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Vatertag

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Der Vatertag hat seinen Ursprung in den USA, dort wird er seit dem Jahr 1910, nach dem Vorbild des Muttertages, zu Ehren der Väter gefeiert.

In Deutschland findet der Vatertag jedes Jahr vierzig Tage nach dem Ostersonntag am christlichen Feiertag „Christi Himmelfahrt“ statt. Seit 1936 ist „Christi Himmelfahrt“ ein gesetzlicher Feiertag. In Nord- und Ostdeutschland nennt man den Vatertag auch Herrentag oder Männertag.


Termin

Dieser Brauch ist am 09.05.2013.

Ablauf

Der Vatertag als moderne Herrenpartie

Bierselige Horden singender Männer, ein ganzes Volk Männer, nur Männer fahren ins Grüne. Männer aus allen sozialen Schichten, Männer, nur Männer wollen unter sich sein! Ledig der Röcke und Lockenwickler, wollen nur weg von der Brust, frei vom Strickstrumpf, dem Abwasch, dem Haar in der Suppe, wollen außer sich sein und ins Grüne, mit Flaschen und Stullen, Kuhglocken und Trompeten wollen sie die ganze große Sau rauslassen, herrlich, selbstherrlich und abgenabelt von Muttern sein.“

So beschäftigt sich Günter Grass in seinem 1977 erschienenen Roman „Der Butt“ auf sarkastische Weise mit dem „Ehrentag der Väter“.

Es gibt viele verschiedene Varianten die jährliche Vatertagssause als Herrenpartie zu begehen: Sei es in kleinem Kreise auf dem heimischen Gartenstuhl neben dem Grill, auf Kneipentour in der Stadt oder in größeren Gruppen auf längeren Wanderausflügen ins Grüne.

Geschmückte Kutschen und Traktoren mit Anhängern werden meist mit diversen Alkoholika beladen und transportieren die Väter und Nichtväter, die an „Christi Himmelfahrt“ den Herrentag begießen, auf ihrer Tour. Andere wandern mit bepackten Bollerwägen durch Wald und Flur. Schon die traditionellen, früheren Herrenpartien des 19. Jahrhunderts fanden „zu Fuss und Rad, auf Lastautos oder in Gesellschaftswagen, […] unter den Devisen <Los von Muttern> und <Vatertag> […]" statt.

Dabei spielt die Anzahl der Teilnehmer keine Rolle und auch das Alter kann variieren. Von jung bis alt ist meist alles vertreten. Wichtig ist, auch bei der „modernen“ Herrenpartie, dass an diesem Tag die Männer unter sich bleiben, ob nun Vater oder nicht. Erstaunlicherweise ist die Mehrzahl der feiernder „Väter“ kinderlos und ledig.

Vor allem in Nord- und Ostdeutschland feiert man den Vatertag als Herren- oder Männertag mit einer Herrenpartie. Aber auch in den anderen Teilen Deutschlands ist es beliebt, diesen Tag in einer reinen Männerrunde zu verbringen. Der in Strömen fließende Alkohol unterstreicht den Spaßfaktor dieser Unternehmungen. Sucht man den Begriff „Vatertag“ in der marktführenden Suchmaschine, findet man unter den 356000 Ergebnissen so einige Spaßseiten. So hat Man(n) im World Wide Web die Möglichkeit seine Vatertagstauglichkeit zu testen oder sich für den Ernstfall über „Anti-Katertipps zum Vatertag“ zu informieren. Sind die Herren für ihre Tour noch nicht vollständig ausgerüstet wird ihnen auch in diesem Falle geholfen - Liedmaterial, Wanderkarten oder Bollerwagen erscheinen nur einen Klick entfernt.

Doch auch der Spaß hat seine Grenzen, so teilte das Statistische Bundesamt in seinem Jahresbericht mit, dass die meisten alkoholbedingten Verkehrsunfälle im Jahr 2008 am Vatertag stattfanden. Die Zahl der Unfälle, die sich unter Alkoholeinfluss ereignen war an diesem Tag dreimal so hoch. Auch die Zahl der Polizeieinsätze ist höher als an anderen Tagen. Außerdem führt der erhöhte Alkoholgenuss nicht nur zu einer entspannten Stimmung untereinander, sondern das ein oder andere Mal auch zu aggressivem Verhalten.

Daher herrscht in Deutschland verständlicherweise ein klischeebehaftetes Bild des Vatertages, man sieht ihn als ein rein männliches „Sauf-Grill-Gröl-Event“, das im Gegensatz zum Muttertag sehr negativ konnotiert ist. Die Version des „beschwipsten“ Vatertages kommt häufig vor. Doch es ist in den letzten Jahren durchaus eine Tendenz der Veränderung zu erkennen.

Alternativen

Es gibt viele unterschiedliche Varianten, den Herrentag zu begehen. In Deutschland wird nicht nur in strengen Herrenrunden gefestet, es kommt immer öfter vor, dass die Herren auf ihren Wanderungen in weiblicher Begleitung sind.

Auch die sogenannten Erlebnisausflüge werden immer beliebter, meist stehen dann aufregende Aktivitäten, wie zum Beispiel Bungee-Jumping oder Raftingtouren im Mittelpunkt des Ausfluges. Dabei erfüllt sich dann vielleicht so mancher „Vater“ einen langgehegten Kindheitstraum. Ein deutschlandweit bekannter Reiseveranstalter warb im Jahr 2009 für eine „Erlebnistour (nicht nur) zum Vatertag: „Panzerfahren für Jedermann“ auf „Deutschlands größtem Männerspielplatz“.

Der Vatertag im Kreise der Familie

Erst im Jahr 2008 kritisierte die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen die „traditionellen“ Vatertagstouren, sie forderte dazu auf: „[…] den Vatertag neu (zu) erfinden“, um diesen „[…]begeistert mit den Kindern“ zu feiern. Auf diese Bemerkung gab es viele verärgerte Reaktionen.

Und doch wird der Vatertag immer mehr im Kreise der Familie gefeiert. Es werden Ausflüge mit Frau und Kindern unternommen oder übers verlängerte Wochenende mit der ganzen Familie verreist. Die Herren sind wohl weniger der Aufforderung unserer jetzigen Arbeitsministerin gefolgt, als vielmehr den günstigen Termin als Ausgangspunkt eines Kurzurlaubs zu nutzen. Denn meistens wird der Freitag als Brückentag freigenommen, da auch viele Schulen an diesem Tag geschlossen bleiben. Das erklärt, weshalb die deutschen Straßen am Mittwoch vor Christi Himmelfahrt so stark befahren sind und er zu den verkehrsstärksten im Jahr gehört.

Der Stellenwert dieses Feiertages ist in einer Familie so individuell wie die Familie selbst.

Die Kinder bereiten sich, wie auch beim Muttertag, häufig schon im Kindergarten oder in der Schule auf den Vatertag vor. Dabei lernen sie Gedichte oder Lieder auswendig. Der Vater wird auch häufig mit Selbstgebasteltem oder Gemaltem überrascht. Wird zur Wertschätzung der Mutter an „ihrem“ Tag der obligatorische Blumenstrauß oder die Schachtel Pralinen überreicht, schenkt man dem Vater beispielsweise Socken oder erfreut ihn mit einem alkoholischen Getränk. Auf diese Weise, wenn auch nicht so ausgeprägt wie am Muttertag, macht unter anderem auch der Einzelhandel noch ein kleines Geschäft.

Der Vatertag am Beispiel der Liptinger "Väter"

Das badische Liptingen ist der kleinere Teilort der Doppelgemeinde Emmingen-Liptingen. Es liegt im baden-württembergischen Landkreis Tuttlingen.

Auch in dem knapp 1800-Seelendorf wird der Vatertag gefeiert. Hört man sich in Liptingen um, fällt auf, dass sich die meisten „Väter“ schließlich beim jährlich stattfindenden Vatertagstreffen in einer der Nachbargemeinden begegnen. Dieses Treffen ereignet sich im Rahmen des Frühlingsfestes abwechselnd in Heudorf oder Rorgenwies. Für verschiedene Gruppen, wie etwa die „Nachwuchsväter“ vom Jugendhaus oder die längst den Kinderschuhen entwachsenen Familienväter des „Feierabendhocks“, geht es Richtung Süden.
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Auch die Liptinger „Granatsplitter“ machen sich alle Jahre wieder gut gelaunt und durstig auf den Weg.

Vor ungefähr elf Jahren entschlossen sich ein paar emsige Ministranten beim „Bunten Abend“ des Fastnachtssamstags mitzuwirken. Mit der Zeit entwickelte sich daraus ein bunter Haufen gleichgesinnter junger Männer, die nicht nur an der „Fasnet“ aktiv sind. So sind sie auch für die feuchtfröhliche „Beach Party“ am Liptinger Narrenbrunnen verantwortlich und natürlich sind die Jungs auch am 1. Mai mit ihrem Ladewagen unterwegs. Sie selbst verstehen sich als eine Art „Spaßclub“.

Der Vatertag ist ein weiterer wichtiger Termin in ihrem Kalender. Schon Tage zuvor sind sie mit den
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Vorbereitungen, also dem Einkauf der Getränke und der Planung der Route beschäftigt. Es wird besprochen, wer den Traktor mit dem Ladewagen fährt, wobei die Wahl fast jedes Jahr denselben trifft, der dann gerne auf Alkohol verzichtet.

Ihr Transportmittel, ein ausrangierter Ladewagen, steht allzeit bereit in einer Scheune im Ort. Mit Strohballen, die als Sitzgelegenheit dienen, einer Musikanlage und jeder Menge Bier und Spezi machen sich die „Granatsplitter“ in ihren blauen T-Shirts am Vatertag auf ihre Tour durch die umliegenden Dörfer, nicht ohne zwischendurch immer wieder eine kleine Verschnaufpause bei dem einen oder anderen Gasthaus am Wegesrand zu machen.

Ein Besuch beim „Bühl Paul“, einem Liptinger Urgestein, der sehr gerne seinen hausgemachten Honigschnaps kredenzt, gehört schon zur Tradition.

Bierselig erreichen die Liptinger „Granatsplitter“ am Ende ihrer Fahrt das angestrebte Ziel, an dem sie schon von ihren Freundinnen erwartet werden. Mit vielen anderen „Vätern“ aus Liptingen und der Umgebung lassen sie den Tag bei Blasmusik und einem zünftigen Vesper im Festzelt ausklingen.

Übrigens ist nur einer der Liptinger „Granatsplitter“ tatsächlich Vater.

Andere Länder, andere Sitten - Der Vatertag im Ausland

Überall auf der Welt feiert man Vatertag, allerdings nicht am gleichen Tag und er wird weltweit anders gefeiert.

In Russland feiert man den Vatertag zum Beispiel schon im Februar. Italien, Portugal und Spanien hingegen lassen sich noch bis März Zeit, ihre Väter zu ehren. Nordeuropa, Japan und auch die USA feiern im Juni, in Neuseeland und Australien stehen die Väter im September im Mittelpunkt und im Dezember werden die thailändischen Väter geehrt. Die Schweiz hat den Vatertag erst im Jahr 2007 als Feiertag eingeführt, dort findet er seitdem am dritten Sonntag im Juni statt.

Was in Amerika der „Fathers Day“ darstellt, ist in Italien als „festa del papa“ bekannt. Für diese Länder ist der Vatertag genauso wichtig wie der Tag der Mutter. Sie bringen diesem Feiertag weltweit die meiste Bedeutung entgegen.

Die amerikanischen Väter werden in großen Paraden am dritten Sonntag im Juni geehrt und gefeiert. Man organisiert größere Familienfeiern, an denen alle Männer der Familie (Vater, Großväter, Onkel) anwesend sind. Weiter ist zu beobachten, dass in den amerikanischen Familien an diesem Tag die Vater-Sohn-Beziehung besonders hervorgehoben wird. So stehen nicht selten gemeinsame Angelausflüge oder andere sportliche Aktivitäten im Vordergrund. Selbstverständlich sind hier Geschenke für den Vater.

Die katholischen Italiener ehren ihre Väter am Josefstag, dem 19. März, dort wird der Vatertag im Kreise der Familie gefeiert und die Väter werden reich beschenkt.

In Thailand ehrt man an diesem Tag „hervorragende Väter des Landes“. Die Kinder schenken ihren Vätern und Großvätern eine Pflanze Namens „Canna“, die symbolisch für Männlichkeit und die Rolle des Vaters als Ernährer der Familie steht.

Gewährspersonen

Karl Josef Mader
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Dennis Truckenbrot

Tobias Enzminger

Hintergrund-Infos


Der christliche Feiertag „Christi Himmelfahrt“ und der Vatertag, fallen zwar auf ein und denselben Tag, dennoch hat der christliche Feiertag nichts mit der Geschichte und der Entstehung des Vatertages zu tun.

Christi Himmelfahrt

„Christi Himmelfahrt“ gehört zu den ältesten christlichen Hochfesten. Nachweisbar wurde dieses Fest schon seit dem Jahr 370 innerhalb des Osterfestkreises von den Christen gefeiert, zuvor, in der frühen Christenheit, wurde die Himmelfahrt Jesu mit der Pfingstfeier verbunden.

Sowohl im Lukasevangelium, wie auch in der Apostelgeschichte ist das Geschehen der Himmelfahrt festgehalten. Dort wird beschrieben, dass Jesus seinen Jüngern vierzig Tage nach seiner Auferstehung begegnet und bei der letzten Erscheinung in den Himmel „zur Rechten Gottes“ aufsteigt.

Zahlreiche Bräuche begleiten „Christi Himmelfahrt“ seit dem Mittelalter. So wurde die Himmelfahrt oftmals dramatisch dargestellt. Dabei zog man eine Christusfigur in das Kirchengewölbe hinauf - dort „angekommen“ regnete es Blumen und teilweise auch Heiligenbildchen.

Außerdem wurden mancherorts auch Flurumgänge und –umritte vollzogen. Über den religiösen Hintergrund dieser Umritte lässt sich nur mutmaßen. Denn schon im Spätmittelalter ging die Bedeutung dieser Prozessionen verloren. Allerdings waren diese Flurumgänge damals bereits mit übertriebenem Alkoholgenuss verbunden. Dieser zu Sauftouren verkommene Brauch wurde in der Reformation von der Kirche bekämpft. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich daraus die Herrenpartien, die auch Schinkentouren genannt wurden und damit das Vorbild für die heutigen Vatertagstouren waren. Seit 1936 ist Christi Himmelfahrt in Deutschland gesetzlicher Feiertag.

Die Geschichte des Vatertags

Auch die Geschichte des Vatertages findet ihren Ursprung in den USA. Die Amerikanerin Sonora Louisa Dodd rief diesen Tag zu Ehren ihres Vaters ins Leben.

Ihr Vater William Smart kämpfte im Sezessionskrieg (1861-1865) und gehörte zu den Bürgerkriegsveteranen. Tief beeindruckt von ihrem Vater, der sich nach dem Tod seiner Frau ganz allein um die sechs Kinder kümmerte, wollte sich Sonora Louisa bei ihm für dessen Selbstlosigkeit und Fürsorge bedanken und organisierte mit Hilfe der örtlichen Geistlichkeit im Jahre 1910 die Bewegung zur Ehrung von Vätern. Nach Dodd sollten die Väter mit Geschenken, Gottesdiensten und gut zubereiteten Speisen gefeiert werden. Der erste Vatertag wurde im selben Jahr am 19. Juni in Spokane / Washington gefeiert. Schnell verbreitete sich der Vatertag in ganz Amerika und schon 1924 forderte der damalige Präsident der Vereinigten Staaten Calvin Coolidge die Amerikaner dazu auf, den Vatertag zu feiern. Zwei Jahre später wurde in New York ein „National Father`s Committee“ gegründet, dessen Mitglieder vor allem Geschäftsleute waren. Dieses Komitee machte es sich zur Aufgabe, den Vatertag als nationalen Feiertag zu etablieren. Seit 1942 wählt diese Vereinigung jährlich einen „National Father of the Year“.

Auf dem europäischen Kontinent wird der Vatertag seit den dreißiger Jahren gefeiert. In Deutschland wurde der Vatertag 1931 von einem Herrenausstatter mit dem Werbespruch „Schenkt Krawatten“ eingeführt.

Warum dieser Tag in Deutschland ausgerechnet auf „Christi Himmelfahrt“ fällt, ist leider unklar.

Weblinks

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,483433,00.html

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,482990,00.html

http://www.vatertagstour.de/

http://www.n24.de/news/newsitem_811619.html

http://www.bild.de/BILD/ratgeber/gesund-fit/2010/05/13/katertag-nach-vatertag/was-wirklich-hilft.html

http://www.welt.de/vermischtes/article3738514/TUI-wirbt-fuer-Panzerfahren-zum-Vatertag.html


Belege, Literatur

  • Bieritz, Karl-Heinrich: Das Kirchenjahr. Feste, Gedenk- und Feiertage in Geschichte und Gegenwart. München, 2005.
  • Dewald, Markus: Trend zum Event. Die neue Festkultur einer atemlos gelangweilten Gesellschaft. Ostfildern, 2008.
  • Rouette, Susanne: >Los von Muttern< Fundstücke zur Geschichte des Vatertags. In: Duden, Barbara/ Hagemann, Karen/ Schulte, Regina/ Weckel, Ulrike (Hg.): Geschichte in Geschichten. Ein historisches Lesebuch. Frankfurt am Main, 2003, S.201–S.210.

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