Schülerbefreiung und Brezelverteilen in WangenDurchstarten: Dieser Artikel ist informativ. Wir freuen uns über weitere Ergänzungen!
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Zoom mit MausradDie Schülerbefreiung ist ein Faschingsbrauch, der in verschiedenen Orten mit schwäbisch-alemannischer Fasnet (Fasnacht) ausgeübt wird. In diesem Artikel geht es speziell um die Schülerbefreiung mit Brezelverteilen in Wangen im Allgäu am "Gumpigen Donnerstag", dem Donnerstag vor dem Faschingswochenende.
Ablauf
Während am Donnerstagmorgen offiziell bis zum Eintreffen der Narren regulär unterrichtet wird, nutzen die meisten Lehrer diese Zeit für kleine klasseninterne Faschingsfeiern. Schüler und Lehrkräfte kommen dazu in der Regel bereits Verkleidet zum Unterricht. Im Laufe des Vormittags ziehen dann die "Hästräger" (Verkleideten) von Schule zu Schule und stürmen die Gebäude. Mit lautem Schellengeläut und dem traditionellen Narrenruf „Schelle – Schelle – Schellau“ machen sie dabei auf sich aufmerksam. Da der genaue Zeitpunkt ihres Kommens nicht bekannt ist, hat die Befreiung einen gewissen Überraschungseffekt und die Schüler fiebern dem lang ersehnten Lärm der heranziehenden "Mäschkerle" (Maskierten) entgegen. In kleinen Gruppen werden dann die einzelnen Klassen befreit, indem die Narren in den Unterricht platzen und die Schüler mit ihrem Ruf begrüßen. Nach dreimaligem Antworten der Jugendlichen erhält jeder eine Fasnetsbrezel. Diese Brezeln werden von den Mitgliedern der Narrenzunft in großen Körben mitgeführt. Dann ist die Schule offiziell beendet und für Schüler und Lehrer brechen die Ferien und die Fasnet an.
Hintergrund-Infos
Brezelverteilen
Das Brezelverteilen in den Schulen ist einer der ältesten permanent durchgeführten Bräuche seit der Wiederbelebung der Wangener Narrenzunft nach dem Zweiten Weltkrieg. Neben dem Narrenbaumstellen, dem Mäschkerlesumzug, dem großen Narrensprung am Fasnetsmontag und dem Bürgerball gehört die Befreiung der Schüler zum festen Fasnetsprogramm des Ortes. Bereits in den 1950er Jahren stürmten die Mitglieder der Narrenzunft „Kuhschelle Weiß-Rot“ am Morgen des Gumpigen Donnerstags die Wangener Schulen und verteilten Gebäck (siehe Foto). Dieser Brauch wird bis heute nahezu unverändert ausgeübt.
Brezeln bekommen dabei nicht nur die Schüler und Lehrer sondern auch die Angestellten der städtischen Ämter, außerdem bei der „Altstadtglonkere“ noch die Gäste in den Wirtshäusern der Innenstadt.
Traditionell übernehmen mit der Verteilung die Narren das Regiment in der Stadt. Sie "entlassen" Schüler und Beamte für die Dauer der Fasnet aus ihrem Dienst. Ermöglicht wird dies von Seiten der Schulen, dadurch dass sie ihre beweglichen Ferientage jedes Jahr dazu nutzen, vom "Bromigen Freitag" bis zum Ende der darauf folgenden Woche geschlossen bleiben zu können. Das heißt, die Schüler und Lehrer werden alljährlich am „Gumpigen“ von den "Hästrägern" in die Ferien geschickt.
Organisatorisches
Der Brauch des Brezelverteilens wurde von der Narrenzunft im Laufe der Zeit bewusst ausgeweitet und intensiviert. Mittlerweile wird das Salzgebäck auch zu anderen Anlässen verteilt. So zum Beispiel bei der "Altstadtglonkere", bei der sich die Narren aufteilen und die Wirtshäuser der Stadt „heimsuchen“, oder nach dem Narrengottesdienst am Fasnetsonntag. Wangen ist damit nach Schramberg im Schwarzwald die Stadt, in der die meisten Fasnetsbrezeln ausgegeben werden.
Die Schulen helfen beim Organisieren der Brezeln selbst mit. Sie bestellen für jeden Shcüler und Lehrer eine bei ihrem Bäcker und stellen sie den Narren zum Verteilen zur Verfügung. Die Kosten dafür trägt die Stadt: „Das ist ein Beitrag zur Brauchtumspflege“ - so der Leiter des Wangener Kultur- und Sportamtes Hermann Spang. Hinzu kommen dann noch rund 100 Brezeln für die Bediensteten der Stadt und weitere 1.000, die bei der "Altstadtglonkere" und beim Gottesdienst ausgegeben werden.
Weblinks
- Narrenzunft Kuhschelle weiß-rot (gegründet 1935)
- Genaueres zu den "Häsern" unter http://www.narrenzunft-wangen.de/zunft/haeserbeschreibung/index.php
Literatur
- Kutter, Wilhelm: Schwäbisch-alemannische Fasnacht. Künzelsau 1976.
- Mezger, Werner: Das große Buch der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Ursprünge, Entwicklungen und Erscheinungsformen organisierter Narretei in Südwestdeutschland. Stuttgart 1999.
- Schmid, Albert (Hrsg.): Fastnacht in Ravensburg. Ein Streifzug von 1353 bis heute. Ravensburg 2000.
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