Barbarazweige

Termin

Barbarazweige.
Dieser Brauch findet immer am 04. Dezember statt.

Einstiegsinformationen

Die Heilige Barbara zählt zu der Gruppe der 14 Nothelfer, das heißt zu einer Gruppe besonders populärer Heiliger. Ihr Namenstag wird am 04. Dezember begangen. Dazu werden Zweige, die Barbarazweige, von Obstbäumen oder Forsythiensträuchern geschnitten und ins Wasser gestellt, damit sie im Winter erblühen. Das Aufstellen der Barbarazweige zählt mit zu einer Reihe von Advent Bräuchen, die in der Vorweihnachtszeit stattfinden. Jedes Jahr werden am 04. Dezember Barbarazweige ins Wasser gestellt. Dieser Tag entspricht dem Gedenktag der Heiligen Barbara, auf die der Brauch zurückgeht. Die Zweige bleiben bis nach Weihnachten, meist bis zum Dreikönigstag, stehen.

Ablauf

Der Brauch, Barbarazweige zu schneiden und ins Wasser zu stellen, ist noch weit verbreitet. Man erhofft sich, dass die Zweige bis zum Heiligen Abend oder gar genau dann aufblühen. Katrin aus Augsburg stellt selbst jedes Jahr Barbarazweige auf. Für sie ist der Brauch aus der Vorweihnachtszeit nicht mehr wegzudenken. Sie findet den Brauch sehr schön, da man mit den blühenden Zweigen im Winter den Frühling ins Haus holen kann. Sie erklärt mir, wie man die Barbarazweige schneidet und pflegt: Damit die Zweige blühen, sollten sie vorher einen Frost abbekommen haben. sollte der Frost vor dem 4.Dezember ausbleiben, kann man dadurch nachhelfen, dass man die Zweige für zwei Tage in das Gefrierfach legt. Die Zweige sollten dann mit einem scharfen Messer schräg angeschnitten werden, kräftigere Zweige können auch mit einem Hammer weich geklopft werden. Dadurch kann die Aufnahmefähigkeit für das Wasser erhöht werden. Die angeschnittenen Zweige werden dann in eine Vase mit lauwarmem Wasser gestellt. Dadurch wird den Knospen der Frühlingsanfang mit steigenden Temperaturen vorgetäuscht. Das Wasser sollte alle drei bis vier Tage ausgetauscht werden und die Vase gereinigt werden. Dadurch wird die Bakterienbildung verhindert. Zum Antreiben sollten die Zweige zuerst in einem kühlen Raum stehen. Sobald die ersten Knospen zu schwellen beginnen, können die Zweige in einen wärmeren Raum gestellt werden. Die Zweige sollten dann nicht direkt an die Heizung oder den Ofen gestellt werden. Dort ist es zwar warm, allerdings trocknen die Knospen bei zu trockener Heizungsluft aus. Daher sollte man für genügend Luftfeuchtigkeit sorgen. Diese kann zum Beispiel durch das Besprühen der Zweige mit Wasser erreicht werden. Hinter dem Brauch steckt die Überlieferung, dass die im kalten Winter verdorrten Blüten auf dem Grab der Heiligen Barbara genau am Abend des 24. Dezembers wieder aufgeblüht sein sollen. Dieser Legende stehen jedoch botanische Tatsachen gegenüber: nämlich dass Gehölze einem jahreszeitlichen Rhythmus unterliegen und dass die Blütenknospen mit dem Kürzerwerden der Tage und durch eintretenden Frost in Winterruhe übergehen. In den geschnittenen Zweigen werden durch Zimmerwärme Hemmstoffe abgebaut, die die Knospen aktiv werden lassen und sie in einen künstlichen Frühling versetzen, der die Zweige erblühen lässt. Bei den Barbarazweigen kann man, wie beim Christbaum und beim Adventskranz, das Grün der Pflanze als Gegensatz zur Finsternis und Kälte des Winters empfinden und mit Licht, Leben und dem Hoffnungsträger Jesus Christus in Verbindung bringen.

Hintergrund-Infos

Barbarazweige.

Barbaralegende

Die Heilige Barbara gehört zu den 14. Nothelfern. Sie soll als Märtyrerin unter dem römischen Kaiser Maximilianus (305-313) gestorben sein. Der Legende nach stammte Barbara aus Nikomedia, dem heutigen Izmit in der Türkei. Ihr Vater, ein Heide, war sehr wohlhabend. Den Erzählungen nach war Barbara sehr schön. So kam es, dass ihr Vater sie zu ihrer Sicherheit in einen Turm sperren ließ, wenn er auf Reisen war. Dadurch wollte er ihre Keuschheit bewahren und eine Heirat verhindern. Barbara konvertierte zum Christentum und ließ in ihren Wohnturm ein drittes Fenster einbauen, um der Dreifaltigkeit zu gedenken. Als ihr Vater von einer Reise zurückkehrte und dies bemerkte, stellte er sie zur Rede. Er war entsetzt, doch alle seine Versuche, Barbara von ihrem Glauben abzubringen, scheiterten. Ihr Vater klagte sie an und ließ sie verfolgen. Barbara floh und suchte in einem Felsspalt, der sich vor ihr öffnete, Schutz. Ein Hirte, der sie gesehen hatte, verriet sie schließlich. Als Barbara auf den Befehl ihres Vaters hin ins Gefängnis gebracht wurde, verfing sich der Legende nach ein Kirschzweig in ihrem Gewand. Diesen stellte sie in ihrer Zelle in einen Krug Wasser. Am Tag ihrer Verurteilung erblühte der Zweig.  Einer Überlieferung zufolge soll Barbara folgendes gesagt haben: Du schienst wie tot. Aber du bist aufgeblüht zu schönerem Leben. So wird es auch mit meinem Tod sein. Ich werde zu neuem, ewigen Leben aufblühen! Bevor sie starb habe sie die Verheißung erhalten, dass niemand, der sie anrufe (das heißt sie als seine Fürsprecherin vor Gott erbitte), ohne den Empfang der Sakramente sterben würde. Barbara soll schließlich von ihrem eigenen Vater enthauptet worden sein, der daraufhin von einem Blitz erschlagen worden sei. Das Verlangen nach einem gnädigen Tod, also dem Sterben in dem Bewusstsein in die Gnade Gottes aufgenommen zu werden, machte die Heilige Barbara als Fürsprecherin sehr populär. Barbara gilt als Patronin der Bergleute, Baumeister, Turmwächter, Glockengießer und Feuerwehrleute. In Bergbauregionen wurde und wird z. T. noch heute der Barbara-Tag mit einem Hochamt begangen.

Barbarabäume

Früher wurden in manchen Teilen Bayerns sogenannte Barbarabäume aufgestellt, die mit weihnachtlichem Schmuck und Süßigkeiten behängt worden sind. Sagen von Bäumen, die bis Heilig Abend blühen, sind bereits 1430 in der Nürnberger Gegend und 1653 in Gräfenberg bekannt. In Franken werden diese Barbarabäume als Vorläufer des Christbaumes angesehen. Da es durch das Abschlagen der Äste zu einer Schädigung der Obstbäume kam, wurde das Aufstellen von Barbarabäumen jedoch verboten. Anfangs wurde noch versucht das Verbot zu umgehen, mit den Jahren wurden allerdings immer seltener Barbarabäume aufgestellt. Dr. Volker Gronauer hat diesen Brauch wiederentdeckt und stellt seit Mitte der 80er Jahre einen Barbarabaum auf. Dieser wird mit einer großen Sammlung an antikem Weihnachtsschmuck behängt und ziert heute jedes Jahr die Hubertusstube am Schweizer Keller in Forchheim-Reuth.

Glaube und Aberglaube

Mit dem Aufstellen von Barbarazweigen sind verschiedene Formen des Glaubens und des Aberglaubens verbunden. Früher wurden die Barbarazweige als eine Art Orakelbrauch gesehen. Bei Viehabtrieben vor dem Wintereinbruch wurden Zweige mitgenommen und ins Wasser gestellt. Die Anzahl der Blüten am Weihnachtsabend ließ auf die Fruchtbarkeit im nächsten Jahr schließen. Barbarazweige wurden auch als Ernteorakel eingesetzt. Man glaubte, dass die Blüten in einem direkten Verhältnis zur Größe der nächsten Ernte stehen sollen. Viele Blüten sollen demnach eine reichhaltige Ernte und wenige Blüten eine magere Ausbeute bedeuten. Die Zweige wurden außerdem als Liebesorakel genutzt. Wenn eine Frau den Namen ihres Angebeteten in die Zweige ritzt, so bedeutet das Aufblühen der Zweige entweder, dass der Mann sie ebenfalls liebt oder dass im nächsten Jahr eine Hochzeit ansteht. In Wien und Niederösterreich wird für jedes Familienmitglied ein Barbarazweig mit einem kleinen Namensschild ins Wasser gestellt. Die Zweige werden dann genau beobachtet. Derjenige, dessen Zweig als erstes erblüht, wird im nächsten Jahr besonders viel Glück haben. Allgemein werden das Aufblühen der Zweige mit großem Glück und das Nichtblühen mit Unglück im nächsten Jahr in Verbindung gebracht. Ein Aberglaube besagt, dass die Barbarazweige ein Unheilbote sind, wenn sie nicht aufblühen. So soll ein naher Verwandter oder enger Bekannter im nächsten Jahr sterben, wenn die Zweige nicht bis zum Weihnachtsabend erblühen. Dieser unheilvolle Aberglaube ist der Grund dafür, dass Gabi aus Illertissen auch dieses Jahr keine Barbarazweige aufstellt.

Barbarazweige in der Werbung

Auch die Werbeindustrie ist auf den Brauch Barbarazweige aufzustellen aufmerksam geworden und nutzt den Glauben, dass blühende Barbarazweige an Weihnachten Glück für das neue Jahr verheißen. So verwendet beispielsweise der mon chéri - Hersteller Ferrero den Brauch in einer Werbekampagne. Neben dem Werbespot, der im Fernsehen ausgestrahlt wird, veranstaltet Ferrero jährlich eine Spendenaktion, bei der in 20 deutschen Städten Kirschzweige auf Weihnachtsmärkten verschenkt werden. Für jeden verschenkten Kirschzweig spendet Ferrero einen Euro an eine wohltätige Organisation. Im Jahr 2013 fand die Aktion bereits zum siebten Mal statt. Der Erlös von 54.500 € ging dieses Mal an die Sauti-Kuu Stiftung. Sauti Kuu – Kiswahili für »Starke Stimmen« –ist eine Stiftung, die Kindern in aller Welt Perspektiven geben will. Auf der Spendengala, die jedes Jahr am Barbaratag in München stattfindet, sind auch einige prominente Gäste vor Ort. Neben dem Stammgast Llly Becker waren 2013 auch die Oscar-Preisträgerin Juliette Binoche, Desperate Housewives-Star Marcia Cross, Rebecca Mir und viele weitere Promis auf dem roten Teppich zu finden. Neben dem ganzen Staraufgebot bleibt die Frage, ob es bei der Veranstaltung wirklich noch um den Brauch Barbarazweige aufzustellen geht oder ob dieser nur für reine Werbezwecke ausgenutzt wird. So ist es fraglich, ob alle Besucher überhaupt noch den Brauch, sowie die Hintergründe dazu kennen und inwieweit das Produkt mon chérie wirklich mit dem Brauch Barbarazweige aufzustellen in Verbindung steht.

Weblinks

Literatur

  • Becker-Huberti, Manfred: Lexikon der Bräuche und Feste. Freiburg 2000.
  • Döring, Alois: Heilige Helfer. Rheinische Heiligenfeste durch das Jahr. Köln 2009.
  • Klein, Diethard H.: Weihnachten in Franken. Bamberg 1992.
  • Mayer, Peter; Gehmacher, Sigi: Brauchtum übers Jahr im alten Bayern. München 2010.
  • Streng, Petra; Bakay, Gunter: Wilde, Hexen, Heilige. lebendige Tiroler Bräuche im Jahreslauf. Innsbruck 2005.
  • Werner, Richilde/Werner, Paul: Der bayerische Heiligenhimmel. Frommer Brauch im Jahreslauf. Berchtesgaden 2003.

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