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Klopferstag

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BrÀuche > Deutschland
BrÀuche > Jahreslauf > Winter
BrÀuche > Religion
GeprĂŒfte Artikel > Gelber Artikel


Der Klopferstag ist ein sĂŒddeutscher Brauch und findet meist an den drei Donnerstagen zwischen dem ersten und vierten Advent statt. Dabei gehen Kinder von Haus zu Haus und sammeln SĂŒĂŸigkeiten.

Termin

Dieser Brauch ist vom 06.12.2018 bis zum 20.12.2018.
Er findet jedes Jahr zu diesem Datum statt.

Ablauf

Das Klopfern ist vor allem in Altbayern verbreitet. Üblicherweise nehmen Kinder bis zum vierzehnten Lebensjahr daran teil. In kleinen Gruppen gehen sie an den drei Donnerstagen zwischen den Adventssonntagen bei Anbruch der Dunkelheit von Haus zu Haus, sagen je nach Region einen Spruch auf oder singen ein Lied und bekommen dafĂŒr SĂŒĂŸigkeiten. HĂ€ufig wird der Erlös auch einem wohltĂ€tigen Zweck gespendet.
Am gebrĂ€uchlichsten sind folgende SprĂŒche:

“Es kommen die Klopfer und sagen euch an,
dass Christus der Herr bald kommen kann.
Und wenn er kommt, ist Heil im Haus,
holla, holla Klopfer raus.
Äpfele, Bira, Nuss, dr Klopfer statt scho duss.“[1]

„Holla, holla, Klopferstag,
schĂŒttl Äpfel und Biara ra,
lange Leiter ĂŒbers Haus,
keiat Äpfel und Biara raus.“[2]

„Holla, holla Klopfa raus,
oder i schlag dir a Loch ins Haus.“[3]

Varianten

Im Chiemgau ist beim Klopfern folgender Vers ĂŒblich:

„Holla, Klopfa san da!
Wir ziehen daher so spÀt in der Nacht,
denn heut ist eine heilige Klopfernacht.
Wir ziehen daher ĂŒber Wiesen und Klee
und hĂŒten dem Bauern sein Korn und sein Feld,
seine Rinder und Roß, seine Schaf und Schwein
Und kehrn a amoi wieder a anders Jahr ein.
Wir wĂŒnschen am Bauern an Kastn voll Korn,
daß er alle Woch ko in d®Schranna neifahrn.
Wir wĂŒnschen der BĂ€uerin an goldenen Ring,
in der Mitt a kloans Sterndl und ÂŽs Christkindl drin.
Wir wĂŒnschen an Roßknecht an Söchta voll Flöh,
in da Fruah, wenn er aufsteht, na hebtŽsn in dŽHöh.
Wir wĂŒnschen der Dirn vui tausadmoi GlĂŒck,
daß ihr im Milchsöchta dÂŽMilli net grinnt.
Mir grĂŒaß®n dö BĂ€uerin, mir grĂŒaß®n dö Dirn,
mir grĂŒaß®n ÂŽs kloa Kindl in da Wiagn drinn.
Mir kennan net allerweil dableibn,
mir mĂŒassn wieda geh,
fĂŒr des, was man kriagt ham,
bedank ma uns schö.“

In Oberammergau findet der Klopferstag nur am letzten Donnerstag vor Heilig Abend statt, im Lechrain hingegen dauert er bis zu Hl. Dreikönig an. (vgl. RattelmĂŒller, Bairisches Brauchtum im Jahreslauf)

Im Bayerischen Wald ziehen meist nur junge Buben durch das Dorf. Mit einer Heugabel klopfen sie an die TĂŒren und sagen folgenden Spruch auf:

„Klöpfe, klöpfe, klöpfe o, der Bauer is a braver Mo.
DÂŽSchlĂŒssel hör i klinga, dÂŽKrapfa hör i springa,
Krapfa raus, Krapfa raus, oda i stich enk a Loch ins Haus. (RattelmĂŒller, Bairisches Brauchtum im Jahreslauf)

FrĂŒher bekamen die Kinder daraufhin meist ein StĂŒck Fleisch auf ihre Heugabel gesteckt.

In Berchtesgaden war das Klopfern als Glöckisingen oder – beten bekannt. Hier waren die Kinder untertags und die Erwachsenen nachts unterwegs. Gesungen wurden Krippen- und Bergmannslieder, die GlĂŒck und Segen bringen sollten. Konnte man nicht singen, wurde auch das Vaterunser dreimal hintereinander gebetet. Der dritte Donnerstag des Klopferns wurde dort oft als Hexennacht bezeichnet, da man glaubte, der Teufel könne einen an diesem Tag begleiten. (vgl. RattelmĂŒller, Bairisches Brauchtum im Jahreslauf)

In einigen schwĂ€bischen Dörfern, wie auch in Unterknöringen oder Deffingen im Landkreis GĂŒnzburg, treffen sich die Kinder am ersten Samstag im Dezember zum Klopfern. Dabei gehen sie in ihren Dörfern zu den HĂ€usern, welche durch ein rotes Band am Zaun oder der HaustĂŒre gekennzeichnet sind und sammeln SĂŒĂŸigkeiten.
Der Spruch in Schwaben unterscheidet sich nur wenig von den anderen Regionen:

„I klopf, i klopf ans LĂ€dale no, was i krieg des nehm i o,
Äpfale, Birele, Nuss - d®Klopfer standat duss.“[4]

Verwandte BrÀuche:

Beim „Anrollen“ im Salzburger Land wird zusammen mit den Hausbewohnern gereimt und gerĂ€tselt.
In SĂŒdtirol kommen die Klöckler mit Glocken und Schellen und bringen mit ihren Reimen und Liedern GlĂŒck fĂŒr die Familien.
Auch das sogenannte „Berchtln“ im Werdenfelser Land hat seinen Ursprung im Klopfern. Dabei zieht man mit Kette, Besen und Einkenter, sowie vermummt und meist in Dreiergruppen umher. (vgl. RattelmĂŒller, Bairisches Brauchtum im Jahreslauf)

Hintergrund-Infos

Der Klopferstag hat seinen Ursprung in den Roraten, die frĂŒher wĂ€hrend der Adventszeit meist um sechs Uhr morgens stattfanden. Zur Erinnerung wurden die Dorfbewohner meist von Nachbarn durch das Klopfen an die FensterlĂ€den geweckt.[5]
Der Begriff „Klopfern“ kommt daher vom Anklopfen an TĂŒren oder LĂ€den, meist mit kleinen HĂ€mmern, Stöcken oder Heugabeln.
Die AnfĂ€nge des Klopfertages lassen sich schon um 1454 in Oettingen im Ries erkennen. Vergleichbar ist der Brauch auch mit dem „Göllen“ aus dem 16. Jahrhundert, bei welchem im Auftrag der Kirche gesammelt wurde. (vgl. RattelmĂŒller, Bairisches Brauchtum im Jahreslauf)

Die Klopfer sollten nach altem Volksglauben Geister und DĂ€monen vertreiben und eine gute Ernte bringen. Die Kinder sangen Lieder mit bis zu acht Strophen und wurden gelegentlich sogar von Geigen begleitet. Sie stammten oft aus Ă€rmeren Familien und waren vermummt, um nicht erkannt zu werden. FĂŒr ihre GlĂŒckwĂŒnsche bekamen sie meist NĂŒsse, Äpfel oder FrĂŒchtebrot, aber auch Fleisch oder Mehl. Nicht selten kam es auch zu KonkurrenzkĂ€mpfen und Raufereien, vor allem zwischen den Buben. SpĂ€ter galt das Klopfern als BelĂ€stigung, da der Brauch zur allgemeinen Bettelei wurde. Daher wurde er in einigen Regionen verboten, wie z. B. schon 1616 in NĂŒrnberg oder 1937 in Berchtesgaden. In MĂŒnchen dagegen wurde das Klopfern 1803 als unverzichtbar und zum Recht der Bettler und Lehrbuben erklĂ€rt. Trotzdem geriet der Klopferstag langsam in Vergessenheit, bis er in einigen Dörfern als Kinderbrauch wieder neu eingefĂŒhrt wurde. (vgl. RattelmĂŒller, Bairisches Brauchtum im Jahreslauf)

Siehe auch

Anklöckeln

Weblinks

1. http://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Klopfer-machen-sich-die-Taschen-voll-id4752496.html
2. http://www.schwaben-kultur.de/home/stat/larchiv/914.html
3. http://www.markt-pfaffenhofen.de/chronik/brauchtum_in_pfaffenhofen.htm
4. http://www.deffingen.de/joomla/index.php/jgerman/news/72-klopferstag-2004
5. http://www.augsburger-allgemeine.de/guenzburg/Fuer-Gedichte-mit-Geschenken-bedacht-id3228871.html

Belege, Literatur

6. Bichler, Albert: Wie‘s in Bayern der Brauch ist. Feste und BrĂ€uche durchs Jahr und durch das Leben in Altbayern, Franken und Schwaben, MĂŒnchen 2003.
7. RattelmĂŒller, Paul Ernst: Bairisches Brauchtum im Jahreslauf. Vom Nikolo bis Kathrein, MĂŒnchen 1985.

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Diese Seite wurde zuletzt am 21. Februar 2013 um 11:53 Uhr geÀndert. Diese Seite wurde bisher 13.344-mal abgerufen (to Cache).
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