Weihnachtskrippe in Regensburg

Termin

Krippendarstellung der Heiligen Nacht.
Das Kulissenbild der Heiligen Nacht ist vom 24. Dezember bis etwa 4. Januar und die Anbetung der Hl. Drei Könige etwa zwischen dem 4. Januar und dem 23. Januar zu sehen.

Einstiegsinformation

In der katholischen Kirche St. Wolfgang wird eine Krippe zur Weihnachtszeit aufgebaut. Kirchengänger und Besucher können sich diese ab dem Heiligen Abend anschauen. Der Aufbau der Krippe unterliegt seit über 25 Jahren der Verantwortung von Erhard Löffler. Herr Löffler hat über die Jahre verschiedene Krippendarstellungen inszeniert. Er baut und gestaltet das Krippengerüst mit dazugehörigen Details selber. Dabei verwendet er unterschiedliche Materialen, zum Teil aus eigenem Besitz, und Krippenfiguren aus dem Eigentum der Pfarrei. Es handelt sich um höchst individuelle Krippenarrangements und Krippengerüste, die in der Regel von Jahr zu Jahr wechseln. Nach dem Neujahr wird die Krippe umgebaut und erhält ein anderes Kulissenbild.

Ablauf

Wann ist die Krippe zu sehen?

Offiziell kann die Krippe am 24. Dezember in der Kirche betrachtet werden. Bis zur dritten Januarwoche im neuen Jahr ist diese aufgebaut, danach findet der Abbau der Krippe statt. Das Kulissenbild der Heiligen Nacht ist vom 24. Dezember bis zum ca. 4. Januar und die Anbetung der Hl. Drei Könige vom ca. 4. Januar bis zum ca. 23. Januar zu sehen.

Wo ist die Krippe zu sehen?

Zu sehen ist die Weihnachtskrippe in der Kirche St. Wolfgang, Bischof-Wittmann-Str. 24 b, Kumpfmühl. Die Krippe befindet sich in der Vorhalle der Niederkirche. Vom Eingang aus gesehen ist der Platz der Krippe auf der rechten Seite an der nördlichen Rückwand bei der zweiten Tür. Direkt daneben befinden sich zwei Objekte, ein Becken mit Taufwasser und ein Beichtstuhl. Gesichert durch ein Glas mit einer Höhe von 50 cm und einer Breite von 70 cm kann man die Krippe dort sehen. Da die Krippe in eine Tür eingebaut ist, ist sie ab einer Höhe von ca. einem halben Meter zu betrachten. Für Kinder gibt es einen kleinen Hocker.

Empirische Dokumentation

Mit der Methodik der teilnehmenden Beobachtung wurde primär die Arbeit des Krippenbauers Erhard Löffler beobachtet. Durch geführte Interviews wird zudem die individuelle Bedeutung der Krippe beschrieben. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wird die Krippe im Laufe des Dezembers errichtet. An jeweils vier Terminen im Jahr 2012 mit einer jeweiligen Aufbaudauer von ca. 2 Stunden wurde die Krippe aufgebaut. An einem weiteren Termin in der ersten Januarwoche 2013 wurde die Krippe in ca. 2 Stunden umgebaut. In der vorletzten Januarwoche im Jahr 2013 wurde die Krippe abgebaut.

Wie sah die Weihnachtskrippe in der Kirche aus?

Skizze der Krippe.
Die Krippe setzt sich aus folgenden zentralen Bestandteilen zusammen: der Krippenlandschaft, dem Krippenprospekt, also dem Hintergrundbild, dem Gebäude und dem anliegenden Krippenstall, den Krippenfiguren und den Finimenti, welche Zubehörteile einer dekorativen Ausstattung sind. Die Maße der Krippe sind in etwa 80(B) x 60(H) x 80(T). In der Kulisse der Krippe ist die Größenproportion sehr genau auf die Krippenfiguren abgestimmt. Der Schauplatz des Geschehens ist szenisch abwechslungsreich aufgebaut. Dargestellt ist zunächst die biblische Schilderung der Heiligen Nacht. Die Landschaft besteht aus hohen, aneinandergereihten, stumpfen grauen Steinfelsen auf der linken Seite. Wurzelstöcke, knorrige Äste sowie blühende Äste, ein wenig Moos und Schottersteine verleihen der Kulisse ein natürliches Landschaftsbild. Der Boden ist naturbelassen, grünlich und mit kleineren Steinchen wie auch größeren Felsbrocken versehen. Ferner gibt es einen Weg, der weiter nach hinten in die Landschaft führt. Gesäumt ist auch hier der fruchtbare Boden von Wurzeln und Astverzweigungen. Das Krippenprospekt im Hintergrund verweist auf den Einbruch der Dunkelheit. Ein dunkelblauer Himmel erstreckt sich über das Land. Die Hausmauern auf der linken Seite der Landschaft und angrenzende Gebäude stehen aufgrund ihres Alters nicht mehr gerade, sondern sind leicht nach innen geneigt. Die ehemals antikweiße Farbe der Mauer hat bereits grau-braune Stellen der Verwitterung durch Wind und Wetter. Im Vordergrund gibt es zwei Wandteile der Hausmauer, die im rechten Winkel angeordnet sind. Offene Steinmauerstellen in zum Teil rötlichen oder grauen Tönen lassen erahnen, dass hier der Putz bereits abgefallen ist. Bei frontalem Blick auf die Krippe sieht man oberhalb der Hauswand eine hölzerne Veranda, die durch zwei Türen betreten werden kann. Ein Holzgeländer hält vom Sturz ab und oben schützen aufeinandergelegte Holzdielen vor Regen. Auf der Veranda selbst finden sich charakteristische Gegenstände wieder. Die Finimenti sind zusammengesteckte Strohbesen, ein altes Kutschenrad und ein Sack, der vermutlich mit Getreide gefüllt ist. Auf der rechten Seite der Hausmauer gibt es eine Holztür, eingefasst in einem hübschen Steinbogen. An diese Tür ist eine große Holzleiter angelehnt und auf dem Boden liegt ein Strohsack. In der Mitte der Kulisse befindet sich ein Torbogen. Der dadurch vorhandene Durchgang lässt freie Sicht auf das Geschehen im Hintergrund zu. Eine steinige Treppe mit Holzgeländer führt neben dem Bogen hinauf. Im Hintergrund ist noch eine weitere Hausmauer zu sehen, darin verankert ist auf der rechten Seite eine Tür aus dunklem Holz. Auf der linken Seite befinden sich übereinander gereihte kleine Steine als Mauervorsprung, die vermutlich die Abgrenzung des Eigentums bilden.
Grundriss der St. Wolfgang Kirche.
Der Krippenstall befindet sich vor einem gepflasterten Hauseingang auf der rechten Seite. Die ersten Krippenfiguren aus Holz, Maria, Josef und das Jesuskind, sind dort zusammen platziert. Maria sitzt links neben dem Jesuskind. Sie ist einfach gekleidet und trägt einen dunkelvioletten langen Rock und eine schwarze Weste mit violetter, gelber und blauer Musterung. Darüber hinaus trägt sie am Oberkörper ein Tuch, ganz in Weiß. Lange, weiße Ärmel lassen sie nicht frieren. Die blonden Haare sind fein zurückgesteckt und sie trägt keine Kopfbedeckung. Maria schaut auf ihr Kind hinunter und berührt es mit der linken Hand. Josef steht rechts neben ihr, die Hand behutsam auf die Schulter Marias gelegt, sein Blick ist ganz auf sie gerichtet. Er trägt einen weiten dunkelbraunen Umhang sowie ein grünes Hemd, das einen grauen Kragen und Ärmel hat. Das Jesuskind in der Mitte der beiden liegt in einer Krippe, umhüllt von einem weißen Tuch. Nur das Köpfchen und ein kleines Händchen sind zu sehen. Weitere Krippenfiguren, ebenfalls aus Holz geschnitzt, sind die drei Hirten, die vor Maria, Josef und dem Kind aufgestellt sind. Der Vordere kniet und hat die Hände zum Gebet gefaltet. Er trägt eine schwarze Hose und eine graue Hirtenjacke. Zwei weitere Hirten stehen leicht versetzt hinter dem knienden Hirten. Beide sind mit Hose und Jacke bekleidet, der eine im dunkelroten Mantel mit Hut, der andere in einem dunkelgrau-grünlichen Mantel mit Hirtenflöte. Vor dem Jesuskind liegen bereits erste, von den Hirten mitgebrachte, Gaben. Es gibt einen Krug und einen reichlich mit Gemüse und Obst gefüllten Korb. Zusätzliche Krippenfiguren aus Holz finden sich in der Umgebung wieder. Zu diesen gehören ein schwarzes Schaf sowie fünf weiße, welche von einem weiteren Hirten durch den Torbogen geführt werden. Zwei weitere Schafe, die Köpfe zum Fressen geneigt, stehen noch vor den drei Hirten. Ein Esel steht auf der linken Seite in der Kulisse neben den Felsvorsprüngen. Auf der Steintreppe steht noch ein kleiner Hirtenjunge, der voller Freude seine rechte Hand zum Jesuskind hinstreckt. Anfang Januar verändert sich das Krippenbild. Unverändert bleiben die Krippenlandschaft, das Krippenprospekt, der Krippenstall und die angrenzenden Gebäude. Maria, Josef, das Jesuskind, der Esel und der junge Bursche auf der Steintreppe bleiben als Krippenfiguren ebenfalls unverändert bestehen. Jedoch findet ein Austausch der anderen Figuren und zum Teil der Finimenti statt. Nachfolgend wird das zweite Kulissenbild beschrieben, das die Anbetung der Heiligen Drei Könige zeigt. Drei Könige sind vor dem Jesuskind versammelt. Dabei fallen kräftige Farben und mit gold- und silberbestickte Kleidung ins Auge. Auf einem großen roten Samtteppich sind die Finimenti ausgelegt. Der Teppich ist geschmückt mit kostbaren Gold- und Silberstücken - weitere Gaben für das Kind. Der vorderste König kniet und hält dem Kind eine goldene Truhe hin, er trägt einen edlen purpurnen Umhang und eine Krone. Hinter ihm sind die beiden anderen Könige zu erkennen. Der eine, ein schwarzer König, ist ebenso aufwendig gekleidet in den Farben Grün und Blau, der andere König in Rot und Purpur. Beide halten goldene Kelche. Der rote Samtteppich wird links neben den Königen von einem kleinen schwarzen Jungen an einer Ecke festgehalten. Auch dieser trägt auffällige Kleidung, eine rote Weste mit Bauchgürtel und gelben Ärmeln sowie eine grüne kurze Hose und feste rote Schuhe. Im Durchgangsbogen befindet sich ein Hirte. Er trägt ein langes hellblaues Gewand und hält in seiner Hand eine rote, zusammengerollte Decke, ein weiteres Geschenk für das Kind. Hinter ihm ist ein kleiner schwarzer Junge zu sehen, ebenfalls schick gekleidet in einer orangenfarbenen Hose und blauen Weste, die zusätzlich mit einem Goldfaden bestickt ist. In seiner linken Hand hält er einen Stock, an dem rot-schwarze Federn befestigt sind. Mit seiner rechten Hand führt er ein Kamel in Richtung der Heiligen Drei Könige.

Heimatliche Krippe und Neapolitanische Inspiration

Die Krippe, wie sie im Kapitel zuvor beschrieben wurde und im Jahr 2012/ 2013 zu sehen war, ist keinem eindeutigem Krippentypus zuzuordnen. Heimatliche Elemente der Krippe entstehen durch die Kleidung der vorhandenen Figuren. Vor allem bei Maria und den Hirten fällt die trachtenartige Kleidung auf. Die Kulisse wirkt eher südländisch. Ein Vorbild für die Gestaltung der Krippe findet sich in einem Krippenbuch wieder, das unter anderem italienische Krippen beinhaltet. Der Krippenbauer hat sich wohl einerseits von mediterranen Krippen inspirieren lassen. Andererseits spielt auch sein persönlicher Geschmack eine wichtige Rolle.

Kulisse, Komponenten, Krippenfiguren

Anbetung der Heiligen Drei Könige.
Die Kulisse und das Krippengerüst wurden von Herrn Löffler in den letzten Jahren angefertigt. Im Dezember 2013 nutzte er eine andere Krippe aus seinem Bestand für die Darstellung der Geburt Jesu. Aus verschiedenen Materialien, unter anderem Styropor, Holz, Leim, Nägel und Späne, baut Herr Löffler meist nach einer fotografischen Abbildung die Krippe nach seinem Geschmack nach. Um die Proportionen korrekt anzupassen, dient dem Krippenbauer als Maßstab die Figur des Josef. Die Landschaft und ihre dazugehörigen Bauten bestehen aus vielen Einzelteilen, die ohne Anleitung auswendig von Herrn Löffler zusammengesteckt und arrangiert werden. Das Besondere bei der Krippe ist, dass Herrn Löffler alles alleine fertigt und gestaltet. Hier können nur ein paar Bestandteile des Krippenbauens erwähnt werden, angefangen bei der grundsätzlichen Überlegung, wie die Krippe aussehen soll, weiter zu dem Bau einer Gerüstgrundlage, dann das Modellieren der Steine und Wege sowie die gesamte Festlegung eines Farb- und Lichtkonzeptes und schließlich die Konstellation einzelner Figuren. Herr Löffler agiert als Regisseur und bestimmt den Raum sowie die verschiedenen Krippenszenen. Wichtige Komponenten sind zahlreiche Einzelteile, die der Krippe eine detailreiche Ausschmückung verleihen. Zum einen zählt dazu das naturbelassene Streumaterial wie Moos und kleine Kieselsteinchen und auch echte Äste und Wurzeln, zum anderen die Finimenti, sogenannte Kleinteile, die in Miniaturausführung Alltagsgegenstände widerspiegeln. Das Moos ist frisch gesammelt und findet sich in kleinen Teilen, teils auch umgedreht mit der Erde nach oben, in der ganzen Kulisse wieder. Die Pflanzen, Äste und Wurzeln, zum Beispiel Hirschheiderich, Schlehe, Thymian und Goldrute, finden hier unter anderem ihre Verwendung. Unter den genannten Kleinteilen sind unter anderem unterschiedliche Gaben für das Jesuskind. In der Weihnachtskrippe 2012/Januar 2013 waren das Gemüse und Obst im Körbchen, Mehlsäcke, Schatullen voller Goldmünzen, ein goldener Kerzenständer mit Kerzen, eine Weihrauchkanne, ein Stoffballen, Krüge und Schalen. Diese Miniaturen sind ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil. Die Pfarrei St. Wolfgang besitzt ca. 15 handgeschnitzte und farbig gefasste Gliederfiguren aus Holz. Sie besitzen die Größe von ca. 24 cm. Ebenfalls aus Holz bestehend gibt es ca. 13 Schafe, zwei Kamele, einen Elefanten, einen Ochsen und einen Esel. Die Figuren und die Schafe wurden um 1940 vom ehemaligen Domhüttenbaumeister in Regensburg, Ludwig Zandt, gefertigt. Angekleidet wurden die Figuren von Centa Janker, wann genau dies geschah, ist nicht bekannt. Je nach Spezifik der Situation werden die Figuren für die Darstellung verwendet oder eben nicht. Ergänzend dazu gab es im Dezember 2012/Januar 2013 auch eine Figur aus dem persönlichen Bestand von Herrn Löffler zu sehen, der schwarze Junge mit der orangefarbenen Hose. Im Zusammenspiel mit Kulisse, den Komponenten und den Krippenfiguren gibt es auch wichtige Regeln für die Darstellung. Zum einen darf kein Schatten von anderen Figuren auf Maria, Josef oder das Jesuskind fallen. Darüber hinaus soll auch keine andere Figur den Blick auf die drei verdecken. Weiterhin ist es wichtig, dass Maria eine Verbindung zum Jesuskind hat, beispielsweise, indem eine Hand Marias das Tuch vom Jesuskind hält.

Privatvergnügen Krippenbauer: Hr. Löffler und seine Passion

Der verantwortliche Krippenbauer ist Erhard Löffler, der seit über 25 Jahren regelmäßig  nicht nur die Krippe in St. Wolfgang, sondern auch die in St. Paul (Stadtteil Königswiesen) aufbaut. In den 1980er Jahren hat er mit 52 Jahren seinen Vorgänger abgelöst, der ihn gebeten hatte, die Aufgabe zu übernehmen. Herr Löffler ist auch Mitglied beim Krippenverein Regensburg e.V. Bereits seit seiner Kindheit interessiert er sich für das Bauen von Krippen. In seinem Heimatort gab es einen ganz beeindruckenden und bekannten Krippenbauer, der auch selber geschnitzt hat. Das Talent, Figuren selber zu schnitzen, hatte Herr Löffler nach einem Probeversuch leider nicht. Bereits als Jugendlicher wurde er trotzdem Mitglied im Regensburger Krippenverein und machte sich das Krippenbauen zum Hobby. Aus Interesse geht er in Bibliotheken und schaut sich dort Bücher mit Abbildungen von Krippen an oder beobachtet die Trends in Zeitschriften von Krippenvereinen. Seine Krippen gehören vorwiegend dem Typus der heimatlichen, oberpfälzerischen und Waldler-Krippen, er baut aber ebenso gerne Krippentypen aus Italien. Gefallen findet er auch an diversen Krippenausstellungen. Die Krippensammlung des Bayerischen Nationalmuseums besucht er sehr gern. Er selbst hat auch in vergangenen Jahren an regionalen Ausstellungen mit verschiedenen Entwürfen seiner Krippe teilgenommen. Individuell und auch zum Teil von der eigenen Umgebung inspiriert erfindet er immer wieder Darstellungen. So entstand eine ganz ungewöhnliche Krippe im Jahr 1985 unter dem Titel „Herbergssuche“. Maria und Josef bewegen sich in dieser Kulisse, die an die Hochhäuser bei den Königswiesen in Regensburg erinnert. Auf seinen Reisen findet er zum Teil seltene Äste oder Wurzeln, die er für seine Krippen nutzt. Was er immer wieder betont, ist, dass es schön aussehen soll. Große Moosflecken, die alles bedecken, gefallen ihm nicht. Daher verzichtet er auf die übermäßige Verwendung von Moos. Auch für sein familiäres Umfeld im privaten Raum gestaltet er Krippen. Seine Frau ist ihm eine große Unterstützung, denn sie trägt meist dafür Sorge, die Figuren geschmackvoll anzukleiden. Auch die altersbedingte Pflege der Figuren liegt in Obhut beider. Herr Löffler beeindruckend immer wieder mit neuen Ideen, die er bis ins kleinste Detail umsetzt.

Bedeutung der Weihnachtskrippe

Als Brauchgegenstand ist die Krippe zur katechetischen Unterweisung und allgemeinen Erbauung in der Weihnachtszeit verwendbar. Der Aufbau findet in der Regel kurz vor Weihnachten statt und wird meist nach Epiphanie oder Maria Lichtmess abgebaut. Bei der Ausführung des Brauches trägt Herr Löffler die alleinige Verantwortung. Die Offenheit bei den Arrangements, abgestimmt auf die jeweilige Kulisse, führt zu einem sich laufend änderndem Gesamtbild. Der Krippenbauer verleiht der Krippe einen individuellen Charakter. Zu beobachten ist eine laufende Veränderung der Darstellung mit unterschiedlichen Kulissen und Assistenzfiguren.

Im Gespräch mit dem Stadtpfarrmesner

Zwei relevante Gesichtspunkte fallen im Gespräch mit dem Stadtpfarrmesner auf: Erstens die Krippe als fester Bestandteil zur Weihnachtszeit und zweitens die Verknüpfung der Weihnachtskrippe mit der Erinnerung an die Kindheit. Für den Mesner ist eine Krippe in der Weihnachtszeit nicht wegzudenken: „[…]Es gehört halt einfach dazu […] Riesenbäume, das ist schon beeindruckend. Diese Landschaft von der Krippe mit den ganzen […] Ausarbeitungen, das ist ja eigentlich das Wichtige, was die Krippe ausmacht, diese Einzelheiten […]“. Für ihn ist die Ausgestaltung der Kirche zu den bestimmten Festtagen Brauch und Tradition. Auch die Besonderheit der Krippe mit ihrer Individualität wird wertgeschätzt. Die Darstellung der Krippe selbst in ihren vielfältigen Formen darf aber auch ihr wesentliches Element nicht in den Schatten stellen: „[…] irgendwo wichtig ist, dass Jesus nicht irgendwo verschwindet. Dass es immer der Mittelpunkt bleibt […]“. Bei der Frage, sollte Herr Löffler eines Tages die Krippe nicht mehr aufbauen können, wird es, so der Mesner, eine Lösung geben: „Na, ich denke mal, so wie es immer ist, […], dann fällt es zu meinen Ressourcen. […] Es ist ein Muss. Also das wäre ja schon mal […] einfach für die Kinderaugen enttäuschend, wenn es keine Krippe gibt, die wird dann vielleicht nicht so akribisch, liebevoll von mir [...] aufgebaut werden, aber ich hoffe, er macht es noch etliche Jahre […].“. Die Bedeutung der Weihnachtskrippe wird vom Mesner mit seiner Kindheit verknüpft: „Die Weihnachtskrippe, also persönlich, [...] die holt mich ein bisschen in die Kindheit zurück […]. An die Kindheitserfahrungen. Ja. Das ist die Krippe, was eigentlich die Krippe so ausmacht […]“.

Im Gespräch mit Frau Schmidt aus dem Pfarrbüro

Im Gespräch mit Frau Schmidt ergeben sich noch weitere Aspekte bezüglich der persönlichen Bedeutung der Krippe. Die Weihnachtskrippe in der Gemeinde St. Wolfgang, in der sie auch aufgewachsen ist, ist für sie an Weihnachten ein Glanzpunkt: „[…] das ist ein Highlight in der Weihnachtszeit, gerade hier die Krippe in der Kirche. Die Leute gehen rein, das ist gleich das Erste um den Beichtstuhl rum, und schauen sich die Krippe an, und so geht’s mir auch und der Familie […].“. Als Bestandteil der Ausschmückung in der Weihnachtszeit ist auch die Erwartungshaltung im Gedächtnis der Besucher fest verankert. Die verschiedenen Inszenierungen, die sich jährlich ändern, finden Zustimmung. Zugleich gehört die Krippe auch zum Glauben: „Ja freilich, natürlich es bleibt zwar immer das Gleiche, aber das drum herum und die Optik und auch das, [...], was da mit rübergebracht wird, das ändert sich doch jedes Jahr und macht eigentlich Freude […], es gehört auch zum Glauben und ja, ist eigentlich auch ein Teil der Weihnachtszeit, es symbolisiert ja auch die Weihnachtsgeschichte und wer im Glauben lebt, da gehört die Krippe dazu.“

Hintergrund-Infos

Geschichte der Weihnachtskrippe in St. Wolfgang

Die Geschichte der Pfarrei St. Wolfgang beginnt im Jahr 1921 mit der Errichtung der Pfarrei. Zwischen 1922 – 1937 entsteht eine Notkirche . Mit Bedacht und großen Anstrengungen wird diese hergerichtet und ausgeschmückt. Der zuständige Pfarrer Alois Möstl und der Stadtpfarrmesner sind davon überzeugt, dass bereits in der Notkirche ab dem ersten Jahr zur Weihnacht eine Krippe aufgestellt wurde. Belege für diese Krippe gibt es leider nicht. Um 1940 erhält die Pfarrei handgeschnitzte Krippenfiguren. Ab diesem Zeitraum ist davon auszugehen, dass eine Weihnachtskrippe jedes Jahr mit diesen Figuren aufgebaut wird. Die Figuren werden seit 1987 von Herr Löffler in seinen Krippenlandschaften integriert.

Kulturgeschichte der Weihnachtskrippe

Der Begriff „Krippe“ bezeichnet im deutschen Sprachraum einen Futtertrog. Der biblischen Überlieferung nach wurde das Jesuskind darin hineingelegt. Die Weihnachtskrippe beschreibt Rudolf Berliner in seiner grundlegenden Forschungsarbeit 1955 wie folgt: „Weihnachtskrippen sind also Darstellungen mit der Geburt Christi verbundener Ereignisse, bei denen im wirklichen dreidimensionalen Raume, möglichst körperlich und lebendig wirkende Figuren so verteilt sind, dass im Betrachter das Gefühl entsteht ihnen selbst beizuwohnen, damit in ihm die religiösen Gefühle in jener Stärke erregt werden, die dem erlebten Wunder angemessen ist“.

Popularisation durch die Jesuiten

Der älteste Beleg für eine Weihnachtskrippe nördlich der Alpen wird auf das Jahr 1562 datiert, im dem die Jesuiten in der Prager Klemenskirche eine Weihnachtskrippe aufstellten. Als gezielt gegenreformatorische Taktik förderten die Jesuiten den Einzug der Krippen in die Kirchen, um dadurch ihr Ziel der Glaubensverbreitung in der breiten Bevölkerung zu verfolgen. Frühe belegbare Kirchenkrippen mit verschiedenen szenischen Darstellungen stammen aus dem Jahr 1601 in Altötting und 1607 in München. Im Zuge der Aufklärung kommt es gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu einem Verbot der prunkvoll-barocken Kirchenkrippen. In den Jahren 1825/26 wurden die Verbote fast überall wieder aufgehoben.

Darstellungsformen und Regionalcharakter

Unterschiedliche biblische Szenen können innerhalb der Weihnachtskrippe dargestellt werden. Im Zentrum steht dabei stets die Geburtsszene. Eingeleitet wird die Abfolge der Darstellungen meist mit der Herbergssuche. Weiterhin wird die Szene der Verkündigung an die Hirten und an die Heiligen Drei Könige  sowie die Anbetung der Hirten und Könige beim Jesuskind veranschaulicht. Nachfolgende Episoden wie der Kindermord in Bethlehem und die Flucht nach Ägypten beschließen vielfach die szenische Abfolge. In der Geschichte sind besonders prunkvoll gestaltete Weihnachtskrippen im Barock zu finden. Nachweisbar sind kostbare Krippen mit großen, zum Teil fast lebensgroßen Figuren. So entstehen beispielsweise in Italien auch Krippen auf Dachterrassen der bürgerlichen Oberschicht und der Patrizier. Eine weitere Blütezeit erfahren die Krippendarstellungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nachgeahmt wird ein biblisch romantischer Stil, häufig finden sich Elemente der nazarenischen Kunst. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren besonders Heimatkrippen beliebt. Es kommt zu einer immer breiten Ausdifferenzierung von Krippentypen. Dabei sind regional sehr unterschiedliche Entwicklungen zu beobachten.

Verbreitung bis in das Eigenheim

Durch die aufklärerischen Verbote von Kirchenkrippen im späten 18. Jahrhunderts lebte die Krippenbegeisterung im privaten Raum auf. Es gab fliegende Händler für Krippenfiguren und reisende Krippentheater. Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts entstanden Krippenlandschaften im privaten Raum der breiten Bevölkerung, die bald fester Bestandteil des Weihnachtsfestes wurden. Die Weihnachtskrippe verbreitete sich nicht nur unter Katholiken, sondern auch im protestantischen Mittel- und Norddeutschland. Eine wichtige Voraussetzung für den Einzug der Weihnachtskrippen in die privaten Räume der breiten Bevölkerung war im 19. Jahrhundert die neu aufkommende, massenhafte Produktion von Krippenfiguren aus Gips, Ton und Pappmaché. Dazu kam eine Vielzahl an Ausschneidebögen, die sogenannten Papierkrippen.

Die Bedeutung der Krippenvereine

Die ersten Krippenvereine entstanden gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts und fördern bis heute den Krippenbrauch. Sie helfen beispielsweise, entsprechende handwerkliche Tipps weiterzugeben. Auch werden von den Vereinen Zeitschriften herausgegeben. Der Krippenverein Regensburg e.V. beschreibt seine Ziele folgendermaßen: „Es ist uns ein besonderes Anliegen, das Thema Krippe mit all seinen Facetten - wie Krippenbau, Vereinsarbeit, Fortbildung - auch zukunftsorientiert auszurichten. Der Regensburger Krippenverein setzt deshalb verstärkt Schwerpunkte in Brückenschlag: Tradition und Moderne, Nachwuchsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit“.

Forschungsstand

Zur Thematik der Weihnachtskrippe gibt es einen beinahe unüberschaubaren Forschungsstand. Zu nennen wäre zunächst das Standardwerk von Rudolf Berliner „Die Weihnachtskrippe“ (1955). Ingeborg Weber-Kellermann befasste sich 1987 in dem Buch „Das Weihnachtsfest“ mit der Kultur-und Sozialgeschichte und berücksichtigte dabei auch die Weihnachtskrippe. Ferner hat sich Ursula Heckel in Ihrem Werk „Volkskünstler heute“ (1993) mit Krippenkünstlern befasst. Mit Blick auf die bedeutende Krippensammlung des Bayerischen Nationalmuseums ist noch Nina Gockerells Buch „Krippen im Bayerischen Nationalmuseum“ (2005) und Gerhard Bogners Buch „Das neue Krippenlexikon“ (2003) zu nennen.

Literatur

  • Berliner, Rudolf: Die Weihnachtskrippe. München 1955.
  • Bogner, Gerhard: Das neue Krippenlexikon. Wissen-Symbolik-Glaube. Ein Handbuch für den Krippenfreund. Augsburg 1. Auflage 2003.
  • Bogner, Gerhard: Krippen in der Oberpfalz. Mit Fotos von Klaus Daniel und anderen. Regensburg 2001. S. 116.
  • Daxelmüller, Christoph: Krippen aus aller Welt. (Sammlung Christoph Daxelmüller). Ausstellung im Historischen Museum für Stadt und Grafschaft Wertheim. 10.12.1981-06.01.1982. Wertheim 1981.
  • Daxelmüller, Christoph: Weihnachtskrippen aus aller Welt. Hirten, Könige, Schreckfiguren. Sammlung Christoph Daxelmüller. Begleitheft zur Sonderausstellung im Fränkische Schweiz-Museum Tüchersfeld 91278 Pottenstein vom 23.11.2007 – 03.02.2008. Tüchersfeld 2007.
  • Gockerell, Nina; Haberland, Walter: Krippen im Bayerischen Nationalmuseum. München 2005.
  • Heckel, Ursula: Volkskünstler heute. Eine Studie über die Aussteller der 50. Krippenausstellungen im Museum Heimathaus Münsterland in Telgte. Münster/ New York 1993.
  • Möstl, Alois: Regensburger Kirchenkrippen. Regensburg 2003.
  • Schwering, Max-Leo; Walz, Markus: Kölner Weihnachtskrippen. Köln 1984.
  • Weber-Kellermann, Ingeborg: Das Weihnachtsfest. eine Kultur- und Sozialgeschichte der Weihnachtszeit. München 1987.

Weblinks

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