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Das iranische Frühlings- und Neujahrsfest - Nouruz

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Termin

Dieser Brauch ist vom 20.03.2019 bis zum 22.03.2019.
Er findet jedes Jahr zu diesem Datum statt.



Nouruz ist der Name des iranischen 13-tägigen Frühlings- und Neujahrsfest, welches alljährlich am 1.Farwardin, dem 1. Monat des iranischen Kalenders und der Sonnenzeitrechnung, entsprechend dem 20. bis 22. März, im iranischen Kulturraum unabhängig von der jeweiligen Religionszugehörigkeit gefeiert wird.

Das Fest zählt zu den ältesten Festen des iranischen Kulturkreises und wird seit mehr als 2500 Jahren begangen. Nouruz beginnt genau zur Tag- und Nachtgleiche, dem sogenannten Frühlingsäquinoktikum, und wird entsprechend für jedes Jahr neu berechnet.

Ablauf

Festvorbereitungen

Frühjahrsputz (Xanetakani)
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Etwa zwei Wochen vor Nouruz beginnen die Vorbereitungen für das Fest. Dazu zählt die Säuberung des Hauses, welche als Frühjahrsputz (Xanetakani) bekannt ist. Außerdem werden die Zutaten für die Festtafel (Sofreye Haft Sin) eingekauft und vorbereitet. Nachdem man sich metaphorisch von allem Staub des Vorjahres befreit hat, freuen sich alle Beteiligten auf die Ankunft des Frühlings. Überall in den Straßen der Städte und Dörfer begegnet man an diesen Tagen fröhlichen Menschen, festlich geschmückte Läden und mit Lichterketten verzierte Bäume.

Anbau des Grüns (Sabzi)

Des Weiteren sollte das Grün (Sabzi), welches am Festtag auf der Tafel platziert wird, rechtzeitig zum Keimen gebracht werden. Verwendet werden hier überwiegend Weizen- oder Linsensamen, die in einer mit Wasser gefüllten Schale platziert werden. Sabzi steht sinnbildlich für die Wiedergeburt. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Hyazinthe (Sonbol), welche als Symbol für die Schönheit und die Natur am Neujahrstag in voller Blüte auf der Tafel stehen soll.

Mittwochsfeuer (Tschahar Shanbe-e Suri)

Am letzten Mittwochabend des alten Jahres (Tschahar Shanbe-e Suri) werden vor allem in ländlichen Gegenden auf freien Flächen kleinere Feuer entfacht. Bei dieser symbolischen verstandenen Handlung gilt es, über das Feuer zu springen. Mit diesem Sprung wird einem wegen der roten Farbe des Feuers Gesundheit, Glück und Gutes zuteil.

Festtag

Am Tag vor Nouruz versammeln sich alle Familienmitglieder in ihren Häusern und verfolgen im Radio oder im Fernsehen das Vergehen der Sekunden. Diese Sekunden, Minuten
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und Stunden sind genau berechnet. Beispielsweise findet Nouruz am Dienstag den 01.01.1391, 08:44:27 nach Teheraner Zeit statt, was dem Dienstag den 20.03.2012, 06:14:27 mitteleuropäischer Zeit entspricht. Diese exakten Berechnungen werden heute vom Institut für Geophysik in Teheran durchgeführt. Während die Menschen nun auf Nouruz warten, ertönen als feste Bestandteile des Festes Lieder gespielt von Oboen und Trommeln (Karna va Dohol) und die Nouruz Melodie von Ali Akbar Mahdipour Dehkordi.

Wenn das Neujahrs- und Frühlingsfest eintritt, bedankt man sich bei der Natur für ihre Großzügigkeit allen Lebewesen gegenüber und gratuliert sich gegenseitig zur Ankunft des neuen Tages mit den Worten: „Jeder Tag soll ein neuer sein, und der Tag soll gesegnet sein!“ (Har Ruzetan Nouruz, Nouruzetan Piruz.) Es ist auch üblich, dass die Jüngeren von den Älteren kleine Geschenke bekommen, beispielsweise Süßigkeiten wie Konfekt (Noql) oder Münzen (Dastlaf).

In den folgenden 13 Festtagen werden die nahestehenden Verwandten, Freunde und Bekannten besucht um mit ihnen zu feiern. Am 13. Tag (Sizdah be dar) veranstalten alle Familien einen Ausflug aufs Land in die Nähe eines Flusses. Bei einem ausgelassenen Picknick lässt man so eine lange Reihe von Festtagen ausklingen und gibt die mitgebrachten Weizen- oder Linsensprossen (Sabzi) in ein Gewässer. Diese symbolische Handlung steht wiederum für das Böse und Schlechte, das vom Strom des Wassers davontragen wird. Dabei darf sich jeder etwas für das neue Jahr wünschen.

Festtafel (Sofreye Haft Sin)

Die wichtigste Tradition des Neujahrsfestes ist es, eine Tafel mit sieben Dingen (Haft Sin) zu schmücken. Diese Speisen und Gegenstände müssen unbedingt mit 15.
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Buchstaben des persischen Alphabets, dem "S", beginnen. Das ist allein das ausschlaggebende Kriterium bei der Wahl der Dinge. Gängig verwendet werden unteranderm:
Weizen oder Linsen als das gekeimte Grün (Sabzi), Apfel (Sib), Essig (Serkeh), Knoblauch (Sir), Gewürzsumach (Somagh), eine Süßespeise (Samanu) und Mehlbeeren (Senjed). Außerdem schmückt man den Tisch mit gefärbten Eiern als Zeichen für Fruchtbarkeit, einer Hyazinthe (Sobol) als Zeichen der Freundschaft, Münzen (Sekke) für den Reichtum, einer Kerze, einem Spiegel als Symbol der Reinheit und Ehrlichkeit, eine Schale mit Nüssen und dem Diwan des Hafiz.

Gewährspersonen

Im Rahmen dieses Artikels wurde ein Interview mit Herrn Roozbeh Karimi geführt. Herr Karimi, Ingenieur und schwarzweiß Fotograf persischer Herkunft, lebt seit vielen Jahren in Augsburg.

Hintergrund-Infos

Etymologie

Nouruz ist ein zusammengesetztes Wort aus den Begriffen nou (für „Neu“) und ruz (für „Tag“). Nouruz gilt als der erste Tag des iranischen Kalenderjahres xoršidi („Sonnenkalender“). Ursprünglich stammt die Wortkombination aus der Pahlavi Sprache des antiken Persiens. Neben Nouruz sind auch andere Schreibweisen geläufig, wie beispielsweise Noukruc, Eyde-Norooz oder Noukruz.

Belege, Literatur

Aslan, Reza: Tablet & Pen. Literary Landscapes from the Modern Middle East. W. W. Norton & Company 2010.

Ritter, Markus, Kauz, Ralph, Hoffmann, Birgitt: Iran und iranisch geprägte Kulturen. Studien zum 65. Geburtstag von Bert G. Fragner. Reichert 2008.

Stausberg, Michael: Die Religion Zarathushtras. Geschichte, Gegenwart, Rituale. Bd. 3. Kohlhammer 2004.

Vennemann, Michael: Die Heiligen Drei Könige. Teil 1. Der Aufbruch. Vennemann 2012.

Förderung

Dieser Artikel wurde im Rahmen des Bundesprogramms "TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN" gefördert.

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