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Fasnatziestag in Oberstaufen

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Termin

Dieser Brauch ist am 13.02.2017.



Der Fasnatziestag in Oberstaufen im Allgäu findet jedes Jahr am Faschingsdienstag ("Fasnat- Ziestag") statt. Im Mittelpunkt steht der Festumzug mit dem Butz an der Spitze, der dem Gedenken an die Pestopfer von 1635 gewidmet ist.

Ablauf

Der "Butz"

Fasnatziestag Oberstaufen 1.jpg

Die Hauptfigur ist der sogenannte "Butz". Er ist die einzige maskierte Gestalt in dem ganzen Schauspiel. Sein Auftritt soll an die Pestopfer erinnern und seine Kleidung mit den verschiedenfarbigen Rauten an die Farben des ehemaligen Landesherren. Zudem trägt er einen schwarzen Gürtel und eine Maske. Auf der Rückseite seines Gewandes befindet sich ein angenähtes Schild auf dem steht: "Butzbe Juhö". Dies ist der Spruch, mit dem die Kinder den Butz beim Umzug begleiten. Des weiteren trägt er einen Hut mit dem Ausspruch: "Jedam Lappe gfallt si Kappe und mir mi Hut so lang ars duat". In seiner rechten Hand hält der Butz einen Besen mit dem er die Stadt sozusagen symbolisch von der "Pest" reinigt.

Foto: Butz, der den Umzug anführt

Der Umzug durch Oberstaufen

Was den zeitlichen Ablauf und die besuchten Lokalitäten angeht, gibt es ab und zu Veränderungen. Sonst reihen sich an diesem Tag jedoch traditionell bestimmte Ereignisse aneinander.

Hier ist das Programm des 2010 geplanten Festtages wiedergegeben, wie es Ende des Jahres 2009 unter http://www.fasnatziestag.de/index.php?article_id=1 zu finden war:

"08.30 Uhr Sammeln der ledigen Burschen, Altfähnriche und Altvicefähnriche beim Fähnrich im Speisesaal der Schlossbergklinik; sammeln der Altchargierten und der Blasmusik im Café Sonne

09.40 Uhr Umzug vom Schloß durch den Marktflecken zum Kirchplatz

10.00 Uhr Gedenkakt und Fahnenschwingen am Kirchplatz

11.00 Uhr Frühschoppen im Café am Markt und im Hotel Adler

12.00 Uhr Française der Fahnensektion im Café am Markt;
anschließend gemeinsames Mittagessen im Hotel Löwen

14.00 Uhr Konzert und Sammeln der Männer zur Matour im Hotel Adler

15.00 Uhr Sammeln der Wiber und Föhla zur Ma- und Wibertour am Kirchplatz;
anschließend Matour im Café am Markt und Wibertour im Tanzlokal Weinbauer"

Hier folgt eine wenige Jahre ältere Beschreibung:

Der Fasnatziestag beginnt damit, dass sich alle ledigen Männer sowie die Altfähnriche, Altvizefähnriche und die Fahnensektion mit den "Föhla" (umgangssprachlich für: junge, ledige Frauen) um 08:00 Uhr morgens im Haus des Fähnrichs versammeln. Dabei eilt der Butz den Burschen ("Buebe": jungen, ledigen Mann) entgegen und kehrt diese mit seinem Besen ab, damit sie "gereinigt" das Haus betreten können. Mit den Worten "Es kut oinar, es kut oinar!" (Es kommt einer, es kommt einer!) locken die Kinder den Butz jedes mal wieder vor das Haus. Um 10:00 Uhr beginnt schließlich der Umzug mit Blasmusik und Trommelcorps durch Oberstaufen. Hierbei führt der Butz den Festzug an und kehrt alle Straßen ab. Auf dem Kirchplatz folgt sodann das Fahnenschwingen des Fähnrichs, wobei die Fahne zunächst gesenkt wird, um an die Opfer des 30-jährigen Krieges und der beiden Weltkriege zu erinnern. Danach schwingt der Fähnrich die Fahne dreimal über seinen Kopf, im Gedenken an den Stifter des Brauches, Graf Hugo von Königsegg. Im Anschluss verkündet der Fähnrich: "Am heutigen Tage sollen uns vereinen nach altem Staufner Brauch: Frohsinn, Freundschaft und Ehrbarkeit."

Dann begibt sich die Fahnengruppe ins Festlokal und die Altfähnriche gehen zum Frühschoppen. Beim geselligen Zusammensein wird von den "Föhla" und den "Buebe" die Francaise aufgeführt, woraufhin um 12:00 Uhr mittags das gemeinsame Festessen folgt. Nur der Butz sitzt allein an einem Tisch und bekommt sein Essen in einem irdenen Topf serviert. Er soll für die Bürger stehen, die zur Zeit der Pest ausgestoßen und abgegrenzt wurden. Um 14:00 Uhr beginnt die "Ma- und Wibertour".

"Matour" und "Wibertour"

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Die Männer und "Buebe" ziehen in einem Umzug in ein Lokal. Dort werden die verheirateten Männer dann von den Föhla zum Tanz aufgefordert. Das ist die sogenannte "Matour" (Männertour). Die "Buebe" ziehen in einen anderen Saal und treffen dort auf die verheirateten Frauen. Dies ist die "Wibertour" (Weibertour). Währenddessen werden die Gaststätten vom Butz bewacht, damit keiner die falsche Veranstaltung besucht. Gegen 17:00 Uhr treffen sich schließlich alle Beteiligten zum gemeinsamen Tanz in einem neuen Lokal.

Butzsterben

Fasnatziestag Oberstaufen 3.jpg

Danach erfolgt abermals ein von Trommeln begleiteter kurzer Umzug zum Kirchplatz. Dort bilden die Teilnehmer um den Butz einen großen Kreis. Den umrundet dieser dreimal bevor er im Kreis wie tot zusammenbricht. Gleichzeitig ertönt das Glockenläuten zum Abendgebet. Der Butz wird von Trommlern weggetragen. Die Fahne wird ins Fähnrichshaus begleitet. Abschließend folgt ein Fackelzug zum Kurhaus bevor der Fasnatziestag mit einem gemeinsamen Tanzabend endet, der von 20.00 Uhr bis 24:00 Uhr dauert.

Hintergrund-Infos

Zur Stiftung des Fasnatiestag

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Fasnatziestag Oberstaufen 5.jpg

Seinen Ursprung soll der Fasnatziestag im 17. Jahrhundert zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges haben: Als 1635 in Oberstaufen durch kaiserliche Soldaten die Pest eingeschleppt wurde, war die Folge, dass teilweise ganze Familien ausgestorben sind und die Überlebenden gänzlich verarmt waren. Insgesamt sind der Seuche 350 Kinder und 356 Erwachsene zum Opfer gefallen. Graf Hugo von Königsegg, der Regent der Herrschaft Staufen, beschloss diesem Elend ein Ende zu setzen und den Menschen wieder neuen Lebensmut zu geben. So lud er die Staufener Haussöhne in sein Schloss ein, wo sie bewirtet wurden. Einem von ihnen übergab der Graf eine kostbare bestickte Fahne mit der Aufgabe diese von nun an jedes Jahr am Faschingsdienstag im Gedenken an die vielen Todesopfer, welche die Pest und der 30-jährige Krieg gefordert hatten, durch den Ort zu tragen. Über 200 Jahre später, im 19. Jahrhundert, soll ein Fähnrich namens Vögel aus Oberstaufen die angebilche Stiftungsurkunde hierzu vernichtet haben.

Folgt man dem Volkskundler Günther Kampfhammer, lässt sich der Fasnatziestag in Oberstaufen dieser Stiftungsgeschichte zum trotz erst seit dem 19. Jahrhundert nachweisen. Das war auch die Zeit, in der sich der Schäfflertanz als Faschingsbrauch von München aus verbreitete. Wie beim Fasnatiestag wird beim Schäfflertanz das Ende einer Pestzeit landläufig als der Auslöser für die fröhliche Tanzveranstaltung angesehen. Dies wirkt sinnstiftend und dient der Begründung einzelner Brauchelemente, die dank der jährlich von Neuem bekannt gemachten Geschichte symbolisch verstanden werden. Nicht weiter hinterfragt bleiben sie weitgehend unverändert bestehen.

Zur Kleidung

1935, beim 300-jährigen Jubiläum, "verschwand" die bisherige Kleidung der männlichen Brauchteilnehmer, zu der unter anderem Gehröcke, Zylinder, Degen und Schiffshüte gehörten. Seitdem wird von den Männern die sogenannte "Alstaufner Tracht" getragen. Die weiblichen Teilnhemer tragen seit dem Jahr 1951 die "Staufner Tracht", zu der auch die Schwäbischen Radhauben gehören.

Organisation und Rahmenprogramm

Das Rahmenprogramm zum Fasnatziestag beginnt 2010 mit der "Abschlussfrancaise" am Freitag vor dem Faschingswochenende. Am Sonntag zelebriert der Pfarrer in St. Peter und Paul einen "Gedenkgottesdienst für alle verstorbenen und gefallenen Altfähnriche und Brauchtumsfreunde", zu dem ein feierlicher Einzug gehört. Beendet ist das Programm nach der "Aschermittwochsverurteilung", einer Kabarettveranstaltung, ausschließlich für die Männer. Die Organisation des Ganzen obliegt dem "Förderverein Staufner Fasnatziestag 1635 e.V.".

Siehe auch

Münchner Francaise

Schäfflertanz in Murnau

Weblinks

Literatur

  • Kiechle, Andrea: Brauchtumskalender."Jedam Lappe g`fallt si Kappe und mir mi Hut solang ars duat". Kempten 1992.
  • Petz, Wolfgang (Hg.)/ Kapfhammer, Günther: Funkenhex` und Wilde Männle. Allgäuer Brauchtum im Jahreskreis. Fasnatziestag in Oberstaufen. Kempten 1991.

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