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Schwörmontag

Volle Fahrt voraus: Dieser Artikel ist sehr informativ und empfehlenswert!
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Der Schwörmontag in Ulm findet jedes Jahr am vorletzten Montag im Juli statt. Für die Ulmer ist dies es ein richtiger Nationalfeiertag. Der Schwörmontag setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Beginnend mit der Schwörrede des Oberbürgermeisters, dem anschließenden Nabaden auf der Donau und den abendlichen Feierlichkeiten in der Friedrichsau mit Bier, Blasmusik und Livebands und dem ausklingenden Ulmer Volksfest. Vor dem Schwörmontag findet in Ulm die Schwörwoche statt. Mit vielen verschiedenen Konzerten und Veranstaltungen aller Art macht sich die Stadt Ulm für den Fremdenverkehr interessant.

Termin

Dieser Brauch ist am 24.07.2017.

Ablauf

Für jeden Ulmer und jeden Bürger der Region ist es klar: Am vorletzten Montag im Juli ist Schwörmontag - das wohl größte und geschichtsträchtigste Stadtfest der Umgebung. Der Schwörmontag ist in Ulm nicht mehr wegzudenken, er gehört zur Stadt genauso wie das Münster und der Ulmer Spatz. In der Woche davor findet die Schwörwoche statt. Neben zahlreichen kulturellen Veranstaltungen und Konzerten ist der alljährliche Festgottestdienst Teil der Schwörwoche. Seit 1973 wird dieser in ökumenischer Form gehalten. Die Feier findet jährlich abwechselnd im Münster oder in der katholischen Stadtpfarrkirche St. Michael statt. Das Ulmer Volksfest ist ebenso fester Bestandteil der Festlichkeiten der Schwörwoche genauso wie das Festkonzert im Münster. Wohl das romantischste Highlight ist die Lichterserenade, die seit 1967 von der Stadt Ulm organisiert wird. Hierbei setzen die Ulmer rund 8000 Windlichter bei Musik in die Donau. Ein abschließendes Feuerwerk rundet den Samstagabend vor dem Schwörmontag feierlich ab.

Schwörfeier

Der Schwörmontag selbst lässt sich in drei fast gleichberechtigte Abschnitte gliedern. Den politischen Höhepunkt bildet die Schwörrede des Bürgermeisters, welche er um 11 Uhr vom Balkon des Schwörhauses im Weinhof an die Bürger Ulms richtet. In der Rede legt der Oberbürgermeister Rechenschaft über das vergangene Jahr ab und gibt einen Ausblick auf das kommende. In der diesjährigen Schwörrede befürwortete Oberbürgermeister Ivo Gönner das Großprojekt Stuttgart 21 und sprach davon, dass der Ausbau der Zugverbindung zwischen Stuttgart und Ulm ein Gewinn für ganz Baden-Württemberg und der Region Ulm/Neu-Ulm sei. Außerdem spricht der Politiker finanzielle Defizite im Haushalt an und schließt weitere Sparmaßnahmen nicht aus. Er weist auf die Weiterentwicklung der Stadt Ulm in Bereichen wie beispielsweise Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft, Kultur und Bildung hin. Darüber hinaus appelliert er an die Bürger mehr Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen und toleranter zu sein. Am Ende der Schwörrede hebt er die Schwurhand zum Klang der Schwörglocke und gelobt feierlich:

„Reichen und Armen

ein gemeiner Mann zu sein

in allen gleichen, gemeinsamen

und redlichen Dingen ohne Vorbehalt.“

Dies bedeutet, dass er sich für alle Bürger einsetzen wird, unabhängig deren gesellschaftlichen Positionen und Religionszugehörigkeiten. Ivo Gönner schwört darauf, für das gemeinsame Wohl der Bürger der Stadt Ulm zu sorgen und seine Pflichten mit bestem Wissen und Gewissen durchzuführen. Die Schwörfeier ist längst nicht mehr nur ein politisches und feierliches Highlight, vielmehr hat sie sich zum Roten Teppich Ulms entwickelt. Die Prominenz aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kirche und Politik, beteiligt sich neben diversen Ehrengästen an der Veranstaltung, während die Bürger drumherum beobachten und die High-Society Ulms genauer unter die Lupe nehmen. Der amtierende erste Bürgermeister Gunter Czisch betont, dass es sich bei der Schwörfeier um keine Spaßveranstaltung handle und man ihr deshalb den nötigen Respekt entgegenbringen sollte. Das müssten sich seiner Meinung nach auch in einer angemessenen Kleidung widerspiegeln.

Das Nabaden

Das Nabaden auf der Donau bildet am Nachmittag den zweiten Höhepunkt des Tages. Um 16.00 Uhr pilgern zigtausend Zuschauer aus Ulm und der Umgebung an die Donau und versuchen sich einen Sitzplatz am Ufer zu ergattern. Denn dann heißt es wieder:
„Ulmer Spatza, Wasserratza – Hoi! Hoi! Hoi!
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Man kann den Wasser-Umzug nicht mit den Karnevalumzügen in Köln vergleichen, dennoch lassen sich Parallelen ziehen, denn das Nabaden in Ulm nimmt karnevaleske Züge an.

Doch wer „nabadet“ und was bedeutet Nabaden überhaupt? Der Teillaut „na“ ist das schwäbische Wort für „hinab“. Folglich bedeutet Nabaden so viel wie „hinabbaden“. In diesem Fall badet man die Donau hinab, welche gleichzeitig eine demographische Grenze zwischen Baden-Württemberg (Ulm) und Bayern (Neu-Ulm) bildet. Doch wer ist bei diesem Spektakel auf und im Wasser anzutreffen? Anfangs nahmen nur die offiziell zugelassenen Wasserfahrzeuge daran teil, erst seit 1969 ließ man auch die „wilden“ und unorganisierten
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Nabader zu. Und wie kommen die Nabader die Donau „na“? Benutzt werden alle Arten von Wasserfahrzeugen. Es gibt die „offiziellen“ Nabaden-Fähren, bis hin zu Autoreifen, Gummischlauchbooten, Luftmatratzen und selbst zusammengebauten Flößen. Diese übertreffen sich gegenseitig in ihrer Kreativität. Die richtigen Luxus-Flöße haben eine Bierbank darauf stehen, andere wiederrum haben auf dem Floß eine kleine Rutsche ins Wasser installiert und wieder andere haben ihr Floß wetterfest gemacht, indem sie ein Dach über ihr Floß konstruierten. Der Kreativität und dem Einfallsreichtum sind beim Nabaden keine Grenzen gesetzt. Auf den über 30 großen offiziellen Nabaden-Fähren werden aktuelle Themen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Sport aufgegriffen und in Figuren und Kunstwerken verarbeitet. Hier zeigt sich deutlich, was die Ulmer das
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vergangene Jahr bewegte und beschäftigte. Als äußerst unfein gilt, wenn man die Themenboote als Eigenwerbung nutzt und somit das Nabaden für persönliche Zwecke ausnutzt. Nicht wegzudenken sind die zahlreichen Musikkapellen auf den großen Flößen. Es entsteht ein richtiges Wetteifern, welche Musikkapelle sein Floß mehr zum Schwanken bringt und somit für gute Stimmung bei den Zuschauern am Ufer sorgt. Ebenso gibt es große Zillen, auf denen diverse Ehrengäste und die geladene Prominenz Platz nehmen darf. Einige Wochen vor dem Nabaden trifft sich der harte Kern des Nabadens, die Organisationsleitung. Diese setzt sich aus Vereinen, Betriebs- und Studentengruppen sowie Vertretern der Rettungsdienste zusammen. Dieses Jahr beteiligten sich daran beispielsweise „Die Donaufreunde Ulm“, „Usta e.V. Ulm“, „Narrenzunft Ulm“, „Ulmer Kanufahrer und Ulmer Paddler“ und die „DLRG Jugend“. Zu diesen Treffen sind aber neben Alt-
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Eingesessenen auch Neulinge eingeladen, die sich am Nabaden nicht nur „wild“ beteiligen wollen. Bei den Treffen wird darüber diskutiert, welche Attraktionen man dem Publikum am Donauufer bieten möchte. Nach der Ideensammlung werden mit Holzlatten, Nägeln, Draht und Pappmaché wahre Kunstwerke gebastelt. Am Tag des Geschehens, dem Schwörmontag, werden die großen Aufbauten von Tiefladern an die Donau geschafft und auf die bereits hergerichteten Zillen befestigt. Damit aber die großen Wasserfahrzeuge in den richitgen Spuren bleiben und gesittet die Donau „hinabbaden“ können, geht eine dreiköpfige „Lenkungs-Kommission“ mit an Bord. Diese wurde in den Wochen vor der wichtigen Fahrt geschult, um Begriffe aus dem „Wörterbuch des Nabaders“ zu erlernen. Hier werden Begriffe wie „anlegen“ (= Das Schiff muss mit der Spitze gegen die Strömung gedreht werden, damit die Landung weich wird), „hochstaken“ (= Fahrt flussaufwärts im Uferbereich unter Einsatz des Stechruders, das dabei gegen den Grund gestemmt wird) oder „Stechruder“ (= Etwa zweieinhalb Meter langes Ruder, das mit einer gegabelten Eisenspitze versehen ist) ausführlich erläutert. Der Fachmann weiß, nur wenn die dreiköpfige „Leitungs-Kommission“ Teamgeist zeigt, dann kann das Fahrzeug sicher und gut geführt werden, denn:

„Wenn sich dia drei verschdandat, dann isch des a Sach.“

Dennoch müssen sich alle Teilnehmer an bestimmte Regeln halten, damit es ein Wasser-Umzug ohne Zwischenfälle werden kann.

Regeln für die Teilnahme am Ulmer Nabaden:

1. Boote mit Motorantrieb sind aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen. Ausnahmen sind offizielle Begleitschiffe, Polizei- und Rettungsboote.

2. Kinder und Nichtschwimmer dürfen nur mit Schwimmhilfen und in Begleitung erwachsener Schwimmer teilnehmen.

3. Jegliche Form von Werbung und Kommerz auf dem Wasser und zusätzliche Werbung im Veranstaltungsbereich ist unzulässig.

4. Das Nabada wird von zahlreichen Musikgruppen musikalisch begleitet. Grundsätzlich sind Beschallungsanlagen aus diesem Grund weder auf dem Wasser, noch an den Ufern zugelassen. Ausnahmen sind kleine Beschallungsanlagen auf offiziellen Themenschiffen, die vom Veranstalter genehmigt sind.

5. Jegliche Art von Spritzereien in die Zuschauer und das Werfen wassergefüllter Tüten und Ballone ist untersagt.

6. Bei aufkommendem Gewitter ist die Donau umgehend zu verlassen.

7. Technische Schwimmhilfen und schwimmende Konstruktionen jeglicher Art sind aus der Donau nach dem Nabada wieder zu entfernen und mitzunehmen.

Doch egal ob Themenboote, Ehrengäste auf einer Zille oder „wilder“ Nabader, zum Schluss steuern alle auf die Friedrichsau zu, um beim gemütlichen Hockete den Schwörmontag ausklingen zu lassen.

Hockete in der Friedrichsau und Party auf dem Münsterplatz

Traditionsgemäß trifft man sich nach dem Nabaden bei der sogenannten „Hockete“. Dies bedeutet so viel wie gemütliches Beisammensitzen. Als idealer Ort bietet sich dafür die Friedrichsau an, da sich hier auch das Ende des Wasserumzuges befindet. Unter freiem Himmel und in diversen Bierzelten werden Speisen und Getränke verkauft. Livebands begleiten diesen Teil der Veranstaltung. Bis spät in die Nacht hinein wird auch auf der Diana-Wiese gefeiert. Trotz oder gerade deswegen, weil man hier die Sitzgelegenheiten und die Verpflegung selbst mitbringen muss, ist dies ebenfalls ein beliebter Treffpunkt für Familien und junge Leute. Charakteristisch für die Diana-Wiese sind die Lichterketten, die zeltartig zusammenlaufen und somit für eine sehr schöne Atmosphäre sorgen. Wer nun der Sache Glauben schenken will, dass der Stadtkern abends wie ausgestorben erscheinen mag, der irrt. Auf fast allen Plätzen in der Innen- und Altstadt kommt man in den Genuss von Live-Bands und kulinarischen Leckerbissen. Viele Bars und Kneipen bieten spezielle Angebote an und haben längere Öffnungszeiten. Ebenso findet ab 17.00 Uhr eine große Party auf dem Münsterplatz statt, welche schon seit mehreren Jahren von den regionalen Radiosendern ausgerichtet wird. Der Abend des Schwörmontags bietet auch die letzte Gelegenheit, das Ulmer Volksfest mit den vielen Fahrgeschäften und Attraktionen zu besuchen.

Das Fischerstechen

An den beiden Sonntagen vor dem Schwörmontag findet alle vier Jahre das Turnier des Fischerstechens statt. Bevor das eigentliche Turnier an beiden Sonntagen beginnt, geht ein festlicher und farbenprächtiger Umzug voraus. Um die 300 kostümierten Teilnehmer, bringen die Stadtgeschichte jedes Mal auf ein Neues in das Gedächtnis der Zuschauer. Des Weiteren finden an vielen verschiedenen Plätzen in der Stadt zu Trommelmusik historische Tänze der Fischerzunft statt. Das Turnier selbst ist ein historischer Wettkampf, das den ehemaligen Ritterturnieren ähnelt, aber auf dem Wasser ausgeführt wird. Auf sogenannten Zillen treten je zwei Kontrahenten gegeneinander an. Ziel ist es die gegnerische Mannschaft mit Speeren ins Wasser zu stoßen. Die Zillen sind etwa zehn Meter lang und am hinteren Ende befindet sich ein Standbrett für den Wettkämpfer. Der Speer beträgt eine Länge von etwa 2,80 Metern und wird an der Spitze von einer gepolsterten Scheibe entschärft, damit die Verletzungsgefahr verringert wird. Bei den teilnehmenden Stecherpaaren handelt es sich immer um kostümierte Persönlichkeiten aus der Stadtgeschichte Ulms, die stellvertretend für die Geschichte und die etlichen Sagen rund um die Stadt stehen. Beispiele hierfür sind der Bauer und die Bäuerin. In der frühen Neuzeit waren die Bauern, genau wie die Narren, der Inbegriff der Tölpelhaftigkeit. Sie repräsentieren auf humoristische Art und Weise das Eheleben von Mann und Frau, wobei sich der Gipfel der Komik darin befindet, dass die Bäuerin von einem verkleideten Mann gespielt wird. Der Bauer und die Bäuerin zählen zu den ältesten Figuren des Fischerstechens in Ulm. Ein ebenso beliebtes wie komisches Stecherpaar ist das der Schalksnarren – schwarz/weiß und schwarz-gelb. Dieses Stecherpaare haben beim ersten Durchgang des Turniers „Narrenfreiheit“ und sind somit in der Lage, sich einen Scherz zu erlauben und für die Belustigung des Publikums zu sorgen. Neben den 15 festen Stecherpaaren, gibt es jedes Jahr ein Überraschungspaar, welches zwei Persönlichkeiten aus dem aktuellen Zeitgeschehen repräsentiert.

Das nächste Fischerstechen findet voraussichtlich 2013 statt.

Schwörfeier

Im 13. und 14. Jahrhundert war Ulm wie viele andere süddeutsche Städte von Kämpfen zwischen den Zünften und Patriziern (= Stadtadel) geprägt. Lange Zeit hatten die Patrizier in Ulm die Vorrangstellung in der Mächteverteilung. Dies stieß auf erheblichen Widerstand seitens der Zünfte, da Dank deren Arbeit die Stadt zu neuer wirtschaftlichen Blüte gelangte. Daher forderten sie mehr Mitspracherecht in den Räten. Die Unterzeichnung des „Kleinen Schwörbriefs“ von 1345 sollte die Verhältnisse im Rat klären. Somit wurden ab sofort 17 von 32 Ratsmitgliedern von den Ulmer Zünften gestellt. Das Bürgermeisteramt blieb jedoch den Patriziern vorbehalten. Da die Patrizier keinem eigenen Gewerbe nachgehen durften und somit nur von den Einkünften des eigenen Grundbesitz leben durften, hatten sie mehr Möglichkeiten dem Ehrenamt des Bürgermeisters nachgehen zu können. Somit sollte der „Kleine Schwörbrief“ zwei Ständegesellschaften, die sich vorher bis auf das Blut bekämpften, zum Frieden bringen. Trotz der guten Absicht des „Kleinen Schwörbriefes“ kam es gut fünfzig Jahre später zu erneuten Auseinandersetzungen zwischen Zünften und Patriziern. Im „Großen Schwörbrief“ von 1397 wurden die Mehrheitsverhältnisse im Rat erweitert. Nun hatte der Rat 40 Ratsmitglieder. Die Zünfte stellten nun 30 Mitglieder und die Patrizier weitere 10 und den Bürgermeister. In der neuen Stadtverfassung wird der Frieden betont. Außerdem sollen die daraus entstehenden Vorteile in der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt hervor gehoben. Durch die neuen Kräfteverhältnisse verloren die Patrizier ihr aktives Stimmrecht. Jedes Jahr am 23. April, dem St. Jörgen-Tag, beschworen die Ratsmitglieder den Inhalt des „Großen Schwörbriefes“. Diese Tradition wurde bis ins Jahr 1802 weitergeführt. Doch dann verlor Ulm den Status als Reichsstadt und wurde bayerisch. Nun hatte die Stadt Ulm keine eigene Verfassung mehr und es gab keine Stadtverfassung, auf die man schwören konnte. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Wunsch der Bevölkerung, den Schwörmontag wieder zu beleben und aufzuwerten immer größer. Die Nationalsozialisten nutzen den Schwörmontag ab 1933 für ihre politischen Inhalte und für Propaganda-Zwecke. Ein Bericht des Ulmer Tagblattes aus dem Jahr 1933 beweist:

„Der heutige Schwörmontag ist der erste, der in einer neuen Zeit begangen wird, in einer Zeit, die eine Umwertung aller Werte brachte. Gerade von dieser Stelle aus ist schon vor Jahren einer Veredelung des Schwörmontags das Wort geredet worden. Das Wort hat Widerhall gefunden, geschehen ist aber von keiner Seite etwas, um diesen Tag aus dem Dunst seiner bierseligen Stimmung heraus und auf eine Stufe zu heben, die der ursprünglichen Bedeutung des Schwörmontags einigermaßen gerecht wurde.“

Der Schwörmontag wurde von den Nationalsozialisten zu einer Parteiveranstaltung umgewandelt. In einer Massenveranstaltung im Donaustadion führten die Nationalsozialisten den neu aufgestellten Oberbürgermeister ins Amt ein. Es gab einen Festumzug mit Sängern, Turnern, Schutzpolizei, SA, SS, HJ und anderen Organisationen. Diese marschierten in das Stadion ein und sangen gemeinsam das Horst-Wessel-Lied. Nicht außer Acht zu lassen ist, dass durch das Wiederaufleben des Schwörmontags die Stadt Ulm wieder für den Fremdenverkehr interessanter wurde und sich Ulm somit zu einer attraktiven Fremdenstadt etablieren konnte. Während des Zweiten Weltkrieges verlor der Schwörmontag an Heiterkeit, Witz und Freude. Stattdessen wurde er von den Nationalsozialisten als Appell an die Bürger zu Treue gegenüber dem Land und dem Führer genutzt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war der Wunsch nach den Feierlichkeiten zum Schwörmontag enorm hoch. Durch die Währungsreform und die wirtschaftlichen Unsicherheiten konnte man auf diese Strömungen aber nicht nachgegangen. Seit 1949 wurde der Schwörmontag wieder eingeführt und gehört seitdem zum festen Bestandteil im Veranstaltungskalender der Stadt Ulm. Der damalige Oberbürgermeister Theodor Pfizer wollte dem Ulmer Brauch neues Leben einhauchen. Er war der Meinung, dass die reichsstädtischen Zeiten vorbei seien und somit der Schwur politisch keine Relevanz mehr hatte. Vielmehr sollte fortan der Oberbürgermeister über das vergangene Jahr Rechenschaft ablegen und den Bürgern einen Ausblick auf die kommenden 12 Monate bieten.

Utensilien der Schwörfeier

Die Schwörfeier wird von drei Utensilien begleitet, welche unabdingbar sind. Zum Einen ist dies die Amtskette des Oberbürgermeisters. Dabei handelt es sich um eine etwa zwei Meter lange goldene Kette, welche aus dem Besitz der Patrizier-Familie Baldinger stammt. Sie ist ein Zeichen der Oberbürgermeister-Würde. Zum Anderen gehört die Schwörglocke zur Schwörfeier dazu. Früher sollte sie den Bürgern zeigen, wann sie sich in Richtung Weinhof zum Schwörhaus begeben mussten, um die Schwörfeier nicht zu verpassen. Im heutigen digitalen Zeitalter ist dies überflüssig, dennoch wird die Glocke aus dem 14. Jahrhundert zum Ende der Schwurrede in Gang gebracht und ertönt über die Dächer Ulms. Als drittes und besonderes Utensil gilt das Schwörhaus, auf dessen Balkon der Oberbürgermeister die Schwörrede an die Bürger richtet. Das Schwörhaus ist in Ulm einzigartig. Zwar gibt es beispielsweise in Esslingen einen Schwörhof, aber ein Schwörhaus, welches explizit nur für die feierliche Zeremonie gedacht ist, gibt es nicht. Das Schwörhaus, welches im Jahr 1616 fertiggestellt wurde, findet man im Weinhof. Nun stellt sich die Frage, warum ist der Weinhof Austragungsort für solch eine historisch wichtige Feierlichkeit. Nun zum einen ist der Weinhof wohl einer der ältesten Plätze Ulms und zum anderen war es ein Umschlagplatz für alle Handelsarten. Aus alten Stadtchroniken kann man heraus lesen, dass der Weinhof schon lange ein Ort war, an dem Verträge unter Mitspracherecht der Bürger geschlossen wurden. Somit ist der Weinhof wohl der passendste Ort für die alljährliche Schwörfeier.

Nabaden

So ausführlich und detailliert viele Ereignisse und Zeitgeschehnisse der Stadt Ulm in diversen Chroniken und Abschriften überliefert sind, so erscheinen die Ursprünge des Nabadens bis heute relativ verborgen. Bekannt ist, dass schon zu Reichsstadtzeiten ein Vorläufer des Nabadens stattgefunden haben muss. Man pflegte den Brauch des „Bäuerle-Herunterfahrens“. Aber ob sich nun das Nabaden aus diesem Klamauk entwickelte oder aus einem sommerlichen Badevergnügen der Jugendlichen aus dem Raum Ulm, ist nicht ganz klar.

Das Fischerstechen

Die ersten Zeugnisse für das Ulmer Fischerstechen sind aus dem 16. Jahrhundert überliefert. Im 19. Jahrhundert galt das Fischerstechen lediglich als Gedenken an den verloren gegangen Schwörmontag. Das Ereignis wurde aber auch zu besonderen Anlässen ausgetragen, wie beispielsweise bei königlichem Besuch. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Charaktere als Stecherpaare dazu. Seit 1950 findet das Fischerstechen alle vier Jahre statt.

Weblinks

http://www.bn-ulm.de/lokales/schwoer97/history_schwoer.htm

http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/art4329,562450

http://www.ulm.de/ulmer_geschichte_was_ist_eigentlich_ein_schwoermontag.29360.3076,.htm

Belege, Literatur

  • Petershagen, Henning: Schwörmontag. Ein Ulmer Phänomen, Ulm, 1996.

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Diese Seite wurde zuletzt am 3. Mai 2017 um 13:42 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 15.816-mal abgerufen (to Cache).