Benutzer    Passwort
neues Benutzerkonto anlegen
Neu 
RSS

Schäfflertanz Dinkelscherben

Volle Fahrt voraus: Dieser Artikel ist sehr informativ und empfehlenswert!
Schäfflertanz Dinkelscherben gibt es auch an einem anderen Ort?
Ziehen Sie den roten Marker auf die Stelle
(Ort, Land oder Lng,Lat)

eingetragene Orte    Details/Wechseln    Verbreitungsgebiet    Zoom mit Mausrad
Bräuche
Bräuche > Bayern > Schwaben
Geprüfte Artikel > Grüner Artikel


Der Schäfflertanz ist ein Gruppentanz, der im Januar beginnt und bis zum Aschermittwoch dauert. In Dinkelscherben findet dieser alle sieben Jahre statt.

Termin

Dieser Brauch ist vom 06.01.2018 bis zum 15.02.2018.

Historischer Rückblick

Blick in die Geschichte des Schäfflertanzes

Der Schäfflertanz geht bis ins Jahr 1517 zurück. Die Sage beschreibt den Begriff der Schäffler als Zukunft der Fassmacher. Nach den vorübergegangenen Pestjahren in München wurden die Menschen wieder zum Tanzen aus ihren Häusern gelockt. Die Teilnehmer tanzen zu Musik festgelegte und einstudierte Figuren. Der Brauch ist seit 1830 auch außerhalb von München bekannt und wird in vielen bayerischen Orten durchgeführt. (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%A4fflertanz)

Historisches zum Schäfflertanz in Dinkelscherben

Alle sieben Jahre findet in Dinkelscherben, Landkreis Augsburg, ein Schäfflertanz statt. Der Schäfflertanz wird in Dinkelscherben seit 1893 praktiziert. Dieser Gruppentanz wurde von Dinkelscherbener Kaufleuten zum ersten Mal aufgeführt und war zugleich etwas besonderes, weil es nur drei Gemeinden in Schwaben gab, die diesen aufführten. Seitdem findet dieses Ereignis alle sieben Jahre in Dinkelscherben statt. Ausgesetzt wurde nur während des ersten und zweiten Weltkrieges. Somit war dieses Jahr schon die 15. Schäfflergeneration in den Straßen von Dinkelscherben und dem Landkreis unterwegs. (vgl. Kalb, 2012, S. 9)

Einen ganz besonderen Einblick in die Geschichte des Dinkelscherbener Schäfflertanzes hat das Heimatmuseum im Zehenstadel gewährt. In einer umfangreichen Ausstellung im November konnten die Besucher beispielsweise Bilder, Puppenmodelle, die Tanzfiguren nachstellen oder Gewänder bestaunen. Die Ausstellung richtete ein besonderes Augenmerk auf das Handwerk der Schäffler an sich. Alte Werkzeuge verschaffen dem Zuschauer die Idee, wie schwer der Beruf früher gewesen war. Viele Erinnerungsstücke sind von den Dinkelscherbener Bürgern gekommen. (vgl. http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-land/Erinnerungen-an-die-Schaefflertaenzer-id17679841.html)

Ablauf

Teilnehmer Reifenschwinger.jpeg
Teilnehmer

Es gilt die generelle Grundregel, dass alle Teilnehmer des Schäfflertanzes mindestens 18 Jahre alt, männlich und unverheiratet sein müssen. Zusätzlich muss ihr Wohnsitz in Dinkelscherben sein. Im Jahr 2012 waren es aktiv 63 junge Männer. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl gab es zum ersten Mal zwei Tanzgruppen, die sich bei den verschiedenen Auftritten abwechselten. (vgl. Kalb, 2012, S. 5)

Zum einen gibt es die Tänzer. Die jungen Männer sind alle in der gleichen Tracht gekleidet. Sie orientiert sich an der damaligen Kleidung der Handwerker. Dazu gehören beispielsweise auch Schnallenschuhe. Er trägt des Weiteren eine grüne Schlegelkappe und eine rote Jacke, die am Kragen von einem breiten Silberstreifen geziert wird. Die Vortänzer und Reifenschwinger haben eine zweite Silberborde an ihrer Jacke. Die Schärpe ist mit dem Wappen von Dinkelscherben geziert.

Des Weiteren gehören zu den aktiven Teilnehmern die Fassschläger. Auch sie tragen neben einem Lederschurz die gleiche Tracht wie die Tänzer. Es ist ihr Auftrag, ein 50 Kilo schweres Fass zu tragen und darauf zu klopfen. Diese Handlung soll an das Handwerk der Schäffler erinnern. Das Fass stellt nach dem Tanz das Podest der Clowns dar, sozusagen das Rednerpult. Auch die Reifenschwinger schwingen ihre Buchsreifen auf ihm. 2012 waren es vier Fassschläger, die diese schweißtreibende Aufgabe verrichten mussten. (vgl. http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-land/Schlagen-im-Takt-id18519366.html)

Wie bereits oben erwähnt, waren auch Reifenschwinger unter den Aktiven in Dinkelscherben mit dabei. Sie schwingen Ihre Reifen auf den Fässern der Fassklopfer.

Eine besonders wichtige Rolle nehmen die Clowns ein. Sechs junge Männer hatten 2012 diesen Posten inne. Früher war es Aufgabe der Clowns, akrobatische Kunststücke vorzuführen und dem Publikum
Teilnehmer- Clown.jpeg
kleine Einlagen zu bieten. Im Laufe der Zeit haben sich die berühmten Clownsreden etabliert. In diesen werden Dinkelscherbener Familien sowie die Öffentlichkeit auf die Schippe genommen. Sie stellen für die Clowns eine besonders schwierige Herausforderung dar, weil sie immer über das aktuelle Geschehen informiert sein müssen. Natürlich haben die Dinkelscherber Clowns ihre Reden selbst geschrieben. Es war sicherlich nicht immer leicht, Informationen über einzelne Familien zu bekommen. Wenn eine Familie einen Auftritt gebucht hat, hat einer der Clowns extra für diese Familie eine Rede geschrieben. Während den Tänzen sammeln sie mit einer Blechbüchse Spenden. Falls die Zuschauer nicht sehr freigiebig sind, schwingen die Clowns die so genannte „Saublotter“, eine getrocknete Schweineblase. Sie soll dann wie eine Peitsche die Zuschauer abschrecken. Für jede großzügige Spende gibt es als Belohnung ein Küsschen. (vgl. http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-land/Ein-Kuesschen-in-Ehren-id18167936.html)

Das Komitee der Schäffler, das insgesamt 14 Personen umfasst, wurde im Jahr 2012 von Präsident Karlheinz Lutz geführt. Der zweite Vorsitzende war Jürgen Steinbacher. Schirmherr war der 1. Bürgermeister Peter Baumeister. (vgl. http://schaefflertanz-dinkelscherben.de/index.php/mitwirkende/das-komitee)

Neben den aktiv Mitwirkenden sind jedoch auch zahlreiche Personen im Hintergrund zu nennen. Beispielsweise die Musikvereinigung sorgte an allen Auftritten für passende Musik. Die ortsansässige Feuerwehr garantierte während den Tänzen die Sicherheit. Besondere Anerkennung verdiente die Näherin der Clownskostüme, die Herbergsmütter, die Schminkdamen sowie die Trachtenverantwortlichen. Auch das Technikteam sorgte für beste Tonqualität während allen Auftritten. (vgl. http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-land/Hinter-den-Kulissen-id18767351.html)

Die Kronenträger kommen lediglich bei der Tanzfigur der Krone zum Einsatz. Sie müssen zu diesem Zeitpunkt die schwere Krone in die Luft stemmen.

Eröffnung des Schäfflertanzes am 06.01.2012

Dem Eröffnungstanz am 06. Januar sind zahlreiche Proben vorangegangen. Gestartet haben diese bereits Mitte
Tanz der Schaeffler.jpeg
September. Die Tänzer mussten Marschieren, verschiedene Tanzschritte und Figuren lernen. Auch für die Fassschläger war es eine Herausforderung, im Takt auf ihr Fass zu klopfen. Die Reifenschwinger probierten sich in akrobatischen Darbietungen.

Der allererste Tanz der Saison wurde von beiden Gruppen getanzt. Stattgefunden hat er vor dem Rathaus in Dinkelscherben. Zahlreiche Zuschauer und Schaulustige haben auf dieses besondere Ereignis gewartet. Auch die Clowns hatten ihren ersten öffentlichen Auftritt. Von ihnen wurde den Zuschauern ein humorvoller Rückblick über die letzen sieben Jahre gewährt. Besonders spektakulär war der Auftritt eines Clowns: Er wurde mit dem Autokran, als Storch verkleidet, aus 20 Meter Höhe eingeflogen.

Der Schuss aus der Flinte des Clownbürgermeisters signalisierte, dass die Saison eröffnet war. (vgl. Kalb, 2012, S. 16 ff.)

Überblick der Auftritte

Jedes Mal beginnt der Schäfflertanz in Dinkelscherben am 6. Januar und er endet am Faschingsdienstag. Im Jahr 2012 waren es daher sieben Tanzwochen.

Insgesamt kamen die Schäffler in diesem Zeitraum auf 151 Auftritte. Bis zu zwölf Tänze am Tag meisterten die Schäffler erfolgreich. Die verschiedenen Tänze fanden zum einen in den Ortsteilen von Dinkelscherben statt. Die gesammelte Mannschaft war beispielsweise in Fleinhausen, Oberschöneberg, Ettelried Breitenbronn, Lindach und Ried. Auch einige Nachbargemeinden wie z.B. Ustersbach wurden besucht. Jede Familie aus Dinkelscherben konnte sich die Schäffler auch nach Hause bestellen. Zum anderen fanden zahlreiche Tänze bei Firmen und öffentlichen Einrichtungen in Dinkelscherben statt. Nach jedem Auftritt war es die Einkehr in die Schäfflerherberge, bei der die Schäffler den Tanztag noch einmal Revue passieren ließen.

Besonderheiten während der Saison 2012

Ein ganz besonderer Tag war der 08. Januar. An diesem dritten Tanztag fand in Dinkelscherben der Prominententanz statt. An diesem Tag war es Ziel der Clowns, die lokalen Politiker und Geistlichen und die Arbeit derer auf die Schippe zu nehmen. Unter den prominenten Zuschauer waren beispielsweise der in Dinkelscherben wohnhafte Eduard Oswald oder Max Strehle. (vgl. Kalb, 2012, S. 23)

Eine ganz besondere Premiere stand am 14. Januar an. Die Schäffler führten einen Fackeltanz auf, der zu Ehren eines ehemaligen Schäfflers getanzt wurde. Noch nie zuvor war dies Bestandteil der Tänze in Dinkelscherben.
Ein weiteres Highlight war die Einladung von Eduard Oswald, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, nach Berlin. Die Schäffler tanzten für den Dinkelscherber Bürger nicht nur im Rahmen des Prominenztanzes sondern auch noch einmal extra am 05. Februar. Selbst der Papst, ein verkleideter Clown, wohnte diesem Ereignis bei.
Als Dankeschön für seine Arbeit und zu seinem Geburtstag tanzten die Schäffler am 11.Februar als Überraschung für Ihren Präsidenten. Auch für die Schäffler war dies ein ganz besonderer Auftritt – es war der 100. Tanz der Saison 2012.
Ein weiteres Highlight der Schäfflersaison 2012 war eine Schäfflerhochzeit. Der ehemalige Clown Christian Gschwilm hat seiner Frau Evgeniya das Ja-Wort gegeben. Natürlich haben es sich die Schäffler nicht nehmen lassen, Schäfflerpfarrer zu küren und so die Ehe des frisch getrauten Ehepaars zu besiegeln. (vgl. Kalb, 2012, S.36)
Sogar bis in die Landeshauptstadt zog es die Dinkelscherbener Schäfflertänzer am 12. Februar. Dieser Tag war jedoch für die Schäffler ein eher entspannender Tag. Als Zuschauer wollten sie Ihre Vorbilder in München sehen. Die Münchner Schäffler tanzten an diesem Tag ihren Schäfflertanz im Hauptbahnhof. Die Vorführung fand jedoch ohne Clownsrede, sehr zum Bedauern der Dinkelscherbener, statt. Auch die Münchner Schäfflerherberge wurde von den Dinkelscherbenern inspiziert.
In Augsburg waren die Dinkelscherbener Schäffler am 20. Februar, dem Rosenmontag. Sie präsentierten dort drei Tänze vor zwei verschiedenen Firmen und einer öffentlichen Einrichtung.
Am 16. Februar fand in Dinkelscherben der Schäfflerball statt. Natürlich wurde auch hier den Zuschauern der Tanz präsentiert. (vgl. Kalb, 2012, S. 76)
Am 18. Februar war das Ehemaligentreffen. Eingeladen wurden alle Teilnehmer früherer Schäfflertänze. Sogar einige ehemalige Clowns gaben noch einmal die Highlights ihres Jahrgangs, natürlich auf dem Fass stehend, zum Besten. (vgl. Kalb, 2012, S. 70)

Das Schäfflerlied

Die Hymne der Schäffler war während der Saison 2012 das Lied „Ich bin so froh, dass ich ein Schäffler bin“ auf die Melodie von: „Ich bin so froh das ich nicht evangelisch bin“.
Viele Tänze, viele Weiber, und gefrorene Zehn im Schuh,
Und dann noch der Lettinger, der lässt uns keine Ruh,
10 Minuten Pause, die sind doch nicht zu viel.
Wir brauchen was zu fressen und alle ham ein Ziel.
Ich bin so froh, dass ich ein Schäfflertänzer bin,
Wir haben doch nichts anderes, als tanzen nur im Sinn.
Als Tänzer kannste feiern, wie jeder doch nun weiß
Und auch die hübschen Mädels, die finden einen heiß.
Viele Schwünge, viele Schnäpse, viele Gläser gehen kaputt,
Und der Fischer Menes, der findet das nicht gutt.
Doch wenn die Reifen brechen, das stört ihn noch viel mehr.
Doch uns, uns ist das wurscht, drum sing mer hinterher.
Ich bin so froh, dass ich ein Reifenschwinger bin
Wir haben doch nichts anderes, als schwingen nur im Sinn
Als Schwinger holste Massen wie jeder doch nun weiß
Die werden gleich gesoffen und das ist unser Preis
Viele Schläge, lange Schürzen und ein großes Fass im Kreis.
Der Endres Franz, der hat´s gemacht, wie auch jeder weiß.
Rings rum da soll man klopfen und das auch noch im Takt.
Und wenn de zu lang klopfst dann haste hald verkackt.
Ich bin so froh, dass ich ein strammer Klopfer bin,
Ich habe doch nichts anderes als Klopfen nur im Sinn.
Als Klopfer kannste knallen, wie jeder doch nun weiß,
Egal ob Bier oder Frauen, wir machen es mit Fleiß.
Viele Reden, viele Witze und das ganze G´sicht geschminkt,
Und dann noch der Josef, der aus seinem Benz rauswinkt.
Wir müssen immer sammeln und ständig lustig sein,
Doch oben auf dem Fass, da lass mer euch gscheid rein.
Ich bin so froh, dass ich ein Schäffler-Clown bin.
Wir haben doch nichts anderes, als blödeln nur im Sinn.
Als Clown da kannste frech sein und keiner is dir bös,
Nur das Komitee, das wir dabei nervös.
Wir sind so froh, dass wir ne starke Truppe sind.
Nur alle sieben Jahre, ja das weiß doch jedes Kind.
Doch wenn wir Schäffler feiern, dann haltet euch bereit,
Mit euch in Dinkelscherben, ham wir ne tolle Zeit. (Kalb, 2012, S. 65)

Tanzfigur Krone.jpeg
Abschluss der Saison

Am 21. Februar war der letzte Tag der Schäfflersaison 2012 da. So manch ein Schäffler hat eine Träne vergossen, weil die Teilnahme meist einmalig ist. Auch die Stimmung im Publikum war etwas verhaltener. So manch ein Feuerwehrmann malte sich sogar eine große schwarze Träne auf die Backe. Der 151. Tanz war somit der Schlusstanz. Beide Gruppen zeigten noch einmal zum letzten Mal ihr Können in Dinkelscherben. Die letzte Clownsrede wurde von allen Clowns zusammen gehalten. Nach dem Abschlussspruch der Fassklopfer wurde schlussendlich auch das Fass zerschlagen. Auch der Reifen der Reifenschwinger wurde nach ihrem Abschlussreim zerbrochen. Traditionell wurde die Saison bzw. auch der Fasching mit einem Sarg „beerdigt“. (vgl. Kalb, 2012, S. 82 f.)

Hintergrund-Infos

Interview mit einem Schäffler

Hallo, guten Morgen Christian, du bist also ein waschechter Schäffler. Magst du dich kurz vorstellen?
Mein Name ist Christian Zeller und ich bin 24 Jahre alt. Ich wohne natürlich in Dinkelscherben, wie alle Schäffler. Meinen Wohnsitz habe ich extra nicht nach München, zu meinem Studienort, verlegt. In der Schäfflersaison 2012 war ich das erste Mal als Schäfflertänzer in Dinkelscherben dabei. Du warst ja sogar nicht „nur“ ein ganz normaler Tänzer sondern ein Vortänzer. Welche besondere Aufgabe hattest du in diesem Amt?
Schaeffler Zeller Christian.jpeg

Auf den Vortänzer hören die anderen Schäffler. Er gibt den Takt an und bestimmt, wann nach jeder Figur die Nächste kommt. Welche Figuren habt ihr getanzt? Magst du sie kurz erklären?
Nach dem Einmarsch gibt es die Schlange. Sie soll einen Lindwurm darstellen, der die Pest über die Stadt verbreitet haben soll. Die Laube soll die Angst vor dem Tod darstellen. Sie haben sich damals in ihre Häuser zurückgezogen. Wir Tänzer rücken bei dieser Figur ganz eng zusammen.
Das Kreuz soll den Glauben und die Hoffnung symbolisieren. Ein ganz besonderes Symbol ist die Krone. Sie symbolisiert die Herrschaft.
Wenn sich die Schäffler in kleine Gruppen formieren, drehen sie sich in vier kleinen Kreisen ineinander. Hier soll gezeigt werden, dass das Leben nach der Seuche weitergeht, indem sich die vier Kreise wie Zahnräder drehen.
Dann gibt es noch das Changieren. Hier trägt jeder Schäffler einen eigenen Buchsbogen in der Hand und tanzt den anderen Schäfflern zweimal zu. Hier soll gezeigt werden, wie sich die Menschen damals wieder begrüßt haben, nachdem sie dem „schwarzen Tod“ entkommen sind. Hier wird die Lebensfreude ganz deutlich gezeigt. Drei Tänzer in der Mitte klopfen auf das Fass, sie erinnern daran, dass auch die Arbeit wieder zum Lebensalltag gehörte.
Jede Figur endet immer im Kreis. Dann war es mein Part zu sagen, wann es weiter geht. Was war deine Lieblingsfigur?
Die Schlange war am besten. Sie war einfach zu lernen aber schaut sehr kompliziert aus. Die Krone ist das Highlight für die Zuschauer.

Kannst du eure Kleidung beschreiben?
Wir haben eine rote Jacke mit breitem Silberstreifen getragen. Außerdem hatte jeder Schäffler eine grüne Schlegelkappe, eine schwarze Schleife, die die Pest symbolisieren soll und eine Schärpe mit dem Wappen von Dinkelscherben.
Ich als Vortänzer hatte sogar zwei Silberstreifen.

Was waren ganz besondere Highlights in der Schäfflersaison? Warum hast du mitgemacht? Als Dinkelscherbener Junge muss man einfach einmal bei den Schäfflern dabei gewesen sein. Für Außenstehende ist das teilweise schwer zu verstehen, aber in dieser Zeit hat man einfach Narrenfreiheit in Dinkelscherben. Der Zusammenhal der Schäffler ist einzigartig. Sogar ehemalige Schäfller, die schon über 50 Jahre alt sind, schwärmen noch von ihrer Zeit als Schäffler. Diesen Winter war es extrem kalt, fast immer -20°C. Viele waren nach dieser Zeit richtig krank, aber es war trotzdem ein einmalig.
Highlights an sich gibt es nicht, es waren einfach viel zu viele ganz tolle Erlebnisse. Bereits bei den Proben, die seit September stattgefunden haben, wurde viel gelacht. Der Schäfflerball war natürlich auch einmalig genauso wie das Feiern der Schäffler bei jeder Gelegenheit. Ein Schäffler hat seinen Wohnsitz extra von Anried, einem Ortsteil von Dinkelscherben, nach Dinkelscherben verlegt, um mitmachen zu können. Was ist am Dinkelscherbener Schäfflertanz speziell?
Wir haben eine etwas andere Musik als bei anderen Schäfflern. Sie ist viel zügiger. Seit dem Krieg ist die Musik der Dinkelscherbener Schäffler verloren gegangen, daher wurde eine eigene Musik von einem Dinkelscherbener Bürger komponiert.
Ein ganz besonderes Ereignis war im Jahr 1984: Ein Schäffler hat seine Hochzeit auf den Aschermittwoch verlegt, dass er während der Schäfflersaison noch ledig ist und somit mittanzen durfte.

Die Zeit nach dem Schäfflertanz – was ist noch übrig geblieben?
Natürlich zum einen ganz viele schöne Erinnerungen. Einmal im Monat treffen wir uns noch zum Schäfflerstammtisch. Sogar von 1974 existiert noch so ein Stammtisch. Wie man sieht besteht die Schäfflergemeinschaft lange fort. Des Weiteren sind Ausflüge zu anderen Schäfflertänzen, wie beispielsweise Murnau oder Nonnenhorn für 2013 geplant. Auch zum Skifahren und zum Party machen treffen sich die Schäffler des Öfteren.


Vielen Dank für die tollen Eindrücke und Erzählungen und für das Interview!

</div>

Quellen

Gewährsperson

  • Zeller, Christian

Literatur

  • Kalb Andreas und Michael: Der Schäfflertanz 2012 in Dinkelscherben, 2012, Dinkelscherben.

Kommentare


blog comments powered by Disqus



Diese Seite wurde zuletzt am 12. Mai 2017 um 08:10 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 21.354-mal abgerufen (to Cache).