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Soldatenabschied (asker ugurlama)

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Der Soldatenabschied (auf türkisch auch "asker ugurlama") ist ein traditioneller Brauch, der jährlich in der Türkei stattfindet. Jugendliche die zum Wehrdienst antreten werden vor ihrem Antritt von ihren Eltern, Verwandten und Bekannten beschenkt und feierlich verabschiedet.

Die Enstehung des Brauches

In der Türkei wird das Ableisten des Wehrdienstes als eine Tugend angesehen. Dort ist man der Ansicht, dass es für jeden Landsmann eine heilige Aufgabe ist und dem Vaterland zu Liebe erfüllt werden muss. Im Gegensatz dazu werden Jugendliche oder Männer, die ihren Wehrdienst nicht abgeleistet haben nur als "halbe Männer" bezeichnet. Es wird sogar bis heute noch manchmal gesagt, dass Jungs, die heiraten möchten, jedoch keinen Wehrdienst abgeleistet haben, den Segen des Vaters der Braut nicht bekämen. Somit könnte man auch sagen, dass der Wehrdienst bei der türkischen Gesellschaft, den "Übergang vom Jugendlichen zum Mann" einläutet. Das Militär wird nämlich als eine Erziehungsanstalt wahrgenommen, in der die Heranwachsenden einer strengen Disziplin unterteilt sind, mit der Hoffnung, dass sie sich davon etwas für ihr Leben mitnehmen und “Kleinigkeiten“ im Leben zu schätzen wissen. Wie in jedem Brauchtum hat sich im Laufe der Zeit eine Kette an Praktiken und Rituale sowie Aberglauben rund um den Wehrdienst gebildet. Allgemein kann man sagen, dass sich dieser Brauch in manchen Orten der Türkei minimal unterscheiden kann.

Der Ablauf

Jugendliche die den Wehrdienst ableisten müssen, dürfen sich zehn bis fünfzehn Tage vor dem Antritt in aller Ruhe ausruhen. Von ihnen wird nichts erwartet, keine Aufgabe unterteilt d.h. sie können in dieser Zeit tun und lassen was sie möchten, beispielsweise feiern manche Tag und Nacht, andere wiederum bevorzugen es, ihre freie Zeit so viel wie möglich mit der Familie, Freundin oder Verlobten zu verbringen. Während dieser Zeit werden Freunde und Bekannte zum Essen eingeladen. Dabei bringt jeder Besucher dem angehenden Soldaten ein Geschenk mit und verabschiedet sich. Meistens sind diese Geschenke in Form von Geld oder Kleinigkeiten als Andenken, die sie in den Wehrdienst mitnehmen können wie zum Beispiel selbst gestrickte Socken oder ein Halstuch der Freundin usw. Jede Tür steht jedem offen. Meistens wird gar nicht erst Bescheid gegeben, dass man zum Essen kommt, denn für die Familien ist es selbstverständlich, dass es Besuch geben wird.

Ein bis Zwei Tage vor dem großen Abschied wird an einem Sammelplatz (dies ist meistens in Dörfern der Fall) eine große Feier für alle in den Wehrdienst Antretenden organisiert. Dort wird getanzt, gefeiert wie es auch bei anderen traditionellen Anlässen der Fall ist, beispielweise bei der türkischen Hochzeit oder der Beschneidungsfeier. Für die Feier werden Tische und Stühle bestellt, manchmal eine Live-band organisiert, Süßes sowie Salziges und natürlich Getränke hergerichtet. Die traditionellen türkischen Instrumente genannt „davul zurna“ (entspricht im Deutschen den Instrumenten „Pauke und Oboe“) dürfen natürlich auch nicht fehlen. Die Feier kann sowohl tagsüber als auch erst abends beginnen und dauert mindestens bis Mitternacht an. Der Gedanke an dieser Feier liegt darin, den Jugendlichen, die in kürzester Zeit ihre Heimat für den Wehrdienst verlassen werden, die letzten Tage so angenehm wie möglich zu machen und schöne Erinnerungen zu sorgen. Mit so einer Feier wird auch gezeigt, wie mutig man es ihnen anrechnet und wie stolz man auf sie ist.

Der große Tag

Am Tag des Abschiedes versammeln sich wieder Familie, Freunde, Bekannte und Verwandte. Diese begleiten die Jugendlichen zum jeweiligen Abfahrtsort, beispielsweise zum Busbahnhof. Dort stehen meistens die Busse mit denen sie Reisen werden schon bereit. Autos mit denen die Anwesenden kamen, sind besprüht mit verschiedenen ermunternden Sprüchen wie zum Beispiel „Über das Land wacht ihr und wir über eure Frauen/ Töchter“. Dieser Spruch darf nicht falsch verstanden werden. mit „über die Frauen/ Töchter wachen“ ist gemeint, dass während der „Mann/Vater“ im Wehrdienst ist, für seine Familie gut gesorgt werden wird, sodass er sich also keine Sorgen darüber machen soll/ braucht.

Des Weiteren werden die Jugendlichen von ihren Freunden in die Luft geworfen und dabei mit dem Spruch „Der beste Soldat ist unser Soldat!“ bejubelt. Anschließend erfolgt die Verabschiedung. Es ist in der Türkei eine allgemeine Tradition bei einer Begrüßung oder Verabschiedung einer älteren Person, ihre Hand zu küssen und auf die Stirn zu legen. Es ist eine Geste des Respekts.

Dies ist der emotionalste Moment für alle. Einerseits kann man in den Gesichtern Freude und Stolz ablesen, andererseits auch Trauer und Tränen, gerade bei den Müttern, die sich nur schwer von ihren Kindern trennen können. Dieser Abschied wird hauptsächlich aus einem ganz besonderen Grund so dramatisch: In der Türkei wird der Gedanke an den Wehrdienst automatisch mit dem Gedanken verbunden, in ein kritisches Gebiet (zb. aktuell der Osten) der Türkei versetzt werden zu können, wo es einem nicht garantiert werden kann, ob man auch heil wieder nach Hause kommen wird. Dieses Unwissen verbreitet Angst und Sorge.

Andere Varianten


Bei manchen Abschiedsfeiern bekommen die Jugendlichen, die den Wehrdienst ableisten werden, Henna auf die Hand tätowiert. Diesen Prozess kann man mit dem „Henna- Abend“ einer türkischen Hochzeit vergleichen (auch auf Brauchwiki unter „türkische Hochzeit“ nachlesbar). In der türkischen Kultur wird Henna in drei besonderen Anlässen benutzt:
1. Am Hennaabend der Braut. Es symbolisiert, dass sie ihren Mann ehren und schätzen soll und wenn es nötig ist, sich auch für ihn opfern soll.
2. Bei dem Opferfest der Muslime, bei den man ein Tier in Namen Gottes schlachtet.
3. Bei Jugendlichen die in den Wehrdienst gehen.
Die Henna bekommen sie entweder an einen Finger, manchmal aber auch ins Haar. Auch hier symbolisiert sie, dass der Jugendliche sich für sein Vaterland opfern soll, natürlich nur wenn es nötig ist.

Eines der wertvollsten Bräuche des Wehrdienstes sind die sogenannten „Soldatenbriefe“ . Denn obwohl wir in einem Zeitalter leben, wo das kommunizieren mit Medien sehr einfach und schnell ist, greifen die Soldaten auf die traditionellen Medien zurück, nämlich auf den Brief. Dieser dauert zwar etwas länger als eine „SMS“, ist aber beim Empfänger vergleichsmäßig „goldwert“. In diesen Briefen schreiben die Soldaten meistens ihre Sehnsucht nach ihrer Familie, nach den Freunden, der Freundin, der Frau oder der Verlobten. Manchmal schreiben sie auch Briefe, die „sogar für das ganze Dorf bestimmt sind.“ es ist bekannt, dass in solchen Schreiben häufig poetisch geschrieben wird.


„Yürü mektubum yürü / Lauf mein Brief, lauf
Haberini al da gel / Hol deine Nachricht und komm zurück
Bir iken iki olduk / aus eins wurden zwei
Üç olduk mu sor da gel / frage, ob es drei werden“

Bei diesem beispielhaften Vierzeiler versucht der Soldat seiner Frau zu entlocken, ob sie schwanger ist. Diese poetische Schreibweise entstand in den Jahren, in denen sich Männer/ Soldaten noch schämten in Anwesenheit von Eltern oder Erwachsenen, eine Frage desgleichen seiner Frau zu stellen, da es nahezu selbstverständlich war, dass nicht nur seine Frau diesen Brief lesen wird, sondern die ganze Familie, die voller Freude auf eine Nachricht warten. Obwohl es heute wahrscheinlich nicht mehr so ist, ist es interessant, dass diese Poesie fortgeführt wird und sich regelrecht zu einem Brauch entwickelt hat.

Weblinks

http://www.kavakpinari.com/index.php?option=com_content&view=article&id=94&Itemid=13 (01.03.13)

http://turkoloji.cu.edu.tr/CUKUROVA/makaleler/9.php (01.03.13)

http://www.artalaturka.de/kultur/askerlik-vom-wehrdienst (01.03.13)

http://www.karabukkulturturizm.gov.tr/belge/1-57376/askerlik-gelenekleri.html (05.03.13)

http://www.1923turk.com/showthread.php?t=12299 (05.03.13)

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Diese Seite wurde zuletzt am 9. Mai 2013 um 17:09 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 7.312-mal abgerufen (to Cache).
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