Benutzer    Passwort
neues Benutzerkonto anlegen
Neu 
RSS

Freinacht

Durchstarten: Dieser Artikel ist informativ. Wir freuen uns über weitere Ergänzungen!
Bräuche > Jahreslauf > Frühling
Geprüfte Artikel > Gelber Artikel


Als Freinacht wird die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai bezeichnet. Gruppen von Jugendlichen ziehen dabei herum und machen Unfug. Mit der Walpurgisnacht hat der Brauch nur den Termin gemeinsam.

Termin

Dieser Brauch ist vom 30.04.2019 bis zum 01.05.2019.
Er findet jedes Jahr zu diesem Datum statt.

Ablauf

Nachts, möglichst unbemerkt, stellen Gruppen von Jugendlichen etwas an, das die Nachbarschaft ärgert und/oder amüsiert. Sie verstellen bewegliche Dinge, die um ein Haus herum stehen, wie Bänke, Stühle, Figuren, Blumentöpfe. Sie bringen die Dinge dorthin, wo sie sicher nicht hingehören. Daraus wird ein Monument arrangiert, das der Nachbarschaft ins Auge fällt. Man unternimmt waghalsige Klettereien um irgendetwas auf ein Dach zu hiefen oder hängt eine Gartentüre aus. Die Nachbarn müssen sich am nächsten Morgen austauschen, wer vermisst was und wo hat man das gesehen? Die Grenze zwischen Spaß und Sachbeschädigung wir dabei allerdings manchmal überschritten z.B. wenn am Morgen ein rohes Ei an der Hauswand klebt. So ist das jedenfalls bei uns in Pfaffenhofen an der Ilm.

Hintergrund-Infos

In den unten genannten Büchern kann man lesen, dass die Freinacht leider sehr oft als Freibrief angesehen wird. Besonders in der Stadt ziehen Gruppen von Jugendlichen um die Häuser, um unzählige Rollen Klopapier um Autos zu wickeln oder Ketchup, Senf und Rasierschaum an Haustüren, Fahrrädern usw. zu verteilen. Ärgerlich, aber vergleichsweise harmlos. Problematischer sind die vandalistischen Tendenzen, die vor dem Aushängen von Kanaldeckeln, dem Einschlagen von Schaufensterscheiben und dem Ausleeren von Mülltonnen nicht halt machen. Losgelöst von jedem kulturgeschichtlichen Kontext reduzieren sich diese Aktionen auf bloße Zerstörungswut, gepaart mit Halbwissen um einen "guten alten Brauch".

Bedeutung

Die Freinacht hat nichts - wie oft vermutet und behauptet - mit alten Hexenkulten zu tun, sondern mit dem alten Musterungstermin am Ersten Mai. Vor dem Eintritt in den Militärdienst erbot sich hier für die jungen Männer noch einmal die Gelegenheit zu ausgelassenen Streichen, bevor für sie der "Ernst des Lebens" in den Kasernen - weit weg vom Zuhause - begann.

Vergangenheit?

In den Büchern kann man außerdem lesen: Die Freinacht war in der Vergangenheit den ledigen Burschen vorbehalten, die sich einen Spaß daraus machten, Gartentüren und -tore auszuhängen und woanders zu deponieren oder Blumentröge, Hausbänke, nicht abgeschlossene Fahrräder usw. zu "verziehen" oder mit Gartenmöbeln aus diversen Vorgärten neue Ensembles auf dem Kirch- oder Dorfplatz zu gestalten. Sehr beliebt war es auch, eine "Spur" von "ihm" zu "ihr" zu legen. Entweder verwendete man dafür Sägemehl oder malte als Verbindung zwischen den beiden Häusern einen weißen Farbstrich auf die Straße, der - zum großen Bedauern der Betroffenen - weit über den 1. Mai hinaus hielt. Solche Lektionen waren für die beteiligten Parteien in der Regel schwer zu verkraften, vor allem, wenn die Beziehung noch nicht öffentlich war. Manchmal nutzten die Jugendlichen die Freinacht auch dafür, Ereignisse aus dem Gemeindeleben oder die verantwortlichen Lokalpolitiker zu karikieren. So wurden z. B. Ortsschilder mit Spottnamen überklebt oder an den Rathäusern Transparente mit frechen Versen angebracht.

Derartige "Spuren" habe ich bei uns im Landkreis auch schon entdeckt. Weiße Farbe, die auf die Straße gepinselt oder aus einem Farbkübel geschüttet wurde. Ob sie allerdings in der Freinacht entstanden sind, weiß ich nicht.

Alternativen

In Reichling (zwischen Landsberg und Schongau) wird die Freinacht oder auch Georgisnacht vom 22. auf den 23. April gefeiert.

Literatur:

  • Korff, Gottfried: Heraus zum 1. Mai. Maibrauch zwischen Volkskultur, bürgerlicher Folklore und Arbeiterbewegung. In: Richard van Dülmen / Norbert Schindler (Hg.): Zur Wiederentdeckung des vergessenen Alltags. Frankfurt/M. 1984, S. 246-281.
  • Schuberth, Ottmar: Maibäume. Tradition und Brauchtum. Peißenberg 1995.

Kommentare


blog comments powered by Disqus



Diese Seite wurde zuletzt am 22. Februar 2013 um 12:29 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 22.821-mal abgerufen (to Cache).
Suchen und Finden
Bewertung der Redaktion

Durchstarten: Dieser Artikel ist informativ. Wir freuen uns über weitere Ergänzungen!

Es existiert jedoch eine ältere geprüfte Version.
geprüfte Version ansehen.