Inhalt
Termin
Anno 1525 findet im Turnus von zwei Jahren im September statt. Der nächste Termin ist vom 17. bis 19.09.2027.Einstiegsinformationen

Empirische Dokumentation
Jahr/ Umstände
Die Beschreibung des Bauernkriegslagers und Mittelaltermarkts bezieht sich auf den 20.09.2013. Es war ein herbstlicher Freitagnachmittag bzw. Freitagabend mit milden Temperaturen von etwa 13-16 Grad.Ablauf
Die Vorbereitungsphase für das Spektakel startet bereits ein Jahr im Voraus. Die Organisation und Vorbereitung ist sehr arbeitsintensiv. Zum einen wird ein geeigneter Termin gesucht und festgelegt, der für gewöhnlich auf Mitte September fällt. Der Grund dafür ist, dass es sich so nicht mit anderen großen Veranstaltungen in der Umgebung, wie beispielsweise dem Frundsbergfest in Mindelheim oder dem Wallensteinfest in Memmingen, zeitlich überschneidet. Zum anderen muss die Genehmigung von der Gemeinde und dem Landratsamt für den Platz eingeholt werden. Außerdem muss das Programm aufgestellt werden, die Marktstände (50 an der Zahl) sowie das Lagerleben organisiert werden. Ebenfalls kümmert man sich um die räumliche Aufteilung des Platzes, die Technik, die sanitäre Versorgung, die Parkmöglichkeiten usw. Der eigentliche Aufbau ist am Donnerstag von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr und am Freitag von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Der offizielle Einlass auf das Schlossgelände in Bad Grönenbach ist dann am Freitagabend um 18.00 Uhr. Um 18.30 Uhr fängt die eigentliche Veranstaltung mit dem Einzug aller Mitwirkenden an.

Akteure
Es gibt eine Vielzahl an Akteuren, die bei Anno 1525 mitwirken. Man kann eine grobe Unterteilung in vier Gruppen vornehmen: Lagerleben, Marktstände, Show und Besucher. Mitwirkende beim Lagerleben waren im Jahr 2013:
- Des Raben Schwarzer Haufen (Memmingen)
- Die Turmwächter zu Helmishofen
- Communitas Honorata
- Communitas Monacensis e.V. (München)
- Faendl Hochprand 1520
- Freie Burghut - Landsknechte zu Gundelfingen e.V.
- Landsknechtsross 1504 e.V. (Scherneck)
- Pawlic Clan
- Ronsbergerische Ritterschaft
- Schillingsfürster Bauernhaufen 1525
- Sommeregger Haufen
- Ygwerin - Das Volk

Marktstände (2013):

- Acus filumetforfex (selbstgeschneiderte Gewandung aus Neuburg/Donau)
- Almandin (Falafelbraterey)
- Anno Domini - Flickschusterey Michael Maucher (mittelalterliches Schuhwerk, Ausrüstungsgegenstände und Haushaltszubehör)
- ARTIFEX ... Manfred Schmid (Holz- und Drechselwaren)
- Baltischer Bernstein (Bernsteinschmuck aus Litauen)
- Bücherkunst (Lederbücher und -accessoires)
- Der Plundrich
- Die Cathedrale (Reliquien, Madonnen, Kreuze, Gehstöcke, Gargoyles, Rosenkränze uvm.)
- Die Flinke Nadel - Christa Fluhr (selbstgeschneiderte Gewandungen)
- Die Netz Inge (Haarnetze, Netzbeuter, Netztäschchen uvm.)
- Die Täschlerinnen (Taschen)
- Dreamland Ulm (mittelalterliche Gewandungen)
- Juwelier Dreier (Sonnenuhren, Bauernringe, Äquatorialkugeln, Hirtenuhren, Saturnscheiben aus Bad Grönenbach)
- Durner Elke - Seifensiederin
- Feuerspieß - Sandra Nuber Dürr
- Elke Fuchs (Spielwaren für Kinder, z.B. Holzschwerter)
- Gauklerspiel (Kinderkarussell, Eierknacker, Mäuseroulett)Die Geschmeidemacherin Marlies Grabowitz (Steinschmuck und Mineralien)

Marktstand Anno 1525. - Holdergold (Holunderlikör)
- Ingrid Holdry (Blumengebinde aus Mindelheim)
- Justinger Töpferei - Jürgen Metzger
- Kaledesign (orientalische Kleid und Schmuck)
- Karrer Johann (Schmied)
- Kilians Welten ( Münzpresse, handwerkliche Gegenstände aus Holz, Leder und Metall)
- Kräuterstand - Rita Kleinhans ( Kräutertee, Kräutersalze, Duftkissen, Naturkosmetik, Räucherwaren)
- La Sultana - Maxine und Tom Eggler (o rientalische Lederschuhe, Gürtel, Taschen und Bekleidung)
- Lavendula - Sarah Völkl (Räucherwerk, Seife, Lavendelprodukte)
- Liberalis Ornamentum (Glasperlen und Schmuck)
- Marios Dattelschlepper - Magie des Orients (orientalische Früchte)
- Maximilian´s KnobibrotMetall- Design Felmet (Schmuck, Kunstschmiedearbeiten)
- Mittelalterlicher Wanderbackofen (herzhafte Küche)
- Mundgerecht (herzhafte Küche)
- Heinz Neumeier (Lederarbeiten, historische Waffen)
- Omas Pfannkuchen (süße und deftige Crepes)
- Pan Om (Kuriositäten)

Marktstand Anno 1525. - Pera Peris (Haus der Historie)
- Revayova - Martina Huckova (Küchenutensilien und Spielzeug aus Holz aus Tschechien)
- Ritterkeller Aulendorf (mittelalterliche Küche)
- Rotwildgehege Honold (Wildspezialitäten)
- Saladin (Töpferei)
- Sculpture de Gres - Gargoyles (aus Paris)
- Spartakus (Ritterspielzeug und Laternen aus Polen)
- Stephen Boda (Leder- und Schmiedearbeiten aus Budapest)
- Templers Corner (Waffen und Rüstzeug)
- Yggdrasil (Silberschmuck aus Wien)
- Zauberreigen (Filzwaren und Kinderfilzen)
- Zauberwerk (Kinderschminken)
- Zwischen Himmel und Hölle (Taverne und Erlebnisgastronomie)
Show (2013):
- Allgäufeuer - Das Spiel mit dem Feuer
- Altdorfer Landsknechtsfanfare (Businenbläser)
- Arno von der Biegenburg (Harfe und historische Blasinstrumente)
- Der kleine Spielmann (Troubadour)
- Fanfarenzug Reute
- Fechtgruppe Fähnlein Ems (Schaukämpfe)
- Forzarello - Die Könige der Gaukler
- Graf von Helfenstein (Trommler aus Mindelheim)
- Musica Canora (Mittelalterband aus Prag)
- Sharabagan - Herr der langen Flammen
- Spiritus Sancti (Feuershow)
- The Stilities - Stelzenläufer (Jugendgruppe TSV Lautrach)
- Un Poco Loco (Gaukler, Herold und Feuerspieler)
Besucher:
An dem besagten Wochenende wurde das Fest von etwa 5500 Menschen besucht. Demnach waren es pro Tag etwa 1800 Leute. Man konnte ältere Pärchen, junge Familien mit kleinen Kindern und auch Jugendliche beobachten. Alle Altersstufen waren vertreten. Auch Menschen mit Behinderungen, zum Beispiel im Rollstuhl, nahmen am Geschehen teil. Die meisten waren normal und dem Wetter entsprechend gekleidet. Manche passten sich dem Thema der Veranstaltung an und trugen mittelalterliche Gewänder.Perfomanzraum, Kulissen, Requisiten
Anno 1525 fand bis 2025 auf dem Schlossgelände des Hohen Schloss in Bad Grönenbach (Pappenheimerstraße 1, 87730 Bad Grönenbach) statt. Das Schloss wurde im 12. Jahrhundert von Heinrich Ludwig von Rothenstein errichtet und gilt heute als Wahrzeichen des Kneipp- Kurortes. Es steht auf einem steilen Nagefluhfelsen im Westen der Marktgemeinde. In den letzten Jahrhunderten wechselte es oft seine Besitzer bis es 1996 von der Gemeinde Bad Grönenbach erworben wurde. 1998 wurde außerdem ein Kreislehrgarten um das Schloss angelegt. Heutzutage wird es für Veranstaltungen, wie Ausstellungen, Führungen, Konzerte, Vorträge, Feste oder Trauungen, genutzt. Für die diversen Programmpunkte wird eine Bühne aufgebaut, die einen zentralen Punkt bildet. Und obwohl sie durch die Elektronik nicht ins Mittelalter passt, fällt sie nicht negativ auf, da sie zwischen den Ständen eingebettet wird. Das Fest ereignet sich unter freiem Himmel. Wenn es abends dunkler wird, werden Lichter, die in den Bäumen hängen, angemacht, Feuerschalen und Kerzen angezündet. So erstrahlt der Platz und es wird mittelalterliches Flair geschaffen. Außerdem kann man sich an den Feuerstellen wärmen, wenn der Abend etwas kühler ist als erwartet.Brauch- und Rollenverständnis
Es gibt sehr unterschiedliche Beweggründe, weshalb die Akteure an diesem Brauch teilnehmen. Man kann zwischen zwei großen Gruppen differenzieren. Auf der einen Seite gibt es die Händler und die Gaukler, auf der anderen Seite die Lagergruppen. Die Gaukler und Händler sind eigene Berufsgruppen und sichern ihr Einkommen durch die Teilnahme an solchen Veranstaltungen. Die Lagergruppen wirken vor allem aus Spaß und Freude mit. Die meisten von ihnen begeistern sich für das Leben im Mittelalter und machen es deshalb zu ihrem Hobby. Der Brauch stützt sich auf die Zeit des Bauernkriegs und die Proklamation der zwölf Bauernartikel, die am 06.März 1525 in Memmingen stattfand. (Deshalb auch die Bezeichnung Anno 1525 -> Jahr 1525.) Diese gelten als die erste Konzipierung von Menschen- und Freiheitsrechten in Europa, weit vor der französischen Revolution (1789). Die Akteure lassen dem Brauch durch den geschichtlichen Bezug zu Memmingen und dem süddeutschen Raum eine große Bedeutung zukommen. Dazu ein Grußwort von Staatsminister a.D. Josef Miller (Mitglied des Bayerischen Landtags a.D.):"Der große Bauernkrieg von 1524/1525 hatte seinen Anfang und Schwerpunkt vor allem in Süddeutschland, das damals im Besitz von extrem vielen kleineren Herrschaften war: Geistliche Gebiete, kleine Fürstentümer, Grafschaften, Ritterschaften. Sie waren besonders von Armut bedroht und reagierten mit drakonischen Einschränkungen an die Bauern. Der Aufstand der Bauern gegen dieses Unrecht und die unmenschliche Unterdrückung ist bis heute die größte Massenerhebung in der deutschen Geschichte, an der weit über 100.000 Aufständische beteiligt waren. Es hat lange, viel zu lange gedauert, bis der Bauernkrieg im Geschichtsbewusstsein der Deutschen mehr war als ein Aufstand von untergeordneten Haufen und Rotten gegen die althergebrachte Ordnung und Herrschaft. Und: Es hat lange, zu lange gedauert, bis die Ereignisse des Jahres 1525, mit dem, was vorausging und dem, was folgte, als freiheitliche Revolution, als Teil deutscher Freiheitsgeschichte verstanden und angenommen wurden. Einen wichtigen Beitrag diese Geschichtsdeutung zu manifestieren und für Groß und Klein erfahrbar zu machen, leistet die Schwarze Schaar. Bereits zum sechsten Mal schlagen die engagierten und historisch interessierten Mitglieder der Schwarzen Schaar um ihren Vorsitzenden Thomas Visel rund um das Bad Grönenbacher Schloss ihr Lager und ihre Zelte auf und stellen Szenen aus jener historisch so bedeutsamen Zeit nach. Ich danke allen Aktiven und Verantwortlichen für Ihr großes Engagement und die gute Vorbereitung der Veranstaltung und wünsche allen Besucherinnen und Besuchern eine interessante und lehrreiche Reise zurück ins 16. Jahrhundert."
Organisation der Brauchveranstaltung
Der offizielle Veranstalter von Anno 1525 (Bauernkriegslager und Mittelaltermarkt) ist "die Schwarze Schaar", die auch finanziell das volle Risiko trägt. "Die Schwarze Schaar e.V." ist ein Verein, der 2003 in Memmingen gegründet wurde und aus etwa 60 Mitgliedern besteht. Satzungsmäßiges Ziel des Vereins ist es, die Zeit des Bauernkriegs Anfang des 16. Jahrhunderts, die nicht zuletzt aufgrund der weitreichenden Bedeutung der im Jahr 1525 in Memmingen proklamierten Zwölf Bauernartikel mehr als nur eine Episode in der Geschichte der Stadt ist, einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Für die Organisation des Festes gibt es ein Organisationsteam, das sich aus zehn Leuten zusammensetzt. Jeder einzelne von ihnen erfüllt eine sachliche und fachliche Funktion, sprich, jedes Mitglied des Teams hat einen eigenen Aufgaben- bzw. Verantwortungsbereich, den er leitet. Dennoch erfolgt stets eine Berichterstattung an Thomas Visel, den Hauptorganisator von dem Bauernkriegslagers und Mittelaltermarkt. Diese findet täglich um 09.30 Uhr im Schloss statt. Finanziert wird das ganze Spektakel durch die eingenommenen Eintrittsgelder sowie Standgelder. Ein Sponsoring oder ähnliches gibt es nicht. Wie wird für die Veranstaltung geworben? Zum einen werden 800 großformatige Plakate gedruckt und überall in der Region aufgehängt. Zum anderen werden 50000 Flyer verteilt. Des Weiteren stehen die Veranstalter in Kooperation mit lokalen Printmedien, wie der Memminger Zeitung. Im Rundfunk wird keine aktive Werbung gemacht, das heißt, dass dafür nicht explizit gezahlt wird. Trotzdem wird Anno 1525, beispielsweise bei Antenne Bayern, Bayern 3 und auch regionalen Sendern, in den Veranstaltungshinweisen erwähnt.Historische Genese, Verbreitung und Forschungsstand
Historischer Hintergrund
Der historische Hintergrund für Anno 1525 ist der Bauernkrieg (1524 - 1526). Anfang des 16. Jahrhunderts machten die Bauern 80 Prozent der Bevölkerung aus. Diese mussten mit ihren Abgaben den Adel und die Geistlichkeit finanzieren und trugen somit die Last des Staates, ohne politisch mitwirken zu dürfen. Nach der großen Pest (1450) erholte sich die Bevölkerung langsam und es gab wieder mehr hungrige Mäuler zu stopfen, was die Situation keineswegs verbesserte. Die Menschen wurden ärmer. Trotzdem wurden immer noch hohe Abgaben durch die Herren verlangt. Viele der Bauern lebten in Leibeigenschaft und hatten keine eigenen Rechte. Sie durften weder ihren Wohnsitz ohne Erlaubnis wechseln noch durften sie ungefragt heiraten. Dazu kommt, dass sie im Gerichtswesen auf taube Ohren stießen. Auch ihre Gemeinde durften die Bauern nicht selbst verwalten. 1520 erschien Martin Luthers Schrift "Von der Freyheith eines Christenmenschen", die die Bauern wörtlich nahmen und in ihnen der Wunsch wuchs, sich von der Leibeigenschaft zu befreien. Nach Luther: Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Dies bezieht er jedoch auf das Jenseits und die Befreiung der Sünden und nicht etwa auf die Befreiung von der Obrigkeit. Und obwohl er das Leid der Bauern sah, sollten sie dennoch gehorsam sein und der Obrigkeit folgen. Der Reformator Ulrich Zwingli hatte dazu andere Ansichten, die die Bauern im süddeutschen Raum sehr beeinflussten. Die Bibel war für ihn die Grundlage für das irdische Leben und für das Jenseits. Was in der Bibel stand, war Gesetz. Wenn gegen dieses verstoßen wurde, könnten die Menschen die Obrigkeit absetzen. Da die Bauern keine Rechte hatten, mussten sie sich auf das göttliche Recht stützen. Die Bibel diente als Rechtsbuch und Inbegriff der Wahrheit und Gerechtigkeit. Am 06.März des Jahres 1525 trafen sich Vertretungen von Bauernschaften aus dem Allgäu, Oberschwaben und dem Bodenseeraum in Memmingen. Sie wollten das göttliche Recht verbreiten. Die Bauern formulierten ihre Beschwerden in zwölf Artikeln, die sie mit der Regierung verhandeln wollten. Als da wären: Artikel 1: Jede Gemeinde soll das Recht haben ihren Pfarrer zu wählen und ihn zu ersetzen (abzusetzen), wenn er sich ungebührlich verhält. Der Pfarrer soll das Evangelium lauter und klar ohne allen menschlichen Zusatz predigen, da in der Schrift steht, dass wir allein durch den wahren Glauben zu Gott kommen können. Artikel 2: Von dem großen Zehnten sollen die Pfarrer besoldet werden. Ein etwaiger Überschuss soll für die Dorfarmut und die Entrichtung der Kreigssteuer verwandt werden. Der kleine Zehnt soll abgetan (aufgegeben) werden, da er von Menschen erdichtetist, denn Gott der Herr hat das Vieh dem Menschen frei erschaffen. Artikel 3: Ist der Brauch bisher gewesen, dass man uns für Eigenleute (Leibeigene) gehalten hat, welches zu Erbarmen ist, angesehen das uns Christus alle mit seinen kostberlichen Blutvergießen erlöst und erkauft haut, den Hirten gleich wie den Höchsten, keinen ausgenommen. Darum erfindet sich mit der Schrift, dass wir frei sind und sein wollen. Artikel 4: Ist es unbrüderlich und dem Wort Gottes nicht gemäß, dass der arme Mann nicht Gewalt hat, Wildbrett, Geflügel und Fische zu fangen. Denn als Gott der Herr den Menschen erschuf, hat er ihm Gewalt über alle Tiere, den Vogel in der Luft und den Fisch im Wasser gegeben. Artikel 5: Haben sich die Herrschaften die Hölzer (Wälder) alleine angeeignet. Wenn der arme Mann etwas bedarf, muss er es um das doppelte Geld kaufen. Es sollen daher alle Hölzer, die nicht erkauft sind (Gemeint sind ehemalige Gemeindewälder, die sich viele Herscher angeeignet hatten) der Gemeinde wieder heimfallen (zurückgegeben werden), damit jeder seinen Bedarf an Bau und Brennholz daraus decken kann. Artikel 6: Soll man der Dienste (Frondienste) wegen, welche von Tag zu Tag gemehrt werden und täglich zunehmen ein ziemliches Einsehen haben (sie ziemlich reduzieren), wie unsere Eltern gedient haben, allein nach Laut des Wort Gottes. Artikel 7: Soll die Herrschaft den Bauern die Dienste nicht über das bei der Verleihung festgesetzte Maß hinaus erhöhen (Eine Anhebung der Fron ohne Vereinbarung war nicht unüblich). Artikel 8: Können viele Güter die Gült (Pachtabgabe) nicht ertragen. Ehrbare Leute sollen diese Güter besichtigen und die Gült nach Biligkeit neu festsetzen, damit den Bauer seine Arbeit nicht umsonst tue, denn jeglicher Tagwerker ist seines Lohnes würdig.> Artikel 9: Werden der große Frevel (Gerichtsbußen) wegen stets neuen Satzungen gemacht. Man straft nicht nach Gestalt der Sache, sondern nach belieben (Erhöhungen von Strafen und Willkür bei der Verurteilung waren üblich). Ist unsere Meinung, uns bei alter geschriebener Strafe zu strafen, darnach die Sache gehandelt ist, und nicht nach Gunst. Artikel 10: Haben etliche sich Wiesen und Äcker, die eine Gemeinde zugehören (Gemeineland, das ursprünglich allen Mitgliedern zur Verfügung stand), angeeignet. Die wollen wir wieder zu unseren gemeinen Händen nehmen. Artikel 11: Soll der Todfall (eine Art Erschaftssteuer) ganz und gar abgetan werden, und nimmermehr sollen Witwen und Waisen also schändlich wider Gott und Ehre beraubt werden. Artikel 12: Ist unser Beschluss und endliche Meinung, wenn einer oder mehr der hier aufgestellten Artikel dem Worte Gottesnicht gemäß wären ..., von denen wollen wir abstehen, wenn man es uns auf Grund der Schrift erklärt. Wenn man uns schon etliche Artikel jetzt zuließe und es befände sich hernach, dass sie Unrecht wären, so sollen sie von Stund an tot und absein. Desgleichen wollen wir uns aber auch vorbehlten haben, wenn man in der Schrift noch mehr Artikel fände, die wider Gott und eine Beschwernis des Nächsten wären Die Reaktion der Obrigkeit war zu erwarten, sie reagierten mit Unverständnis und Ironie. Auf Kompromisse eingehen, wollten sie auch nicht, denn das Gesetz war auf ihrer Seite. Die Fronten verhärteten sich. Eine rabiate Auseinandersetzung war unvermeidbar. Der Kriegszug begann. Die Bauern bildeten sogenannte „Haufen“. (Der Begriff Haufe stammt aus dem Militär.) Ein Haufe ist eine Einheit mit klaren Regeln, außerdem gibt es auch verschiedene Dienstgrade (zum Beispiel Oberst oder Fähnrich). Jeder Haufe zeichnet sich durch eine eigene Fahne aus. Zunächst plünderten die Bauernhaufen Klöster und Burgen. Das geschah ohne Gewalt gegen andere Personen, was sich aber am 16. April 1525 änderte. Der eigentliche Krieg begann. Er begann am Hochrhein und zog sich über Franken und Oberschwaben bis zu den Alpen. Die Bauern hatten gegen die, in vielerlei Hinsicht, überlegenen Herren keine Chance. Die Bauernhaufen hatten weder richtige Rüstungen noch geeignete Waffen. Außerdem fehlt es ihnen an Kampferfahrungen und die Organisation der Haufen war meist schlecht. Trotz der Niederlage war der Krieg nicht umsonst. Die Obrigkeit fürchtete sich vor erneuten Aufständen und bot den Bauern in der Ortenau Renchener Verträge an. Hierdurch wurde zum einen die Leibeigenschaft aufgehoben. Zum anderen wurde die Heiratsfreiheit ermöglicht. Zusätzlich wurde die Todfallabgabe abgeschafft. Den Forderungen der zwölf Bauernartikel wurde außerdem, in gemilderter Form, nachgegangen. Die endgültige Befreiung der Bauern fand jedoch erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts statt.Allgemeine Entwicklungsgeschichte des Brauchs
Anno 1525 ist ein relativ neuer Brauch. Zum ersten Mal fand er im Jahr 2004 in Heimertingen statt. Damals wurde wenig Werbung gemacht und es gab weit aus weniger Stände. Es wurden hauptsächlich Freunde eingeladen. Der Platz war auch sehr viel kleiner als der in Bad Grönenbach. 2005 wurde ebenso in Heimertingen gefeiert. Das änderte sich 2006, da die Nachfrage größer wurde und das Areal in Heimertingen nicht mehr ausreichte und die erforderlichen Bedingungen erfüllte (zum Beispiel gab es Schwierigkeiten mit den sanitären Einrichtungen). Durch gute Kontakte zum Bürgermeister des Marktes Bad Grönenbach und dem Hausmeister des Hohen Schlosses, konnte das Fest 2006 dort stattfinden, wo es das auch heute noch tut. Zu Anfang wurde es jährlich organisiert, um es in der Region bekannt zu machen. Seit 2007 kehrt das Bauernkriegslager und der Mittelaltermarkt alle zwei Jahre wieder, da die Organisation arbeits- und kostenintensiv ist.Allgemeine Verbreitung des Brauchs
Anno 1525 wird regional gefeiert.Literatur/ Quellen
- Interview mit Thomas Visel, dem Hauptorganisator von Anno 1525 (am 08.09.2014)
- Teilnehmende Beobachtung (am 20.09.2013)
- http://www.anno1525.de/17.0.html
- http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/deutsche_politik/bauernkrieg/ http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/deutsche_politik/bauernkrieg/
Weiterführende Literatur:
- Blickle Peter (2004): Die Revolution von 1525, 4. durchgesehene und bibliografisch erweiterte Auflage.München.
- Wassermann, Michael, Breuksch Dieter (2000): Als die Bauern von der Freiheit träumten - Die Geschichte der 12 Bauernartikel. Memmingen Evang.-Luth. Kirchengemeinde St. Martin.
ANNO 1525 – Bauernkriegslager und Mittelaltermarkt 13.-15. September 2019 Bad Grönenbach
Alle Infos unter http://www.anno1525.de und http://www.facebook.com/ANNO1525
Kommen, staunen, weitersagen…!!
Freitag, 13. September 18-24 Uhr „Nacht der Spielleuth und des Feuers“
Samstag, 14. September 12-24 Uhr
Sonntag, 15. September 11-18 Uhr
Zum achten Mal wird vom 13. bis 15. September in Bad Grönenbach die Zeit für drei Tage an den Anfang des 16. Jahrhunderts zurückgedreht. Die Zeitreise führt die Besucher tief in die Vergangenheit, als die leibeigenen und unterdrückten Bauern ihre Forderungen in den zwölf Bauernartikeln manifestierten und sich in Süddeutschland und der Schweiz gegen Adel und Geistlichkeit erhoben, um ihre altüberlieferten Rechte wieder herzustellen und ein menschenwürdiges und gottesfürchtiges Leben führen zu können.
Freut Euch auf ein buntes Programm mit vielen Gauklern und Spielleuten, Akrobaten, Feuerkünstlern.
Im Heerlager mit fast 100 Zelten vor den Toren von Bad Grönenbach mit vielen Gruppen aus nah und fern zeigen Landsknechte und Marketenderinnen, wehrhafte Bauern, Trossvolk und Handwerker, Gaukler, Gesindel und Lumpenpack den Ernst aber auch die fröhlichen Seiten des mittelalterlichen Lebens, den Umgang mit Spießen, Schwertern, Kanonen und Büchsen.
Der bunte mittelalterliche Markt, mit über 50 Marktständen, Händlern und Handwerkern aus allen Landen, lädt zur Begutachtung und zum Feilschen um die dargebotenen Waren ein. Es können „lebenswichtige Dinge“ wie Ablassbriefe, Verfluchungen, Devotionalien, Reliquien, Gehstöcke und Pestsäckchen erworben werden. Es gibt Beerenweine, Gewandungen, Geschmeyde, Körbe, Leder- und Schmiedewaren und vieles andere zu bestaunen und zu kaufen.
Wirte und Köche verwöhnen mit süßen und leckeren Pfannkuchen, Deftigem aus der heimischen Bratpfanne, aus dem Backofen und vom Blech. Darunter Elsässer Flammlachs, Hanffladen, Dinette, kühler Gerstensaft und vielerlei anderes Gebräu. An allen Ecken duftet es nach Essen.
Neu ist die „Nacht der Spielleuth und des Feuers“ am Freitagabend ab 18 Uhr. Diesen magischen Abend begleiten die Boehemian Bards, Spielleuth aus Tschechien; Trommler und Dudelsackspieler vom Faehnlein Schertlin aus Mindelheim und die Kaiser-Maximilian-Trommler aus Kaufbeuren. Gaukler, Possenreißer und Feuerkünstler von Un Poco Loco, Lux Aeterna, Gwen Flammenspiel und Talida Feuerfunke, das Theater Oberon und viele andere mehr. Für die „Nacht der Spielleuth und des Feuers“ am Freitagabend gelten ermäßigte Preise.
ANNO 1525 bietet seinen Gästen einmalige Sinneseindrücke, Farben, Klänge und Gerüche. Die Veranstaltung entführt große und kleine Besucher auch am Samstag und Sonntag in eine Welt mit viel Geschichte, Unterhaltung und ein Stückchen Fantasie.