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Klausentreiben

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Bräuche > Bayern > Schwaben
Bräuche > Jahreslauf > Winter
Geprüfte Artikel > Grüner Artikel


Das Klausentreiben ist ein in Oberstdorf und anderen Orten des Oberallgäus geübter Brauch, bei dem Burschen in der Regel am Vorabend des St. Nikolaus-Tages (6. Dezember) lärmend und verkleidet durch die Straßen ziehen.

Termin

Dieser Brauch ist am 06.12.2017.
Er findet jedes Jahr zu diesem Datum statt.

Zum Ablauf

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Die Akteure

Es sind nicht etwa böse Geister, die von den jungen Burschen am Abend des 6. Dezember, dem St. Nikolaus-Tag, in den Straßen von Oberstdorf gejagt werden. Die Verkleideten haben es mehr auf vorwitzige junge Mädchen und allzu neugierige Zuschauer abgesehen, die auch schon mal eine kräftige Abreibung mit Schnee oder mit der Rute riskieren.

Dass das Lärmen und Jagen im Rahmen bleibt, dafür sorgt in Oberstdorf der Gebirgstrachten- und Heimatschutzverein Oberstdorf. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war das Klausentreiben dort nur alteingesessenen Oberstdorfern erlaubt. Inzwischen gibt es ausgesprochene Klausen-Vereine mit eigenen Regeln in Sonthofen (gegründet 1976), Börwang, Berghofen, Türkheim, Immenstadt. Ein Beispiel für die Regeln, lässt sich auf der unten bei den Weblinks angegebenen Seite des Klausenvereins Immenstadt nachlesen. Das Schaulaufen in Sonthofen war 2009 Thema eines kurzen Beitrags im BR-Fernsehen.

Die Verkleidung

Typisch für die Verkleidung der Klausen sind die so genannten "Klöüsegrind" und "a Rüete", die sie in der Hand tragen. Auf den Fotos sieht man Mitwirkende aus dem Klausenverein Sonthofen. Sie tragen Verkleidungen aus Fell mit ebensolchen Masken und laut lärmende Schellen an ihren Gürteln.

Traditionelles Gebäck

Das traditionelle Gebäck zum Klausentag sind heute "Laible" und "Klausenmändle". Auch sie werden gerne mythologisch interpretiert als Sonnenrad und Naturgottheit, deren Kraft mit dem Essen übertragen werden soll. Die christliche Tradition, die mit diesen Gebäckstücken verbunden war, ist wohl heute vergessen. Mürbes Gebäck oder Lebkuchen in Form des Bischofs Nikolaus oder mit seinem aufgeklebten Bild waren noch um 1910 in vielen Orten übliche Geschenke zum Nikolaustag. Die Paten und Patinnen haben sie an ihre Schützlinge ausgeteilt. Aufschluss über die Verhältinisse in Schwaben gibt Gerhard Willi (siehe unten). Der Name des Gebäcks war "Klausen" und "Vogel", auch "Klausenrogel".

Hintergund-Infos

Verschiedene Deutungen

Schon oft wurde und noch immer wird dem Brauch eine germanische oder vorchristliche Geschichte und Bedeutung zugeschrieben, die sich freilich nicht belegen lässt. Sie ist konstruiert, eine Erfindung, und passt in den Rahmen der Suche nach einer "germanischen" Geschichte/Mythologie in Kreisen des Bildungsbürgertums des 19. und 20. Jahrhunderts. Auch in unserer Zeit sind diese Geschichten weit verbreitet. Stossen doch "keltische" Riten und Kultur gerade unter Jugendlichen auf großes Interesse - seien sie nun erfunden oder belegbar. Was wirklich war: Früher hieß es in katholischen Gegenden "der Klaus geht um mit viel Getöse". So berichtete es z.B. der Lehrer Dominikus Hertl im Landkreis Unterallgäu bei einer Umfrage nach allgemeiner "Sitte und Brauch" aus seinem Dorf Boos im Jahre 1910 (siehe Gerhard Willi, Alltag und Brauch). Das Klausentreiben gehört im Allgäu traditionell durchaus in den Rahmen des christlich geprägten Jahreslaufs.

Das Klausentreiben wird gelegentlich mit dem Perchtentreiben verglichen und beiden Bräuchen die gleiche Bedeutung unterstellt. Es heißt dann: Das Ziel des Klausentreibens bestehe darin, in den längsten Nächten des Winters die Wintergeister zu vertreiben. Der Glauben an diese stamme noch aus vorchristlicher Zeit. Als Klausen verkleidet, seien es meist ledige Burschen, die bei Einbruch der Dunkelheit mit Schellen und Ketten durch die Gassen der Dörfer gingen. Diese seien auch als Vorboten der Raunächte zu sehen (siehe Raunacht) und hätten die gleiche Aufgabe wie die in diesen Nächten lärmenden Perchten (siehe Perchtenlauf in Kirchseeon), nämlich böse "Nachtgeister", "Druden" und "Schatten" zu vertreiben. Viel naheliegender ist der Vergleich mit dem Buttnmandl-Lauf in Berchtesgaden der ebenfalls mit dem Nikolaustag zu tun hat.

Eine erfundene Ursprungsgeschichte führt das Klausentreiben auf einen keltischen Umzug zurück: Ein Druide habe junge Ehepaare zu sexueller Enthaltsamkeit während der Wintersonnenwende gemahnt, denn nach keltischem Glauben würden an diesen Tagen gezeugte Kinder krank und schwach. Hinter ihm sei ein wilder, vermummter Kauz hinterher getrottet, den man später Klaus nannte. Er symbolisiere, dass trotz Ermahnung gezeugte Kinder den Eltern durch Naturkräfte wieder genommen würden.

Eine andere Deutung geht von einem schrifttlichen Beleg aus und entwickelt viel Phantasie: Aus dem achten Jahrhundert sei ein Beichtkatalog mit der Frage überliefert: "Hast Du dergleichen gethan, wie Heiden thun, nämlich zu St. Nikolaus einen Hirschen gespielt?" Dazu sei bekannt, die keltischen Ureinwohner im Allgäu eine hirschköpfige Gottheit mit Geweih verehrten. Das gipfelt dann in der Vermutung der "Klaus" könnte auch ein Medizinmann in Hirschverkleidung gewesen sein.

Tätliche Angriffe im Schutz der Masken

Aus dem 18. Jahrhundert sind wilde Geschichten über das Klausentreiben überliefert. Demnach sollen Menschen, die sich in der Klausennacht ins Freie wagten, tätlich angegriffen oder gar getötet worden sein. Wenn es vielleicht auch nicht ganz so schlimm war, die Klausen trieben es doch so wild, das Mitte des 19. Jahrhunderts mancherorts der Brauch verboten wurde. Selbst heutzutage wagen sich ängstliche Menschen während des Klausentreibens nicht auf die Straße. Meist wird das Klausentreiben jedoch eher als ein amüsanter bzw. lustiger Kinderschreck gehandelt.

Ablauf eines geregelten Klausentreibens anhand des Beispiels Immenstad
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Jedes Jahr veranstaltet der Klausenverein Immenstadt mit seinen verkleideten Mitgliedern ein großes Klausentreiben durch die Stadt. Michael Pleinies, ein Mitglied des Vereins, durfte ich einen Besuch abstatten, bei dem er mir mehr über die Hintergründe und über den Ablauf erzählte. Diesen Winter wird Michael das zweite Mal am Umzug teilnehmen. Unter dem Jahr und speziell einen Monat vor dem 5. und dem 6. Dezember, wo das Klausentreiben stattfinden wird, hat der Klausenverein verschiedene Treffen, in denen der alljährliche Umzug exakt geplant wird. Wie jedes Jahr bekommt jeder verkleidete Klausen eine
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feste Nummer, die an diesem Abend bei der Polizei registriert wird. „Falls es zu harten Übergriffen kommen sollte, kann die Polizei anhand der Nummer nachvollziehen, welches verkleidete Mitglied zu überschwänglich geworden ist!“, so Pleinies. Das Regelwerk ist fester Bestandteil des Vereins und allezeit gegenwärtig. Ein paar Stunden vor dem Umzug treffen sich alle Klausen noch einmal und der Verhaltenskodex wird ein weiteres Mal verlesen. „Wir ziehen vom Bahnhof aus zum Marienplatz durch unsere Straßen, um die bösen Geister zu vertreiben, das ist der eigentliche Sinn hinter unserem Brauch“, so Pleinies weiter. Ebenso berichtet er in unserem Interview über den sich alle zwei Jahre wiederholenden größeren Umzug, wo Klausen, Bärbele und Krampuse zusammentreffen, um sich in einem großen Treiben wieder zu finden. Michael erzählte mir, dass alles abgeriegelt wird, d.h. der Umzug kann nicht von Zuschauern unterbrochen werden. Die Sicherheit ist überall gewährleistet. „Wir ziehen unseren Weg entlang durch die Stadt, schallen mit unseren Glocken und Ruten, beziehen die Zuschauer ein und haben unseren Spaß.“ Hin und wieder soll es auch vorkommen, dass einzelne Besucher von mehreren Klausen auf den Umzugsweg gezogen werden und ein wenig Schabernack getrieben wird. „Verletzen tun wir natürlich niemanden, aber den ein oder anderen sanften Schlag muss man schon mal aushalten können, das gehört schließlich dazu!“ Michael berichtet mir weiter, dass ihre Ziele die Erhaltung des Brauchtums, ebenso wie die Kontrolle des Brauchs und die Registrierung der Teilnehmer ist. „Das sichere Einlaufen zu unserem Ziel, dem Marienplatz, und das sichere Auslaufen gehört natürlich auch zu unseren Aufgaben“, bringt Michael an. Zum Schluss unseres halbstündigen Gesprächs erzählt mir Michael noch einmal, wie bedeutsam die Aufrechterhaltung des Brauches für ihn und für seine Freunde ist: „Unser Brauch ist uns sehr wichtig. Wir setzen viel daran, diesen beizubehalten. Schön ist aber auch, dass von Jahr zu Jahr mehr Zuschauer nach Immenstadt kommen und uns sehen wollen, was uns natürlich umso mehr Spaß macht!"


Ausübung des Brauchs in kleineren Gemeinden

Das Klausentreiben findet auch in kleineren Gemeinden große Zustimmung durch die Dorfjugend. In den nördlicheren Regionen des Oberallgäus findet man wenigere Klausenvereine, jedoch wird der Brauch und die „Regeln“ innerhalb des jeweiligen Dorfes weitergereicht, so dass eine relativ sichere Durchführung gewährleistet ist. In Dörfern wie Dietmannsried, Altusried oder auch in Reichholzried ist es üblich, dass die Jugendlichen im Alter von ca. 8-16 Jahren die so genannten Jäger sind, die sich in der Nacht vom 5. Dezember auf den 6. Dezember auf die Straßen wagen und die verkleideten Klausen jagen. Dabei zählt vorerst nicht der Wille, so viele Klausen wie möglich zu sichten, sondern seinen Mut unter Beweis zu stellen. Kleinere Jugendgruppen finden sich meist gegen Einbruch der Dunkelheit zusammen, um sich auf die Jagd zu begeben. Die älteren Jugendlichen, die sich als ehemalige Jäger zurückgezogen haben, verkleiden sich gegen den Spätnachmittag als Klausen und wandern durch die Straßen des Dorfes. Durch laute Kuhglocken an den Gürteln und das Schnalzen der mitgebrachten Ruten machen die Klausen auf sich aufmerksam. Um die Suche der Jugendlichen zu verkürzen, versammeln sich die meisten Klausen vor öffentlichen Orten wie zum Beispiel Schulen oder auch dem Rathaus. Das Aufeinandertreffen der beiden Gruppen ereignet sich meist durch das Ersichten der Klausen, sofern sich ein Jugendlicher zu weit aus seinem Versteck bewegt, weil er womöglich seinen Mut zur Schau stellen will. Sobald die Klausen mit ihren schweren Pelzmänteln ihr Ziel ausgesucht haben, stürmen diese mit lautem Geschrei los und versuchen, den Mutigen zu stellen. Dieser jedoch versucht, zu flüchten, was in einer kleinen Hetzjagd durch das Dorf endet. Falls sich ein Treiber erwischen lässt, kann dies teils lustige Folgen haben oder leicht schmerzliche: Viele Klausen greifen zu ihrer Rute und „erziehen“ den Jäger durch leichte Hiebe mit der Rute auf Oberschenkel oder auch Rücken. Andere Klausen haben sich weniger schmerzliche Züchtigungen einfallen lassen, wie zum Beispiel das Knien der Jugendlichen vor versammelten Klausen, die dann das Vater Unser aufsagen müssen. Bei jedem falsch ausgesprochenen Wort erhält der Erwischte einen kleinen Hieb. Ebenso hat sich als weitere Züchtigung das Aufsagen des Alphabetes vorwärts und auch rückwärts eingestellt, was eine weitere Schwierigkeit mit sich bringt. Nachdem der erwischte Jäger sein Soll erbracht hat, wird dieser wieder freigelassen und sofern er noch nicht genug hat, begibt dieser sich wieder zu seiner Gruppe und zieht weiter um die nächsten Klausen aufzuspüren. Obwohl sich der Brauch in den Dörfern ohne festes Regelwerk gefährlich bzw. schmerzhaft anhört, wird durch das Beobachten von Eltern und anderen Leuten die Grobheit der Klausen weitestgehend überprüft. Da es jedoch immer wieder besonders eifrige Klausen gibt, die ein wenig über das Ziel hinaus schießen, wird auf die einzelnen Dörfern ein besonderes Augenmerk durch die Polizei gerichtet. Das Eingreifen der Polizei ist jedoch nicht üblich und kommt nur in den seltensten Fällen vor.
Eine weitere Begebenheit der Klausen ist die Mobilität, die sich seit mehreren Jahren immer häufiger finden lässt. Dabei steigen mehrere Klausen in ein Auto (meist mit offenem Kofferraum) und fahren langsam durch die Straßen. Sobald eine Gruppe entdeckt wird, springen die verkleideten jungen Männer aus ihren Autos und hetzen die Opfer. Dies bringt einen zusätzlichen Adrenalinschub mit sich, da sich die Jugendlichen auch in „sicheren“ Teilen des Dorfes allezeit darauf einstellen müssen, erwischt zu werden.

Der Mythos „Vikinger“

Unter der jüngeren Generation hat sich ein Gerücht verbreitet, dass die Jugendlichen jedes Jahr zur besonderen Vorsicht durch die „Vikinger-Klausen“ aufruft. Die Vikinger-Klausen sollen angeblich Männer sein, die speziell in fremde Gemeinden ziehen, um die dortige Jugend regelrecht zu verprügeln. Dabei spielen Eisenketten oder auch geflochtene Maschendraht-Ruten eine wichtige Rolle. Die besagten Vikinger sollen angeblich durch die riesigen Hörner an ihrer Verkleidung zu erkennen sein. Das Gerücht von den Vikinger-Klausen wurde jedoch bis jetzt noch nicht bestätigt und dient wohl eher als zusätzlicher Motivationsschub, nicht erwischt zu werden.

Unterschiede in den Verkleidungen

In offiziellen Klausenvereinen herrscht ein eigener Kleidungsstil, an den sich die Mitglieder anpassen. Im Klausenverein Sonthofen oder auch in Immenstadt findet man Männer mit großen Masken vor, die meist ein Geweih oder aber auch Hörner haben. Sie tragen große Pelzmäntel und erinnern an eine Mischung aus Tier und Mensch. In den kleineren Dörfern wird auf andere Materialien zurückgegriffen, so stellen diese Klausen meist bärtige Männer da, die an Knecht Ruprecht, der Gefolgsmann von St. Nikolaus, erinnern.



Literatur

  • Günther Kapfhammer, Brauchtum in den Alpenländern, München 1977, S. 132-133.
  • Gerhard Willi, Alltag und Brauch in Bayerisch Schwaben, Augsburg 1999.

Siehe auch

Nikolaus

Weblinks

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