Einführungsinfos

Die Oberpfälzer Zoiglkultur ist eine im 15. Jahrhundert begründete Brau- und Wirtshaustradition. Sie zeichnet sich durch das gemeinschaftliche Brauen in Kommunbrauhäusern und den temporären Ausschank des ungefilterten, untergärigen Zoiglbieres in wechselnden privaten Wohnstuben (den Zoiglstuben) aus. Seit 2018 ist sie als Immaterielles Kulturerbe in Deutschland anerkannt.
Geschichte
Die Zoiglkultur ist in der Oberpfalz seit dem 15. Jahrhundert belegt. Heute wird sie noch in fünf Ortschaften gelebt: in Neuhaus (seit 1415), in Windischeschenbach (seit 1455), in Falkenberg (seit 1467), in Eslarn (seit 1522) und in Mitterteich (seit 1516). Sie ist ein letzter Überrest des im späten Mittelalter in ganz Süddeutschland verbreiteten Kommunbrauwesens. Hierbei war es für Bürger, die das Braurecht hatten, möglich, in einem von der Gemeinde eingerichteten Brauhaus selbst Bier zu brauen. Mit der Brauchlizenz war früher auch die Erlaubnis, Bier auszuschenken, verbunden. Also wurden damals die Wohnzimmer der Brauer reihum für ein paar Wochen zur Gaststube, oder „Zoiglstube“, erkennbar durch einen Zoiglstern, einen Reisigbesen oder einen Fichtenbuschen auf einem Schild vor der Tür. Daher stammt auch der Begriff für das dazugehörige Bier: „Zoigl“ ist abgeleitet vom niederbayerischen Wort für Zeigen.
Seit den 1970er Jahren erlebt die Zoiglkultur eine Art Renaissance. Mittlerweile gehören zu den Zoiglgästen auch zunehmend Auswärtige, die den Zoigl als nachhaltige und regionale Spezialität wahrnehmen.
Durchführung heute
Noch heute sind das gemeinschaftliche Brauen und der Ausschank des Zoiglbieres, mit dem verschiedene Rituale zusammenhängen, zentrale Bestandteile der Kultur. Mit dem Brauprozess und den Zoiglstuben sind beispielsweise bestimmte Bräuche und Lieder, aber auch kommunalpolitische Diskussionen, eng verbunden. Das Bier selbst wird noch immer in den historischen Kommunbrauhäusern, mit in der Regel vorindustriellen Gerätschaften wie offenen Sudpfannen, gebraut. Das so erzeugte Bier ist untergärig und geschmacklich sehr vielfältig.
Das Wissen über den Brauprozess wird vor Ort meist mündlich tradiert. Nach der Gärung wird das Bier in den Zoiglstuben ausgeschenkt, oft auch mit einer kleinen Brotzeit. Noch immer zeigt ein Zoiglstern vor der Haustür an, wo es aktuell Bier gibt. Ein gemeinsamer Zoiglkalender, der mittlerweile auch als App erhältlich ist, gibt einen Überblick über die verschiedenen Zoiglstuben.
Weblinks
- https://www.unesco.de/staette/oberpfaelzer-zoiglkultur/
- https://www.ike.bayern.de/verzeichnis/000239/index.html
- https://www.bayerisches-bier.de/bier-wissen/zoigl-tradition-in-der-oberpfalz/
Bilderlinks
- https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Falkenberg-Brauhaus.jpg (User: Walter J. Pilsak, 2005)