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St. Wolfgangsritt in Ochsenfurt

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Der Ochsenfurter St. Wolfgangsritt ist ein Pfingstritt mit Pferdesegnung, der seit 1976 regelmäßig alle zwei Jahre am Pfingstmontag stattfindet und sich auf eine über 500-jährige Tradition beruft. Er führt durch die Altstadt Ochsenfurts zur St. Wolfgangskapelle, am südlichen Ortsausgang. Es nehmen herausgeputzte Pferde, Reiter, Kutschen, Musikkapellen und Vereine aus Ochsenfurt und Umgebung daran teil.

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Veranstalter des Pfingstritts ist der Verkehrsverein Ochsenfurt mit Unterstützung der Stadt Ochsenfurt, dem Reit- und Fahrverein Ochsenfurt und der katholischen Pfarrgemeinden. Der St. Wolfgangsritt ist mit über 10.000 Festbesuchern einer der Höhepunkte in der Region. Im Jahr 2005 waren 150 Pferde und Reiter, 20 Kutschen, 2 Musikkapellen und die örtlichen Vereine beim Umzug dabei.

Pfingstritt zufuss.jpg Pfingstritt2005Kutsche.jpg


Termin

Dieser Brauch ist am 20.05.2013.

Ablauf

Zur Aufstellung finden sich schon gegen 12 Uhr alle Pferde, Kutschen und Vereine an der Ochsenfurter Reithalle am Main ein. Der Pfingstritt beginnt dann meist gegen 13 Uhr. Ross, Reiter und Kutschen sind farbenfroh geschmückt und herausgeputzt. Aus versicherungstechnischen Gründen dürfen nur bereits „Festzug erfahrene“ Pferde und fahrtüchtige Kutschen dabei sein. Die Vereine laufen in prächtiger Ochsenfurter Gautracht und mit vielen Fahnen mit. Zwei Musikkapellen begleiten den Zug musikalisch. So ergibt sich eine farbenfrohe Zugfolge.

Der Zug setzt sich von der Reithalle aus in Bewegung. Er geht zunächst über die Uferpromenade am Main entlang und über die Floßhafenstraße durch das Klingentor in die fahnengeschmückte Altstadt Ochsenfurts. Dort warten die meisten der Zuschauer auf die prächtigen Kutschen, die Ehrengäste und die verschiedenen Vereine. Ein Geistlicher und ein Pilger hoch zu Ross gehen den Reitern auf ihren herausgeputzten Pferden durch die romantische Altstadt voran. Die Musikkapellen spielen dazu geistliche Lieder und Weisen. Der Zug führt durch die Hauptstraße Ochsenfurts am Rathaus vorbei. Durch das Obere Stadttor hinaus verlässt er die Altstadt und über die B13 gelangt er hinauf zur St. Wolfgangskapelle hoch über dem Maintal. An der St. Wolfgangskapelle werden die Pferde und Reiter von einem katholischen Pfarrer im Vorbeifahren gesegnet.

An der Kapelle angekommen machen die Teilnehmer kurz Rast, bevor sie auf demselben Weg zu weltlicher Blasmusik zurück reiten, fahren oder laufen. Gegen 16 Uhr kommen dann auch die Kutschen zum Festzeltplatz am Main. Dort wartet schon das traditionelle Bratwurstfest in Ochsenfurt auf Besucher.


Hintergrund-Infos

Die Tradition des Umritts

Bereits 1464 wird ein Pfingstritt im Zusammenhang mit der Einweihung der St. Wolfgangskapelle urkundlich erwähnt. Die Kapelle wurde vermutlich an der Stelle über dem Maintal gebaut, weil sich dort schon lange ein Pilgerhalt und eine Stätte religiöser Zusammenkunft befanden. Die Kapelle wurde dann von Stadt- und Landbewohnern fleißig besucht, die dort auch Gaben wie Hühner, Geld oder Eier niederlegten. Als Begründer der Wolfgangswallfahrt gilt der Ochsenfurter Bürger Johann/Hans Mainer (siehe Hohe 2000).

Der Stadtchronist Johann Kestler berichtete 1845 über den Ablauf des Pfingsritts: „Am 3ten Pfingsttage brachten die Bauern des Gaues ihre Pferde zur Wolfgans-Kapelle, ritten mit diesen dreimal um dieselbe, und erhielten über sie von dem unter der Haupttüre (…) stehenden Priester den Segen, damit sie in diesem Jahre von Krankheiten und Unglück bewahrt bleiben möchten.“

Pferde waren damals wichtige Arbeitstiere. Die Bauern genossen die Pferdeweihe wohl auch, weil sie sich bei diesem Anlass kurz vor Beginn der Erntezeit in Ochsenfurt noch einmal richtig mit Bratwurst und Bier stärken konnten.

Wolfgangsritt.jpg

Die Weihe war zudem ein willkommener Anlass für Zuckerbäcker, Metzger, Schenkwirte und Wachszieher, ihre Stände in der Nähe der Kapelle aufzubauen.

Das Verbot des Festes

Im Jahr 1803 wurden die Vergnügungen zum Pfingstritt von der Kirche verboten. Laut den Aufzeichnungen des Stadtchronisten hatten die Beteiligten „oft geistige Getränke im Übermass genoss[en]“ und „auch junge Leute beiderlei Geschlechts" hatten sich "nicht immer auf eine erbauliche Weise erlustigt“. Da sich die Ochsenfurter nicht mit dem Verlust der irdischen Festtagsfreuden abfinden wollten, vollzog sich einfach eine räumliche Trennung der Teile des Festes. Die Bratwürste wurden nicht mehr in der Nähe der Kapelle, sondern in den öffentlichen Gärten und Bierkellern der Stadt genossen. Diese Tradition führt heute das Bratwurstfest in Ochsenfurt fort.

Umritt und Fest von Neuem

Im Jahr 1951 belebte der Ochsenfurter Heimatpfleger Martin Ahlbach den Pfingstritt wieder. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem politischen Zusammenbrauch war das Interesse an diesem örtlichen Brauch wieder neu erwacht. Doch nur 15 Jahre später fand der St. Wolfgangsritt ein erneutes Ende: immer mehr Traktoren ersetzten die Arbeitspferde der Bauern. Somit verlor die Pferdesegnung an Bedeutung.

Bald jedoch erlangten Pferde einen anderen Stellenwert, nämlich als Reitpferde in der Freizeitgestaltung. Viele Reit- und Fahrvereine wurden gegründet. 1976 erinnerte sich Rudolf Ruhl, langjähriger Vorsitzender des Verkehrsvereins Ochsenfurt und Umgebung, an das alte Brauchtum zu Pfingsten. Zusammen mit dem Reit- und Fahrverein St. Wolfgang und den Reiterfreunden aus der Umgebung schaffte es der Verkehrsverein den Pfingstritt im Jahr 1976 wieder einzuführen. Seitdem findet der festliche St. Wolfgangsritt alle zwei Jahre statt.



Ankunf wolfgang 2005.jpg Pferdesegnung2005 mainpost.jpg


Siehe auch

Weblinks

Literatur

  • Hohe, Hans: Notizen zum Bau und Ausstattung der Pfarrkirche St. Andreas in Ochsenfurt. Ochsenfurt 2000.
  • Kestler, Johann Baptist: Beschreibung von Ochsenfurt. Würzburg 1845.

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