Laudenbacher Osternachtsingen

Termin

Das Laudenbacher Osternachtsingen findet jährlich in den Nächten von Karfreitag auf Karsamstag und Karsamstag auf Ostersonntag statt. Die nächsten Termine sind also der 26.-28.03.2027.

Einstiegsinfo

Das Laudenbacher Osternachtsingen ist ein alter Brauch in Laudenbach im Landkreis Miltenberg, bei dem junge, unverheiratete Männer in den Nächten von Karfreitag auf Karsamstag und von Karsamstag auf Ostersonntag durch das Dorf ziehen, um mit dreistimmigem Gesang und hölzernen „Raspeln“ (Ratschen) die Passions- und Osterbotschaft zu verkünden. Es ist seit 2020 als bayerisches immaterielles Kulturerbe anerkannt.

Geschichte

Der genaue Ursprung des Laudenbacher Osternachtsingens ist bislang unbekannt, es ist allerdings eine der letzten Erscheinungsformen eines ehemals weit verbreiteten Brauches.  Laut eines Schreibens aus dem Jahr 1908 war es schon damals üblich, dass in der Karwoche Sonntagsschüler das morgendliche Ave mit kräftigem Klappern an bestimmten Stellen im Dorf singend verkündeten. Einer Quelle zufolge lässt sich das Osternachtsingen in Laudenbach allerdings sogar bis ins Jahr 1885 zurückverfolgen.

1908 wurden hierzu folgende Verse verwendet:

a) am Karfreitag-Morgen

1. Gratia plena! Christus am Kreuz, Johannes daneben, Die Engel da schweben

2. Sie kommen vors Grab. Das Grab war verschlossen. Der Himmel steht offen

In Ewigkeit, in Ewigkeit.

b) Am Karsamstag-Morgen

1. Erstanden ist Herr Jesu Christ Der aller Welt Erlöser ist Alleluja, Alleluja

2. Christ ist erstanden Von seinen Marterbanden Alleluja, Alleluja…“

Die damals gesungenen Verse sind den heutigen schon recht ähnlich.

In seiner Geschichte musste das Laudenbacher Osternachtsingen erst dreimal ausfallen: 1945 aufgrund des Krieges und der amerikanischen Besatzung sowie 2020 und 2021 wegen der Corona-Pandemie.

Ablauf

In den Nächten von Karfreitag auf Karsamstag und Karsamstag auf Karsonntag ziehen etwa zwölf bis sechzehn ledige Männer im Alter von sechzehn bis dreißig Jahren als Gruppe durch das Dorf. Vor jedem Haus bleiben sie stehen, um dreistimmig singend und unter dem Geräusch von hölzernen „Raspeln“ (Ratschen) die Passionsgeschichte und die Osterbotschaft zu verkünden.

In der ersten Nacht besingen sie das Leiden und die Kreuzigung Jesu, in der zweiten Nacht verkünden sie die Auferstehung.

Die „Raspeln“

Ratschen, in Laudenbach als „Raspeln“ bezeichnet, sind hölzerne Lärminstrumente, die beim Osternachtsingen verwendet werden. Ein elastisches Holzblatt schlägt bei einer Drehbewegung über ein gezahntes Zahnrad, was ein lautes, ratterndes Geräusch erzeugt. Die Sänger nutzen die Raspeln, um in den dunklen Nächten vor den Häusern lautstark auf sich aufmerksam zu machen, bevor sie mit ihrem Gesang beginnen.

Da in der Karwoche ab Gründonnerstag die Kirchenglocken schweigen (im Volksmund „nach Rom geflogen sind“), ersetzen die hölzernen Ratschen den akustischen Ruf der Glocken.

Weblinks

  • https://www.ike.bayern.de/verzeichnis/000338/index.html
  • https://www.br.de/radio/br-heimat/sendungen/zwoelfuhrlaeuten/ostern-glocken-ratschen-kartage-100.html

Geschichte des Osternachtsingens