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Adventskalender

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Wie viele Tage sind es noch bis Weihnachten? Diese Frage, die man selbst noch aus Kindertagen kennt und die auch noch die heutige Jugend stellt, ist eng mit dem Adventskalender verbunden. Denn einer der Gründe für die Entwicklung des Adventskalenders war es, dass Eltern ihren Kindern die noch verbleibenden Tage bis Heilig Abend visualisieren wollten.

So versteht man unter dem Begriff Adventskalender auch einen „Kalender“ bzw. einen Gegenstand, der die Zeit im „Advent“, also die vier Wochen vor Weihnachten, sichtbar machen soll. Besonders für Kinder ist der Adventskalender deshalb ein Zeichen für das herannahende Weihnachtsfest, das die Vorfreude der Adventszeit auf den heiligen Abend verstärken soll.

Neben dem ursprünglichen Vorbereiten auf die Geburt Jesus Christus, kann man den Adventskalender auch als ein Mittel sehen, um Kindern Beherrschung und Geduld beizubringen, aber auch als eine Form, die das Schenken des Weihnachtsfestes schon innerhalb der Adventszeit vorwegnimmt. (Gajek, 1992, S. 9)

Termin

Dieser Brauch ist vom 01.12.2018 bis zum 24.12.2018.
Er findet jedes Jahr zu diesem Datum statt.

Geschichte

Begriffsdefinition Advent

Advent (lateinisch adventus: Ankunft) bedeutet im christlichen Verständnis die Ankunft des Mensch gewordenen Gottessohnes Jesus Christus in der Nacht zum 25. Dezember. Die Adventszeit wird deshalb zur geistigen und seelischen Vorbereitung auf die Geburt Jesus Christi genutzt. Diese umfasst die vier Sonntage vor Weihnachten, wobei die Anzahl der Adventssonntage erst durch Papst Gregor I. auf vier festgelegt wurde. Wogegen in der evangelischen und der katholischen Kirche der erste Advent auch zugleich der Beginn des neuen Kirchenjahres darstellt, ist der Beginn in der orthodoxen Kirche auf den 1. September datiert (Peschel, 2009, S. 9).

Evangelische Wurzeln

Die häuslichen Adventsbräuche hängen auf der einen Seite eng mit der Entstehung des Adventskalenders zusammen, auf der anderen Seite aber auch mit den Unterschieden in der katholischen und evangelischen Kirche. In der katholischen Kirche gab es im Advent tägliche Lesungen der Bibel und morgendliche Rorate-Messen, wogegen in der evangelischen Kirche Adventsandachten zu Hause abgehalten und durch gemeinsames Singen ergänzt wurden. Deshalb entwickelten sich häuslich-familiäre Adventsbräuche vor allem im evangelischen Bereich, wie beispielsweiße der Adventskranz oder der Adventskalender. Das Weihnachtsfest als häusliches Familienfest mit Bescherung kennt man seit dem 19. Jahrhundert, woraus sich zunehmend auch eine von der Religion losgelöstere Vorfreude der Kinder auf das Weihnachtsfest entwickelte (Peschel, 2009, S. 9).

Ursprünge des Adventskalenders

Der bisher frühste Bericht über das Zählen der Tage bis Weihnachten stammt aus dem Jahr 1838 und geht auf Johann Hinrich Wichern zurück. Dieser war der Leiter eines 1833 gegründeten evangelischen Knaben-Rettungshauses, das als Rauhes Haus zu Horn bei Hamburg bezeichnet wurde. Zum Abzählen der Tage verwendete Wichern einen Kronleuchter mit Kerzen, der, geschmückt mit einem Tannenkranz, jeden Tag angezündet wurde. Dies fand im Rahmen täglicher Andachten im Betsaal statt, bei denen alle Bewohner des Rauhen Hauses zusammenkamen und Adventslieder sangen. Abgewandelt wurde diese Form des Adventskalenders 1846 im Rettungshaus für Knaben der Rheinischen Pastoralgehülfen-Anstalt zu Duisburg, bei der ein Adventsbaum das Zählen unterstütze und prophetische Verheißungen aus dem Alten Testament vorgelesen wurden. An den Adventsbaum - einem Tannenbaum - wurden dann täglich ein Licht und ein von den Kindern handgeschriebener Bibelspruch angeheftet, wodurch der Baum im Verlauf des Advents zunehmend an Schmuck gewann. Der Adventsbaum ersetzte jedoch nicht den Christbaum, was ein Nebeneinander von Adventsbaum und Christbaum für einige Zeit bewirkte (Peschel, 2009, S. 10). Zur Zeit des Adventsbaums gab es auch die Form des Adventsleuchters sowie die sich daraus entwickelnden Adventskronen aus Holz mit Messinglichthaltern aus dem Jahre 1911. Aus diesen entstand schließlich noch vor der Jahrhundertwende der Adventskranz mit 28 Lichtern, bei dem später die vier Adventssonntage durch größere Kerzen markiert wurden und aus dem der heute bekannte Adventskranz hervorging (Peschel, 2009, S. 12) (siehe auch → Adventskranz).

Moderne Adventskalender

Ab dem 19. Jahrhundert kamen dann die ersten modernen Adventskalender auf, die nun das Zählen durch Abstreichen oder Abreißen ermöglichten. Die heutzutage weitverbreitete Form des gedruckten Adventskalenders mit Klapptürchen wurde vermutlich erstmalig vom Münchner Verleger Gerhard Lang 1908 gedruckt (Becker-Huberti, 2009, S. 13). Dieser besaß als Kind selbst einen Adventskalender, der von seiner Mutter gefertigt worden war. Dabei band diese 24 Gebäckstücke, man vermutet dass es schwäbische Wibele waren, auf einen Karton, um ihrem Sohn die Wartezeit bis Weihachten zu verkürzen. Der Sohn durfte also täglich ein Gebäckstück wegnehmen und aufessen, was ihn letztendlich zum gedruckten Adventskalender inspiriert haben soll (Gajek, 1992, S. 18). Langs gedruckter Adventskalender stellte einen Bastelkalender dar, der Bildchen zum Aufkleben besaß, die man in 24 dafür vorgesehene Rechtecke kleben konnte. Der erste Schokoladenadventskalender erschien dann ab 1958, hinter dessen Schokolade verschiedene Bilder mit Bezug zur Weihnachtsgeschichte zum Vorschein kamen. Allerdings blieben die handgemalten Adventskalender weiterhin beliebt (https://www.eismann.de/mein-magazin/wissen/wissen-details/artikel/die-entwicklung-des-adventskalenders.html?PHPSESSID=42ea92eedce425ae9608b1e2f50efe05).

Heutige Adventskalender

Adventskalender01.jpg

Die industriell gefertigten Adventskalender sind heutzutage oftmals mit Türchen ausgestattet, die weihnachtliche Motive, Sprüche, Süßigkeiten o. ä. enthalten. Außerdem gibt es verschiedene selbstgebastelte Kalender, deren Geschenke z. B. in Jute-Säckchen, ganz nach skandinavischem Vorbild, versteckt werden. Zudem ermöglichen technische Entwicklungen neue Formen von Adventskalendern, wenn z. B. Hörbücher mit 24 Geschichten für Adventskalender verwendet werden (https://www.eismann.de/mein-magazin/wissen/wissen-details/artikel/die-entwicklung-des-adventskalenders.html?PHPSESSID=42ea92eedce425ae9608b1e2f50efe05).

Kommerzialisierung

Der Adventskalender wurde im Verlauf der Zeit zunehmend profaner. An die Stelle des Christuskindes als Kalendermotiv bzw. -inhalt traten verschiedene Geschenke für Jung und Alt. So gibt es beispielsweiße einen Adventskalender für Erwachsene mit 24 verschiedenen Biersorten oder Kosmetikprodukten. Auch für Kinder gibt es zahlreiche Adventskalender von Spielzeugfirmen wie Barbie, Playmobil oder Lego.
Der wohl teuerste Adventskalender soll einer des Londoner Kaufhauses Harrods sein, der eine Million US-Dollar kostet. Dieser enthält beispielsweiße eine Sonnenbrille aus 18 Karat Gold, ein Motorboot oder eine Designerküche (http://www2.evangelisch.de/themen/religion/kommerz-oder-krippe-der-adventskalender27551).

Christlicher Gegenpol

Um den ursprünglichen Sinn des Adventskalenders wieder nahe zu bringen, verbreiten Kirchen schon seit ein paar Jahren christliche Adventskalender. Diese werden z. B. in Form von virtuellen Adventskalendern umgesetzt, die aus 24 E-Mails bestehen, die u. a. meditative Texte oder Bilder enthalten. So kann man z. B. auch den Adventskalender von evangelisch.de für andere als Überraschung abonnieren.
(http://www2.evangelisch.de/themen/religion/kommerz-oder-krippe-der-adventskalender27551).

Anzahl von Kalendertagen

Da bei den Adventskalendern zwischen religiösen und säkularen unterschieden werden kann, variieren auch damit die Anzahl der Kalendertage. So nimmt der religiöse Adventskalender meist den ersten Adventssonntag als Grundlage, wogegen der säkulare stets am 1. Dezember zu zählen beginnt (https://www.eismann.de/mein-magazin/wissen/wissen-details/artikel/die-entwicklung-des-adventskalenders.html?PHPSESSID=42ea92eedce425ae9608b1e2f50efe05).

Varianten

Wachsende Adventskalender

Adventsbäumchen

nach Lina Lejeune (1881-1967)

In die Krone eines Nadelbaumes wurde mithilfe von vier Bändern ein Ring befestigt. An diesen Ring wurden Häkchen eingeschraubt, woran bei der täglichen Morgenandacht je ein goldener Stern mit einer Adventsverheißung und ein Lichtchen befestigt wurden. Der Ring des Adventsbäumchens wurde im Advent nun von Tag zu Tag gefüllt, bis einen Tag vor Weihnachten, an dem das Christkind, der Vorstellung nach, den Ring für die Spitze eines großen Christbaumes abholen sollte (Gajek, 1992, S. 14).

Adventshäuschen

Die Fenster eines Häuschens dienen als Adventskalendertürchen, die beispielsweise Bilder oder Bibelverse zum Vorschein bringen. Eine Kerze in der Mitte des Hauses erleuchtet die farbigen Fenster (Gajek, 1992, S. 14).

Strohhalmstecken

Kinder legten in der Adventszeit einen Strohhalm, eine Feder oder Watte in eine noch leere Krippe, um dem Christkind ein weiches Bett zu ermöglichen. Die Kinder mussten sich hierbei die Materialien durch gute Taten, Gebete, Artigkeit oder Verzicht verdienen. Man vermutet, dass diese Tradition auf Nonnen im ausgehenden Mittelalter zurückzuführen ist, die dem Jesuskind eine Krippe durch gute Gedanken und positives Handeln in ihrem Herzen bereiten sollten.

Diese Tradition ist aber nur eingeschränkt den Adventskalendern zuzuordnen, da die Anzahl der Strohhalme, bedingt durch Fleiß und Gehorsam, nicht mit den Adventstagen übereinstimmen musste (Gajek, 1992, S. 14f).

„Schwindende“ Adventskalender

Strichkalender

nach Pater Rupert Mayer (1876-1945)

Adventskalender02.jpg
24 bzw. 25 Kreidestriche wurden am Abend des 30. Novembers auf eine Fläche (z. B. an einen Türstock oder in das Innere eines Spielzeugschrankes) gemalt. Täglich durfte immer ein Kind der Familie - die Kinder wechselten sich in einer bestimmten Reihenfolge ab - jeweils einen Strich wegwischen, wobei die Spannung von Abend zu Abend zunahm. Teilweise wurde bei großer Ungeduld auch schon mittags der halbe Strich weggewischt oder die Sonntage mit längeren oder farbigen Strichen markiert. Manchmal wurde auch zusätzlich ein Christbaum gezeichnet (Gajek, 1992, S. 15-17).

Papierband

Von einem steifen Papierband wurde täglich ein Stück abgerissen. Das Papierband war z. B. in jeweils 5 cm lange Quadrate eingeteilt, in denen das Datum vom 1. Advent bis 24. Dezember stand. Der Nikolaustag und der heilige Abend konnten mit Bildern wie z. B. Nikolaus und Krampus oder einem Christbaum verziert sein (Gajek, 1992, S. 17f.).

Adventskerze

Eine Kerze wurde mit den Zahlen von 1-24 verziert und das vorgesehene Stück täglich abgebrannt. Umso kürzer die Kerze war, desto näher war das Weihnachtsfest.
Diese frühe Form des Adventskalenders, deren Herkunft aus Skandiavien vermutet wird, wurde im 19. und frühen 20. Jahrhundert noch mit Hand bemalt. Heutzutage gibt es industriell gefertigte Kerzen mit Abziehbildern (Gajek, 1992, S. 18).

Weihnachtsuhr

Ein Zeiger einer Uhr wanderte im Advent täglich ein Stück weiter auf den 24. Dezember zu.
Hierbei wurde die Einteilung von zwölf Stunden für die zwölf Tage vor Weihnachten übernommen. Ein Beispiel für eine Weihnachtsuhr entstand um 1925 an einem westfälischen Hof. Ziffernblatt, römische Zahlen und der bewegliche Zeiger waren die Merkmale für eine richtige Uhr, wobei diese durch vorweihnachtliche Motive wie Nikolaus und Engel ergänzt wurden. Des Weiteren wurden zu den Zahlen Verse mit Hand dazugeschrieben, die von der Arbeit des Christkindes handelten (Gajek, 1992, S. 19).

Himmelsleiter

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Nachbau einer Himmelsleiter

Foto: privat

Es gibt unterschiedliche Belege zur Form der Himmelsleiter aus Österreich, in denen einerseits von einem Exemplar aus Papier andererseits aus einem aus Holz gesprochen wird. Bestandteil der Himmelsleiter ist eine etwa 10 cm große Christkindfigur im weißen Hemd, die mit einem übergroßen Heiligenschein täglich jeweils eine Sprosse der 24-stufigen Leiter heruntersteigt. Am Ende der Leiter wird das Christkind von Engeln erwartet, die in einem Tannenwald sitzen. Im Hintergrund sind ein dunkler Himmel mit Sternen zu sehen, in dem sich eine geöffnete Himmelpforte befindet. An diese ist auch die Leiter des Christkindes angelehnt.
Dieser Kalender soll verdeutlichen, dass Gott am heiligen Abend auf die Erde gekommen ist und somit jeden Tag im Advent ein Stückchen näher kommt (Gajek, 1992, S. 19f.).

Lebendiger Adventskalender

Als weitere Variante des Adventskalenders gibt es die sogenannten lebendigen bzw. begehbaren Adventskalender. Dabei werden die Fenster von den Bewohnern in einem Ort bzw. in einer Nachbarschaft als Türchen eines großen Adventskalenders geschmückt. Um den Advent zu feiern, treffen sich dann täglich die Anwohner vor dem jeweilig dekorierten Fenster. Als Häuser können sowohl private als auch öffentliche Einrichtungen wie Kindergärten oder Krankenhäuser verwendet werden. Gefeiert wird dann mit heißen Getränken und diversen Snacks, wobei Adventslieder gesungen oder Adventsgeschichten vorgelesen werden (http://de.wikipedia.org/wiki/Adventskalender#Lebendiger_Adventskalender).

Lebendige Adventskalender gibt es z. B. in einigen Orten des Augsburger Lands. In einem Artikel der Augsburger Allgemeine beschreibt Petra Geisenberger aus Nordendorf ihre Tätigkeit der Gestaltung einer biblischen Szenerie für den Adventskalender. Sie erklärt, dass die Dekoraktion eines Fensters schon einmal eineinhalb Stunden dauern kann. Auch wenn die Gestaltung viel Arbeit abverlangt, wird deutlich, dass die Teilnehmer besonders die Ruhe und den familiären Charakter des Adventsbrauchs schätzen (http://www.augsburger-allgemeine.de/wertingen/lokalnachrichten/Noch-zwei-Fensterchen-bis-Heiligabend-id8884976.html).

Gebäude als Adventskalender

Ebenfalls können Fassaden von Gebäuden als Adventskalender fungieren, indem die Fenster als Adventskalendertürchen verwendet werden (http://de.wikipedia.org/wiki/Adventskalender#Geb.C3.A4ude_als_Adventskalender).

Ein Beispiel stellt der Gegenbacher Adventskalender dar, der auch als das weltgrößte Adventskalenderhaus betitelt wird. Als Gebäude wird das Rathaus genutzt, dessen Fenster dann von international angesehenen Künstlern und Kinderbuchillustratoren gestaltet werden. Als Motive zeigten sich schon Figuren der Kinderliteratur wie Jim Knopf oder das kleine Gespenst (http://www.weihnachtsmarkt-deutschland.de/gengenbach-groesster-adventskalender.html). Aber auch zum Augsburger Christkindlesmarkt gehört ein solcher Adventskalender, der in Form des Verwaltungsgebäudes am Rathausplatz der Stadt Augsburg umgesetzt wird. Die Fenster mit Motiven von Studenten der Hochschule Augsburg werden dann in der Regel immer zur gleichen Uhrzeit geöffnet (http://www.augsburgwiki.de/index.php/AugsburgWiki/RitualeAufDemChristkindlesmarktAugsburg).

Internetadventskalender

Zur Vorweihnachtszeit gibt es jedoch nicht nur die traditionellen Kalenderformen, sondern auch moderne Internetvarianten, die beispielsweise Rabatte, Geschenke oder Gewinnspiele hinter ihren Türchen verstecken. Die täglichen Überraschungen können je nach Anbieter variieren. So bietet dann z. B. das Versandhaus Amazon täglich eine bestimmte Auswahl an Produkten zu einem reduzierten Preis oder das Internetportal CHIP Online freie Software-Downloads als Vollversionen zum Herunterladen an (http://www.absatzwirtschaft.de/content/communication/news/die-schoensten-internetadventskalender;78666).

Osterkalender

Eine Abwandlung des Adventskalenders findet man in modernen Osterkalendern. Diese sind von den Süßwarenherstellern ebenfalls als Schokoladenvariante konzipiert und sollen die noch verbleibenden Tage bis Ostern anzeigen. Dass Christen dieser Variante kritisch gegenüberstehen, zeigt der Blogeintrag von Andreas Scherbaum. Dieser beschreibt, dass die Anzahl der Türchen, bei ihm 21, scheinbar willkürlich ausgewählt wurden. Passender wären seiner Meinung nach, wenn überhaupt, 40 Türchen für die 40 Fastentage vor Ostern. Außerdem würde ein solcher Kalender dem Verzichtsgedanken der Fastenzeit widersprechen (http://andreas.scherbaum.la/blog/archives/535-Der-Osterkalender-ein-fehlerhaftes-Produkt.html).

Adventskalender in deutschsprachigen Nachbarländern

Nach der relativ schnellen Verbreitung der Adventskalender in Deutschland, traten nach dem ersten Weltkrieg auch in deutschsprachigen Nachbarländern Adventskalender auf. Nachdem diese zunächst von Verwandten aus Deutschland in die Schweiz und nach Österreich versandt wurden, belieferten schon bald auch deutsche Verlage (Reichold & Lang, St.-Johannis-Durckerei) die Nachbarländer (Peschel, 2009, S. 91).

Österreich

In Österreich wurden ebenfalls die Kalender als Adventskalender bezeichnet und diese waren noch lange religionspädagogisch ausgerichtet. In den 1930er-Jahren gab es eine Vielzahl von Anleitungen für Bastelkalender, wie beispielsweiße eine für ein Adventshaus oder für Adventsuhren. Ab Mitte der 1960er Jahre begann die Künstlerin Renate Schwarzer für den Veritas Verlag in Linz, der religiös orientiert war, zu arbeiten. Aus dieser Zusammenarbeit entstand 1968 Das Adventsschiff, das für Schulkinder erstellt wurde und hinter dessen Türchen biblische Figuren wie z. B. Moses versteckt waren. Des Weiteren entwarf Renate Schwarzer für den Verlag Stadtkalender wie z. B. den Linzer, Salzburger oder Wiener Adventskalender. Im Verlag W. Schwarz Wien und ab 1955 im Wiener Bilderbuchverlag Ottokar Moraveckamen kamen dann eher weltliche Adventskalender heraus. Die Motive waren hier neben dem Christkind und Engeln u. a. auch Christkindlmarkt, die Weihnachtsbäckerei oder auch St. Nikolaus. Ab Mitte der 1950er-Jahre bis ca. 1963 brachte schließlich die österreichische Strumpf- und Wäschefabrik Palmers seine ersten Werbekalender heraus. Daraufhin erschienen in den 1990er-Jahren Schokoladenkalender, die von der Wiener Firma Czapp & Co herausgegeben wurden. Heutzutage erfreuen sich Schokoladenkalender in Österreich immer noch großer Beliebtheit, allerdings stammen diese nun von international dominierenden Schokoladenfirmen (Peschel, 2009, S. 91-93).

Schweiz

Zunächst verbreiteten sich die Adventskalender in der Schweiz nur im deutschsprachigen Teil, was sich aber in den 1930er-Jahren änderte, weil dann die ersten Kalender in Zürich und Basel erschienen. Nach dem Kriegsbeginn in Deutschland wurde die Herstellung deutscher Adventskalender eingestellt. Dies hatte zur Folge, dass die Produktion schweizerischer Adventskalender einen enormen Aufschwung nahm, da die nun fehlenden deutschen Importe auf dem schweizerischen Markt ausgeglichen werden mussten. Jedoch kann man eine allgemeine Verbreitung von Adventskalendern erst in den 1950er-Jahren datieren. Zwischen den zwei Weltkriegen gab es allerdings schon Anleitungen für selbstgebastelte Adventskalender, die vor allem in Schulen und Kindergärten genutzt wurden. Als Werbemittel wurde der Adventskalender dann ab den 1950er-Jahren eingesetzt wie beispielsweiße für Kaffee. In der Schweiz erschienen dann auch Schokoladenadventskalender wie z. B. von den Herstellern Tobler (Bern) und Maestrani (St. Gallen). Zudem gab es seit Ende der 1980er-Jahre auch Kalender die eher für Erwachsene gedacht waren, die der Züricher Sanssouci Verlag herausgab (Peschel, 2009, S. 95).

Erfahrungen unterschiedlicher Generationen

Adventskalender in meiner Kindheit? Daran könnte ich mich nicht erinnern. Es herrschte Krieg und deshalb gab es so etwas wohl nicht. Das Strohstecken oder die Strichkalender kenne ich nicht, denn wir haben die Tage bis Weihnachten lediglich im Kopf gezählt. Erst als ich selbst ein Kind hatte, kaufte ich diesem einen Adventskalender mit Bildern oder mit Schokoladenfüllung. Für mich selbst habe ich allerdings nie einen gekauft, da ich kein Bedürfnis danach hatte. (Erika R., 82 J.)

„Als Kind hatte ich immer einen aufstellbaren Adventskalender mit Bildchen, der mit viel Glitzer verziert war. Außerdem gab es bei mir auch eine Adventsschnur, an der Säckchen hingen, in denen kleine Spielsachen oder Süßigkeiten versteckt waren. Das Legen der Strohhalme in die Krippe, als Zeichen für gute Taten, kenne ich auch noch aus meiner Kindheit. Eine ähnliche Variante gab es bei uns auch in der Fastenzeit, bei der ein Weg gemalt wurde und auf den für gute Taten jeweils eine Blume und für schlechte Taten jeweils ein Stein gelegt wurde.“ (Birgitta S., 57 J.)

„Als Kind hatte ich verschiedene Arten von Adventskalendern: manchmal nur mit Bildern, ab und zu ganz einfache mit Schokolade drin oder alle paar Jahre von meiner Mutter gefüllte Jute-Schuhe, die an einer Schnur aufgefädelt waren. Der beste Adventskalender, den ich in meiner Kindheit je bekommen habe, war aber eine Stadt aus 24 kleinen, individuellen Pappe-Häuschen, die zusammen eine Stadt formten – über den würde ich mich heute noch freuen. Obwohl ich jetzt 24 bin, habe ich mir noch nie selbst einen Adventskalender gekauft, denn entweder meine Mutter oder meine beste Freundin kommen mir zuvor. Dass ich und meine beste Freundin uns gegenseitig selbst gebastelte Adventskalender schenken, hat sich deshalb schon fast zu einer Tradition entwickelt.“ (Franziska H., 24 J.)

Ölreste in Schokoladenadventskalendern

In der Adventszeit 2012 ergaben Untersuchungen, dass in zahlreichen industriell gefertigten Schokoladenadventskalendern Mineralölreste enthalten waren. In den 24 getesteten Kalendern der Stiftung Warentest wurden Rückstände aufgefunden, wobei in neun Fällen die Belastung so hoch war, dass Kinder vor dem Verzehr gewarnt wurden. Als Ursache wurde die Farbe der recycelten Altpapierverpackungen vermutet. Der Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie kritisierte daraufhin Stiftung Warentest, da diese, laut des Verbandes, auf keine geeigneten analytischen Verfahren zurückgreifen könnten, die verlässliche Aussagen über Mineralölbestandteile machen können. Die Belastung betrafen nicht nur billige, sondern insbesondere teure Adventskalender. Welche gesundheitsschädlichen Folgen die Aufnahme solcher Mineralöle haben, war derzeit noch zu wenig erforscht. Bereits erworbene Adventskalender konnten von den Verbrauchern gegen Gelderstattung zurückgebracht werden. Welche Kalender betroffen waren, konnte man beispielsweiße auf der Webseite der Stiftung Warentest nachlesen (http://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Oelreste-in-Adventskalendern-Kritik-an-Stiftung-Warentest-id22913716.html).

Quellen

Gewährspersonen

  • Erika R., 82 J.
  • Birgitta S., 57 J.
  • Franziska H., 24 J.

Weblinks

Belege, Literatur

  • Gajek, Esther: Adventskalender. von den Anfängen bis zur Gegenwart. München circa 1992, S. 9-21.
  • Peschel, Tina: Zur Geschichte der Adventskalender in Peschel Tina: Adventskalender. Geschichte und Geschichten aus 100 Jahren. Begleitband und Katalog zur Ausstellung des Museums Europäischer Kulturen - Staatliche Museen zu Berlin. Husum 2009, S. 9-114.
  • Becker-Huberti, Manfred: Das Brauchtum im Kirchenjahr. Entstehung, Bedeutung, Tradition. Leipzig 2009, S. 13.

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