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Uttinger Leonhardiritt

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Bräuche
Bräuche > Bayern
Bräuche > Jahreslauf > Herbst
Bräuche > Religion > Heilige
Geprüfte Artikel > Gelber Artikel


Termin

Dieser Brauch ist am 05.11.2017.

Einstiegsinformationen

Kurzcharakterisierung

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Zu Ehren des heiligen Leonhards, werden alljährlich in vielen Orten Bayerns Leonhardiritte veranstaltet, um die Pferde segnen zu lassen. Meist finden sie um den Namenstag, am 06. November, herum statt. Der heilige Leonhard von Limoges ist der Schutzpatron „der Bauern und des Viehs, insbesondere der Pferde; der Ställe; Stallknechte; … der Wöchnerinnen; der Gefangenen; …“ (https://www.heiligenlexikon.de/).

In Utting nehmen dabei nicht nur Pferdebesitzer teil, sondern auch Vereine, die auf den Motiv-Wägen biblische Geschichten darstellen. Ebenso Reiter und Gespanne aus der näheren Umgebung, zum Teil sogar aus Augsburg. Und seit einigen Jahren gehen auch vereinzelt Fahnenträger der Uttinger Vereinen mit.

Terminierung / Turnus

Der Uttinger Leonhardiritt findet jährlich um den 6. November statt. Man richtet sich dabei nach den umliegenden Gemeinden, sodass nicht am gleichen Tag zwei Umritte stattfinden.

Empirische Dokumentation

Jahr / Umstände

Im Jahr 2014 fand der Uttinger Leonhardiritt am 09. November statt, der zu Freuden der Veranstalter, sehr mild und sonnig war.

Ablauf

Begonnen wird der Uttinger Leonhardiritt um 09:00 Uhr mit einem Gottesdienst in der Kirche zu St. Leonhard. Zur gleichen Zeit etwa bereiten sich die Reiter und Kutscher vor, ab ca. 09:30 finden sich dann die ersten Zuschauer ein. Nach dem Gottesdienst versammeln sich nun Reiter und Gespanne vor der Leonhards-Kirche. Der Pfarrer spricht nun ein paar Worte an alle Beteiligten und die Zuschauer, und beim Vater unser beten alle mit. Danach spielen die Uttinger Jagdhornbläser ein oder zwei Musikstücke.

Im Anschluss werden Reiter und Kutschen gesegnet, während sie am Pfarrer vorbeidefilieren. Angeführt wird der Zug von drei Pferden mit Reiterinnen; zwei tragen Fahnen bei sich, die mittlere ein Kreuz. Danach erscheinen die Kutsche mit der Figur des heiligen Leonhards und die Ehrenkutsche. Ansonsten gibt es keine geregelte Reihenfolge. Dreimal wird die Kirche zu St. Leonhard nun umrundet, so will es der Brauch. Dies bietet den Zuschauern die Möglichkeit, alle Reiter, Pferde und Wagen zu bestaunen. Denn sowohl Pferde als auch Kutschen sind herrlich geschmückt. Der Vorsitzende des Leonhardi Vereins, Herr Michael Bauer, kommentiert dann die Motiv-Wägen. Zum Abschluss zieht der gesamte Festzug durch den Ort.

Danach trifft man sich in der nahegelegenen Reithalle Sedlmeier. Dort wird Essen und Trinken angeboten, und zur Unterhaltung spielt die Uttinger Blasmusik sowie das Schülerblasorchester aus St. Ottilien. Hier sitzen Mitwirkende und Zuschauer beieinander, unterhalten sich und diskutieren oft über die Anzahl der Gespanne und Pferde, sowie über die Darstellungen auf den Motiv-Wägen.

Den Abend lässt man dann gemütlich bei einem Hoargascht ausklingen. Bei einem Hoargascht treffen sich Musikanten aus der Umgebung zu einem ungezwungenen und geselligem Abend. Ohne vorgeschriebenen Ablauf, werden den Zuschauern verschiedene Weisen geboten, sowohl instrumental als auch gesungen, oft in Mundart. Da kann es auch schon mal vorkommen, dass ein Musiker bei mehr als nur einer Gruppe sich beteiligt. Oder dass Zuhörer bei einem bekannten Musikstück mitsingen.

Seit Zwei Jahren wird der Uttinger Leonhardiritt nun ein wenig anders abgeschlossen: man trifft sich im Schützenhaus, wo eine lustige Tanzlmusi aufspielt, und zum Volkstanz einlädt.

Akteure

1. Die Reiter: In Utting gibt es, wie in einigen ländlichen Dörfern Bauernhöfe, die auch Pferde-Stell-Plätze anbieten. Desweiteren gab es bis 2010 den Pferdestall der Familie Belle, in deren Reithalle man sich nach dem Ritt versammelte. Die meisten Pferde und Reiter kommen somit aus unserem Dorf, aber es sind auch einige aus der näheren Umgebung die teilnehmen. In diesem Jahr gab es 130 Mitwirkende. Für den Leonhardiritt werden Pferde und Reiter besonders geschmückt. Die Mähne wird geflochten und meist wird in den Schweif ein farbiges Band mit eingeflochten. Die Reiter tragen weiße Reiterhosen, schwarze Reiterstiefel und eine schwarze Jacke.

Achselschwang ist ein Ortsteil von Utting, und ein Staatsgut, in welchem eine überbetriebliche Ausbildungs- und Fortbildungsstätte im Bereich der Landwirtschaft untergebracht ist, mit einer Pferdehaltung, die allerdings 2004 verlagert wurde. Bis dahin waren sehr viele Pferde von dort am Leonhardiritt beteiligt. Einer der dortigen Angestellten fährt seit vielen Jahren, und auch heute noch, die Kutsche mit der Figur des heiligen Leonhard. Derzeit gibt es nach wie vor, ein paar private Pferde die dort untergebracht sind, die ebenfalls mitwirken.

2. Die Motiv-Wagen: Die wichtigsten Kutschen sind zum einen die Kutsche mit der Figur des heiligen Leonhard und zum anderen die Ehrenkutsche, in der der Pfarrer, der Bürgermeister, oftmals ein Abt von St. Ottilien und der Landrat mitfahren.

Außerdem beteiligen sich auch Uttinger Vereine am Leonhardiritt, wie beispielsweise der Männergesangverein „Liedertafel“, der Verein „Gartenbaufreunde Utting“. Aber auch Gruppierungen wie die Dorfgemeinschaft Holzhausen (ebenfalls ein Ortsteil von Utting) und die Bauernschaft. Sie gestalten die Wagen, auf denen biblische Szenen dargestellt werden. Wobei der Verein „Gartenbaufreunde Utting“ seinen Wagen meistens mit den Früchten unserer Erde – also eigentlich einem Erntedank-Wagen – gestaltet.
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So gab es dieses Jahr die Darstellung des heiligen Leonhards auf dem Wagen der Bauernschaft; auf dem Wagen der „Liedertafel Utting“ wurde die Himmelfahrt Jesu Christi dargestellt und auf dem Wagen der Dorfgemeinschaft Holzhausen die Gefangennahme Jesu am Ölberg.

Besonders erwähnenswert ist ein Wagen, auf dem die Motive der letzten Jahre in Miniaturform, meistens aus Holz, von Herrn Alban Bayern nachgebaut wurden. Herr Bayer gestaltet diesen immer mit sehr viel Liebe. Manche der Kutschen werden von einheimischen Kutschern gesteuert, andere Wagen werden aus benachbarten Gemeinden „ausgeliehen“, gegen ein geringes Entgeld.

3. Die Zuschauer Die Zahl der Zuschauer richtet sich oft nach dem Wetter: je schöner das Wetter umso mehr Zuschauer, in diesem Jahr waren etwa 1000 Leute auf den Strassen. Einige der Zuschauer sind sogar in Tracht gekleidet. In der Reithalle Sedlmeier finden sich im Anschluss etwa 500 Personen zum Essen und Trinken ein. Beim Hoargascht oder Volkstanz am Abend sind es noch etwa 100 Personen.

Permformanzraum, Kulissen, Requisiten

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Die Leonhard-Kirche befindet sich an der Hauptstraße nach Diessen. Es führen an zwei Seitenstraßen an ihr vorbei, die es ermöglichen, dass sie umrundet werden kann. Die jetzige Leonhardikirche in Utting wurde im Jahre 1719 eingeweiht, davor gab es auch schon eine Kirche, nur wenige Meter nördlich, die aufgrund ihrer Baufälligkeit abgerissen werden musste.

Eine ganz besondere Requisite ist die Figur des heiligen Leonhard, diese stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde von dem Künstler Lorenz Luidl (um 1645-1719, aus Landsberg am Lech) angefertigt. Jene kostbare Figur wird in der Ortskirche Maria Heimsuchung aufbewahrt. Vor einigen Jahren wurde extra eine Plexiglashülle angefertigt, sodass die Figur auch bei schlechtem Wetter geschützt ist.

Bis 2011 traf man sich im Pferdestall der Familie Belle, der aber aus Altersgründen aufgegeben wurde, und seitdem wird die Reithalle Sedlmeier genutzt. Wie aus alten Pfarrbriefen hervorgeht, wurde in den 1980er Jahren die Pferdesegnung auf einer Wiese in der Nähe der Kirche zu St. Leonhard abgehalten und der Umritt führte nach der Segnung durch das ganze Dorf.

Brauch- und Rollenverständnis

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Der Uttinger Leonhardiritt gehört „zu den großen Umritten und wird weithin gerühmt wegen seiner aufwändig und ideenreich gestalteten Festwagen.“ (http://www.ammerseekurier.de/viel-geboten-beim-uttinger-leonhardi-ritt-utting-erwartet-160-roesser-und-gespanne-abends-spielt-die-tegernseer-tanzlmusi-auf).

Er gehört zu den Höhepunkten im Dorfleben Uttings, da sich viele Vereine und Mitwirkende aus dem ganzen Landkreis daran beteiligen. Dies zeigt auch die hohe Zuschaueranzahl. Viele Ortsansässige sind sehr traditionsbewusst, und möchten auf diesem Weg Dankbarkeit für die Gesundheit der Tiere im vergangenen Jahr zeigen, aber auch für das nächste Jahr erbitten.

Organisation der Brauchveranstaltung

Offizieller Veranstalter des Uttinger Leonhardiritts ist der „Leonhardi Verein Utting“, der im Jahr 1998 gegründet wurde. Dieser organisiert die Reiter, die Kutschen, das Essen und Trinken sowie die Abendveranstaltung, und die Musikkapellen. Aber auch Sicherheitsbelange müssen vorbereitet werden. So muss bei der Gemeinde und beim Landratsamt eine Straßensperrung beantragt werden, die Feuerwehr für die Ausführung bestellt werden; ebenso muss ein Sanitätsdienst angefordert werden. Glücklicherweise gibt es viele Uttinger, die in der Feuerwehr oder in den verschiedenen Vereinen Mitglieder sind, und sich dann gerne an den örtlichen Feiern engagieren.

Die Finanzierung läuft über Mitgliedsbeiträge und Spenden von ansässigen Firmen oder Privatleuten, sowie über den Verkauf von Essen und Getränke. Während des Leonhardiritts werden auch Festabzeichen unter den Zuschauern gegen eine Spende verteilt.

Unterstützt wird der Verein durch andere Vereine, wie der Verein „Gartenfreunde Utting“, der einen Wagen gestaltet und im umgebauten Kuhstall Glühwein, Punsch und Waffeln anbietet. Ebenso unterstützt wird er durch den „katholischen Frauenbund Utting“, der die Ehrenkutsche schmückt und im umgebauten Kuhstall Kaffee und Kuchen anbietet.

Historische Genese, Verbreitung und Forschungsstand

Entwicklungsgeschichte des beschriebenen Brauchs

Laut alten Pfarrbriefen wurde im Jahre 1768 von der Gemeinde der Kirche zu St. Leonhard ein Bild zur Abwehr einer Viehseuche gespendet. Auf diesem Bild sind Jesus Christus, der heilige Leonhard und Engel in Wolken abgebildet. Im „Ammersee Kurier“ steht anlässlich des Uttinger Leonhardiritts von 2014, dass es diesen wohl schon seit 1780 gibt. Ebenso steht es auch in der Chronik des Leonhardi Vereins.

Aus den alten Pfarrbriefen geht des Weiteren hervor, dass in den 1980er Jahren die Pferdesegnung auf einer Wiese nahe der Leonhards Kirche stattgefunden hat. Nach dem Umritt um die Kirche gab es einen Festzug durch das Dorf und am alten Kirchplatz fand ein „Leonhardimarkt“ statt. Abends erfolgte, zum gemütlichen Ausklang, ein Hoargascht im Uttinger Schützenhaus. Der Veranstalter des Leonhardiritts war zu dieser Zeit der katholische Pfarrgemeinderat, unter der Leitung von Herrn Michael Bauer, dem jetzigen Vorstands des Leonhardi Vereins. Es muss wohl auch eine Zeit gegeben haben, in der nur Reiter und Pferde am Umritt beteiligt waren. Herr Bauer und Herr Bayer haben dann, im Jahre 1982, die Motiv-Wägen wieder ins Leben gerufen.

Allgemeine Verbreitung des Brauchs

Die bekanntesten Leonhardiritte sind wohl in Inchenhofen und Bad Tölz.

Literatur

- Ammersee Kurier - Bilder von Julian Leitenstorfer - Brauchtum, Von der Martinsganz zum Leonhardiritt, von der Wiege bis Bahre; Walter Plötzl; im Auftrag des Kreistages herausgegeben von Walter Plötzl; Augsburg 1999 - Ökumenisches Heiligenlexikon; https://www.heiligenlexikon.de; 07.01.2015 - Uttinger Pfarrbriefe (1983-1986) - Wie’s in Bayern der Brauch ist, Albert Bichler, Ludwig Verlag

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Diese Seite wurde zuletzt am 18. Mai 2017 um 08:40 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 3.863-mal abgerufen (to Cache).