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Erntedankfest

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Termin

Dieser Brauch ist am 06.10.2013.

Allgemeines

Das Erntedankfest gilt als eines der ältesten Feste überhaupt. Es steht in einer Reihe anderer Feste, als Teil des agrarischen Zyklus wie etwa Aussaat, erste Ernte, Nachreife. Man muss dabei bedenken, dass von Antike bis Früher Neuzeit die harte Arbeit auf dem Feld für ca. 80 Prozent der Menschen Alltag war. Die Bevölkerung war von der Ernte abhängig und kam nur mit ihr durch den Winter. Aus diesem Grund dankten sie Gott am Ende der Erntezeit für die gediehenen Feldfrüchte. Noch heute zeigt uns dieses Fest, dass das „tägliche Brot“ hart erarbeitet werden muss und nicht als „alltäglich“ angesehen werden kann.

Geschichte

Test ... Eine Feier zum Erntedank gibt es seit ca. 5000 Jahren. Es ist kein speziell christliches Fest, da alle Kulturen, Völker oder Religionen die Ernte als wichtiges Ereignis betrachteten und dementsprechend würdigen. Belegt ist das Erntedankfest unter anderem für die jüdische, ägyptische, griechische und römische Kultur. Die größte Ähnlichkeit zu unserem heutigen fest besteht im jüdischen Brauchtum.

Ägyptische Kultur
Die Ägypter verehrten mehrere Götter, von denen jeder eine bestimmte Aufgabe hatte. Osiris war dabei der Gott der Unterwelt und des Todes. Er begleitete die Menschen in die Unterwelt. In diese Verbindung zum Tod und seiner Auferstehung interpretierten die Menschen seine Verantwortung für die Ernte. Er würde nach dem Tod des Winters für die Auferstehung der Natur im Frühjahr verantwortlich sein. Diese Doppelbindung machte ihn zum Gott der Aussaat. Die Erntezeit im Sommer wurde von den Ägyptern Schemu genannt und festlich zu Ehren von Osiris begangen. Dies kann als ein Vorläufer des Erntedankfests angesehen werden. Das Ritual hat jedoch keine Ähnlichkeit mit unserem heutigen Fest. Es bezeugt aber das Verständnis der Menschen für die Ernte den Göttern zu danken.

Griechische Kultur
Ebenso wie die Ägypter gab es im antiken Griechenland mehrere Gottheiten. Von diesen war Demeter die Göttin der Erdfruchtbarkeit. Diese zeugte mit Hades eine Tochter mit dem Namen Persephone. Als ihre Eltern stritten, wurde sie von Hades geraubt. Demeter war darüber so erzürnt, dass sie die Erde mit Unfruchtbarkeit strafte, so dass sogar die Götter auf ihre Gaben verzichten mussten. Zeus bestimmte daraufhin, dass Persephone zu zwei Teilen des Jahres bei Demeter und zu einem Teil bei ihrem Vater sein sollte. Der Winter als der Teil des Jahres, in dem Persephone bei Hades weilte, galt bei den Griechen als die Trauerzeit der Demeter. Damit im Frühjahr die Bäume wieder blühen, brachten die Menschen der Gottheit Opfer um sie huldvoll zu stimmen. Das Erntedankfest der Griechen war demnach weniger ein Dank für die Gaben der Götter, sondern in erster Linie eine „Bestechung“ beziehungsweise „Vorauszahlung“ für die kommende Ernte.

Jüdische Kultur
Am nächsten steht unserem Erntedankfest die jüdische Kultur. Viele Wurzeln unseres heutigen Brauches finden sich in den Texten des Alten Testaments, welches von den Juden erlebt wurde. Bestimmte Textpassagen in Bezug auf die Gabenbereitung sind Teil unserer derzeitigen Eucharistie.

1. Sukkot:
Dieses auch als „Laubhütten“ bekannte Fest wurde während der Wein-, Obst- und Olivenernte gefeiert. Während einer Zeit von sieben Tagen lebten die gläubigen Juden in kleinen Hütten aus Zweigen, Früchten und Erntegarben. Es gilt als das wichtigste Freudenfest bei dem Jahwe als Herr der Schöpfung gedankt wird. Das Binden von Feststräußen aus vier Pflanzenarten zeigt Parallelen zu unseren heutigen Erntekronen beim Erntedankfest auf.


2. Pascha:
Das Paschafest erinnert noch heute die gläubigen Juden an den Auszug aus Ägypten und die damit verbundene Unterdrückung. Bereits vor der Versklavung durch Ägypten feierten die Nomaden im Frühjahr das Fest des Aufbruchs aus ihren Winterquartieren. Sie dankten dabei für den beginnenden Sommer und das Ende des Winters. Das Paschafest ist in erster Linie nach Lutenbacher kein Erntedankfest im eigentlichen Sinn, sondern ein Dank an „Die Ernte des Lebens“ im Allgemeinen. Ein Gebet dieser Paschafeier tritt in abgewandelter Form in der heutigen Eucharistiefeier auf:
„Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt, du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit…“.
Diese Sätze betet der Priester auch bei der Gabenbereitung während der Erntedankfeier.

Während sowohl die ägyptische als auch griechische Kultur ihren Göttern für die Ernte huldigen, sind direkte Parallelen zu unserem heutigen Brauch nicht festzustellen. Gründe dafür sind sicherlich die extremen Glaubensunterschiede, wie zum Beispiel der Polytheismus. Die Jüdische Kultur, aus der unserer heutiger christlicher Glauben entspringt, bildet hingegen eine Grundlage für unseren heutigen Brauch. Ersichtlich ist jedoch, dass die Menschen seit ca. 5000 Jahren das Bedürfnis hatten für die Erntegaben zu danken beziehungsweise zu bitten.

Das Erntedankfest in Deutschland

Erntealtar Pfarrkirche Thalhausen 2.jpg
Erste Belege für eine kirchliche Erntedankfeier stammen aus dem 8. Jahrhundert der Zeit Pippins des Jüngeren und Sohn Karls des Großen. Auch aus dem 15. Jahrhundert gibt es Belege aus Klöstern über sogenannte Erntedankmessen am 23. September - dem Tag der Tag- und Nachtgleiche.


Während die Evangelische Kirche Erntedank am ersten Sonntag im Oktober feiert, gibt es für die katholische Kirche keinen festen Termin. Grund dafür ist, dass die Kirche eine weltumspannende Größe hat und die Ernte beispielsweise in Brasilien zu einer anderen Zeit eingefahren wird als in Deutschland oder Afrika. Erst die Deutsche Bischofskonferenz legte 1972 den Termin auf den ersten Sonntag im Oktober. Jedoch besteht für keine Gemeinde die Pflicht an diesem Termin, oder überhaupt, Erntedank zu feiern. Grund hierfür ist, dass dieser Brauch nicht Teil des Heilsgeschehens Christi ist. Dies bedeutet, dass der Brauch nicht wie Weihnachten oder Ostern aus dem Leben Jesu Christi stammt. Eine Danksagung für die Gaben der Ernte durch Gott ist kirchlich gesehen durchaus sinnvoll. Die wöchentliche Eucharistiefeier am Sonntag mit dem Teil der Gabenbereitung erfüllt diesen Zweck jedoch ebenfalls. Etabliert ist der „Erntedank“- Gottesdienst in der heutigen Zeit dennoch und richtet sich in besonderer Weise an Kinder und Familien.


Wie die meisten Bräuche ist auch das Erntedankfest nicht statisch gleich geblieben, sondern hat sich immer weiter verändert. So war es früher häufig üblich, dass vor dem ersten Schnitt die Erntegeräte gesegnet wurden. Weiter musste in manchen Teilen Deutschlands die erste Fuhre geschmückt und ohne Streit oder Lärm heimgefahren werden. Alles andere hätte eine magere Ernte verursacht. Die Armen erhielten dafür den Ertrag um Gott milde zu stimmen. Oder man kniete einfach nur neben dem Feld nieder und betete für eine gute Ernte. Heute besteht noch, je nach Region, eine große Vielfallt an Varianten. Der Almabtrieb ist hierfür exemplarisch. Auch dieser ist ein Ausdruck des Dankes für ein Jahr ohne Seuche oder Todesfall unter dem Vieh. Die Rinder werden dabei als die Ernte angesehen.

Ernteschmuck Pfarrkirche Thalhausen.jpg

Am weitläufigsten verbreitet ist die liturgische Erntedankfeier, bei der die Kirche besonders geschmückt wird. Im Chor oder an Seitenaltären wird ein Erntedankaltar errichtet. Dieser Besteht hauptsächlich aus den Früchten des Feldes und der Gärten. Als Abwandlung der heutigen Zeit ist es jedoch nicht mehr unüblich, dass ebenfalls Früchte des Handwerks danebengelegt werden. Dabei kann es sich um örtliche Industrieprodukte handeln, wie Schreinerarbeiten, Wurstwaren, Milchprodukte, oder vieles mehr.


Im Zentrum des Erntedankaltares steht eine Erntekrone oder Erntekranz. Wie bereits oben erwähnt stammt diese aus dem jüdischen Sukkotfest ab. Sie wird häufig von den Frauen der Gemeinde aus vier Getreidesorten gebunden. Roggen, Weizen, Hafer und Gerste werden als Grundstoff kunstvoll zu einer Krone geflochten.

Erntekrone.jpg

Wie im Mittelalter üblich, werden auch heute in einigen Gemeinden die Gaben des Erntealtares an arme Menschen verschenkt. Empfänger sind dabei häufig Obdachlosenheime mit katholischer oder evangelischer Trägerschaft.
Am Erntedanktag sollte den Menschen bewusst werden, dass sie für die Gabe der Ernte Dankbarkeit aufbringen müssen und dass diese Geschenke nicht selbstverständlich sind. Weiter wird an diesem Tag bewusst, dass der Mensch gegenüber der Natur eine Verantwortung hat. Er macht sich die Gaben Gottes zu Eigen, muss aber an die Berufung und das Ehrenbild Gottes gebunden bleiben.

Weblinks

Belege, Literatur

  • Baum Karl, Altbayerische Bräuche und Feste. Schrobenhausen 2008.
  • Fechtner Kristian, Im Rhythmus des Kirchenjahres. Vom Sinn der Feste und Zeiten. München 2007.
  • Kerscher Otto, Von alten Bräuchen unserer Heimat. Straubing 2000.
  • Kirchhoff Hermann, Christliches Brauchtum, Feste und Bräuche im Jahreskreis. Freiburg-Basel-Wien 1998.
  • Lautenbacher Marcus, Erntedank, Gemeinde-, Familien- und Jugendgottesdienste. Regensburg 2008.

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Diese Seite wurde zuletzt am 9. Mai 2013 um 17:39 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 17.408-mal abgerufen (to Cache).
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