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Luciafest

Volle Fahrt voraus: Dieser Artikel ist sehr informativ und empfehlenswert!


Das Luciafest findet jährlich am 13. Dezember statt und ist ein für Schweden typischer Brauch, dessen Feier sowohl den Beginn als auch den Höhepunkt des schwedischen Weihnachtsfestes darstellt. Im Mittelpunkt dieses Lichterfestes steht hierbei die „Lichtbraut“ Lucia, ein in weiß gekleidetes Mädchen mit einer Lichterkrone im Haar.

Ablauf

Die Beteiligten

Hauptperson des Luciafestes ist ein junges Mädchen, das die Rolle der Lucia übernimmt und den traditionellen Festzug anführt, sowie in sozialen Einrichtungen wie Kindergärten oder Krankenhäusern auftritt. Diese ist in einem langen weißen Gewand gekleidet und mit einer roten Schärpe umgürtelt. Auf ihrem Kopf trägt sie einen grünen Kranz mit Kerzen.
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Während auf nationaler Ebene über diverse Abstimmungen bestimmt wird, wer die Lucia spielen darf, wählt lokal jede Gemeinde selbst ihre eigene Lichterbraut aus. Eine Reihe von weiteren Personen folgt in einer Art Prozession der anführenden Lucia beim Festzug. Das Gefolge besteht aus etwa 15-18 jährigen Mädchen, die zwei Kerzen in den Händen halten und als „tärnor“ bezeichnet werden. Darüber hinaus nehmen so genannte Sternknaben, die „stjärngossar“, an dem Lichterzug teil, die spitze weiße Papierhüte, die mit Sternen beklebt sind, tragen. Ebenso wird teils von Pfefferkuchenmännchen, den „pepparkaksgubbar“ sowie den „tomptar“, also den Wichten, als Mitglieder des Gefolges berichtet. Neben diesen Protagonisten des offiziellen Luciafestes gibt es natürlich auch zahlreiche Antagonisten. Denn in fast jeder Familie, in der es eine Tochter gibt, übernimmt diese ebenfalls die Rolle der Lucia und spielt diese in der Familie.

Ablauf in der Familie

Das Luciafest, das am Abend im großen, traditionellen Festzug seinen Höhepunkt findet, beginnt bereits am Morgen in jeder Familie. In der Regel übernimmt die älteste Tochter die Rolle der Lucia und bringt ihren Eltern, im typischen Gewand gekleidet, das Frühstück ans Bett (andere Autoren berichten jedoch, dass das jüngste weibliche Mitglied als Lucia auftritt). Hierbei wird häufig das für diesen Brauch übliche Lied „Sankta- Lucia“ gesungen, sowie das typische mit Safran gewürzte Hefegebäck „lussekatter“ sowie Kaffee und „glögg“, eine Art Glühwein, verteilt. Anschließend gehen die Feierlichkeiten am Arbeitsplatz, in der Schule und im Kindergarten weiter.

Ablauf in der Schule

Auch in der Schule wird das Luciafest gefeiert. Das gesamte Gefolge mit der Lucia an seiner Spitze läuft meist durch die Schule und singt das wohlbekannte Lied „Sankta- Lucia“. Vielerorts wird mit den Kindern die Luciafigur aus Bastelton sowie die Luciakrone aus Tonkarton oder das Lucialicht gebastelt. Ebenso backen die Schüler Luciabrot und Lussekattern, um den Schultag mit diesem Gebäck und Tee und Glühwein ausklingen zu lassen. Eine weitere gestalterische Möglichkeit bietet ein Theaterstück zu Lucia. All diese Vorschläge sind in dem Buch von Kerstin Schmale ausführlich geschildert und dort nach zu lesen.

Ablauf während des Festzuges

Am Abend findet in den meisten Gemeinden ein Festzug statt, der in den heimatlichen Kirchen endet und dort seinen Ausklang findet. Angeführt wird diese Art Prozession von der bereits im Vorfeld ausgewählten Lucia, der die oben genannten Personen folgen. Die ganze Gruppe schreitet, das bekannte Lied singend, mit ihren Kerzen in den Händen bzw. bei Lucia auf dem Kopf, voran und verteilt das Safrangebäck „lussekatter“. Wenn sie die Kirche erreichen, so entzünden die Teilnehmer an jeder Bank ein Licht, sodass die bisweilen dunkle Kirche von warmen, hellen Kerzenlicht erfüllt wird. Erreicht der Festzug dann den Altar, vor welchem ein vierarmiger Leuchter steht, so werden dessen vier Kerzen von vier Mädchen aus Lucias Gefolge mit folgenden Worten angezündet:


„Ich entzünde in heiliger Adventszeit das erste Licht und denke still an Weichnachtens gesegneten Frieden.“
„Ich entzünde das zweite Licht und singe: Mach das Tor weit, wenn der Herr, dein König sich nähert in Weichnachtens gesegneter Zeit.“
„Ich entzünde das dritte Licht und bitte, dass beendet wird auf Erden aller Streit, Friede und Versöhnung in Weihnachtens gesegneter Zeit.“
„Ich entzünde das vierte Licht und bin erfüllt von Friede und Freud, denn nun ist zur Erde gekommen die strahlende Weihnachtszeit.“ (aus PETERSEN 2008, S. 197 f.)
Ist dieses Ritual beendet, so setzt die Gruppe mit traditionellen Weihnachtsliedern ein, um den Abend feierlich fortzusetzen.

Das Essen

Zum Luciafest werden traditionell die so genannten „lussekatter“, also die Luciakatzen, gebacken. Diese sind ein mit Safran gewürztes Hefegebäck, das mit Rosinen verziert wird (Rezept lussekatter).
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Das als Lucia verkleidete Mädchen verteilt diese bereits beim Frühstück in ihrer Familie, als auch während des Festzuges zur Kirche. Getrunken wird hierzu meist der so genannte „glögg“, eine Art Glühwein mit Rosinen und Mandeln (Rezept glögg). In den Familien selbst wird abends häufig ein schönes Abendessen zubereitet, um das Fest auch kulinarisch gebührend zu würdigen.

Das Lucia- Lied

Charakteristisch und ein verbindendes Glied aller lokalen Feierlichkeiten ist das Lucia- Lied „Natt går tunga fjät“, das seinen Ursprung zur Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hat. Zu dieser Zeit schrieb der Journalist Sigrid Elmblad zur Melodie „Barcelona napolitana“ von Teodoro Cottrau folgenden Text:


„Die Nacht geht mit schwerem Schritt um Hof und Hütte.
Auf der Erde, welche die Sonne verließ, brüten dunkle Schatten.
Da betritt unser dunkles Haus mit brennenden Licht
Lucia, heilige Lichtbringerin, Lucia.
Noch ist die Nacht groß und stumm, doch hörte es schwingen, in allen dunklen Räumen, rauschen wie von Flügeln.
Seht, auf unserer Diele steht weiß gekleidet mit Licht im Haar
Lucia, heilige Lichtbringerin, Lucia.
Die Dunkelheit soll fliehen jetzt aus den Tälern der Erde.
Das ist ihre wunderbare Botschaft an uns: aus rosiger Morgendämmerung soll es Tag wieder werden nun.
Lucia, heilige Lichtbringerin, Lucia.“ (aus PETERS 2008 S.197).
siehe Orginaltext "Nat går tunga fjät"
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Der Wettbewerb

Jedes Dorf und jede Stadt wählt sich durch unterschiedliche Wettbewerbe seine eigene Lucia aus, die dann über das ganze Jahr hinweg bei Festlichkeiten wie beispielsweise dem Mittsommernachtsfest auftreten darf. Auf nationaler Ebene findet für die Feierlichkeiten in Stockholm die Auswahl häufig über eine Fernsehabstimmung statt, während auf lokaler Ebene meist zu anderen Wahlmöglichkeiten gegriffen wird. Nicht selten wählen Leser der Zeitung oder die Konsumenten eines Einkaufszentrums aus einer Reihe abgelichteter Mädchen ihre Favoritin aus. Gewinner sind hier größtenteils Mädchen mit langem, blondem Haar.

Varianten

Nationale Ebene

Werden die einzelnen Gemeinden verglichen, so lassen sich natürlich zahlreiche Unterschiede feststellen. Während teilweise die Teilnehmer zwischen 15 und 18 Jahren alt sind, so führen in anderen Ortschaften auch viel jüngere Kinder den Festzug an. Ebenso weicht die Gestaltung des Festzugs und der häuslichen Feier von Gegend zu Gegend von der oben Beschriebenen ab.

Internationale Ebene

In Tirol und in anderen bayerisch-österreichischen Gegenden verteilt die Lucia am Morgen an die Kinder Süßigkeiten und übernimmt teilweise auch die Rolle des Nikolauses, indem sie, als Zuständige für das weibliche Geschlecht, den Mädchen Geschenke bringt. Die Jungen bekommen dann weiterhin traditionell vom Nikolaus die Gaben.

In Fürstenfeldbruck wird der Luciatag jährlich mit dem so genannten Lichterschwemmen gefeiert. In der Zeit vor dem Fest werden an den Schulen Nachbildungen der Häuser des Ortes gebastelt. Die Fenster der Gebäude werden mit Transparentpapier beklebt, so dass diese, wenn man hinter den Häuschen eine Kerze anzündet, schön leuchten. Am 13. Dezember selbst werden im Rahmen einer Lichterfeier die gebastelten Werke gesegnet und anschließend in die Amper gesetzt, wo sie allmählich in der Dunkelheit verschwinden.

In anderen deutschsprachigen Räumen wird die Lucia jedoch von ihrer dunklen, düsteren Seite gezeigt. In der Oberpfalz beispielsweise möchte die „Luzier“ den Kindern den Bauch aufschneiden und anschließend mit Steinen befüllen. In Bayern war sie einst als buckelige Hexe auf der Suche nach einer Schale mit Blut und Gedärmen unterwegs.

Hintergrund-Infos

Geschichte

Der Ursprung des Luciafestes ist nicht exakt zu rekonstruieren. Zahlreiche Menschen denken, dass der Brauch auf die Heilige Lucia aus Sizilien zurückzuführen ist, da diese am selbigen Tag, nämlich dem 13.12., Namenstag hat. Diese Vermutung kann jedoch aktuell als widerlegt angesehen werden.

Bis 1583 war der 13.12. aufgrund des Julianischen Kalenders die längste Nacht des Jahres. Papst Gregor XIII führte dann jedoch eine Kalenderreform durch, da das Jahr nicht mehr genau dem astronomischen Sonnenjahr entsprach. Dies hatte unter anderem zur Folge, dass die Feier der Sonnenwende zur Zeit der Einführung des Julianischen Kalenders nun auf den 25.12. fiel. Dieser Tag, nun rein rechnerisch der Luciatag, wurde von der Kirche als Weihnachtsfest festgelegt, um den ausschweifenden heidnischen Festen entgegen zu wirken.

Es wird davon ausgegangen, dass viele verschiedene Traditionsstränge letztendlich zum Luciafest führten. Im Mittelalter beispielsweise waren die Menschen der Meinung, dass am Luciatag die längste und dunkelste Nacht des Jahres sei. Die Menschen entschieden sich deshalb, mit dem weihnachtlichen Fasten zu beginnen. Davor jedoch sollte man am Morgen noch einmal ausgiebig essen.

Außerdem wurde berichtet, dass im 17. und 18. Jahrhundert durch den Einfluss aus Deutschland in weiß gekleidete Mädchen mit Lichterkronen mit Essen aufwarteten.

Nach dem Verbot des Heiligenkultes in Deutschland nach der Reformation, bescherte statt dem Heiligen Nikolaus nun das Christkind die Kinder. In den Gebieten um den Vänern- See und Bergslagen, die von Deutschland beeinflusst waren, wurde das Christkind vom Weihnachtstag auf den Luciatag verdrängt. Diese Vorschaltung ist dadurch zu erklären, dass das schwedische Weihnachtsfest keine Verkleidungsbräuche zuließ. Da man einen Namen für den Festtag gebraucht hatte, entschied man sich für den der Heiligen Lucia, da dieser auf das lateinische Wort „lux“, also Licht, zurückzuführen ist, das im Winter den Menschen besonders Hoffnung schenkt. Nach Weber- Kellermann ist also davon auszugehen, dass beim Luciafest das deutsche Christkind als Gabenbringer übernommen wurde und lediglich der Termin verschoben wurde. Nach ihrer Theorie hat also der Brauch nichts mit den Legenden der Heiligen Lucia zu tun.

Bis ins 19. Jahrhundert existierten in Schweden Bräuche, bei denen man extrem viel frühstückte und auch Schnaps zu sich nahm. Doch ab diesem Zeitpunkt ersetzte man diese Tradition durch Kaffee, glögge und die lussekattern. Während der Luciabrauch zunächst keine landesweite Bedeutung erlangte, schaffte er es ab Ende des 19. Jahrhunderts, sich weiter zu verbreiten. Als sich die Stockholmer Tageszeitung 1927 zum ersten Mal um einen öffentlichen Lucia- Festzug kümmerte, wurde das Fest schließlich im ganzen Land populär und ist seit diesem Zeitpunkt fest im Brauchtum verankert.

Die Heilige Lucia

Mit der Heiligen Lucia werden mehrere unterschiedliche Legenden verbunden. In einer von diesen wächst Lucia, die in Syrakus geboren wurde, in einer sehr wohlhabenden Familie auf. Als ihre Mutter schwer krank wurde, betete das Mädchen inbrünstig für sie, so dass die kranke Frau wieder geheilt wurde. Als Lucia, die sich schon einige Zeit davor zum Christentum bekannte, anfing, das Geld, um das sie ihre Eltern als vorzeitiges Erbe geboten hatte, an Arme zu verteilen, griff ihr Bräutigam in das Geschehen ein. Denn ihm gefiel Lucias Handeln nicht und er war außerdem äußerst verwundert über ihr neues Wesen, so dass er sie zur Rede stellte. Als er erfuhr, dass Lucia eine Christin geworden ist, klagte er sie beim Richter an. Dieser verurteilte sie zum Tode. Das Feuer konnte Lucia jedoch nicht umbringen, weshalb sie erst durch einen Schwertstreich am 13. Dezember 304 starb .

Eine weitere Legende berichtet von Lucia als Lichtbringerin. In dieser geht es darum, dass der römische Kaiser aus Angst davor, dass das Volk Gott mehr verehren würde als ihn, alle Christen verfolgen, einsperren und töten ließ. Auch Paschasius, der oberste Richter von Syrakus, verfolgte in seiner Stadt das Ziel, die Zahl der Christen zu minimieren. Aus diesem Grund mussten sich diese heimlich in der Unterwelt treffen. So kam es dazu, dass Lucia von den Menschen hörte, die sich heimlich in den Katakomben von Syrakus trafen, um sich über Gott zu unterhalten. Nicht lange dauerte es, bis Lucia, die nun auch zu den Treffen ging, zum Christentum konvertieren wollte. Hilfsbereit wie sie war, unterstützte sie ihre Freunde, die sich in ihrem Versteck geheim halten mussten. So kam es dazu, dass sie ihnen, in Körben getragen, Essen und Trinken brachte. Weil ihre Hände jedoch schon dafür verwendet wurden, kam sie auf die Idee, eine Kerze an einem aus grünen Zweigen gebundenen Kranz auf den Kopf zu stecken. Mit dieser Lichterkrone war es von nun an für Lucia kein Problem mehr, sich in den dunklen Katakomben zurecht zu finden. Neben den Gaben, die sie mitbrachte, verteilte sie ab diesen Zeitpunkt auch Wärme und Licht an ihre Freunde.

Lucia verkörpert den Legenden zufolge also unterschiedliche Gestalten. Taucht sie einmal als Gabenbringerin und Lichtfigur auf, so wird sie anderenorts als dunkle Dämonin gesehen (siehe internationale Varianten). Letzteres jedoch sollte wohl nicht in den Zusammenhang mit der Heiligen Lucia gebracht werden, da es sich bei der dämonischen Gestalt wohl eher um heidnische Überreste handelt.

Verbreitung

Das Luciafest wird vor allem in Schweden gefeiert. Es gewinnt allerdings ebenso in Dänemark, Finnland und Norwegen an Beliebtheit. Selbst in Gemeinden in Deutschland, die eine skandinavische Partnerstadt haben, wird teils das Luciafest zelebriert. Dem Luciatag allgemein sind viele Bräuche in Europa gewidmet. Dies wurde im Kapitel internationale Varianten bereits geschildert.

Beliebtheit

Das Luciafest ist in ganz Schweden äußerst beliebt und wird in fast jedem Verein, jeder Schule und jedem Betrieb gefeiert. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Festlichkeiten in jeder einzelnen Familie. Wie intensiv das Fest "zelebriert" wird, erkennt die Polizei besonders gut. Denn an diesem Festtag, der gesetzlich kein Feiertag ist, sammelt die Polizei so viele Führerscheine wie fast nie im Jahr ein.

Videobeitrag

<youtube>http://www.youtube.com/watch?v=sg6Uu7N2GKg</youtube>

Literatur

Austrup, Gerhard: Iwanowski's Tipps für individuelle Entdecker- Schweden. Dormagen 2011.

Maunder, Hilke: Südschweden- Stockholm. Ostfildern 2011.

Peters, Christiane: Schweden- Verwunschene Wälder, verzauberte Seen. Norderstedt 2008.

Schmale, Kerstin: Sankt Martin, Nikolaus & Co. Mit Kindern Wintertage feiern und gestalten. Ostfildern 2003.

Schneider- Stotzer, Franziska: Feste und Bräuche im Jahreskreis. Luzern 2001.

Schönfeldt, Sybil: Das große Ravensburger Buch der Feste & Bräuche. Ravensburg 1980.

Swahn, Jan- Öjvind: Maibaum, Flußkrebse und Lucia. So lebt und feiert man in Schweden. Stockholm 1994.

Raabe, Lis: Alte Weihnachtsbräuche aus deutschsprachigen Ländern. München 1984.

Weber- Kellermann, Ingeborg: Das Weihnachtsfest- eine Kultur- und Sozialgeschichte der Weihnachtszeit. Luzern 1978.

Wolf, Helga Maria: Das Brauchbuch. Freiburg 1992.

Weblinks

Skandinavien 2011

Blog-Beitrag

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