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Sommertagszug in Weinheim an der Bergstraße

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Am 3. April 2011 war es wieder soweit. Dicht gedrängt standen die Kinder und Erwachsenen auf dem Weinheimer Marktplatz und warteten nur auf einen Augenblick. Sie erwarten, dass die Schneemannfigur angezündet wurde.

Diese Szene beschreibt den Höhepunkt des Weinheimer Sommertagszugs, der jährlich am dritten Sonntag vor Ostern stattfindet. Dieser Brauch ist in der Rhein-Neckar-Region verbreitet und beschreibt den „Kampf zwischen dem Winter und dem Sommer“ (Schmitt, S. 7).

Termin

Dieser Brauch ist am 11.03.2018.

Ablauf

Im Vorfeld des Umzugs tritt das Sommertagskomitee zusammen. Dieses Komitee besteht aus dem Verantwortlichen des Kulturamtes und des Kulturbüros, dem Oberbürgermeisters, Mitgliedern der einzelnen Fraktionen, den Schulleitern der Grundschulen, Mitgliedern des Ordnungsamtes und des Bauhofes, sowie der Polizei und des DRK.

Desweiteren sammelt ein Mitarbeiter der Stadt Weinheim Stecken (Stöcke) aus den Wäldern Weinheims und verteilt sie an die Grundschulen. Auf die Stecken wird später noch eingegangen.

Am Umzug selbst beteiligen sich bis zu 3.000 Teilnehmer. Hiervon sind die meisten Kinder aus den umliegenden Grundschulen, Kindergärten und Kinderkrippen. Weiter fahren einige Vereine und Kapellen mit, wie auch das Sommertagskomitee. Der Zug sammelt sich in der Grundelbachstraße und zieht über die Innenstadt zum Marktplatz. Die Strecke des Zuges ist 1,6 km lang. Am Ende versammeln sich die Kinder und Erwachsenen auf dem Marktplatz. Hier spielt die Stadtkapelle die traditionellen Sommertagslieder wie „Stri, Stra, Stro“ oder „Winter ade“ und der Schneemann, als Symbol für den Winter, wird verbrannt.

Direkt nach dem Zug werden, seit 1979, Plaketten verteilt. Die Plaketten zeigen ein Motiv aus Weinheim oder ein Motiv mit Bezug auf den Sommertagszug. Diese Plaketten sind als eine kleine Erinnerung an den Sommertagszug gedacht und werden u.a. aus Spenden finanziert (Presseinformation der Stadt Weinheim von 19.01.2011).

Früher wurde noch das Sommertagsrätsel vom Oberbürgermeister verlesen, was allerdings aufgrund von akustischen Problemen mittlerweile unterlassen wird. Das Sommertagsrätsel wird seit diesem Zeitpunkt am Montag nach dem Umzug in der örtlichen Presse veröffentlicht. Auf das Sommertagsrätsel wird ebenfalls später eingegangen.

Hintergrund-Infos

Der Kampf zwischen Sommer und Winter ist das Motiv des Sommertagszugs. Dies zeigt sich in den Stecken, der Bretzel und auch dem Verbrennen des Schneemanns.

Aus diesem Hintergrund heraus entwickelte sich auch ein anderer Begriff für den Somemrtagszug: Das Sommereinholen.

Das Sommereinholen wurde 1520 in einer Stadtrechnung in Mosbach vermerkt. So habe jemand einem Jungen drei Schilling geschenkt, da er am Sommereinholen mitgewirkt habe (Keller, S.9). Es ist zu vermuten, dass dieses Sommereinholen ein Umzug war, bei dem Jungen mit verzierten Stecken durch den Ort gingen (Sommertagsbrauch, S. 12 f).

Historische Zeugnisse über den Sommertagszug sind die Briefe der Schwägerin des Sonnenkönigs Elisabeth Charlotte von Orleans von 1696. Elisabeth, besser bekannt unter dem Namen Liselotte von der Pfalz, schrieb schwärmend von dem „heimatlichem Fest ihrer Kindheit in Heidelberg“ (Keller, S.9). Aus diesen Briefen ist die Heidelberger Urform des Liedes „Stri, Stra, Stro“ bekannt, was darauf hinweist, dass bei diesem Festzug Lieder gesungen wurden.

Durch eine Verbindung mit dem Hambacher Fest (siehe hier) wurde der Brauch 1832 als gefährlich eingestuft und auf die Liste der verbotenen Bräuche gesetzt. Erst über sechzig Jahre später wurde der Brauch an der Bergstraße wieder belebt.

Geschichte des Sommertagszugs in Weinheim

Leider ist in Weinheim keine Nachricht über den Brauch des Sommerbringens bzw. des Sommertagszugs erhalten. Allerdings, so Keller, ist anzunehmen, dass dieser Brauch auch schon vor dem Verbot 1832 gepflegt wurde (Keller, S.9).

Laut dem Volkskundler Zinkgräf war die Wiedereinführung des Sommertagszugs in Weinheim 1902, doch im Weinheimer Anzeiger ist der Brauch 1903 erstmals vermerkt (Keller S.7).

Charakteristika des Sommertagszuges

Der Stecken

Der Stecken ist charakteristisch für den Sommertagszug. Der Stecken ist ein ein bis zwei Meter großer Haselnussstock, an dem gleichmäßig mehrfarbiges Glanzpapier befestigt wird. Am oberen Ende steckt eine Bretzel aus Hefeteig, die so geformt ist, dass ein ausgeblasenes Ei zwischen dem Bauch und den Ärmchen Platz hat. An der Spitze wird ein Buchsstrauch befestigt (Sommertagsbrauch, S. 17).

Es wird vermutet, dass die Bretzel das Sonnenrad darstellt und somit die Steckenträger den Winter mit Gewalt vertreiben wollen, um dem Sommer den Weg frei zu machen (Sommertagsbrauch, S. 17).

„Stri Stra Stro“

Auch das Lied „Stri Stra Stro“ erläutert das Motiv des Sommertagszugs. So ist der Ausdruck „stabaus“ in der mittelalterlichen Rechtspflege für das Urteil „mit Schlägen bestrafen“ benutzt worden. Der mit Schlägen bestrafte stob aus und rannte davon. So soll eben auch der Winter mit Schlägen weggeprügelt werden und davon laufen.

Das Rätsel

Das Sommertagsrätsel ist ein weiteres Charakteristikum des Sommertagszugs in Weinheim. 2011 wurde beispielsweise zum Erfinden des Rätsels ein Wettbewerb seitens der örtlichen Presse ausgeschrieben. Das Rätsel muss bestimmte Bedingungen erfüllen. So muss es ein Achtzeiler sein, der in Gedichtsform verfasst ist und auch für Kinder verständlich sein soll (Presseinformation der Stadt Weinheim vom Februar 2011).

Das Sommertagsgedicht von 2011 lautete:

Ich bin ein gar verschlungen Ding,

von Menschenhand gemacht.

Mein Name stammt aus dem Latein.

Wer hätte das gedacht?

Auf einen Stecken aufgespießt,

lauf ich auf Schritt und Tritt

als essebar Ding mit dir mein Kind

im Sommertagszug mit.

Auflösung: Die Bretzel

Gewährspersonen

Für ihre Informationsbereitschaft danke ich den Mitarbeitern des Kulturbüros Weinheim und des Stadtarchivs Weinheim.

Literatur

  • Keller, Heinz: Weinheimer Sommertagszug: Schtrih - Schtrah - Schtro. Das Frühlingsfest im Rückblick von einhundert Jahren 1902-2002. Weinheim 2002.
  • Schmitt, Heinz: Sommertagsbrauch in der Kurpfalz – Dargestellt am Beispiel des Weinheimer Sommertagszuges. Farblichtbildwerk zur Heimatkunde von Baden-Württemberg; Reihe H 38.
  • Krauß, Irene: Gelungen geschlungen – Das groß Buch der Bretzel. Tübingen 2003.
  • Presseinformation Stadt Weinheim „Sommertagsrätsel gesucht
  • Presseinformation Stadt Weinheim „Sommertagszug am 3. April 2011
  • Presseinformation Stadt Weinheim „Sommertagszug 2011 – Der Oberbürgermeister bittet um Unterstützung beim diesjährigen Sommertagszug“ vom 19.01.2011

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