Termin
Der Termin ist von Ort zu Ort unterschiedlich, liegt jedoch in der Regel im Juni oder Juli. In Kasendorf und Thurnau wird das Fest am 1. oder 2. Dienstag im Juli gefeiert, in Schnabelwaid und Creußen am letzten Wochenende vor den Sommerferien, in Kulmbach an einem Samstag im Juli und in Pegnitz am 3. Dienstag nach Pfingsten. Früher wurde das Fest immer am 12.03. gefeiert.
Einstiegsinfo
Das Gregoriusfest, auch „Gregori“ genannt, ist ein Schul- und Kinderfest mit einer über 1.000 Jahre alten Tradition, das auf Papst Gregor IV. sowie Papst Gregor I., den Schutzpatron der Schülerinnen und Schüler, zurückzuführen ist. Ursprünglich wurde es im gesamten deutschsprachigen Raum gefeiert, auch in Österreich, der Schweiz und Belgien, heute allerdings nur noch in einigen Orten Oberfrankens.
Seit 2020 ist es Teil des Immateriellen Kulturerbes Bayern.
Geschichte

Als Gründer des Kinderfestes gilt Papst Gregor IV. (Papst von 827-844). Dieser wollte den bedeutenden Papst Gregor I. (um 540 geboren, Papst von 590-604) ehren, sodass er das Fest auf den 12. März, dessen Todestag, legte. Papst Gregor I., auch der „Kinderbischof“ genannt, legte zeitlebens großen Wert auf eine solide schulische Bildung für die Jugend, weshalb er einige Klosterschulen gründete und nach seinem Tod zum Schutzpatron der Kinder und Jugendlichen erklärt wurde.
Im Jahr 830 ließ Papst Gregor IV. die Gebeine des „Kinderbischofs“ von der Vorhalle ins Innere des Petersdoms überführen und ordnete dazu wohl die erste Kinderprozession an.

Später wurde mit dem Gregoriusfest der Abschluss des Schuljahres gefeiert, welches damals noch an Ostern zu Ende war. Als Belohnung für das abgeschlossene Schuljahr bekamen die Kinder Brezeln und Süßgebäck. Am Anfang des Festes stand immer ein Gottesdienst. Von der Kirche aus bewegten sie sich in einem feierlichen Zug zum Festplatz, wo dann gefeiert wurde. Im Zentrum stand dabei bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts ein von einem der Schüler gespielter Bischof, begleitet von zwei Kaplänen, die die Prozession zur Kirche und später zum Festplatz anführten.
Später wurde das Schuljahresende und damit auch das Gregoriusfest auf den Sommer verlegt.
Nachdem Martin Luther und seine Zeitgenossen im Gregoriusfest mehr eine harmlose Spielerei und weniger echte Heiligenverehrung sahen, blieb das Fest auch in protestantischen Regionen erhalten. Mittlerweile wird es nur noch in diesen begangen.
Typisch für das Gregoriusfest waren „eine glanzvolle Ausstattung, viel Lärm und äußeres Gepränge“ (Das Gregoriusfest, ein altes Schulfest. www.landschaftsmuseum.de www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Gregoriusfest.htm), weshalb der Brauch auch Kritik auf sich zog. 1728 befahl sogar die markgräfliche Regierung die Abschaffung, „wegen allerhand Üppigkeiten und Insolentien, welche der Jugend mehr schädlich als nützlich sind“ (Das Gregoriusfest, ein altes Schulfest. www.landschaftsmuseum.de www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Gregoriusfest.htm). Diese strenge Regelung wurde jedoch bald rückgängig gemacht, indem man anordnete, „dass böse, durchaus unverbesserliche Kinder, [sic] von dem ganzen Fest ausgeschlossen werden müssen; die fleißigsten und vorzüglichsten aber sind den ganzen Tag in den ersten Reichen zu postieren.“ (Das Gregoriusfest, ein altes Schulfest. www.landschaftsmuseum.de www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Gregoriusfest.htm).

Im Laufe der Zeit verlor das Fest seinen kirchlichen Charakter. Der Kinderbischof wurde durch eine weltliche Person des öffentlichen Lebens ersetzt und vielerorts fanden militärische Knabenaufzüge mit Holzgewehren und Armbrüsten statt.
Während des Nationalsozialismus wurde das Gregoriusfest wie viele andere Bräuche politisch instrumentalisiert. Ab 1933 galt die gleiche Kleiderordnung wie die der nationalsozialistischen Jugendbewegung und die Kinder trugen Hakenkreuzfahnen. Begleitet wurde der Zug von Musikgruppen wie den SA- und SS-Standartenkapellen oder der Stahlhelmkapelle. Der Ausbruch des 2. Weltkriegs beendete das Stattfinden des Gregoriusfestes.

1949 wurde es in Kulmbach, Thurnau und Pegnitz wieder aufgenommen. Bis in die 1970er Jahre herrschte noch eine strenge Kleiderordnung, laut der Mädchen weiße Kleider und Jungen weiße Hemden zu tragen hatten.
Ablauf
Bis heute ist zentraler Bestandteil des Gregoriusfestes der Umzug der festlich gekleideten Schulkinder, der von einer Kapelle und Honoratioren begleitet wird. Sie tragen weiß-blaue Fahnen, dekorierte Klassenschilder sowie Blumenbögen,-kränze und -sträuße. Auf der Festwiese werden Aufführungen der Kinder und traditionelle Spiele abgehalten. Außerdem bekommen die Kinder in der Regel Gebäck und/oder Süßigkeiten.
Außerdem werden um 6, um 9, um 11 und um 13 Uhr Böller geschossen, die signalisieren, dass das Gregoriusfest stattfinden kann.
Weblinks
- https://www.ike.bayern.de/verzeichnis/000336/index.html
- https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-CMS-0000000000008864
- https://www.pegnitz.de/leben-in-pegnitz/kultur/brauchtum/gregori.html
- www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Gregoriusfest.htm
Bildlinks
- https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Registrum_gregorii,_san_gregorio_magno_ispirato_dalla_colomba,_983_miniatura,_treviri_stadtbiblithek,_19,8x27_cm.jpg
- https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gregory-IV_Raban-Maur.jpg
- https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gregoriusfest_Coburg_1845.jpg
- https://commons.wikimedia.org/wiki/File:AK_-_Coburg_-_Gregoriusfest_-_1903.jpg