger als König der Fischerstecher übrig.
Montag
Klein Venedig mit Festbeleuchtung.HahnenschlagDer Hahnenschlag.
Schon seit der ersten Sandkerwa 1951 ist der Hahnenschlag ein fester Programmpunkt des Volksfestes. Der Hahnenschlag ist ein alter, volkstümlicher Brauch, bei dem es darum geht, mit verbundenen Augen einen Tontopf mit Hilfe eines Dreschflegels zu erschlagen. Wer den Tontopf trifft, sodass dieser zerspringt, gewinnt. Dabei hat jeder Teilnehmer nur einen Versuch. Um die Teilnehmer vor dem Schlagen zu verwirren, werden sie mit verbundenen Augen zum Tanz aufgefordert. Mit Hilfe des Publikums soll dann auf den Tontopf gezielt werden. Der Gewinner erhält als Siegerprämie einen Hahn. Anschließend geht es zum gemeinsamen Hühnersuppen-Essen. Ursprünglich zielte man an Stelle des Tontopfes auf einen Hahn. Daher kommt auch der Name des Programmpunktes.
Abschlussfeuerwerk
Das Feuerwerk als Abschluss der Sandkerwa gibt es schon seit 1952. Damals wurde es noch von einem Lastkahn auf der Regnitz abgeschossen. Doch wegen verschiedener Einschränkungen und Sicherheitsvorkehrungen wird seit es 1990 vom Michelsberg gezündet. Das Hochfeuerwerk zieht jedes Jahr Tausende von Besuchern an und bildet einen pompösen Abschluss der Bamberger Sandkerwa.
Sonstige Besonderheiten
Das Festabzeichen 2026.
Jedes Jahr werden Festabzeichen verkauft. Diese waren ursprünglich der Eintrittspreis für die Sandkerwa. Anfangs aus Stoff, werden sie mittlerweile aus Holz hergestellt.
Das Festzelt des Bürgervereins am Regnitzufer, in dem mehrere Veranstaltungen wie der Kindernachmittag und die offizielle Eröffnung stattfinden sowie verschiedene Musikgruppen jeden Abend auftreten, steht mindestens zur Hälfte im Wasser. Erstmals wurde es 1958 in der Kasernstraße neben dem Dominikanerkloster aufgebaut.
Das Festzelt zur Sandkerwa.
Hintergrund-Infos
Die Geschichte der Sandkerwa geht zurück bis in das Jahr 1354. Damals wurde vermutlich am 24. August die Kapelle des damaligen Hl. Geist Spitals, die heutige Elisabethenkirche, geweiht. Den ersten sicheren Nachweis einer Kirchweih zu St. Bartholomä gibt es 1531 mit einem Fisch- und Schlachtschüsselessen. Nach der Säkularisation fand am 19. November 1883 die Neuweihe der Kirche St. Elisabeth statt. Am Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts gab es nur verschiedene kleine Wasserfeste auf der Regnitz. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu Anregungen einer eigenen Kirchweih für St. Elisabeth im Sand durch verschiedene Gastwirte. Dieser Kirchweihgedanke wurde von einem Vorsitzenden des Bürgervereins 1950 aufgegriffen. Die erste Sandkerwa fand dann vom 15.09.51 bis 17.09.51 als erste Sand-Elisabethenkirchweih mit Wasserfest statt. Hauptprogrammpunkte der ersten Kirchweih waren am Samstag das Einholen und Aufstellen des Kirchweihbaumes, am Sonntag der Festgottesdienst und am Montag der Hahnenschlag.