Nubbelverbrennung

Termin

Die Nubbelverbrennung.

Dieser Brauch findet am 25. Februar 2020 statt.

Einstiegsinformation

Die Nubbelverbrennung ist ein Brauch des rheinischen Karnevals, bei dem am letzten Karnevalsabend, bzw. der Nacht vor dem Aschermittwoch der sogenannte Nubbel verbrannt wird. Der Nubbel, eine lebensgroße Strohpuppe, verkörpert hierbei die Sünden der Karnevalisten und sorgt durch seine Verbrennung für einen guten Start in die Fastenzeit.

Ablauf

Der genaue Ablauf einer Nubbelverbrennung variiert von Stadt zu Stadt und ist natürlich von der Vorstellung der Veranstalter abhängig. Exemplarisch wird hier eine Nubbelverbrennung in Köln beschrieben.

Nubbelverbrennung in der Kölner Innenstadt (Altstadt-Süd)

Alle flennen wenn die Nubbel brennen. (Kölsches Sprichwort)

Am letzten Tag des Karnevals, dem Veilchendienstag – und somit dem traurigsten Tag für alle Karnevalisten und Fans der fünften Jahreszeit – wird der Nubbel verbrannt. Um sündenfrei in die mit dem Aschermittwoch beginnende Fastenzeit zu starten, sollen sich am Vorabend symbolisch die Sünden der Karnevalszeit in Schall und Rauch auflösen.

Mit der Nubbelverbrennung endet die Karnevalssession, die am 11.11. um 11:11 Uhr begonnen hat. Die Karnevalssession ist die Zeit der Jecken, auch fünfte Jahreszeit genannt. Vor allem der Beginn und das Ende wird groß gefeiert, dabei spielen die zahlreichen Eckkneipen Kölns eine tragende Rolle. Köln ist in viele kleine Stadtviertel aufgeteilt, den Veedeln mit denen sich auch jeder Altkölner stark identifiziert. Die Veedel sind keine administrativen Stadtteile sondern eher Nachbarschaften. Ein Veedel oder mehrere Veedel gemeinsam organisieren eine Nubbelverbrennung. Die Organisatoren sind meist Privatpersonen, Kneipenbesitzer (da die Eckkneipen als Versammlungsplatz und Verbrennungsort dienen) oder Karnevalsgruppen.

In der Jeckenzeit heißt es sind jegliche Art von Sünden legitim, denn die werden am Ende mit dem Nubbel verbrannt. Dazu wird eine Strohpuppe in Lebensgröße gefertigt und angekleidet – der Nubbel. Gegen 23.00 Uhr geht es in einem theatralischem Trauermarsch, angeführt durch den Nubbel, bei dem sich immer mehr Menschen mit Fackeln und Kerzen anschließen und laut jammernd und klagend das Ende des Karnevals betrauern, zu ein vorher bestimmten Eckkneipe (in diesem Fall das Filos). Während der Prozession gibt es noch ein Ritual, bei dem sich die Menschen auf ein Zeichen hin alle auf den Boden legen oder knien müssen und der Geistliche sie dann mit Weihwasser (Wassereimer und Klobürste) bespritzt.

An der Kneipe ist eine Tribüne aufgebaut und ein Rednerpult – es findet eine Gerichtsverhandlung statt. Zwei als Geistliche verkleidete Redner klagen den Nubbel an. Diese Anklage wird in humoristischer Weise und oft in gereimter Form mit Anspielungen auf Misslungenes aus Politik und Wirtschaft (wie in diesem Fall das beliebte Thema des 2009 eingestürzten Kölner Stadtarchivs, dessen Nachwirkungen, wie z.B. der nach wie vor brachliegende U-Bahn-Ausbau, nach wie vor für die Kölner spürbar sind) vorgetragen. Aber auch für die eigenen Sünden die man begangen hat, für all die verteilten Bützchen (Küsse) und den vielen Alkohol – an allem trägt der Nubbel Schuld.

Es gibt zwei Varianten, wie die Verhandlung geführt werden kann: entweder der Nubbel wird als zu bemitleidendes Opfer aller Sünder dargestellt oder als zu Recht verhasster Übeltäter. In diesem Fall hatte die Menge zunächst Mitleid mit dem armen Nubbel und einstudierte Verse wurden im Chor aufgesagt:

Oh Nubbel wir vermisse dich, oh Nubbel, me stann op dich, oh Nubbel me lasse dich nich em stich!

Jedoch muss am Ende der Nubbel brennen und die Stimmung wird durch den Redner aufgeheizt und es folgen Frage-Antwort-Parolen wie: (Vorredner) Wer ist schuld an den ganzen Leuten mit

Aschekreuz nach der Nubbelverbrennung.

denen wir fremdgegangen sind? (Menge) Da Nubbel wars! oder Der Nubbel ist schuld.! Die Menge verurteilt den Nubbel kräftig mit – als Sündenbock geht dieser dann schließlich gegen Mitternacht zur Strafe in Flammen auf. Begleitet von traditionellen Liedern oder dem diesjährigen Nummer-1-Karnevalshit „Et jitt kei Wood“ von Cat Ballou oder Klassikern aus dem Kölschen Schlager wie „En unsrem Veedel“ von Bläck Fööss wird die Asche des Nubbels an gasgefüllte Luftballons gehängt und diese steigen dann in den Nachthimmel auf. Somit haben sich alle Sünden der Karnevallszeit in Schall und Rauch aufgelöst. Zur Sicherheit kann man sich mit der verbrannten Asche des Nubbels ein Kreuz auf die Stirn malen lassen, als Zeichen der Sündenvergebung und durch die reinigende Asche für einen guten Start in die Fastenzeit sorgen.

In Rheinnähe gibt es auch den Brauch, den Nubbel ins Wasser zu werfen.

Danach wird noch weitergefeiert bis schließlich mit dem Aschermittwoch endgültig der Karneval vorbei ist – zumindest für dieses Jahr.

Die Orte und Zeiten für die Nubbelverbrennungen lassen sich zuvor einschlägigen regionalen Blättern entnehmen auf Internetseiten nachlesen oder durch Facebook oder per App erfahren.

Varianten

Ähnliche Bräuche gibt es beispielsweise auch in Bayern und Österreich. Im oberbayerischen Raum wird der Fasching traditionsgemäß begraben und in Österreich gibt es einen der Nubbelverbrennung ähnlichen Ablauf, das sogenannte Faschingsverbrennen.

Geschichtlicher Hintergrund

Der Begriff Nubbel findet sich schon seit dem 18. Jahrhundert in der kölschen Umgangssprache und wird immer dann verwendet, wenn nur vage oder diffuse Aussagen gemacht werden können oder wollen, wie z.B. bei einer Schuldzuweisung: „der Nubbel is schuld“, also irgendwer, irgendjemand trägt Schuld. Der Brauch den schuldigen Nubbel zu verbrennen, findet sich im rheinischen Karneval bereits seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Vorläufer des Nubbels war der „Zacheies“ (kölsche Form des hebräischen Zachäus), der zum Ausklang einer Kirmes verbrannt wurde.

Dies ist historisch belegt durch die Schriften von Ernst Weyden. Er beschreibt in seinen Erinnerungen über die 1820er Jahre: „Mit förmlichem Leichengeleite trug man eine Puppe auf einer Bahre durch die Stadt und verbrannte dieselbe auf einem Platze.“ Dies sei ein „[alter] Festgebrauch, der sich noch im südlichen Deutschland und selbst in Griechenland erhalten hat“.

Weblinks

Literatur

  • Ernst Weyden: Köln am Rhein vor 150 Jahren (gebundene Ausgabe), Greven Verlag, Köln 1960.

Video