Warum brauchen Menschen Bräuche bzw. warum sind sie ihnen wichig?
Gibt es weitere Quellen wo ich etwas zu diesem Thema finden kann? gestellt am 29.11.11 18:55
Die Funktion von Bräuchen ist so vielfältig und komplex, dass auf diesen wenigen Zeilen nur einige wesentliche Aspekte in Stichworten aufgezählt sein sollen: Bräuche heben das Leben aus dem Alltag heraus, sie geben dem Jahres- und dem Lebenslauf Rhythmus und Struktur, sie stiften regionale Identität und soziale Bindung, sie vermitteln Glaubensinhalte und Wertvorstellungen, sie halten Traditionen und Erinnerungen wach, sie dienen der Gemeinschaft und Geselligkeit sowie der Repräsentation und Selbstdarstellung, sie bieten Unterhaltung und Vergnügen, sie können einen wirtschaftlichen oder touristischen Nutzen verfolgen, ... Mehrere grundlegende Aufsätze zu diesem Thema sind beispielsweise auf der CD-ROM-Reihe "Bräuche im Salzburger Land", hg. vom Landesverband Salzburger Volkskultur, vereint. (gestellt am 1.12.11 12:36)
Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe folgende Fragen die im Zeitraum zwischen 1915 und 1925 das
Nikolausbrauchtum in Bayern (Nieder- Oberbayern)betreffen ...
Wie war zur damaligen Zeit das Brauchtum zu Nikolaus am 05./06. Dezember? Hat es damals auch schon die "Hausbesuche" gegeben? Wir war damals das Nikolauskostüm? (Meines Wissens kam das heutige bekannte Kostüm erst durch die Coca Cola Werbung in Mode)Wenn damals noch keine "Hausbesuche" waren, ab wann begann dann dieser Brauch und wie war dann zu der Zeit das "verbreitete Kostüm"? Wäre super wenn ich Antwort kriege, da ich nirgends Infos hierzu nachlesen kann, bzw. nichts hierzu entdecken konnte... Vielen Dank gestellt am 5.9.11 13:03
In den katholisch geprägten Gebieten Süddeutschlands, also auch in Ober- und Niederbayern, sind Hausbesuche durch den hl. Nikolaus (und seine Begleiter) spätestens seit dem 17. Jahrhundert nachgewiesen. Er trat/tritt dabei als Bischof mit Mitra und Bischofsstab auf. Der Weihnachtsmann mit rotem Mantel, Zipfelmütze und Rauschebart, wie wir ihn heute kennen, hat sich dagegen in protestantischen Gebieten Deutschlands (aber auch in anderen Ländern Europas und in den USA) als säkularisierte Variante aus der Figur des hl. Nikolaus heraus entwickelt. Durch die starke Präsenz des Weihnachtsmannes in Medien und Werbung wird heute die Figur des Nikolaus immer stärker verdrängt. (gestellt am 16.9.11 12:22)
Welche Definition von 'Brauch' kann man im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit denn mit ruhigem Gewissen zitieren? Es gibt leider sehr viele und sehr unterschiedliche. Gibte es dazu DEN/DIE einschlägige(n) Autor(in)? Danke! gestellt am 18.7.11 10:22
„Brauch“ ist ein von der Fachdisziplin Volkskunde geprägter Fachbegriff. Dort hat sich das Verständnis von Brauch seit ca. 1960 deutlich verändert, was teilweise auch die Ablehnung dieses Begriffs einschließt. Die moderne Forschung versteht unter Brauch regelmäßige und wiederkehrende Handlungsvollzüge, die einen klar bestimmbaren Gestaltungsrahmen besitzen (= einen durch Anfang und Ende gekennzeichneten Handlungsablauf mit formalen und zeichenhaften Ausdrucksformen), der den Ausführenden - zumindest in Grundzügen - bekannt sein muss. Brauch ist damit ein spezieller Verhaltenstyp im Vergleich zu Normen, Ritualen und Gewohnheiten. Und Brauchformen unterliegen dem gesellschaftlichen sowie ideengeschichtlichen Wandel. Neben der Gruppenbindung von Brauchausführungen schließt die moderne Wissenschaftsauffassung auch außengeleitete individuelle Praktiken ein. - Als Literatur zum modernen volkskundlichen Brauchbegriff kann empfohlen werden:
Andreas C. Bimmer, Brauchforschung, in: Rolf W. Brednich (Hg.), Grundriß der Volkskunde. Einführung in die Forschungsfelder der Europäischen Ethnologie, Berlin 2001 (3. Aufl.), S. 445-468;
Martin Scharfe, Brauchforschung, Darmstadt 1991 (darin besonders: Ders., Einleitung, S. 1-26);
Justin Stagl, Ritual, Zeremoniell, Etikette. Formen der Verhaltensnormierung, in: Jahrbuch für Volkskunde 13 (1990), S. 7-21.
(gestellt am 21.7.11 17:37)
wozu wirft man den strauß bei hochzeiten? gestellt am 15.5.11 18:38
Das Werfen des Brautstraußes ist ein Brauch, der auf manchen Hochzeiten - beispielsweise nach der standesamtlichen oder kirchlichen Trauung oder beim abendlichen Tanz - ausgeübt wird. Die Braut wirft dabei ihren Strauß über den Kopf oder die Schulter in die Menge der Hochzeitsgäste. Diejenige junge Frau, die ihn fängt, soll angeblich die nächste sein, die heiraten wird. Nicht jede Braut will jedoch ihren Hochzeitsstrauß werfen, sondern ihn lieber mit nach Hause nehmen und aufbewahren. (gestellt am 1.6.11 14:20)
Woher stammt das Lustige Spitzweken (ca.3-X Meter) Reintragen bei Hochzeiten, vornehmlich in der mittleren Oberpfalz z.b. im Landkreis Amberg/Sulzbach-Rosenberg.Was bedeutet dieser Brauch? gestellt am 16.4.11 21:02
Laut dem Buch "Oberpfälzer Leben" von E. und A. Eichenseer (2009) schenkten Firm- und Taufpaten dem Brautpaar Spitzwecken. Junge Männer versuchten, die bis zu vier Meter langen, mit Kerzen, Bändern und Kinderspielzeug verzierten Hefezöpfe auf ihren Schultern zum Brauttisch zu tragen. Zur Belustigung der Gäste gaben sie vor, nicht durch die Tür zu kommen. Erst nach mehrmaligen Anläufen oder gar dem Zersägen konnten die Wecken auf den Tisch gestellt werden. Zusammen mit kleinen Sketchen und Versen sorgte das Spektakel für Ausgelassenheit und gute Stimmung. (gestellt am 18.4.11 16:28)
Moin, moin,
Hungertuch oder Fastentuch finde ich nicht verzeichnet, obwohl:
Gibt es nicht in Neunkirchen am Brand ein grooßes solches? gestellt am 2.2.11 15:07
Fastentücher, mit denen in der Fastenzeit bildliche Darstellungen Jesu verhängt werden, gibt es in mehreren katholischen Kirchen, darunter auch in der Pfarrkirche St. Michael in Neunkirchen am Brand (Lkr. Forchheim), wo ein 1987 geschaffenes Hungertuch einen Seitenaltar verhängt. Es ist richtig, dass es zu diesem Thema noch keinen Eintrag im brauchwiki gibt. Es würde uns daher sehr freuen, wenn ein(e) Leser(in) diese Lücke schließen würde. (gestellt am 13.2.11 15:50)
Woher kommt der Brauch bei der Geburt eines Mädchens von der "Büchsenmacherei" zu sprechen, bzw. entsprechenden "Schmuck" beim Wohnhaus der Eltern anzubringen?
Gibt es dazu Literatur? gestellt am 26.1.11 10:31
Der sowohl scherzhaft als auch spöttisch verwendete Begriff "Büchsenmacher/Bixnmacher" für einen Vater von lauter Töchtern entstand im 19. Jahrhundert. Das Anbringen von Schildern und Dosen am Haus eines neugeborenen Mädchens ist jedoch erst seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im südlichen Bayern und in Teilen Österreichs belegt. Detailierte Auskunft zu diesem Brauch gibt der Aufsatz "Zur Büchsenmacherei. Annäherung an einen Rügebrauch" von der Volskundlerin Dr. Inge Weid, erschienen im Buch "Bilder - Sachen - Mentalitäten" (Festschrift zum 80. Geburtstag von Prof. Dr. Wolfgang Brückner), Regensburg 2010, S. 741-752. (gestellt am 13.2.11 15:34)