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Fastenzeit

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Fastenzeit ist in unseren Breiten die gängige Bezeichnung für die christliche, vorösterliche Fastenzeit, die die letzten 40 Tage vor dem Osterfest umfasst. Allgemein sind Fastenzeiten Zeiten des Verzichts. Fasten ist die völlige oder teilweise Enthaltung von Speisen, Getränken und Genussmitteln über einen bestimmten Zeitraum hinweg, üblicherweise für einen oder mehrere Tage. Das Wort kommt vom althochdt. fastēn, das ursprünglich bedeutet „(an den Geboten der Enthaltsamkeit) festhalten. Die Fastenzeit beginnt direkt nach Fastnacht, also im Anschluss an die fünfte Jahreszeit.

Hintergrund-Infos

Allgemeines

Fasten als Gestaltungselement des Lebens ist historisch in zahlreichen Religionen belegt und kommt in vielfältigen Formen sowie in teilweise festgelegten Ritualen vor: für bestimmte Jahreszeiten oder Zeitabschnitte, kollektiv oder individuell, als völliger oder teilweiser Verzicht auf Nahrungsmittel sowie auf Genussmittel, Fleisch, Alkohol, Sexualität u. a. Kulturhistorisch überwiegen Fastenzeiten im Frühling, wo sie neben religiösen Aspekten besonders auch der Darmreinigung nützlich sind.
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In der Neuzeit finden sich Formen des therapeutischen Fastens, etwa eine Diät begleitend oder in der Trauerarbeit, bis hin zu Formen des Protestes im Hungerstreik und des politischen Fastens, z. B. eines Mahatma Gandhi. Andererseits lässt sich der Trend erkennen, alte medizinische oder religiöse Traditionen neu zu entdecken.

Im religiösen Kontext schließlich dient das Fasten unter anderem der Reinigung der Seele, der Buße im Christentum, der Abwehr des Bösen, dem Streben nach Konzentration, Erleuchtung oder Erlösung.
Allgemein soll das Fasten mittels Verzicht oder reduzierter Nahrungsaufnahme mehreren Zwecken dienen: der religiösen Praxis, u. a. in der christlichen Fastenzeit und im muslimischen Fastenmonat Ramadan, in mehreren Religionen der Vorbereitung auf große Feiertage, der Askese oder der Trauer, einer Förderung der Wahrnehmung, einer Erhöhung der Willenskraft und Vorbereitung auf spezielle Herausforderungen, dem Zuwachs an psychischer und sozialer Kontrolle, der Erhöhung der Lebenserwartung und einer Verzögerung des Alterungsprozesses, dem Abnehmen bzw. der Kontrolle des Körpergewichts, im Rahmen einer Therapie von Krankheiten.

Fasten im Christentum

Im christlichen Glauben findet vom 10. Februar bis 26. März 2016 die 40-tägige Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Karsamstag statt. Dabei werden die Sonntage als sogenannte Feiertage der Auferstehung nicht mitgerechnet. Dieser Brauch lässt sich in der Geschichte des Christentums bis in das 4. Jahrhundert zurückverfolgen und wird auch heute noch von gläubigen Christen praktiziert. Die Fastenzeit geht dem Osterfest voraus und erinnert an die 40 Tage, die Jesus in der Wüste verbrachte.

Charakteristisch für die Fastenzeit ist es, dass kein Halleluja und das Gloria nur an Hochfesten gesungen wird. Ferner bleiben auch die Kirchenglocken leise, und zwar in der Zeit zwischen dem Gloria des letzten Abendmahls an Gründonnerstag bis zum Gloria in der Osternacht. In diesem Zeitraum werden ersatzweise Ratschen verwendet. Außerdem ist in den Kirchen außer am Lätare, dem vierten Fastensonntag, kein Blumenschmuck vorhanden. Die sogenannten Altarretabeln, also die Tafeln, die sich hinter den Altären befinden, sind in der Fastenzeit häufig zugeklappt, sodass nur die einfache Rückseite zu sehen ist. Ab dem fünften Fastensonntag werden auch die Kreuze und Standbilder durch ein violettes Tuch verhüllt.

Während der Fastenzeit sollen Gläubige vor allem beten, fasten und geben. Somit setzen sie sich auch gegen Not und Ungerechtigkeit in der Welt ein. Während das Beten und das Fasten oftmals persönliche Aspekte der Fastenzeit darstellen, wird das Geben oftmals durch die Unterstützung von Hilfsorganisationen oder Hilfswerken der Kirche ausgelebt. Beim Fasten geht es jedoch nicht ausschließlich um den Verzicht auf Nahrungsmittel. Vielmehr ist es eine Zeit der Besinnung, die gläubige Christen nutzen, um sich ihrem Leben bewusst zu werden und sich auf die bevorstehende Feier des Todes und der Auferstehung Jesu Christi vorzubereiten.

Der biblische Hintergrund der Fastenzeit sind die 40 Tage und 40 Nächte, die Jesus in der Wüste verbrachte, in die er vom Heiligen Geist geführt wurde. Hier musste Jesus seinen Glauben unter Beweis stellen, indem er den Versuchungen des Teufels widerstand. Die Zahl 40 hat in der Bibel einen symbolischen Charakter und steht für eine Zeit des Wandels beziehungsweise des Übergangs und der Vorbereitung. So dauerte zum Beispiel auch die Sintflut 40 Tage und 40 Nächte, nach der Taufe zog sich Jesus für 40 Tage zurück und ganze 40 Jahre lang zog das Volk Israels durch die Wüste.

Fastenzeit vor Ostern

Ostern ist ein bewegliches Fest, das auf dem Konzil von Nicäa 325 auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond festgesetzt wurde. Dementsprechend fällt es in den Zeitraum zwischen dem 22. März und dem 25. April. Papst Gregor der Große hat um 600 die vorgelagerte vierzigtägige Fastenzeit begründet.

Zählt man nun von Ostern aus 40 Tage und 40 Nächte zurück, ergibt sich als Beginn der Fastenzeit der Dienstag nach dem 6. Sonntag vor Ostern. Dieser 6. Sonntag vor Ostern erhielt im Hinblick auf die genannten 40 Tage den Namen Dominica Quadragesima oder Invocavit.

Nach der neuen Fastenordnung ist der Beginn der Fastenzeit immer der Mittwoch vor dem 6. Sonntag vor Ostern, der Aschermittwoch.

Es gibt Gegenden, in denen sie Fastnachtszeit weiterhin nach der alten Fastenordnung beendet wird, das heißt am 6. Sonntag vor Ostern. Dort fällt die Feier der Fastnacht damit bereits in die liturgisch geltende Fastenzeit, die ja bereits am Mittwoch davor beginnt. Historisch haben sich für diese unterschiedlichen Fasnachtszeiten die Begriffe Herrenfasnacht und Bauernfasnacht ausgeprägt. Es kam dazu, weil die Obrigkeit der Nacht vor dem Aschermittwoch den Vorzug gab (Herrenfasnacht) , und die einfache Bevölkerung noch lange an der alten Ordnung festhielt (Bauernfasnacht).

In der vorösterlichen Fastenzeit in irgendeiner Beziehung zu fasten machen sich bis heute viele Christen zur Pflicht. Auf was sie verzichten (z.B. auf Essen, Alkohol, Süßigkeiten, Fernsehen), entscheiden sie in der Praxis selbst. Was für Christen außer dem Fasten zur vorösterlichen Fastenzeit gehört, sind die Osterbeichte und die Teilnahme an den Feiern der Karwoche.

Weblinks:

Fastenzeit: Verzicht in modernen Zeiten

http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/abendschau/roemhild-fasten-verzichten-ID1266400193743.xml

Differenzierung: Unterschied zwischen religiösem Fasten und Heilfasten
http://www.bernd-bieder.de/literatur-infos/heilfasten/heilfasten.html

Literatur:

Moser, Dietz-Rüdiger: Bräuche und Feste durch das ganze Jahr. Freiburg 2002.

Becker-Huberti, Manfred: Lexikon der Bräuche und Feste. Freiburg 2007.

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