SchachtelfestDurchstarten: Dieser Artikel ist informativ. Wir freuen uns über weitere Ergänzungen!
Bräuche > Lebenszyklus > ErwachsenenalterZum 25. Geburtstag einer ledigen Frau wird in einigen Regionen Deutschlands das Schachtelfest gefeiert. Ähnliche Geburtstagsbräuche sind beispielsweise das "Sockenfest" für ledige 25-jährige Männer oder das "Treppenfegen" und "Klinkenputzen" bei ledigen 30-Jährigen.
Ablauf
Der Ablauf des Brauches zum 25. Geburtstag einer unverheirateten Frau kann unterschiedlich sein. Oft werden der Betroffenen einfach im Laufe des üblichen Geburtstagsfestes 25 Schachteln überreicht. In der ein oder anderen Box kann sich dann ein ernsthaftes oder lustig gemeintes Geschenkchen befinden.
Mit mehr Aufwand ist das Anfertigen eines Schachtelkranzes verbunden. Hierbei fertigen Freunde des Geburtstagskindes einen Kranz aus Schachteln (häufig Zigarettenschachteln) an, und schmücken mit diesem zum Beispiel den Hauseingang. Aufwändigere Schachtelkränze werden auch über die ganze Breite der Häuserfasade gehängt oder in einer Baumkrone untergebracht.
Das ausgiebige Feiern ist etwas, dass alle Schachtelfeste gemeinsam haben.
Hintergrund-Infos
Historischer Hintergrund?
Eine lange Tradition kann man beim Schachtelfest nicht ausmachen. Der Brauch ist recht jung und wahrscheinlich wurde die grundliegende Idee aus einer Partylaune heraus geboren. Auch die regionale Begrenzung beim Schachtelfest ist schwierig. Aus diversen Foren im Internet kann man herauslesen, dass Schachtelfeste zwar in mehreren Ecken Deutschlands zelebriert werden, aber dennoch nur bei wenigen Menschen bekannt sind.
Ob das Schachtelfest heute die Funktion eines Rügebrauches hat, sei dahingestellt. Solche Bräuche, die den Adressaten "rügen", werden vom sozialen Umfeld des Betroffenen arrangiert, um ihn für Abweichungen von gesellschaftlichen Normen zu bestrafen. In diesem Falle wäre die Norm das Heiraten bis zum 25. Geburtstag. Da dies im heutigen Verständnis der Gesellschaft jedoch keine Norm darstellt, ist das Schachtelfest nur mehr ein besonderer Anlass zu ausgelassenem Feiern.
Warum "Alte Schachtel"?
Der Name des Brauches spielt auf die umgangssprachliche Redensart "Alte Schachtel" an. Synonym werden bei Männern auch die nicht ganz ernst gemeinten Bezeichnungen "Alte Socke" oder "Alter Sack" verwendet, wobei der Titel des "Alten Sackes" meist erst zum 50. Geburtstag, unabhängig vom Familienstand verliehen wird.
In seinem "Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten" geht Lutz Röhrich näher auf die "alte Schachtel" ein:
"Eine alte Schachtel sein: eine alte Jungfer, ein häßliches, böses altes Weib sein. Schachtel gilt als derber Ausdr. für weibl. Geschlechtsorgane und dient pars pro toto seit dem 17. Jh. zur verächtlichen Bez. der Frau." (Röhrich 1994, 1929)
Literatur
- Ehlert, Kerstin: Dreißig - ledig - lustig? Moderne Bräuche am 30. Geburtstag. Göttingen 2005.
- Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg, 5. Auflage, 1994.
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Diese Seite wurde zuletzt am 1. Dezember 2009 um 11:02 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 11.359-mal abgerufen (to Cache).
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