Klapperjungen

Termin

Dieser Brauch findet am 10. und 11. April 2020 statt.

Klapperjungen mit Ratschen.

Einstiegsinformation

Die Klapperjungen rufen die Gläubigen in katholischen Gemeinden am Karfreitag und Karsamstag zu Gottesdiensten und Andachten zusammen, denn die Kirchenglocken schweigen in dieser Zeit. In Bodendorf (Rheinland-Pfalz) kam dieser Brauch nach 1970 zum Erliegen.

Ablauf

Allgemeines

In den Kartagen vor Ostern schweigen die Kirchenglocken, nachdem sie beim Gloria der Gründonnerstagsmesse zum letzten Mal geläutet haben. Der Volksmund sagt auch, die Glocken seien nach Rom geflogen. Um die Gemeinde weiterhin über die Angeluszeiten zu informieren sowie zum Gottesdienst zu rufen, ziehen die Dorfkinder und -jugendlichen mit Klapperkästen oder Ratschen aus Holz durch die Straßen. Bei diesem Brauch mischen sich Ernst und Spaß. Er wird längst nicht überall ausgeübt. Manche der verwendeten Klappern und Rasseln dienen seit Generationen dem Brauchtum der Karwoche. Bild: Klapperjungen aus Lascheid in der Eifel 2004.

In Bodendorf

Eine Klapper oder Ratschen.

In Bodendorf (in Rheinland Pfalz) wurde diese Aufgabe stets von Buben des ältesten Schuljahrgangs, der achten Klasse, übernommen. Einer von ihnen – meistens der stärkste oder frechste – durfte die große Rassel tragen. Er hatte zudem das Privileg, seine Initialen in die Rassel schnitzen zu dürfen. Diese Rassel ist überall mit Buchstaben bedeckt. Selbst auf den Schmalseiten der Kurbel sind solche eingeschnitten. Die Buchstaben, meist paarig (sog. Buchstabenpaare: Markus Schaffer = MS), sind häufig übereinander eingeschnitzt, ältere sind von jüngeren Schnitzereien überlagert. Vier mal wurde ab Gründonnerstag am Karfreitag und Karsamstag geklappert – davon zweimal am Morgen zwischen 6.00 und 7.00 Uhr. Zu dieser Zeit waren häufig noch nicht alle Klapperkinder dabei. Jedes Mal trafen sich die Klapperjungen am Gasthaus Rhein-Ahrtal. Von dort zog die Klapperkinder-Schar über die Hauptstraße des Dorfs an der Burg vorbei bis zur Annakapelle, die bis in die 1960er Jahre unter dem Kastanienbaum an der Ecke der Hauptstraße stand. Auf den Stufen der Kapelle rasteten die Jungen. Dann durften die jüngeren Klapperbuben einmal die Rassel drehen. Anschließend ging es über die Hauptstraße zur Schule gleich nebenan, wo sich der Zug auflöste. Morgens um 7.00 Uhr war Messe, auch für die Schulkinder. Danach begann der Unterricht.

Verse

Beim ersten Gang werden folgende Strophen gesungen:

Hört an, hört an, ihr lieben Leut, kommt mit, kommt mit zum heiligen Kreuz. Ave Maria! Zum ersten Mal!

Beim zweiten Morgengang hieß es dann:

Hört an, hört an, ihr lieben Leut`, kommt mit, kommt mit zum heiligen Kreuz. Ave Maria! Zum zweiten Mal!

Beim Klappern mittags und abends schließlich:

Hört an, hört an, ihr lieben Leut, die Zeit zum Beten ist nun da. Ave Maria!

Am Ostermorgen, vor der Messe, wurde der Vers nochmal abgewandelt:

Hört an , hört an, ihr lieben Leut, kommt mit zum heiligen Kreuz, in diesem Jahr zum letzten Mal! Ave Maria!

Weitere Klapperverse ( Schmähverse ):

Hört an, hört an, Ihr Ellige Lück, ihr stinket wie die Geißeböck, auch, Ellige Pänz hann Flöh im Rück, stinke wie die Geißeböck.

Nach 1945:

Hört an, hört an, ihr Ellige Pänz, die Zeit zum Besten ist jetzt da.

(Dies geschah jedoch nur, wenn keine Ellige Pänz bei den Klapperkindern waren.)

Die große Rassel

Die Bodendorfer Rassel ist ein Holzkasten mit einer Länge von 55 cm, einer Breite von 19,5 cm und einer hinteren Höhe von 19 cm. Das Vorderbrett mit einem Schallloch von 8 cm Durchmesser ist 12 cm hoch. Das zweiteilige Deckelbrett hat einen oberen planen und einen gebogenen vorderen Teil. Wie das Frontbrett ist es aus Sperrholz. Alle anderen Teile sind aus astfreiem Tannenholz. Mit einer Kurbel am linken Seitenteil werden über eine Holzwelle die Klangfedern aus Holz oder Blech an einem Widerstand vorbei geschleift. Dadurch wird ein lautes knackendes Rasselgeräusch erzeugt. Der genaue Mechanismus ist nicht zu erkennen, da das Innere der Rassel nicht einsehbar ist.

Zum Ende des Brauches in Bodendorf

Nach 1970 schlief der Klapperbrauch in Bodendorf ein. Ein Grund dafür war die Schulreform von 1969 mit der Auflösung der Volksschule und der Neugliederung in Grund- und Hauptschule. Seitdem gingen die Achtklässler nämlich nicht mehr in Bodendorf in die Schule. Außerdem begannen 1970 Umbau und Erweiterung der St. Sebastianus-Kirche. Bis dahin war die große Klapper in der Sakristei aufbewahrt worden. Während der Bauphase wurde sie zunächst mehrere Jahre auf dem Dachboden des Hauses der Küsterin Christine Deller aufbewahrt, wo sie beinahe in Vergessenheit geriet. Später wurde sie dann der Grundschule übergeben. Bei der jüngsten Sanierung der Schule schließlich wurden Rassel, Klappern und Ratschen ans Heimatarchiv übergeben.