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Hubertusfest

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Beim Hubertusfest gedenkt man dem Heiligen Hubertus. An diesem Festtag findet in vielen Kirchen eine „Hubertusmesse“ statt, die oftmals von Bläsergruppen musikalisch begleitet wird. Da der Heilige Hubertus der Schutzpatron der Jäger ist, wird die Kirche mit Materialien aus der Natur und Hirschgeweihen geschmückt. In einigen Regionen wird zudem eine Hubertusjagd abgehalten.

Termin

Dieser Brauch ist am 03.11.2018.
Er findet jedes Jahr zu diesem Datum statt.

Ablauf

Das Hubertusfest

Das Hubertusfest findet jedes Jahr am 3.November, dem Festtag des heiligen Hubertus von Lüttich, statt. In vielen Städten Deutschlands ist es an diesem Tag üblich eine „Hubertusmesse“, also einen Hubertusgottesdienst zu Ehren des Heiligen, zu feiern. Diese Gottesdienste werden traditionell von Hornbläsern und Jägern mit ihren Hunden begleitet. Da der heilige Hubertus in heutiger Zeit der Schutzpatron der Jäger ist, findet in manchen Orten zudem eine Hubertusjagd statt
(nach: Kirchhoff, S. 208).
Außerdem ist es an diesem Tag Tradition, dass Salz, Brot und Wasser in den Gottesdiensten geweiht wird. Früher fütterte man anschließend die Tiere im Stall mit diesen geweihten Speisen oder nähte sich das Brot in die Kleidung ein, da man dem Heiligen Hubertus die Gabe zuschrieb, dass er Tiere und Menschen von Krankheiten heilen konnte und das Volk gegen Tollwut schützte bzw. es davon heilte (nach: Döring, S.338). Heutzutage sind allerdings viele dieser Bräuche, wie das Weihen der Speisen, nur noch sehr vereinzelt in Deutschland verbreitet. Jedoch ist die Tradition, der „Hubertusmesse“ und deren Besonderheiten noch in vielen Orten verwurzelt.


Interview mit einem Jäger

Herr Merk ist aktiver Jäger und Mitglied bei dem Bayerischen Jagdschutz- und Jägerverband. Zudem spielt er Jagdhorn und ist Mitglied einer Bläsergruppe, die regelmäßig an Veranstaltungen spielt.

Brauchwiki: Herr Merk, Sie sind aktiver Jäger und Hornbläser, wie feiern Sie in Ihrer Jägerschaft das Hubertusfest?

Herr Merk: Unsere Jägerschaft feiert das Hubertusfest mit einer Hubertusmesse, die meistens am Abend des 3.November in einer Kirche des Landkreises Aichach/Friedberg stattfindet. Zu dieser Messe kommen die Jäger und ihre Angehörigen in ihrer Tracht und nehmen an dem Gottesdienst teil. Zudem gestaltet meine Bläsergruppe die Messe musikalisch.

Brauchwiki: Kennen Sie den Brauch der Treibjagd an diesem Tag und wird dieser in Ihrer Jägerschaft abgehalten?

Herr Merk: Ja ich kenne diesen Brauch und weiß, dass er in einigen Regionen abgehalten wird. Bei meiner Jägerschaft findet aber an Hubertustag keine Treibjagd statt. Wir feiern diesen Tag nur mit einer festlichen Hubertusmesse.

Brauchwiki: Was ist für Sie das Besondere an der Hubertusmesse?

Herr Merk: Sehr schön findet ich dass der gesamte Gottesdienst von der Bläsergruppe musikalisch gestaltet wird. Das verleiht dem Gottesdienst einen Bezug zu den Jägern und erzeugt einen schönen, einmaligen Klang in der Kirche. Außerdem ist der Altarraum mit Zweigen, Sträuchern und Beeren aus der Natur geschmückt. Dies gibt der Kirche einen tollen Flair, der durch den Klang der Bläser und der Trachten der Jäger abgerundet wird. Da am Hubertustag, dem Jägerschutzpatron gedacht wird, finde ich es toll dass an der Hubertusmesse die Jäger zusammen kommen und gemeinsam ihren Patron feiern.

Brauchwiki: Vielen Dank für das Interview mit Ihnen.

(durchgeführt am 21.12.11)

Die Hubertusmesse

Hubertusfest Altar.jpg
Bereits im Mittelalter gab es in Deutschland so genannte „Votivmessen“, bei denen Heilige, wie beispielsweise der Heilige Hubertus geehrt wurde. Diese Art der Messen waren aber noch nicht die traditionellen Hubertusmessen, wie wir sie heute feiern. Sie wurden lediglich auf Belieben der Kirchengänger und Gläubigen für besondere Anliegen abgehalten, waren aber nicht an ein bestimmtes Datum gebunden.
Im 19.Jahrhundert entwickelten sich in Frankreich und Belgien die ersten Hubertusmessen, im Zuge der Treib- und Hetzjagd, die in diesen Ländern eine typische Tradition war. In Deutschland gibt es die traditionellen Gottesdienste, zu Ehren des heiligen Hubertus, erst seit Mitte des 20.Jahrhunderts. Hier zu Lande wurde die Hubertusmesse erstmals bei der Internationalen Ausstellung für Jagd und Sportfischen im Jahre 1954 in Düsseldorf gefeiert (nach:Deutsche Jagdzeitung: Ausgabe 11/2011).
Der Gottesdienst zu Ehren des Heiligen Hubertus findet am wie die Festlichkeiten am 3.November statt. Bei dieser feierlichen Messe gedenkt man dem Jägerschutzpatron auf besondere Weise. Der Gottesdienst kann in einer Kirche aber auch als Feldmesse gefeiert werden. Aufgrund der Witterung zu dieser Jahreszeit, findet die Messe aber meistens im Gotteshaus statt. Die Kirche wird dann vielerorts mit Zweigen oder Früchten des Waldes dekoriert und verschönert. Zudem befindet sich auf dem Altar ein großes Hirschgeweih in dem ein Kreuz dargestellt bzw. befestigt ist. In einigen wenigen Kirchen wird der Altar zudem mit der Jagdbeute der Jäger geschmückt. Dieser Brauch wird aber nur noch selten zelebriert. Mancherorts bringen die Jäger auch ihre Waffen mit in den Gottesdienst oder werden von ihren Jagdhunden begleitet (nach: Kirchhoff, S.208ff.). Meistens wird die Hubertusmesse musikalisch von einer Jagdhornbläsergruppe begleitet, da die Tradition des Jagdhornblasens eng mit der Jagd verbunden ist (nach: Deutsche Jagdzeitung: Ausgabe 11/2011).


Lied zur Hubertusmesse

St. Hubertus - Lied
1. Sankt Hubertus, wir dich preisen,
du bist unser Schutzpatron.
Wir dir unsere Huld erweisen,
bitt für uns an Gottes Thron.
Sankt Hubertus, Schutzpatron,
bitt für uns an Gottes Thron!

2. Alle Müscheder dir vertrauen,
halt zu uns bei Tag und Nacht.
Frau’n und Männer auf dich bauen,
gib du immer auf uns Acht.
Sankt Hubertus, Schutzpatron,
bitt für uns an Gottes Thron!

3. Ja, wir sind dir sehr verbunden,
hilf uns, wenn der Zweifel quält.
Hilf uns auch in schweren Stunden.
Starker Glaube ist’s, der zählt!
Sankt Hubertus, Schutzpatron,
bitt für uns an Gottes Thron!


4. Unser Freund und unser Helfer,
steh uns bei im Lebenslauf.
Schütz uns alle vor Gefahren,
halt die Lebensplagen auf.
Sankt Hubertus, Schutzpatron,
bitt für uns an Gottes Thron!

5. Wieder wollen wir dich preisen,
denn du hilfst uns aus der Not.
Unsere Huld wir dir erweisen,
segne heute Salz und Brot.
Sankt Hubertus, Schutzpatron,
bitt für uns an Gottes Thron!

6. Schon seit vielen hundert Jahren
preisen wir und ehren dich.
Deines Namens Ruhm zu wahren
wir versprechen ewiglich!
Sankt Hubertus, Schutzpatron,
bitt für uns an Gottes Thron!

7. Der du fest zu Lebenszeiten
für den Glauben tratest ein,
hilf uns, hier den Kampf bestreiten,
mutig stets die Deinen sein.
Sankt Hubertus, Schutzpatron,
bitt für uns an Gottes Thron!

8. Lenke unser aller Sinnen,
allzeit woll’n wir dir vertrau’n.
Immer neu dein Lob beginnen,
immer wieder auf dich schau’n!
Sankt Hubertus, Schutzpatron,
bitt für uns an Gottes Thron!

Text: Albert H. Hoffmann 2009
Melodie nach Joachim Neander 1680
(nach: www.literatur-arnsberg.de/documente/Hoffmann-Hubertuslied%20neu.pdf aufgerufen am 27.11.11)

Hintergrund-Infos

Leben des Hubertus von Lüttich


Hubertus wurde im Jahre 655 in Toulouse, im Süden Frankreichs, als Nachkomme des Herzogs Bertrand von Toulouse geboren. Im Laufe seines Lebens, war er Pfalzgraf in Paris und flüchtete anschließend nach Metz. Er heiratete später die Prinzessin von Löwen und bekam mit ihr einen gemeinsamen Sohn. Als seine Frau bei der Geburt des ersten Sohnes starb, verließ er die Stadt, legte alle Ämter nieder und lebte allein im Gebiet der Ardennen, wo er sich von Tieren und Pflanzen der Natur ernährte. Außerdem ging Hubertus auf die Jagd um sich seine Nahrung zu sichern. Durch das Leben als Einsiedler im Hochland wurde Hubertus Glauben zu Gott gestärkt, er wurde Priester. Er zog als Diener Gottes durch das Land und verbreitete den Glauben in dem Gebiet der Ardennen und in Brabant. Im Jahre 705 durfte er das Bischofsamt des Gebiets von Tongern-Maastricht übernehmen. Er blieb jedoch nicht lange Bischof in dieser Region, sondern ließ seinen Sitz um das Jahr 716 nach Lüttich, ins heutige Belgien, verlagern. Anschließend ließ er in Lüttich eine Kathedrale erbauen. Im Jahre 727 starb Hubertus von Lüttich in Belgien.
Heute ist Hubertus vor allem in Belgien ein sehr bedeutender Heiliger und zählt zu den vier heiligen Marschällen. Manchmal zählt man ihn auch zu den 14 Nothelfern. Im Rahmen des Hubertusfestes gilt er vor allem als Jägerschutzpatron und ihm werden zudem Heilskräfte gegen Tollwut und Hundebissen nachgesagt. Weiter ist der heilige Hubertus Schutzpatron für verschiedene Städte und unterschiedliche Berufsgruppen.Heiliger Hubertus von Lüttich
(nach: http://www.heiligenlexikon.de/BiographienH/Hubertus_von_Luettich.html aufgerufen am 22.11.11)


Die Legende des heiligen Hubertus

Die Legende des heiligen Hubertus ist nicht eindeutig historisch nachweisbar. Es handelt sich sehr wahrscheinlich um die Legende des Eustachius, die später auf den Hubertus von Lüttich übertragen wurde. Eustachius lebte im 2. Jahrhundert nach Christus und erlitt als verfolgter Christ den Märtyrertod. Die Annahme dass, die Legende Eustachius dem Hubertus zugeschrieben wurde, lässt sich durch die Tatsache, dass das Fest des Eustachius am 2. oder 3. November gefeiert wurde, untermauern. Die Erzählung wurde möglicherweise zur Legende des Heiligen Hubertus, da er Jäger in den Ardennen war, bevor er zum Bischof geweiht wurde und somit die Erzählung gut auf Hubertus passte (nach: Pfaffrath, S. 18ff.). Die Legende besagt, dass Hubertus bei der Jagd einen großen Hirsch verfolgte. Als er ihn erlegen wollte und näher an den Hirsch heran kam, erschien Hubertus, im Geweih des Hirschs, ein Kreuz mit dem gekreuzigten Jesus Christus. Der Gekreuzigte sprach durch den Mund des Hirsches zu Hubertus und bekehrte ihn. Daraufhin wandte sich Hubertus von der Jagd ab und wendete sich der Kirche zu. Er ließ sich taufen und wurde später schließlich Bischof (nach: Döring, S. 337).

Darstellungen des Hubertus

Die Darstellungen des Hubertus in Kunstwerken wie Kirchenfenstern, Statuen oder Bildern sind eng mit der Legende des heiligen Hubertus und deren Geschichte verbunden. Der heilige Eustachius wird bis zum 15. Jahrhundert mit dem Attribut des Hirsches, der in seinem Geweih ein Kreuz trägt, dargestellt. Der heilige Hubertus wird stattdessen mit einem goldenen Schlüssel abgebildet der, der Legende nach, Tollwutbisse heilte. Dazu wurde der Schlüssel in glühender Form in die Wunde des Kranken, egal ob Mensch oder Tier, gedrückt um die Krankheit "auszubrennen". Zudem hatte Hubertus auf seinen Abbildungen eine Stola die, der Erzählung nach durch das Auflegen auf die Wunden, Krankheiten wie Tollwut, Schlangenbisse, Irrsinn oder Wasserscheu heilte. Erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts finden sich Abbildungen auf denen Hubertus, als Bischof oder als Jäger gekleidet, das Attribut des Hirsches mit dem Kruzifix bei sich trägt (nach: Pfaffrath, S. 20ff.).

Hubertus als Jägerschutzpatron


Bereits seit dem 9. bis 10.Jahrhundert wird Hubertus als Jägerschutzpatron und Jagdheiliger verehrt. Nach seiner Legende war der Heilige Hubertus vor seiner Weihe zum Bischof Jäger, deshalb wird er auf vielen Abbildungen mit einem Jagdhorn dargestellt. Aus diesem Zusammenhang leitete sich auch der Name Hubertus von Hifthorn – Hupe – Hubertus ab. Ein weiteres Attribut ist der Hirsch, der ihm der Erzählung nach bei der Jagd mit einem Kreuz im Geweih erschienen ist. Die Hubertusverehrung der Jäger ist demnach eng mit der Legende des Heiligen Hubertus (Hubertuslegende: siehe Kapitel 2.2) verbunden (nach: Pfaffrath, S. 23). Der Heilige Hubertus schützt als Patronat die Jäger bei der Jagd. Zudem steht er symbolhaft als Zeichen für die Jäger, die Natur, und die damit verbundene Schöpfung zu bewahren und zu schützen (nach: Döring, S.207).
Als Schutzpatron wird ihm jährlich am 3.November im Zuge des Hubertusfests, vor allem mit der Hubertusmesse gedacht.


Kontroverse zwischen der Jagd und dem Gottesdienst


Wenn man das Hubertusfest beobachtet fällt einem die Kontroverse zwischen den Jägern, die Tiere töten und der Messfeier als heiliger Gottesdienst, schnell ins Auge. Diese Spannung lässt aber nach, wenn man die Jagd im Dienste der Schöpfung betrachtet. Der ausgebildete Jäger trägt Verantwortung gegenüber dem Tier und versucht durch die Jagd die Artenvielfalt zu erhalten und das Ökosystem Wald zu schützen. Beim Jagen wählt er zudem die menschlichste aller Tötungsarten, damit die Tiere nicht unnötig leiden müssen.
Diese Tatsache, dass der Jäger im Dienst der Schöpfung handelt wird zudem in den Messfeiern thematisiert um die Menschen, über die Arbeit und den Bezug der Jäger zur Kirche, aufzuklären (nach: Kirchhoff, S. 209).


Weblinks

http://www.heiligenlexikon.de/BiographienH/Hubertus_von_Luettich.html

Belege, Literatur

Döring, Alois: Heilige Helfer. Köln. 2009
Döring, Alois: Rheinische Bräuche durch das Jahr. Köln. 2. Auflage 2007.
Kirchhoff, Hermann: Christi Himmelfahrt bis Sankt Martin im christlichen Brauchtum. München 1986.
Pfaffrath, Arno: Die Legende vom Heiligen Hubertus. Hamburg, Berlin. 2. Auflage 1979.
Roosen, Rolf: Unnötiges Brimborium?. Deutsche Jagd Zeitung, Ausgabe 11/2011.

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