Termin

Der nächste Memminger Fischertag findet am 24.07.2027 statt.
Einstiegsinformation
Der Fischertag Memmingen ist ein historisches Heimatfest im Juli. Rund 1.200 Menschen springen dort in den Stadtbach, um mit einem großen Kescher („Bär“) eine Forelle zu fangen. Wer die schwerste Forelle an Land zieht, wird zum Fischerkönig gekrönt. Im Jahr 2024 wurde das Fest in das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Geschichte
Das Spektakel geht auf die frühneuzeitliche Bachreinigung zurück. Schon vor Hunderten von Jahren floss der Stadtbach als künstlicher Wasserkanal durch Memmingen und wurde für viele Zwecke genutzt. Einmal pro Jahr musste er allerdings gereinigt werden. In ihm lebten viele Forellen. Um diese bei der Reinigung nicht zu verschwenden, fischte man sie heraus, bevor man das Wasser abließ, und verarbeitete sie anschließend. Diese Tradition lässt sich bis ins Jahr 1597 zurückverfolgen und hat sich bis heute gehalten.
Um 1900 wurde das Fest neu organisiert, im Jahr 1900 dann der Fischertagsverein gegründet, der seither den Fischertag veranstaltet.

Seit 1980 wird außerdem alle vier Jahre zusätzlich zum regulären Fischertag das Wallensteinspiel veranstaltet, in dem der Beweggrund und die historischen Hintergründe des Festes dargestellt werden.
Frauen dürfen seit 2022 beim Fischertag mitmachen. Damals war Christiane Renz die Erste, die gemeinsam mit den Männern in den Bach sprang, nachdem sie sich das Recht dazu vor Gericht erstritten hatte.
Ablauf

Am Fischertagsvorabend um 18:00 Uhr wird auf dem Marktplatz durch den Büttel, die Stadtgarde und die Fischergruppe der Fischertag ausgerufen. Anschließend wird bis in die frühen Morgenstunden in den Gaststätten der Stadt gefeiert, während der Nachtwächter mit seinen Scharfknechten auf dem historischen Nachtwächterzug durch die Altstadt geht.
Am Samstagmorgen zieht der Fischerzug um kurz nach 07:00 Uhr begleitet von zahlreichen Kapellen über die Zangmeisterstraße, den Marktplatz und die Kramerstraße zum Schrannenplatz. Dort wird um 07:30 Uhr vom Oberfischer der Fischerspruch verlesen. Dabei steht dieser vor dem Gasthaus Löwen auf einem großen Holzfass. Im Spruch bezieht er sich auf die wichtigsten Ereignisse in der Stadt im vergangenen Jahr. Etwa 20 Minuten später wird der Fischerspruch mit einem dreifachen „Hö!“ beendet.
Um 08:00 Uhr „jucken“ (springen) dann etwa 1.200 Memminger Frauen und Männer in den Stadtbach. Ihr geteiltes Ziel ist es, mit einem sogenannten „Bären“ (einem großen Kescher) die schwerste Forelle zu fangen. Der, dem es gelingt, wird noch am selben Tag zum Fischerkönig gekrönt. Alle Teilnehmenden müssen im Besitz des staatlichen Fischereischeins sein oder den vereinsinternen Fischerkurs besucht haben und sich beim Fischen waidgerecht verhalten. Auf letzteres achten die Bachaufsichten gemeinsam mit den Amtstierärzten.
Um 10:00 Uhr wird beim Krönungsfrühschoppen der neue Fischerkönig gekrönt, nachdem sein Vorgänger mit einem Rettich, einem Laib Brot, einem Riesenschübling (eine dicke Wurst) und einer Maß Bier durch einen Tritt in den Hintern entthront wurde. Im Anschluss wird der neue Fischerkönig von Fischergruppe und Stadtgarde auf die Bühne getragen, wo er den Birkenthron besteigt. Währenddessen, wie schon den restlichen Tag über, wird der Schmotzmarsch, also das traditionelle Fischertagslied, von den Kapellen gespielt. Der Text lautet: „Schmotz, schmotz, Dreck auf Dreck, Schellakönig, wüaschte Sau!“.

Danach gibt es Darbietungen verschiedener städtischer Gruppen.

Am selben Tag wird um 18:00 Uhr bei einem Festumzug mit zahlreichen Kapellen und Gruppen des Fischertagsvereins der neue Fischerkönig präsentiert. Anschließend findet zu Ehren des Fischerkönigs der Fischerabend mit gemeinsamem Essen, Darbietungen, Musik und Tanz statt.
Kritik
In den letzten Jahren wurde der Fischertag immer wieder von Tierschutzorganisationen, allen voran Peta, kritisiert. 2026 protestierten sogar neun im Bach stehende Personen friedlich gegen das Spektakel, das aus Sicht der Tierrechtsorganisationen Tierquälerei ist – vor allem, weil auch Forellen im Vorhinein in den Bach eingesetzt und während des Fangens zertrampelt würden. Peta-Vertreterin Lisa Klan schlug als Lösung das Verwenden von „Fischfigürchen“ im Bach vor. Ihre Idee hat bisher allerdings nicht viel Anklang gefunden.
Weblinks
- https://www.tourismus-memmingen.de/detail/mmaddresstourismus/fischertag.html
- https://www.fischertagsverein.de/der-verein/geschichte/
- https://www.br.de/nachrichten/bayern/pure-leidenschaft-tausende-beim-fischertag-in-memmingen,VQOsMmr
- https://www.stern.de/gesellschaft/streit-um-tradition-in-bayern–memminger-fischertage-mit-einer-frau-33662296.html
- https://oberallgaeu.info/veranstaltungen-im-oberallgäu/fischertag-memmingen-2026